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Lesezeit: 6 Minuten

FPÖ-Politiker Fabian Walch auf der Bühne mit identitärem Hassprediger

Der Tiro­ler FPÖ-Poli­ti­ker Fabi­an Walch trat in Leo­ben bei der Bur­schen­schaft Cru­xia mit dem Iden­ti­tä­ren Chris­toph Albert auf – einem Pro­pa­gan­dis­ten für Mas­sen­de­por­ta­tio­nen, wei­ße Homo­ge­ni­tät und Geschichts­re­vi­sio­nis­mus, der poli­ti­sche Theo­rie mit ent­hemm­ten Hass­pa­ro­len verbindet.

16. März 2026
Fabian Walch (FPÖ) und Christoph Albert (Identitäre) bei der Cruxia Leoben
Fabian Walch (FPÖ) und Christoph Albert (Identitäre) bei der Cruxia Leoben

Die Akteure

Fabi­an Walch, FPÖ-Gemein­de­rat in Inns­bruck, Bezirks­par­tei­ob­mann in Reut­te, Obmann des Frei­heit­li­chen Aka­de­mi­ker­ver­bands Tirol, hielt am 14. März laut einer Pro­gramm­an­kün­di­gung bei der Leo­be­ner Bur­schen­schaft Cru­xia gemein­sam mit dem Iden­ti­tä­ren-Kader Chris­toph Albert ein „Tages­se­mi­nar“. Albert ver­brei­tet auf Social Media ein geschlos­se­nes völ­kisch-ras­sis­ti­sches Pro­gramm: gegen Gleich­heit, Libe­ra­lis­mus, Erin­ne­rungs­kul­tur und plu­ra­lis­ti­sche Demo­kra­tie und eli­tä­rer Här­te, gar­niert mit NS-revi­sio­nis­ti­schen Grenz­über­schrei­tun­gen. Die Cru­xia Leo­ben (Mit­glied in der rechts­extre­men „Deut­schen Bur­schen­schaft“) ist jene Ver­bin­dung, die 2012 für Auf­se­hen gesorgt hat­te: Auf Fotos waren Cru­xen zu sehen, die Schieß­übun­gen mit Luft­druck­pis­to­len, Soft Guns und einer Arm­brust durch­führ­ten – auf dem Bal­kon ihrer Bude.

Albert, Mit­glied der pen­na­len Bur­schen­schaft „Tar­u­ris­ka Baden“, ist im iden­ti­tä­ren Kader­raum venetzt: Die IB Deutsch­land kün­dig­te ihn für eine Ver­an­stal­tung als lang­jäh­ri­gen Akti­vis­ten der IB Öster­reich, Teil der „Akti­on 451“ und Demo-Red­ner an.

Intellektuelle Pose, Härte und Entmenschlichung

Chris­toph Albert arbei­tet stark über Feind­mar­kie­rung: Anti­fa, „Links­li­be­ra­le“, Journalist:innen und poli­ti­sche Gegner:innen wer­den als legi­ti­me Ziel­schei­be ver­ba­ler Ent­hem­mung behan­delt. Sicht­bar wird das in For­meln wie „Anti­fa Raus! Fes­tung Euro­pa!“ oder im Zuruf „Bleibt ein­fach in euren Zecken­lö­chern …“. Die Logik dahin­ter ist eine klas­si­sche Freund-Feind-Poli­ti­sie­rung. Dass Albert zugleich den „Kron­ju­ris­ten“ des Natio­nal­so­zia­lis­mus, Carl Schmitt, posi­tiv auf­ruft (das Freund-Feind-Sche­ma als zen­tra­le Kate­go­rie des Poli­ti­schen) und mit „Guter Mann“ kom­men­tiert, ist ein ideo­lo­gi­scher Fingerzeig.

