Strache und die Ratten

Der Inns­bru­cker Hote­lier August Penz rech­net in einem lesens­wer­ten Inter­view mit der „Zeit“ (Pay­wall!) mit der FPÖ ab. Der Spit­zen­kan­di­dat der FPÖ bei den Inns­bru­cker Gemein­de­rats­wah­len im Früh­jahr 2012 hat wegen des Pla­kat­s­pruchs „Hei­mat­lie­be statt Marok­ka­ner-Die­be“ vor kur­zem eine Ankla­ge wegen Ver­het­zung erhalten.

Im Gemein­de­rats­wahl­kampf hat Penz zunächst noch behaup­tet, dass der Hetz­spruch von ihm stam­me. Nach weni­gen Tagen und eini­gen öffent­li­chen Pro­tes­ten ließ er Anfang April die Pla­ka­te ent­fer­nen und ent­schul­dig­te sich dafür. Im Inter­view mit der „Zeit“ macht Penz öffent­lich, wie ihn Stra­che in den kri­ti­schen Tagen (vor der Abnah­me der Pla­ka­te) unter­stütz­te: „Am 31. März hat er mir etwa geschrie­ben: (holt sein Han­dy her­aus und liest vor): ‚Lass dich von den Rat­ten nicht irri­tie­ren.’“ (Die Zeit)

Auch wenn es sich hier um eine per­sön­li­che Mit­tei­lung han­delt: Sie offen­bart Stra­ches Hal­tung. Nicht zum ers­ten Mal, denn schon bei den Wie­ner Gemein­de­rats­wah­len wur­den im FPÖ-Comic „Sagen aus Wien“ die „Lin­ken“ als bekiff­te Rat­ten dargestellt.


Das Welt­bild des Hein­rich Stra­che: Miss­lie­bi­ge Men­schen als Rat­ten bezeich­nen (Fak­si­mi­le der Web­site „hcstrache.at”)

Den poli­ti­schen Geg­ner als Schäd­lin­ge wie Rat­ten, Zecken, Läu­se oder noch ärger als „unnüt­ze Wirts­völ­ker“ zu denun­zie­ren, war der Nazi-Pro­pa­gan­da vor­be­hal­ten. Wen meint Stra­che mit den „Rat­ten“? Die poli­ti­schen Geg­ner oder ein „Wirts­volk“, das sich vom „Volks­kör­per“ nährt?

Zurück zu Penz. Der rech­net im Inter­view nicht nur mit Stra­che, son­dern mit der FPÖ ins­ge­samt ab. Den Pla­kat­s­pruch bezeich­net er klar als „ras­sis­tisch“ und schreibt ihn der FPÖ-Zen­tra­le, im Kon­kre­ten Gene­ral­se­kre­tär Her­bert Kickl zu. In der FPÖ wer­de Ras­sis­mus und Pro­vo­ka­ti­on betrie­ben, um damit Stim­men zu maximieren.

ZEIT: Ist die FPÖ die Par­tei der Anständigen?
Penz: Nein, über­haupt nicht. Wenn es um Kor­rup­ti­on geht, sind die Grü­nen offen­bar die ein­zig unbe­schä­dig­te Par­tei, wie wir der­zeit sehen. Aber auch im Umgang mit­ein­an­der ist die FPÖ eine höchst unan­stän­di­ge Par­tei.
(Die Zeit)