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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 2 Minuten

Die untergetauchten Neonazis (III): Abgetaucht im Objekt 21

Die Staatsanwaltschaft bereitet derzeit Anklagen gegen die schwer kriminelle Neonazitruppe vom „Objekt 21“ (O21) in Desselbrunn (OÖ) vor. In wenigen Tagen soll der erste Prozess starten. Das O21 war auch ein Zufluchtsort für abgetauchte deutsche Neonazis.

26. Juni 2013

Im Frühjahr 2010 wurde die Öffentlichkeit auf den Neonazi-Treffpunkt O21 in Desselbrunn (OÖ) aufmerksam. Der als Kulturverein getarnte Treffpunkt organisierte Konzerte mit Neonazi-Bands, eine Homepage und einen mäßig erfolgreichen Versandhandel. Ab dem Herbst 2010 war es vorbei mit der „Öffentlichkeitsarbeit“ der Neonazis. In seiner Blütezeit hatte der Verein zwischen 100 und 200 Mitglieder.

Bisher wenig bekannt war, dass der Bauernhof in Desselbrunn schon im Jahr 2009 von der Kerntruppe besiedelt wurde. Unter ihr waren der schon mehrfach wegen NS-Wiederbetätigung vorbestrafte Jürgen W. und Manuel S., aber auch Andreas P. aus Thüringen.

Bei Andreas P. handelt es sich um einen ebenfalls mehrfach vorbestraften Neonazi aus Gotha, der zuletzt in Deutschland zu vier Jahren Haft wegen schwerer Körperverletzung und Landfriedensbruch verurteilt worden war und in den Haftregistern von deutschen Neonazi-Hilfsorganisationen als „nationaler Gefangener“ geführt wurde.

Nach dem (vorzeitigen) Haftende tauchte P. bald in Österreich auf und im Umfeld von O21 unter. Aus einem langen Urlaub wurde ein Daueraufenthalt, was auch mit einem Haftbefehl der deutschen Behörden zu tun hatte. Andreas P. wurde jedenfalls binnen kurzem zu einer der wichtigsten Stützen der Neonazi-Truppe von O21 bei ihren kriminellen Aktionen. Er dürfte auch dafür gesorgt haben, dass die Kontakte zwischen „Objekt 21“ und den Neonazis von der „Hausgemeinschaft Jonastal“ aus dem Landkreis Gotha (Thüringen) intensiviert wurden.

Und so hat es nicht nur einen regen Besucherandrang aus Thüringen in Desselbrunn gegeben, sondern auch einige weitere thüringische Neonazis, die sich an den kriminellen Aktivitäten von O21 als „Gastarbeiter“ beteiligt haben.

Im November 2012 stoppte die Exekutive zumindest die weitere kriminelle Karriere von Andreas P., als sie ihn aufgrund eines europäischen Haftbefehls wegen des Verdachts auf schweren Raub, Körperverletzung, Einbruchsdiebstählen, Erpressung usw. in Gotha festnahm und dann nach Österreich auslieferte.

Andreas P. sitzt derzeit in Untersuchungshaft in Österreich und wartet auf seinen Prozess. Seine Nazi-Kameraden aus Thüringen haben es offensichtlich wesentlich angenehmer. Obwohl zumindest zwei von ihnen dringend verdächtig sind, mit P. an mehreren (versuchten) Anschlägen im Rotlicht-Bereich teilgenommen zu haben, ist von einer Anklage in Österreich gegen sie nichts bekannt.

Die Vorgangsweise der Welser Staatsanwaltschaft ist auch bei den österreichischen Tatverdächtigen unklar. Am 8. Juli soll der Prozess gegen Rene M. starten, der für zahlreiche Einbruchsdiebstähle und einen Raubüberfall von „Objekt 21“ verantwortlich gemacht wird. Aus den Meldungen geht nicht her vor, ob er auch wegen seiner Teilnahme an einer kriminellen Vereinigung angeklagt wird. Anklagen gegen die Rädelsführer von Objekt 21 sind anscheinend noch überhaupt nicht in Sicht (Österreich, 25.6.12)

Ob und wann es zu Anklagen nach dem NS-Verbotsgesetz kommt, steht ebenfalls weiter in den Sternen.

➡️ Die untergetauchten Neonazis (I)
➡️ Die untergetauchten Neonazis (II)

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Schlagwörter: Körperverletzung | Neonazismus/Neofaschismus | Oberösterreich | Objekt 21 | Verbotsgesetz | Weite Welt | Wiederbetätigung

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