Auf­fäl­lig ist die dau­ern­de Selbst­ver­ede­lung durch Theo­rie­be­zü­ge. Neben Schmitt tau­chen Nietz­sche und der miso­gy­ne Faschist Juli­us Evo­la auf. Extrem rech­te Inhal­te wer­den nicht als dump­fe Paro­le, son­dern als „Denk­schu­le“, Kanon und Bil­dungs­of­fen­si­ve ver­kauft. Ein Insta­gram-Sujet mit der Über­schrift „Anti­wo­ke­ness als Motor“ beschreibt den Rechts­ruck als „kul­tu­rel­le Gegen­re­ak­ti­on“ und als blo­ße Kor­rek­tur von Exzes­sen, die die „Grund­struk­tur der moder­nen-libe­ra­len Ord­nung“ nicht zer­stö­re. Dazu stellt Albert schein­hei­lig die Fra­ge: „Ist der libe­ra­le Rechts­ruck eine Blend­gra­na­te oder eine Chance?“

Christoph Albert: Antiwokeness als Motor? (Screenshot Insta 16.2.26)
Chris­toph Albert: Anti­wo­ke­ness als Motor? (Screen­shot Ins­ta 16.2.26)

In einem ande­ren Pos­ting zählt Albert unter „Pro­pa­gan­da, auf die ich nicht rein­fal­le“ Gleich­heit aller Men­schen, Inter­na­tio­na­lis­mus, Auf­klä­rungs­phi­lo­so­phie und den Satz „Jeder Demo­krat ist Anti­fa­schist“ auf. Dazu eben­falls: „Jüdisch-christ­li­ches Abend­land“ Eine Auf­lis­tung von Feind­bil­dern (von „Radi­ka­le Links­li­be­ra­le“ bis „Demo­kra­ti­sche Sozia­lis­ten“ und „Rech­te Remi­gra­ti­ons­geg­ner“) über­schreibt Albert mit „Ran­king des poli­ti­schen Abschaums“. Ein wei­te­res Sujet erklärt „Mit­leid“ zur Schwä­che und erhebt Här­te, Stär­ke und Grö­ße zum poli­ti­schen Maßstab.

Christoph Albert im Fitnessstudio: Propagnada, auf die ich nicht reinfalle (Screenshot Insta 23.9.25)
Chris­toph Albert im Fit­ness­stu­dio: Pro­pa­gna­da, auf die ich nicht rein­fal­le (Screen­shot Ins­ta 23.9.25)
Christoph Albert: "Ranking des politischen Abschaums" (Screenshot X 12.7.25)
Chris­toph Albert: „Ran­king des poli­ti­schen Abschaums” (Screen­shot X 12.7.25)

Alberts ideo­lo­gi­scher Kern ist ein Mosa­ik aus einer auto­ri­tä­ren Pro­pa­gan­da für die Ungleich­heit der Men­schen, eth­ni­sche Homo­ge­ni­tät, Zurück­drän­gung „frem­der Ein­flüs­se“ und Mas­sen­ab­schie­bun­gen als Ziel­ho­ri­zont. An meh­re­ren Stel­len fällt die theo­re­ti­sche Hül­le weg. Albert pos­tet ein Foto mit wei­ßen Bier­do­sen: „Im Ein­kaufs­wa­gen wie im Staat: Wei­ße Homo­ge­ni­tät ist fan­tas­tisch!“ Im Novem­ber 25 ret­weetet er ein Pos­ting, in dem von „ame­ri­ka­ni­schen Neger­ver­eh­rern“, die nige­ria­ni­sche Chris­ten ret­ten wol­len, die Rede ist und gar­niert das gan­ze mit: „Wir wer­den isla­mi­siert und von abar­ti­gen Gestal­ten regiert, was inter­es­siert mich da groß die reli­giö­se Zukunft Nigerias“

Christoph Albert: "Weiße Homogenität ist fantastisch!" (Screenshot X 17.12.25)
Chris­toph Albert: „Wei­ße Homo­ge­ni­tät ist fan­tas­tisch!” (Screen­shot X 17.12.25)

