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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange KW 25/24 (Teil 1): Hakenkreuze, Rassismus & die FPÖ

Letz­te Woche: Haken­kreu­ze von Wien bis nach Kärn­ten, ras­sis­ti­sche Grö­le­rei­en und ein rechts­extre­mes Ban­ner bei der Fuß­ball-EM. Wäh­rend das Salz­bur­ger Mozar­te­um über ihre Nazi-Ehren­mit­glie­der nach­den­ken will, „orba­ni­siert“ sich die Wie­ner Modul-Uni zuneh­mend, was Wider­stand im Per­so­nal her­vor­ruft. Stra­che-Chats zei­gen, wie die FPÖ als „Ombuds­stel­le für Rei­che und Mäch­ti­ge“ fungierte.

24. Juni 2024
Rückblick
Rückblick

Wien-Brigittenau: Hakenkreuz geritzt
Wien-Donaustadt: Hakenkreuz geschmiert
St. Stefan/K: Hakenkreuz gesprüht
Erlauf/NÖ: Rassistische Grölerei
Berlin: Rechtsextremes Banner im Österreich-Sektor bei Fußball-EM
Salzburg: Nazi-Künstler rot markiert
Wien-Döbling: Keine Regenbogenfahne an der Modul-Uni
Wieder einmal Strache-Chats: die FPÖ als „Ombudsstelle für Reiche und Mächtige“

 

Wien-Brigittenau: Hakenkreuz geritzt

Ein bis­lang unbe­kann­ter Mann steht im Ver­dacht am 22.04.2024 um 12:30 Uhr mit einem spit­zen Gegen­stand ein Haken­kreuz in die Haus­mau­er eines Gebäu­des der israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de geritzt zu haben.
Der Mann trug eine brau­ne Jacke, blaue Jeans, schwarz/weiße Schu­he, einen schwar­zen Ruck­sack und eine schwar­ze Kap­pe. (LPD Wien zit. nach news.feed-reader.net, 17.6.24)

Die Poli­zei ver­öf­fent­lich­te nun Fahn­dungs­fo­tos.

Wien-Donaustadt: Hakenkreuz geschmiert

Drei Jugend­li­che im Alter von zwölf bis 14 Jah­ren haben am 16.6.24 zwei benach­bar­te Bau­stel­len in Wien-Donau­stadt ver­wüs­tet. Sie beschä­dig­ten Bau­ma­te­ria­li­en, beschmier­ten Wän­de und Decken mit flüs­si­gem Teer und beschä­dig­ten ein Bau­fahr­zeug. Ein erheb­li­cher Sach­scha­den entstand.

Auf­grund eines an eine Wand geschmier­ten Haken­kreu­zes wur­de das Lan­des­amt Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung ein­ge­schal­tet. Die Jugend­li­chen wur­den wegen schwe­rer Sach­be­schä­di­gung und nach dem Ver­bots­ge­setz ange­zeigt. Ermitt­lun­gen lau­fen wei­ter. (Quel­le: kurier.at, 18.6.24)

St. Stefan/K: Hakenkreuz gesprüht

Unbe­kann­te haben in St. Ste­fan im Lavant­tal einen BMW beschä­digt und ein – aller­dings ver­kehr­tes – Haken­kreuz dar­auf gesprüht. Der Vor­fall, der zwi­schen dem 6. und 10. Juni statt­fand, wur­de auf Face­book publik gemacht. Neben dem Haken­kreuz wur­den auch der Rück­spie­gel, ein Rei­fen und die hin­te­re Stoß­stan­ge beschä­digt, was zu einem Scha­den von rund 5.000 Euro führ­te. Die Staats­an­walt­schaft hat Ermitt­lun­gen u.a. nach dem Ver­bots­ge­setz ein­ge­lei­tet. (Quel­le: Unter­kärnt­ner Nach­rich­ten, 19.6.24, S. 7)

Erlauf/NÖ: Rassistische Grölerei

Beim Erlau­fer Feu­er­wehr­fest Anfang Juni stimm­te eine Grup­pe „Aus­län­der raus“ an, als Gigi D’A­gos­ti­nos Melo­die gespielt wurde:

Ein 14 Sekun­den lan­ger Video­aus­schnitt, der den „NÖN“ zuge­spielt wur­de, zeigt eine Grup­pe Fei­ern­der im Fest­zelt des Erlau­fer Feu­er­wehr­fes­tes Anfang Juni. Im Hin­ter­grund läuft Gigi d’Agostinos Par­ty­hit „L’amour tou­jours“, zu des­sen Melo­die eini­ge Anwe­sen­de die Paro­len „Aus­län­der raus“ grö­len. Als der DJ die Musik lei­ser macht, sind die ras­sis­ti­schen Wor­te deut­lich zu hören. (noe.orf.at, 18.6.24)

Der Lan­des­feu­er­wehr­ver­band NÖ distan­ziert sich klar und rät den Feu­er­weh­ren, den Song nicht mehr zu spie­len. Das Lan­des­amt Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung hat Ermitt­lun­gen auf­ge­nom­men. Anfang Juni war bekannt­ge­wor­den, dass es beim gro­ßen Faschings­um­zug in Möd­ling im Febru­ar eben­falls zu einer ras­sis­ti­schen Grö­le­rei mit Gigi D“Agostinos Song gekom­men war.

Berlin: Rechtsextremes Banner im Österreich-Sektor bei Fußball-EM

Beim Match Öster­reich gegen Polen in Ber­lin im Rah­men der Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft wur­de kurz vor Spie­len­de für zwei Minu­ten im Sek­tor der öster­rei­chi­schen Fans ein Ban­ner „Defend Euro­pe“ hoch­ge­hal­ten. Die rechts­extre­me Paro­le ist dem Umfeld der iden­ti­tä­ren Bewe­gung zuzu­ord­nen. Der Öster­rei­chi­sche Fuß­ball­bund (ÖFB) distan­zier­te sich klar von der Aktion.

Fan­be­auf­trag­te hät­ten sofort im Sta­di­on ein­ge­grif­fen. Der ÖFB reagier­te am Sams­tag­früh auch mit einer Stel­lung­nah­me: „Natio­nal­team und Ver­band ste­hen ganz klar für Tole­ranz, Viel­falt und Inte­gra­ti­on in allen Berei­chen unse­rer Gesell­schaft. Het­ze­ri­sche Bot­schaf­ten wie die­se haben im Fan­sek­tor des Natio­nal­teams kei­nen Platz. (Tiro­ler Tages­zei­tung, 23.6.24)

Die Sport­nach­rich­ten-Sei­te Laola1.at (22.6.24) erwähnt im Kom­men­tar „Wider­li­che Bot­schaf­ten“ auch wei­te­re ras­sis­ti­sche Vor­fäl­le und resümiert:

Patrio­tisch auf­ge­la­de­ne Wett­be­wer­be wie eine Euro­pa­meis­ter­schaft zie­hen natio­na­lis­ti­sche, ras­sis­ti­sche, faschis­ti­sche, rechts­extre­me Orga­ni­sa­tio­nen an. Sie wol­len die Chan­ce nut­zen, um ihre Bot­schaf­ten unter die Leu­te zu brin­gen, ihre Ansich­ten und Sym­bo­le zu normalisieren.

Des­we­gen dür­fen all die­se Vor­fäl­le nicht ver­schwie­gen wer­den. Nie­mand darf und soll den Ein­druck ver­mit­teln, dass hier nichts Fal­sches pas­siert, dass das alles halb so schlimm ist.

Laola1.at (16.6.24) berich­tet auch aus­führ­lich zur War­nung von Fuß­ball­su­per­star Kyli­an Mbap­pe vor Ras­sis­mus und dem „Ras­sem­blem­ent Natio­nal“ vor dem Spiel Frank­reich gegen Öster­reich: „Das Spiel mor­gen ist extrem wich­tig, aber es gibt auch eine Situa­ti­on, die wesent­lich wich­ti­ger ist als die­ses Spiel.“

Der deut­sche Publi­zist Ruben Ger­ci­kow ver­öf­fent­lich­te auf X eine Samm­lung mit „rechts­extre­men und natio­na­lis­ti­schen Vor­fäl­len“ von den ers­ten Spieltagen.

