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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Mélange KW 12/22

Zwei Chat­grup­pen mit viel Nazi-Con­tent sind durch eine anony­me Anzei­ge auf­ge­flo­gen: Mit dabei war ein Poli­zist, der des­we­gen in der letz­ten Woche vor Gericht stand. Ein lan­ge gehü­te­tes Geheim­nis wur­de nun gelüf­tet: Mehr als 140.000 Euro gin­gen aus blau ver­wal­te­ten Res­sorts der ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­re­gie­rung an die Wer­be­agen­tur des Rechts­extre­men Ste­fan Magnet.

28. März 2022
Rückblick
Rückblick

Bez. Oberwart/B: Braune Chatgruppen mit Justizwache-Beteiligung
Wien: Identitäre vor Gericht

Innsbruck: Schüsse, aber keine Waffen, dafür NS-Propagandamaterial
Wien: Braunes Zoom-Bombing
FPÖ OÖ: Landesgelder für Stefan Magnets Werbeagentur

 

Bez. Oberwart/B: Braune Chatgruppen mit Justizwache-Beteiligung

Zwei brau­ne Whats­App-Chat­grup­pen aus dem Bur­gen­land mit stei­ri­scher und Wie­ner Betei­li­gung beschäf­ti­gen Exe­ku­ti­ve und Jus­tiz. Wobei die Exe­ku­ti­ve auch durch jeman­den aus der Exe­ku­ti­ve beschäf­tigt ist, denn eine der Grup­pen, jene mit Namen „Schüt­zen­ver­ein Roten­turm“, ist von einem 37-jäh­ri­gen Jus­tiz­wa­che­be­am­ten gegrün­det wor­den. Der stand dafür in der letz­ten Woche vor Gericht. In der Grup­pe habe er sich zu ein­schlä­gi­gen Pos­tings „hin­reis­sen“ las­sen. Der­ma­ßen hin­ge­ris­sen „teil­te er ein Bild, auf dem drei Mäd­chen zu sehen sind, die den soge­nann­ten Hit­ler­gruß aus­füh­ren“ (bvz.at 26.3.22), einen Glück­wunsch zu Hit­lers Geburts­tag und wei­te­re Pos­tings die­ser Ton­art. Ins­ge­samt waren sechs Pos­tings, die auf das Kon­to des Beam­ten gehen, angeklagt.

Der Jus­tiz­wa­che­be­am­te war auch Mit­glied einer zwei­ten Grup­pe, in der eben­falls Pos­tings mit natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Inhal­ten geteilt wur­den. Der Ange­klag­te ern­te­te dafür einen Schuld­spruch mit nicht rechts­kräf­ti­gen zwölf Mona­ten bedingt und einer unbe­ding­ten Geld­stra­fe über 3.600 Euro.

Ermit­telt wird nach einer anony­men Anzei­ge seit etwa zwei Jah­ren laut Kro­nen Zei­tung gegen 20 bis 30 Beschul­dig­te – aus­schließ­lich Per­so­nen, die aktiv straf­ba­re Inhal­te geteilt hat­ten.  „Laut der Anzei­ge soll es bei einer Geburts­tags­fei­er auch zum Hit­ler­gruß gekom­men sein, wovon ein Video exis­tie­ren soll. Ob es die­se Fei­er gab und ob an dem Vor­wurf etwas dran ist, ist noch Teil der Ermitt­lun­gen.“ (krone.at)

Wien: Identitäre vor Gericht

Jene drei Iden­ti­tä­ren, die im Juni 2021 Zuge der Regen­bo­gen­pa­ra­de Hetz­flug­blät­ter von einem Bau­ge­rüst gewor­fen hat­ten, muss­ten ihre ers­te Run­de vor Gericht absol­vie­ren. Dort gaben die „Jun­gen mit der alten Geis­tes­hal­tung“ (krone.at, 21.3.22) ihre Ansich­ten zum Bes­ten, sodass die Rich­te­rin frag­te: „Sie haben lie­ber Mili­tär­pa­ra­den, gell?“ Der Pro­zess wur­de wegen das Aus­falls von Zeu­gen vertagt.

Innsbruck: Schüsse, aber keine Waffen, dafür NS-Propagandamaterial

Ein 24-Jäh­ri­ger rief in Inns­bruck die Poli­zei, weil er mein­te, von zwei Pro­jek­ti­len eines Luft­druck­ge­wehrs oder einer Soft­gun getrof­fen wor­den zu sein. Er gab an, aus wel­chem Fens­ter einer Woh­nung geschos­sen wor­den sei. 

Die Beam­ten bega­ben sich zur betref­fen­den Woh­nung und die Ein­satz­kräf­te der „SIG” konn­ten dort in wei­te­rer Fol­ge einen 51-jäh­ri­gen Öster­rei­cher als Tat­ver­däch­ti­gen fest­neh­men. Bei einer anschlie­ßen­den Durch­su­chung konn­te kei­ne Luft­druck­waf­fe oder ähn­li­ches vor­ge­fun­den wer­den, jedoch wur­den Gegen­stän­de, die der Ver­brei­tung von natio­nal­so­zia­lis­ti­schem Gedan­ken­gut die­nen, auf­ge­fun­den und sicher­ge­stellt wer­den. (LPD Tirol via regionews.at, 23.3.22)

Der 51-Jäh­ri­ge wur­de auf frei­em Fuß angezeigt.