Albert hofft, „die Migran­ten und Links­extre­mis­ten in den USA“ wür­den noch mehr „Schei­ße bau­en“ und damit „mas­sen­haf­te Abschie­bun­gen“ und „längst über­fäl­li­ge Inhaf­tie­run­gen“ legi­ti­mie­ren. Ein wei­te­res Sujet for­dert „Remi­gra­ti­on statt über­frem­de­tes & ver­zeck­tes Stadt­bild“ und mon­tiert Migran­ten mit que­er mar­kier­ten Figu­ren in ein am Bran­den­bur­ger Tor ange­sie­del­tem Feind­bild-Sujet. Das Grund­mus­ter ist klar: erst theo­rie­ba­sier­te Meta­po­li­tik, dann rea­le Enthemmung.

Christoph Albert: "massenhafte Abschiebungen und (...) Inhaftierungen" (Screenshot X 10.6.25)
Chris­toph Albert: „mas­sen­haf­te Abschie­bun­gen und (…) Inhaf­tie­run­gen” (Screen­shot X 10.6.25)

Geschichtsangriff und Grenztest

Bemer­kens­wert sind auch Alberts geschichts­po­li­ti­sche Pos­tings. Ende April 25 setzt er zur „Papst-Debat­te“ die For­mel „Los von Rom und Heim ins Reich“ ab. Damit ruft er deutsch­na­tio­na­le und NS-belas­te­te Bezugs­sys­te­me zugleich auf: „Los von Rom“ war his­to­risch mit dem groß­deut­schen Pro­jekt ver­knüpft, „Heim ins Reich“ mit natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Expan­si­ons- und Umsied­lungs­po­li­tik. Am 8. Mai 2025 schreibt er: „Die Befrei­ung war­tet auf uns!“ und erklärt die Deu­tung des Endes der Nazi-Dik­ta­tur und des Krie­ges als „Tag der Befrei­ung“ zur „volks­feind­li­chen“ und „eth­no­ma­so­chis­ti­schen“ Ideo­lo­gie. Im Sep­tem­ber 25 ver­höhnt er Wil­ly Brandts Knie­fall in War­schau als „lächer­lichs­te Schuld­kult-Show“.

Poli­tisch ist das offe­ner Revi­sio­nis­mus, in dem Erin­ne­rungs­ab­wehr, völ­ki­sche Spra­che und ein­schlä­gi­ge Codes eng zusammenrücken.

Christoph Albert: "Los von Rom und Heim ins Reich" (Screenshot X 27.4.25)
Chris­toph Albert: „Los von Rom und Heim ins Reich” (Screen­shot X 27.4.25)

Die Szene dahinter

Albert agiert aus einem Milieu her­aus, das Ideo­lo­gie, Stra­ßen­ak­ti­vis­mus und inter­na­tio­na­le Ver­net­zung ver­schränkt. Er ist nicht bloß Teil­neh­mer, Red­ner und Anhei­zer bei den iden­ti­tä­ren Som­mer­de­mons­tra­tio­nen. Stoppt die Rech­ten iden­ti­fi­zier­te ihn über ein Foto aus dem Juli 2024 als Teil­neh­mer eines eli­tä­ren Stra­te­gie­tref­fens rund um Mar­tin Sell­ner in Deutsch­land.

Neben wei­te­ren iden­ti­tär-neu­rech­ten Kadern aus Deutsch­land, der Schweiz und Däne­mark war damals auch der Nie­der­län­der Tho­mas D. anwe­send. Der wur­de Ende Febru­ar 2026 in Rot­ter­dam wegen ver­bo­te­nen Waf­fen­be­sit­zes zu zwei Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Aus dem Ver­fah­ren wur­den zudem Mord­fan­ta­sien („81 tote Anti­fa, damit kann man nichts anfan­gen, aber es ist eine net­te Idee“), NS-Sym­bo­le, Anlei­tun­gen zur Spreng­stoff­her­stel­lung und rechts­ter­ro­ris­ti­sche Atten­tä­ter ver­herr­li­chen­de Lite­ra­tur bekannt. Das Foto belegt Alberts Nähe zu einem trans­na­tio­na­len Milieu, in dem Kader­bil­dung, Depor­ta­ti­ons­pro­pa­gan­da und Gewalt­fas­zi­na­ti­on eng ver­knüpft sind.