Vie­len Dank für das Inter­es­se an der ande­ren Sei­te der #EM2024. Auch am zwei­ten Spiel­tag der Grup­pen­pha­se gab es wie­der rechts­extre­me und natio­na­lis­ti­sche Vor­fäl­le, die ein fried­li­ches Fuß­ball­fest unter­gra­ben. Daher folgt jetzt der nächs­te Thread. 1/9

— Ruben Ger­c­zi­kow (@RubenGerczi) June 23, 2024

Salzburg: Nazi-Künstler rot markiert

Eine Grup­pe von Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Mozar­te­um in Salz­burg hat sich im Rah­men eines doku­men­ta­ri­schen Thea­ter­pro­jekts kri­tisch mit der NS-Ver­gan­gen­heit der Uni­ver­si­tät aus­ein­an­der­ge­setzt. Im April 24 mar­kier­te die Grup­pe zehn Namen auf einer Tafel des Mozarteums.

Die Tafel mit den 25 Ehren­mit­glie­dern der Uni­ver­si­tät Mozar­te­um hängt pro­mi­nent im Foy­er der Salz­bur­ger Kunst-Uni, Adres­se Mira­bell­platz 1. Seit Mitt­woch­abend sind zehn die­ser Namen rot mar­kiert bezie­hungs­wei­se durch­ge­stri­chen. Unter den Mar­kier­ten fin­den sich bekann­te Namen wie Carl Orff, Her­bert von Kara­jan und Wil­helm Back­haus. (derstandard.at, 20.6.24)

Nach­dem zwei Namen – Her­bert von Kara­jan und Carl Orff – heim­lich von der Mar­kie­rung gesäu­bert wur­den, wie­der­hol­te die Grup­pe nun ihre Akti­on vor gro­ßem Publi­kum, das auf den Ein­lass zu Mozarts „Hoch­zeit des Figa­ro“ war­te­te. Die Akti­ons­grup­pe beton­te, dass es ihr nicht um „Can­cel Cul­tu­re“ gehe, son­dern um eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit der Vergangenheit.

Die Uni­ver­si­täts­lei­tung unter­stützt die Akti­on und betont die Not­wen­dig­keit einer his­to­ri­schen Auf­ar­bei­tung, ins­be­son­de­re ange­sichts des wie­der­erstar­ken­den Rechts­extre­mis­mus. Eine For­schungs­grup­pe arbei­te bereits seit über zwei Jah­ren an einer Neu­be­wer­tung der Ehrenmitgliedschaften.

Wien-Döbling: Keine Regenbogenfahne an der Modul-Uni

Im Vor­jahr hat das Mathi­as-Cor­vi­nus-Col­le­gi­um (MCC), eine finan­zi­ell üppig aus­ge­stat­te­te unga­ri­sche Pro­pa­gan­da-Insti­tu­ti­on von Vik­tor Orbáns Gna­den, die pri­va­te Modul-Uni­ver­si­tät am Wie­ner Kah­len­berg über­nom­men. Im Board der Modul-Uni sit­zen nicht nur pro­mi­nen­te Orbán-Ver­trau­te, son­dern vor­zugs­wei­se auch nach rechts abge­drif­te­te Wissenschafter*innen wie Jef­frey Sachs und der Todes­stra­fen­be­für­wor­ter Patrick Deneen.

Balasz Orbán, polit. Berater von Viktor Orbán, begrüßt u.a. Patrick Deneen und Jeffrey Sachs im Board der Modul-Uni (Screenshot X 13.5.23)
Balasz Orbán, polit. Bera­ter von Vik­tor Orbán, begrüßt u.a. Patrick Deneen und Jef­frey Sachs im Board der Modul-Uni (Screen­shot X 13.5.23)

Im Juni die­ses Jah­res berich­te­te das ZDF in einer Doku über Orbáns Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie über das MCC und den zuneh­men­den Ein­fluss auf die Wie­ner Modul-Uni. Der „Stan­dard“ (18.6.24) zitiert dar­aus einen Mit­ar­bei­ter, der anonym blei­ben wollte:

Kurz nach der Über­nah­me haben sich Leu­te mit recht extre­men und merk­wür­di­gen poli­ti­schen Ein­stel­lun­gen an der Uni­ver­si­tät bewor­ben, sich beim Ein­stel­lungs­ge­spräch gebrüs­tet, eine Pro-Putin- und eine Pro-Orbán-Hal­tung zu haben. Sol­che For­scher sind jetzt Lehr­kräf­te und unter­rich­ten und wur­den vom Dekan ein­ge­stellt.

