Ittners österreichische Freunde (II): Neonazi durchgerutscht!

Gerhard Ittner hat ein klares ideologisches Profil: ein Nationalsozialist, Antisemit und Hitlerist der alten Schule, der kein Geheimnis aus seiner Gesinnung macht. Niemand kommt wohl auf die Idee, sich mit Ittner auf Facebook zu befreunden, ohne sich mit seiner Gesinnung angefreundet zu haben. Und wenn es dem Pressesprecher der Wiener FPÖ passiert? Dann ist der Neonazi einfach „durchgerutscht“.

Der „Kurier“ berichtet in seiner Print-Ausgabe vom 21.9. 2012 unter dem Titel „Die Blauen in der Facebook-Falle“ über die seltsame Facebook-Freundschaft des Pressesprechers der Wiener FPÖ, Stefan Gotschacher, mit Gerhard Ittner, dem deutschen Nazi.

Gotschacher ist seit Anfang 2011 Pressesprecher der Wiener FPÖ. Auf seinem FB-Konto bezeichnet er sich als Pressesprecher von Johann Gudenus, dem Klubobmann der FPÖ im Wiener Gemeinderat. Wie auch immer: bis vor zwei Tagen war Gotschacher einer von rund 600 FB „Freunden“ Ittners, nach der „Kurier“-Anfrage wurde die Freundschaft beendet.

Dem „Kurier“ erklärt Gotschacher, dass er Ittner gar nicht kenne. Wahrscheinlich sei ihm eine Freundschaftsanfrage „durchgerutscht“, die nicht hätte durchrutschen sollen: „Bei mehr als 1500 ‚Freunden‘ könne das passieren“ (Kurier, 21.9.2012).

Tja, ein echtes Problem, wenn man so viele Freunde hat, die einem weitere „Freunde“ vorschlagen, die man akzeptiert, weil man den „Freunden“ vertraut! Vor allem, wenn man „Freunde“ hat, die auch mit Ittner befreundet sind! Oder Freunde wie Stefan A., ein FPÖ-Fan, der 2010 seine Postings noch mit „stolze GrüSSe“ unterzeichnete. Oder Andreas H., der sein Pinnwand-Foto mit dem Button „Nationaler Widerstand“ verzierte.

Gotschacher ist wirklich mit vielen befreundet. Auch mit NPD-Funktionären – aber vermutlich sind auch die „durchgerutscht“.

Allerdings wären da noch seine Postings und „Aktivitäten“ auf Facebook. Bei den Postings von Gotschacher ist dem „Kurier“ eines über das „neue Lied“ vom Tanzorchester Immervoll ins Auge gesprungen. Das ist der Alias-Name der Neonazi-Band „Landser“. Gotschacher will auch das nicht gewusst haben: “Als mich ein Bekannter darauf aufmerksam gemacht hat, habe ich das Lied gelöscht“. Gottseidank hat der Gotschacher auch solche Freunde!

Das Hetzfoto über Justizministerin Karl „Diese Person (ÖVP) schützt Kinderschänder“ ist dem überforderten Pressesprecher vermutlich auch „durchgerutscht“.

Und natürlich hat Gotschacher auch nicht geahnt, dass das Foto und die Parole „Gute Heimreise“, die er geteilt hat, von der NPD stammen. Aber ist nicht die NPD eine „Heimatpartei“ wie die FPÖ?


Links Gotschacher Facebook-Eintrag; Rechs: Das NPD-Plakat

Warum soll es da Distanz geben? Schließlich „gefällt“ Gotschacher auch „Micha Freiheitsjunkie Schäfer“, der Chef der Jungnazis Junge Nationaldemokraten.

Und die Seite „Heimatverbunden“, eine braune Neuentdeckung übrigens, bei der Österreich auf einer Karte dem Deutschen Reich zugeschlagen wird.

Der Pressesprecher der FPÖ wird möglicherweise auch dafür „Durchrutscher“ verantwortlich machen. Als er im Juli auf den Fall des FPÖ- Sicherheitsreferenten Gerald Ziehfreund angesprochen wurde, fiel ihm allerdings keine Ausrede ein, sondern nur eine Drohung: „Wenn Mitarbeiter von uns angegriffen werden, seid ihr auch Freiwild für uns“.

Wir sind nur mäßig gespannt, was der FPÖ zu Gotschacher einfällt. Vermutlich nicht sehr viel. Hans Henning Scharsach, Verfasser des Buches „Strache – Im braunen Sumpf“ dazu: “Das ist symptomatisch für die FPÖ“ (Kurier, 21.9.2012).

Demnächst: Ittners österreichische Freunde (III)