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Akif Pirinçci zu unbedingter Haft verurteiltLesezeit: 4 Minuten

Zu einem uner­müd­li­chen ras­sis­ti­schen Het­zer aus Deutsch­land und sei­nen öster­rei­chi­schen Freun­den. Im Jahr 1989 wur­de Akif Pirin­çci mit dem Kri­mi­nal­ro­man „Feli­dae“, in dem eine Kat­ze als Detek­tiv agiert, einem Mil­lio­nen­pu­bli­kum bekannt. Das Buch wur­de in 17 Spra­chen über­setzt, wei­te­re Best­sel­ler sowie erfolg­rei­che Ver­fil­mun­gen folg­ten. Lan­ge galt Pirin­çci, des­sen Fami­lie aus der Tür­kei nach Deutsch­land migrierte, […]

20. Feb 2024

Im Jahr 1989 wur­de Akif Pirin­çci mit dem Kri­mi­nal­ro­man „Feli­dae“, in dem eine Kat­ze als Detek­tiv agiert, einem Mil­lio­nen­pu­bli­kum bekannt. Das Buch wur­de in 17 Spra­chen über­setzt, wei­te­re Best­sel­ler sowie erfolg­rei­che Ver­fil­mun­gen folg­ten. Lan­ge galt Pirin­çci, des­sen Fami­lie aus der Tür­kei nach Deutsch­land migrier­te, als er ein Klein­kind war, als einer der inter­na­tio­nal erfolg­reichs­ten deutsch­spra­chi­gen Schriftsteller.

Dane­ben betreibt der 64-Jäh­ri­ge den Hetz- und Des­in­for­ma­ti­ons­blog „Der klei­ne Akif“, in dem er sei­nem unver­blüm­ten Ras­sis­mus frei­en Lauf lässt. Anfang Febru­ar wur­de Pirin­çci durch das Bon­ner Amts­ge­richt zu neun Mona­ten Haft ohne Bewäh­rung ver­ur­teilt. Der Rich­ter wer­te­te Pas­sa­gen aus dem Blog als volks­ver­het­zend. Das har­te Urteil rührt von Pirin­çcis lan­ger Vor­ge­schich­te: Er wur­de bereits mehr­fach wegen Ver­het­zung und auch zivil­recht­lich wegen Schmäh­kri­tik ver­ur­teilt. Zum Zeit­punkt des letz­ten Urteils­spruchs stand er noch unter lau­fen­der Bewäh­rung. Nach dem neu­en, nicht rechts­kräf­ti­gen Urteil droht ihm, dass er nun tat­säch­lich hin­ter Git­ter muss.

Zweite Karriere als rechter Demagoge

Pirin­çcis Kar­rie­re als rech­ter Dem­ago­ge kam ab dem Jahr 2012 in Schwung. Er ver­öf­fent­li­che homo­pho­be und ras­sis­ti­sche Arti­kel in ein­schlä­gi­gen Medi­en wie der rechts­li­ber­tä­ren Zeit­schrift „eigen­tüm­lich frei“, dem „neu­rech­ten“ Tra­di­ti­ons­blatt „Jun­ge Frei­heit“ und auch im Blog von Kubit­scheks „Sezes­si­on“. Ab 2014 trat er bei Bur­schen­schaf­ten und AfD-Ver­an­stal­tun­gen als Red­ner auf, zudem ver­öf­fent­lich­te er im rech­ten „Manufactum“-Verlag sein ers­tes „Sach­buch“, die Schmäh­schrift „Deutsch­land von Sin­nen: Der irre Kult um Frau­en, Homo­se­xu­el­le und Zuwan­de­rer“, das zu einem Ver­kaufs­er­folg wur­de. Berühmt wur­de sei­ne unfass­ba­re Hass­re­de im Okto­ber 2015 bei der Ein­jah­res­fei­er von Pegi­da in Dresden:

Pirin­çci sprach von einer dro­hen­den „Mos­lem­müll­hal­de“, von Poli­ti­kern, die „Gau­lei­ter gegen das eige­ne Volk“ sei­en, nann­te Flücht­lin­ge „Inva­so­ren“. Er ließ sich gar dazu hin­rei­ßen, zu sagen: Es gäbe natür­lich auch ande­re Alter­na­ti­ven, mit Deut­schen umzu­ge­hen, die mit der aktu­el­len Inte­gra­ti­ons­po­li­tik nicht ein­ver­stan­den sei­en. „Aber die KZs sind ja lei­der der­zeit außer Betrieb.“ (spiegel.de, 20.10.15)

Das Letz­te­re bezog sich ganz direkt auf Wal­ter Lüb­ke, den dama­li­gen Regie­rungs­prä­si­den­ten von Hes­sen, der im Juni 2019 von einem Neo­na­zi erschos­sen wur­de. Zudem bedien­te Pirin­çci eine sexua­li­sier­te Gewalt­spra­che, die ihres­glei­chen sucht: So bezeich­ne­te er die Grü­nen als „Kin­der­fi­cker­par­tei“ und fabu­lier­te, dass geflo­he­ne Mus­li­me, die er pau­schal als Ver­ge­wal­ti­ger hin­stell­te, über Frau­en „her­ge­fal­len“ sei­en und „in sie ihren Mos­lem­saft hin­ein­ge­pumpt“ hät­ten, usw.