Wien: Braunes Zoom-Bombing

Es war letz­te Woche nicht das ers­te Mal in Öster­reich, das ein öffent­li­ches Zoom-Mee­ting dazu genützt wur­de, um mit NS-Inhal­ten eine Ver­an­stal­tung zu stö­ren bzw. über­haupt zu cra­shen. 

Im Jän­ner 2021 stör­te ein Neo­na­zi einen Zoom-Live­talk des Kunst­his­to­ri­schen Muse­ums, im April 2021 wur­den wäh­rend einer Online-Ver­an­stal­tung des Salz­bur­ger Ste­fan Zweig Zen­trums Haken­kreu­ze ein­ge­blen­det (vgl. Salz­bur­ger Nach­rich­ten, 14.4.21, S. 4), nun traf es das Volkskundemuseum.

Wäh­rend der Podi­ums­dis­kus­si­on „Auf­ste­hen gegen Ras­sis­mus – Was tun gegen Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung in der Schu­le?“ im Wie­ner Volkskundemuseum

„beka­men die Zuschau­er zu Hau­se etwas ande­res zu sehen. „Es begann gleich mit Tech­no­mu­sik, zu der jemand immer wie­der Beschimp­fun­gen geru­fen hat. Dann wur­de auch der Screen über­nom­men und jemand hat live Obs­zö­ni­tä­ten und Haken­kreu­ze gemalt“, schil­dert eine Teil­neh­me­rin. (Kro­nen Zei­tung, 26.3.22, S. 28)

Das Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ermit­telt nun anhand der Screen­shots aus dem Meeting.

FPÖ OÖ: Landesgelder für Stefan Magnets Werbeagentur

Dass die angeb­lich gemä­ßig­te ober­ös­ter­rei­chi­sche FPÖ unter Man­fred Haim­buch­ner rechts­extre­me Medi­en för­dert, ist nicht neu. Dass sie es auch aus der Lan­des­re­gie­rung her­aus mit öffent­li­chen Gel­dern tut und dass aus­ge­rech­net die Agen­tur von Ste­fan Magnet, Ex-Kader des neo­na­zis­ti­schen BFJ, ali­men­tiert wur­de, mach­te im Herbst 2021 das „pro­fil“ publik. Aber weder die kon­kre­ten Auf­trag­ge­ber noch die Auf­trags­sum­men waren zu erfahren.

Nun lüf­te­te der VP-Lan­des­haupt­mann Stel­zer in der Beant­wor­tung einer Anfra­ge des Neos-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Felix Eypel­tau­er das lan­ge gehü­te­te Geheim­nis. 140.492 Euro gin­gen seit 2015 über Auf­trä­ge aus blau­en Res­sorts an Magnet. „Die höchs­ten davon aus jenen der ehe­ma­li­gen Lan­des­rä­te Elmar Pod­gor­schek (53.000 Euro) und Wolf­gang Klin­ger (44.238 Euro). Aus dem Res­sort von Lan­des­haupt­mann­stell­ver­tre­ter Man­fred Haim­buch­ner flos­sen 34.674 Euro an die Agen­tur, aus jenem von Lan­des­rat Gün­ther Stein­kell­ner 8.580 Euro.” (derstandard.at, 25.3.22)

Seit Jah­ren ver­wei­gert die OÖ. Lan­des­re­gie­rung Abge­ord­ne­ten und Journalist_innen die Info, wie viel Geld an den rechts­extre­men Ste­fan Magnet floss. Jetzt hat LH Stel­zer mei­ne münd­li­che ANF danach schrift­lich beant­wor­tet. Sum­men ab 2015: pic.twitter.com/297RRtwj6I

— Felix Eypel­tau­er (@FelixEypeltauer) March 24, 2022

Dass just aus dem Res­sort des 2019 abge­tre­te­nen Lan­des­rats Elmar Pod­gor­schek die höchs­te Sum­me gekom­men ist, ver­wun­dert nicht wei­ter, denn: Mann kennt sich schon lange.

Podgorschek, Küssel, Magnet, Budin beim Palm-Gedenken 2006 Braunau
Pod­gor­schek, Küs­sel, Magnet, Budin beim Palm-Geden­ken 2006 Braunau

Hal­ten wir zusam­men­fas­send fest: Die FPÖ Ober­ös­ter­reich füt­tert aus Par­tei- und öffent­li­chen Gel­dern eine der Füh­rungs­fi­gu­ren einer ehe­ma­li­gen neo­na­zis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on, der zuletzt über AUF1 bekräf­tig­te, kei­ner­lei Absich­ten zu haben, sich vom Rechts­extre­mis­mus zu distanzieren.

AUF1/Magnet: keine Distanz zum Rechtsextremismus
AUF1/Magnet: kei­ne Distanz zum Rechtsextremismus

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Schlagwörter: AUF1 | Burgenland | FPÖ | Hitlergruß | Identitäre | Neonazismus/Neofaschismus | Oberösterreich | Polizei | Rechtsextremismus | Tirol | Verbotsgesetz | Verhetzung | Wiederbetätigung | Wien

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