Jüngs­ter Aus­fluss die­ser Rechts­ent­wick­lung ist das schrift­li­che Ver­bot der Uni­ver­si­täts­lei­tung im Pri­de Month eine Regen­bo­gen­fah­ne aus­zu­hän­gen: „Die Uni­ver­si­täts­lei­tung hat­te eine ent­spre­chen­de For­de­rung von Mit­ar­bei­ten­den expli­zit und schrift­lich abge­lehnt. Letz­te­re ver­mu­ten dahin­ter den Ein­fluss des neu­en Eigen­tü­mers der Uni­ver­si­tät – der dem unga­ri­schen Pre­mier­mi­nis­ter Vik­tor Orbán nahe­steht.“ (derstandard.at, 18.6.24)

Wieder einmal Strache-Chats: die FPÖ als „Ombudsstelle für Reiche und Mächtige“

Heinz-Chris­ti­an Stra­che, ehe­ma­li­ger Vize­kanz­ler Öster­reichs, lob­by­ier­te für die Unter­neh­mer Alo­is Weg­schei­der (Obi-Bau­märk­te) und Wal­ter Schie­fer (Dro­ge­rie­markt Mül­ler) in Ungarn. Chat­pro­to­kol­le, die der „Stan­dard” und die unga­ri­sche Wochen­zei­tung HVG aus­wer­te­ten, zei­gen, dass Stra­che sei­ne poli­ti­schen Kon­tak­te nutz­te, um den bei­den Unter­neh­mern bei der Rea­li­sie­rung ihrer Pro­jek­te zu hel­fen. Weg­schei­der woll­te einen Bau­markt in Debre­cen errich­ten, was durch das unga­ri­sche Pla­za-Stop-Gesetz erschwert wur­de. Stra­che inter­ve­nier­te bei unga­ri­schen Poli­ti­kern, dar­un­ter Minis­ter Ger­ge­ly Gulyás, um Geneh­mi­gun­gen zu erleich­tern. Auch Schie­fer such­te Stra­ches Unter­stüt­zung für ein Bau­pro­jekt in Buda­pest – genau­er: für ein Abrissprojekt.

Wäh­rend Stra­che in einer Stel­lung­nah­me mein­te, für öster­rei­chi­sche Unter­neh­men nur eine Gesprächs­ebe­ne nach Ungarn gelegt zu haben, gibt Weg­schei­der auf Rück­fra­ge durch den Stan­dard an, ohne­hin nicht inves­tiert zu haben. Jedoch:

Tat­säch­lich wur­den Obi-Märk­te in Ungarn nicht von Obi gebaut, son­dern nur gemie­tet. Jedoch war etwa die Inves­to­ren­fir­ma beim Obi-Markt in der Stadt Kis­kun­ha­las eine Fir­ma, die zwei Wochen nach Weg­schei­ders eupho­ri­scher SMS gegrün­det wur­de. Und einer ihrer Eigen­tü­mer ist ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter meh­re­rer Obi-Filia­len in Ungarn. (derstandard.at, 19.6.24)

Schie­fer war für den „Stan­dard“ trotz inten­si­ver Bemü­hun­gen nicht erreich­bar. Aber die Mül­ler-Grup­pe konn­te 2020 schließ­lich ver­mel­den, eine Abriss- und Bau­ge­neh­mi­gung für ein Pro­jekt im Stadt­teil Pest zu haben, aus dem Luxus­woh­nun­gen und ein Mül­ler-Markt ent­ste­hen sollen.

Die Stan­dard-Jour­na­lis­tin Colet­te Schmidt fasst die Stra­che-Chats tref­fend zusammen:

Wie man aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren weiß, gibt es auch genug kom­pro­mit­tie­ren­de Chats bei der ÖVP. Doch kei­ne Par­tei stellt sich so pene­trant als jene des „klei­nen Man­nes” hin, wäh­rend sie in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung eine rund um die Uhr erreich­ba­re Ombuds­stel­le für Rei­che und Mäch­ti­ge war. (derstandard.at, 19.6.24)

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