Die­ses Aus­maß an offe­nem Hass hat­te nicht nur eine ers­te Ver­ur­tei­lung zu Straf­zah­lun­gen zur Fol­ge, son­dern führ­te dazu, dass sich sogar rech­te und rechts­extre­me Weg­ge­fähr­ten von Pirin­çci distan­zier­ten, etwa der Pegi­da-Grün­der Lutz Bach­mann. Zudem ging der „Manusciptum“-Verlag auf Distanz und kün­dig­te die Her­aus­ga­be wei­te­rer Bücher von ihm auf. Seit­her muss Pirin­çci immer wie­der wegen sei­ner uner­müd­li­chen Het­ze, die sich am hef­tigs­ten auf sei­nem Blog bahn­bricht, vor Gericht.

Auch bei Österreichs Rechten beliebt

Frei­lich hat sich nicht die gan­ze rechts­extre­me Sze­ne von dem hass­erfüll­ten Schwurb­ler ver­ab­schie­det. Ab 2016 fand Pirin­çci ein neu­es publi­zis­ti­sches Zuhau­se in Götz Kubit­scheks „Antaios“-Verlag, dem Zen­trum des „neu­rech­ten“ Neo­fa­schis­mus, wo auch Mar­tin Sell­ners Büch­lein erschei­nen. Sei­ne ers­te Ver­öf­fent­li­chung dort war sogleich eine Ver­nei­gung vor dem zen­tra­len Ver­schwö­rungs­slo­gan der Iden­ti­tä­ren, wie der Titel bereits ver­spricht: „Umvol­kung. Wie die Deut­schen still und lei­se aus­ge­tauscht wer­den“ (2016). In Öster­reich wird das Buch etwa im Web­shop von „Frei­lich“, dem FPÖ-nahen Nach­fol­ge­ma­ga­zins der „Aula“ ver­trie­ben und beworben.

Apro­pos Öster­reich: Hier­zu­lan­de war Pirin­çci im Jahr 2014 von der FPÖ Wien zu einer Podi­ums­dis­kus­si­on zum The­ma „Poli­ti­cal Cor­rect­ness“ ins Rat­haus gela­den wor­den. Pirin­çci war zu die­sem Zeit­punkt gera­de am Höhen­flug wegen sei­nes Buch­erfolgs und gern gese­he­ner Gast bei rech­ten Polit-Ver­an­stal­tun­gen. Unter den Dis­ku­tie­ren­den waren auch der dama­li­ge FPÖ-Chef Stra­che, außer­dem Mela­nie Schnei­der, eine AfD-Stadt­rä­tin in Zwei­brü­cken (Rhein­land-Pfalz). Mode­riert hat­te der FPÖ-Par­la­men­ta­ri­er Hans-Jörg Jene­wein. Das FPÖ-nahe Hetz- und Des­in­for­ma­ti­ons­ve­hi­kels „unzensuriert.at“ besprach die Dis­kus­si­on anschlie­ßend wohl­mei­nend (1). Pirin­çci ver­stieg sich dort u.a. zu der Aus­sa­ge: „Gen­der-Main­strea­ming ist ein von irren Les­ben in die Welt gefurz­ter Schwach­sinn.“ (wienerzeitung.at, 20.10.15)

Im Jahr 2015 durf­te Pirin­çci bei der Gra­zer FPÖ und in Wien bei der deutsch­na­tio­na­len Bur­schen­schaft Teu­to­nia refe­rie­ren. Er war auch in die „Team Stro­nach Aka­de­mie“ gela­den, wo er sein homo­pho­bes Buch mit dem idio­ti­schen Titel „Die gro­ße Ver­schwu­lung“ (2015) prä­sen­tie­ren soll­te – das Event wur­de aber kurz­fris­tig abge­sagt.

Gegen den FPÖ-Par­la­men­ta­ri­er Ger­hard Deimek war ab Febru­ar 2016 wegen Ver­het­zung ermit­telt wor­den, weil er über Twit­ter einen ras­sis­ti­schen Spruch von Pirin­çci mit­samt Ver­lin­kung zu des­sen Hass­text ver­brei­tet hat­te; die Ein­stel­lung der Ermitt­lun­gen zog damals vehe­men­te Kri­tik u.a. durch das Maut­hau­sen Komi­tee Öster­reich (MKÖ) nach sich. Deimek ent­ging einer Ankla­ge, weil er behaup­te­te, den von ihm expli­zit emp­foh­le­nen Pirin­çci-Text selbst nicht gele­sen zu haben.

Pirin­çci ist zwei­fel­lo­se einer der übels­ten rechts­extre­men Dem­ago­gen im deut­schen Sprach­raum der Gegen­wart – und das mit hohem Bekannt­heits­grad und gro­ßer Reich­wei­te. Ob eine Haft­stra­fe dar­an etwas ändern kann, bleibt abzu­war­ten. Die FPÖ hat sich übri­gens auch nach dem Bekannt­wer­den von der oben zitier­ten Dresd­ner Hass­re­de von 2015 kei­ne Distan­zie­rung abrin­gen können.

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