Rückblick KW 47/23 (II)

Lesezeit: 3 Minuten

Nach­dem es in Teil I unse­res Wochen­rück­blicks aus­schließ­lich um Gerichts­pro­zes­se ging, fol­gen nun aller­lei Vor­fäl­le, dar­un­ter: neo­na­zis­ti­sche Schmie­re­rei­en gegen ent­führ­te Israe­lis in Wien, Nazi-Chats an einer Schu­le in Vor­arl­berg und haft­ent­las­se­ne „Bandidos“-Bandenmitglieder in Oberösterreich.

Pinzgau/Sbg und Bludenz/V: Waffenfunde und Wiederbetätigung im Drogenmilieu
Ried/OÖ: Nur noch zwei Männer aus dem Bandidos-Neonazi-Komplex in Haft
Dornbirn/V: Nazi-Chats an Schule
Wien: Antisemitische Schmierereien
Graz: Hakenkreuz auf Polizeiauto geschmiert

Pinzgau/Sbg und Bludenz/V: Waffenfunde und Wiederbetätigung im Drogenmilieu

Bereits im Som­mer wur­den vier Män­ner wegen des Ver­dacht auf Dro­gen­han­del ver­haf­tet, mehr dazu in unse­rer „Chro­no­lo­gie der Waf­fen­fun­de ab Juli 2019“, Fall 39.

Ried/OÖ: Nur noch zwei Männer aus dem Bandidos-Neonazi-Komplex in Haft

Sechs Män­ner wur­den Ende Juni nach meh­re­ren Raz­zi­en, im Zuge derer ein rie­si­ges Arse­nal an Waf­fen und NS-Devo­tio­na­li­en gefun­den wur­den, in Unter­su­chungs­haft genom­men. Mitt­ler­wei­le befin­den sich nur noch die zwei Haupt­be­schul­dig­ten, Manu­el S. und Erwin H., in Haft.

Ein Beschul­dig­ter war gleich am Anfang wie­der ent­las­sen wor­den, zwei wei­te­re mut­maß­li­che Kom­pli­zen (27 und 32 Jah­re) gin­gen in der Vor­wo­che frei, und der Vier­te im Bun­de wur­de am Mon­tag vom Gericht ent­las­sen, die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft Ried über­legt aber noch, dage­gen zu beru­fen. (krone.at, 22.11.23)

Bleibt ange­sichts der Ent­haf­tun­gen abzu­war­ten, was von dem Vor­wurf der Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, die mit den auf­ge­fun­de­nen Waf­fen angeb­lich einen Rocker­krieg anzet­teln woll­te, übrigbleibt.

Dornbirn/V: Nazi-Chats an Schule

Am Bun­des­gym­na­si­um in Dorn­birn sol­len zehn- und elf­jäh­ri­ge Schüler*innen Chats mit natio­nal­so­zia­lis­ti­schen und zudem por­no­gra­phi­schen Inhal­ten aus­ge­tauscht haben. Dies wur­de durch einen anony­men Hin­weis an die Schul­lei­tung her­an­ge­tra­gen. Laut dem Schul­di­rek­tor kom­men auch ande­re extre­mis­ti­sche Inhal­te hinzu:

Im Zuge des Nah­ost-Kon­flikts sind wir auch immer wie­der damit kon­fron­tiert, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler über sozia­le Netz­wer­ke Vide­os von den Kriegs­schau­plät­zen bekom­men. Und auch da wer­den Sym­bo­le ver­wen­det, die nicht ver­wen­det wer­den dür­fen. (Direk­tor Boh­le zit. nach orf.at, 23.11.23)

Alle Eltern der Schüler*innen wur­den infor­miert und die Wich­tig­keit einer gemein­sa­men Bespre­chung der Inhal­te mit den Kin­dern wur­de sei­tens der Schu­le aus­drück­lich betont. Die Schu­le selbst will kei­ne Han­dy­kon­trol­len durch­füh­ren und setzt auf Auf­klä­rung und Trans­pa­renz. (vienna.at, 23.11.23)

Wien: Antisemitische Schmierereien

Die Anti­se­mi­tis­mus-Mel­de­stel­le der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de (IKG) hat am 20. Novem­ber beschmier­te Fly­er doku­men­tiert, auf denen von Hamas-Ter­ro­ris­ten ent­führ­te Israe­lis abge­bil­det sind. Auf die Fly­er wur­den der Nazi-Slo­gan „Juda ver­re­cke“ geschmiert und außer­dem ein Hakenkreuz.

Die betref­fen­den Pos­ter sind mit „Kid­nap­ped“ („Ent­führt“) über­ti­telt und wur­den von zwei israe­li­schen Künst­lern ent­wor­fen. Sie sol­len an das Leid der Opfer und der Hin­ter­blie­be­nen erin­nern und kön­nen auf der Web­site kidnappedfromisrael.com selbst­stän­dig aus­ge­druckt wer­den, was eine schnel­le welt­wei­te Ver­brei­tung zur Fol­ge hat­te. Eben­so schnell hat sich die Akti­on als Seis­mo­graph für Anti­se­mi­tis­mus erwie­sen, denn die Pos­ter wer­den oft von Antisemit*innen zer­stört oder beschmiert.

Seit dem durch die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Hamas ver­üb­ten Mas­sa­ker am 7. Okto­ber häu­fen sich anti­se­mi­ti­sche Vor­fäl­le in Öster­reich, wie auch die ver­gan­ge­nen Wochen­rück­bli­cke von „Stoppt die Rech­ten“ belegen.

Graz: Hakenkreuz auf Polizeiauto geschmiert

Ein 47-Jäh­ri­ger soll am 21. Novem­ber meh­re­re Haken­kreu­ze an Wän­de (am Gra­zer Haupt­bahn­hof und in einer Tief­ga­ra­ge) und auf ein Poli­zei­au­to geschmiert haben. Der Mann wur­de fest­ge­nom­men, in die Jus­tiz­an­stalt Graz-Jako­mi­ni ein­ge­lie­fert und nach dem Ver­bots­ge­setz ange­zeigt. Eine mög­li­che psy­chi­sche Erkran­kung wur­de von der „Kro­nen Zei­tung“ (22.11.23) in den Raum gestellt.