Ein Toter mit Überraschungen

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Am 7. Juli 2012 fan­den in Bran­den­burg, Ber­lin und Nord­rhein-West­fa­len Raz­zi­en gegen Neo­na­zis statt. Auf­trag­ge­ber war die Staats­an­walt­schaft Neu­rup­pin, die wegen des Ver­dachts der Bil­dung einer bewaff­ne­ten Grup­pe ermit­tel­te. Der Ver­dacht hat­te sei­nen Aus­gangs­punkt bei Jörg Lan­ge, der im März tot in einer Pen­si­on auf­ge­fun­den wur­de – neben ihm Waf­fen und Muni­ti­on. Und was hat das mit den Alpen-Donau-Nazis zu tun?

Am 22. März wur­de im „Wei­ßen Haus“, einer Pen­si­on in der klei­nen Gemein­de Herz­berg in Bran­den­burg, ein Toter gefun­den. Der Not­arzt stell­te kei­ne Spu­ren von Gewalt fest, „offen­bar war der Mann an den Fol­gen eines Herz­in­farkts gestor­ben“. Der Poli­zei, die nach dem Not­arzt ein­traf, fiel aller­dings ein Mili­tär­ruck­sack neben dem Toten auf. Dar­in: eine schuss­be­rei­te 7,64mm-Pistole, ein umge­bau­ter US-Kara­bi­ner und rund 300 Patro­nen unter­schied­li­chen Kali­bers. Bei dem Toten han­del­te es sich um Jörg Lan­ge (45), einen Neo­na­zi, der sich wie öster­rei­chi­sche Neo­na­zis auch im Jugo­sla­wi­en-Krieg als Söld­ner für kroa­ti­sche Mili­zen ver­dingt hat­te. Den Toten auf­ge­fun­den hat­te der Ber­li­ner Jan G.. Er war mit Lan­ge in der Pen­si­on ver­ab­re­det gewe­sen und hat­te, nach­dem die­ser nicht öff­ne­te, die Tür auf­ge­bro­chen, den Toten ent­deckt und den Not­arzt ver­stän­digt. Auch Jan G. ist ein Neo­na­zi aus der Ber­li­ner Szene.

Jörg Lan­ge und Jan G. hat­ten sich schon vor­her in der Pen­si­on getrof­fen. Bespro­chen wur­de dabei der Umbau der Pen­si­on zu einem „Schu­lungs­zen­trum“. Im Früh­jahr 2012 hat­te eine Frau das 4500 Qua­drat­me­ter gro­ße Anwe­sen, das Büros, Tagungs­räu­me und Gäs­te­zim­mer umfasst, gepach­tet. Bei der Frau han­del­te es sich um die Lebens­ge­fähr­tin des bekann­ten Neo­na­zi Mein­olf Schön­born, und so war die Ver­mu­tung nahe­lie­gend, dass in dem „Schu­lungs­zen­trum“ ein­schlä­gig brau­ne Schu­lun­gen geplant waren. Schön­born war in den 1990er-Jah­ren Chef der mili­tan­ten „Natio­na­lis­ti­schen Front“, die die Auf­stel­lung para­mi­li­tä­ri­scher Ein­hei­ten geplant hat­te und 1992 ver­bo­ten wurde.

In der Pen­si­on wur­den in einem von Lan­ge genutz­ten Büro dann auch Flug­blät­ter der Grup­pe „Neue Ord­nung“ von Mein­olf Schön­born, eine schuss­si­che­re Wes­te, Schlag­stö­cke und ein Nazi-Dolch gefunden.


Schön­born und das Cover von „Recht und Wahrheit”

Den Wider­spruch, dass die Muni­ti­on, die beim toten Lan­ge gefun­den wur­de, nicht zu sei­nen Waf­fen pass­te, woll­ten die Ermitt­lungs­be­hör­den über die Haus­durch­su­chun­gen im Juli klä­ren. Gefun­den wur­den dabei aber nur Luft­druck­ge­weh­re und Schreck­schuss­pis­to­len. Über den der­zei­ti­gen Stand der Ermitt­lun­gen wegen des Ver­dachts der Bil­dung einer bewaff­ne­ten Grup­pe ist nichts bekannt.

Lan­ge, Jan G. und Mein­olf Schön­born kann­ten sich schon aus den Zei­ten der „Natio­na­lis­ti­schen Front“. Der ver­stor­be­ne Lan­ge, der für Flug­blät­ter der „Neu­en Ord­nung“ ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, war in der Neo­na­zi-Sze­ne nicht nur wegen sei­ner Kampf­erfah­run­gen als Söld­ner bekannt, son­dern auch, weil er als Com­pu­ter­fach­mann galt. Sei­ne Auf­ga­be im „Schu­lungs­zen­trum“, so Schön­born, wäre es gewe­sen, die Leu­te in Sachen Com­pu­ter und Netz­wer­ke zu schu­len. Schon mög­lich, aber braucht man dafür Waffen?

Lan­ge wird von der Ham­bur­ger Staats­an­walt­schaft aber auch ver­däch­tigt, gemein­sam mit Robert M., dem Kryp­to­gra­fie-Spe­zia­lis­ten, und Micha­el J., dem deut­schen Bur­schen­schaf­ter, an der Betreu­ung von Alpen-Donau betei­ligt gewe­sen zu sein. In wel­cher Funk­ti­on, dazu gibt es im Unter­schied zu Micha­el J., der als Admi­nis­tra­tor „Lan­ge­marck“ im Forum iden­ti­fi­ziert wur­de, der­zeit kei­ne Erkenntnisse.