Links von vorne nach hinten: Tobias Lingg, Martin Sellner, David Ratajczak, Christoph Albert Rechts von vorne nach hinten: Manuel Corchia, Thomas D., Vincenzo Richter, Sebastian Nielsen, vmtl. Marius Keipp (Screenshot X, 11.7.24)
Links von vor­ne nach hin­ten: Tobi­as Lingg, Mar­tin Sell­ner, David Rata­jc­zak, Chris­toph Albert
Rechts von vor­ne nach hin­ten: Manu­el Cor­chia, Tho­mas D., Vin­cen­zo Rich­ter, Sebas­ti­an Niel­sen, vmtl. Mari­us Keipp (Screen­shot X, 11.7.24)

Albert steht exem­pla­risch für eine jun­ge neu­rech­te Gene­ra­ti­on, die alte Inhal­te mit moder­ni­sier­ter Ober­flä­che aus­spielt. Die Rei­hen­fol­ge lau­tet bei ihm: Theo­rie­po­se, Feind­mar­kie­rung, Geschichts­an­griff, Ver­net­zung. Er nor­ma­li­siert Ver­trei­bun­gen, reha­bi­li­tiert völ­ki­sche Homo­ge­ni­tät und ver­schiebt die Gren­ze des Sag­ba­ren nach rechts. Dass sich der FPÖ-Funk­tio­när Walch mit ihm auf die Büh­ne begibt, sagt mehr über Walch als über Albert. Der gemein­sa­me Auf­tritt mar­kiert einen neu­er­li­chen Tabu­bruch eines FPÖ-Reprä­sen­tan­ten und rückt die Par­tei noch tie­fer ins radi­ka­le iden­ti­tä­re Milieu.

P.S.: Wie sich Alberts Geg­ner­schaft zum Chris­ten­tum mit den Wer­ten des sich als Katho­li­ken gerie­ren­den Walch ver­trägt, soll­te der FPÖ-Poli­ti­ker erklären.

Christoph Albert: gegen das Christentum: "Theologie der Schwäche", "Egalitarismus und Universalismus als Grundpfeiler" (Screenshot Insta 24.10.25)
Chris­toph Albert: gegen das Chris­ten­tum: „Theo­lo­gie der Schwä­che”, „Ega­li­ta­ris­mus und Uni­ver­sa­lis­mus als Grund­pfei­ler” (Screen­shot Ins­ta 24.10.25)

Update 16.3.26: Die „Tiro­ler Tages­zei­tung” (16.3.26) hat Walch zu die­sem Auf­tritt befragt. „Jeden­falls hat der Tiro­ler FPÖ-Poli­ti­ker kein Pro­blem mit dem ‚gemein­sa­men Auf­tritt mit Albert’. Er rede mit jedem, er wür­de auch an einer KPÖ-Ver­an­stal­tung teil­neh­men, ‚wenn ich ein­ge­la­den wer­de’. Bei­de, sowohl Walch als auch Albert, publi­zie­ren in Frei­lich, dem rech­ten Nach­fol­ge­ma­ga­zin der Aula.”

Update 17.3.26: SPÖ und Grü­ne im Inns­bru­cker Gemein­de­rat for­dern Walchs Rück­tritt (tirol.orf.at, 17.3.26)

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Schlagwörter: Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FPÖ | Hetze | Identitäre | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Rechtsextremismus | Steiermark | Tirol | Veranstaltung | Vernetzung

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