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Lesezeit: 10 Minuten

„Kontrafunk” (Teil 2): Die „Antifa“ als Allzweck-Gespenst oder: Wie viel Unfug kann man produzieren?

Unter Flo­ri­an Mach­ls Mode­ra­ti­on zogen im „Kon­tra­funk“ ein Schwei­zer Jour­na­list, der ehe­ma­li­ge deut­sche Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-Georg Maa­ßen und der Ex-FPÖ-Poli­ti­ker und Frei­lich-Betrei­ber Hein­rich Sickl über „die Anti­fa“ her – und pro­du­zier­ten jede Men­ge Unfug.

13. Jan. 2026
Antifa-Gespenster (pixabay Alexas_Fotos; Nachbearbeitung SdR)
Antifa-Gespenster (pixabay Alexas_Fotos; Nachbearbeitung SdR)

Inhalt

Togg­le
  • Sen­dung „Drei­län­der­eck: Die Anti­fa – Schat­ten­ar­mee der Linken“
  • „Standard-Journalist:innen“ als Feind­bild: Sick­ls frei erfun­de­ne „Ver­knüp­fung“
  • Spor­rer und Perš­m­an­hof als Kulis­se für rech­te Narrative
  • Boro­da­jke­wy­cz 1965: Geschichts­po­li­tik als „Anti­fa-Kon­ti­nui­tät“
  • Hein­rich Sickl, „Exper­te“ für die „Anti­fa”
  • Maa­ßen: Unsinn, sau­ber verpackt
  • Fazit und ein Rat

Sendung „Dreiländereck: Die Antifa – Schattenarmee der Linken“

Teil 1 zu „Kon­tra­funk“ beschäf­tigt sich mit Struk­tu­ren, Per­so­na­li­en und poli­ti­scher Aus­rich­tung des Web­ra­di­os. Teil 2 schaut anhand der Ana­ly­se einer Sen­dung auf das, was Kon­tra­funk tat­säch­lich lie­fert: Deu­tungs­macht per Unfug.

Die Sen­dung „Drei­län­der­eck: Die Anti­fa – Schat­ten­ar­mee der Lin­ken“ (22.10.25) wird von Flo­ri­an Machl mode­riert. Zu Gast: Der deut­sche Ex-Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-Georg Maa­ßen, der Schwei­zer Jour­na­list Ron­nie Grob und der Kärnt­ner Ex-FPÖ-Gemein­de­rat Hein­rich Sickl. Machl rahmt das The­ma gleich so, wie man es im rech­ten Dis­kurs ger­ne hat: Die „Anti­fa“ als Hel­fer­trup­pe aller Lin­ken, die „zuneh­mend Gewalt“ anwen­de. Maa­ßen spielt den Adju­tan­ten und bezeich­net die „Anti­fa“ durch­ge­hend als „Ter­ror- und Knüp­pel­trup­pe“ der poli­tisch Lin­ken. Die Run­de kippt damit ab Beginn in ihr eigent­li­ches Metier: Ver­dacht und Anschul­di­gun­gen ohne Beleg.

„Standard-Journalist:innen“ als Feindbild: Sickls frei erfundene „Verknüpfung“

Irgend­wann meint Machl, nun müs­se man auch über die Medi­en reden und über­gibt an Sickl, der in gebro­che­nem Deutsch fabu­liert: „Da gibt es ja meh­re­re Jour­na­lis­ten, der Fabi­an Schmid und Colet­te Schmidt, die fast aus­schließ­lich da arbei­ten in der Recher­che. Es hat ja auch die­sen Ver­dacht gege­ben, der sich mir erhär­tet hat, dass also Stan­dard-Jour­na­lis­ten auch hier bei ‚Stoppt die Rech­ten‘ und über­all dort schrei­ben. Man kann fast davon aus­ge­hen, dass hier die Ver­knüp­fung da ist. Die sind ja auch immer bei die­sen Demons­tra­tio­nen dabei, an vor­ders­ter Front.“

Das ist schlicht erfun­den und als Metho­de durch­sich­tig: Wer Inhal­te nicht wider­le­gen kann, mar­kiert die Absen­der. Aus Recher­che wird „Ver­knüp­fung“, aus Quel­len­ar­beit „Zusam­men­ar­beit“, aus Jour­na­lis­mus „vor­ders­te Front“. Der „Stan­dard“ dient als Feind­bild, „Stoppt die Rech­ten“ als Etikett.

Sick­ls „Ver­dacht“, der sich ihm „erhär­tet hat“ (wie eigent­lich?), ist Selbst­ent­lar­vung: Er zeigt, wie rasch der rech­te Dis­kurs in eine Fan­ta­sie­welt flüch­tet, sobald jour­na­lis­ti­sche Arbeit am eige­nen Milieu unan­ge­nehm wird. Wer über­all „Schat­ten­ar­meen“ hal­lu­zi­niert, muss irgend­wann auch Journalist:innen zu Schat­ten­kämp­fern erklären.

Sporrer und Peršmanhof als Kulisse für rechte Narrative

„Kon­tra­funk“ braucht Öster­reich-Bei­spie­le, um die „Schattenarmee“-These zu erden. Gebo­ten wird jedes Mal das­sel­be Prin­zip: Rea­li­tät wird umetikettiert.

Die Jus­tiz­mi­nis­te­rin Anna Spor­rer sag­te auf eine Fra­ge zur „Anti­fa“ sinn­ge­mäß, sie ken­ne die Orga­ni­sa­ti­on Anti­fa als sol­che nicht, wie sol­le man etwas ver­bie­ten, das es nicht gibt. Das ist eine juris­ti­sche Bana­li­tät: „Anti­fa“ ist kein Ver­eins­re­gis­ter­ein­trag. Machl dich­tet dar­aus (im Ver­bund mit der FPÖ) eine Ver­höh­nung der Bevöl­ke­rung – die klas­si­sche Über­set­zung von Rechts­staat in Empörungsäußerungen.

In der Sen­dung dient das anti­fa­schis­ti­sche Camp Perš­m­an­hof als Beleg für lin­ke Struk­tu­ren, „Anwoh­ner fühl­ten sich bedroht, zeig­ten das an“ – Wel­che „Anwoh­ner“ sich wodurch bedroht fühl­ten, bleibt Machl genau­so schul­dig wie einen Beleg für die Behaup­tung, dass zur „Anti­fa“ viel Geld flie­ßen müs­se. Sein Beweis­stück zum Perš­m­an­hof könn­te absur­der nicht aus­fal­len: „Aber auf Fotos sah man zum Bei­spiel eine rie­si­ge moder­ne Büh­ne.“ Wie die „rie­si­ge moder­ne Büh­ne“ aus­sieht, ist anläss­lich einer Gedenk­fei­er am Perš­m­an­hof hier gut zu sehen. In der Rea­li­tät war der Skan­dal der Poli­zei­ein­satz. „Kon­tra­funk“ dreht das Ergeb­nis um: Nicht die staat­li­che Über­grif­fig­keit wird The­ma, son­dern das Camp wird zum Verdachtsgenerator.

Borodajkewycz 1965: Geschichtspolitik als „Antifa-Kontinuität“

Den per­fi­den Tief­punkt erreicht Sickl, wenn er die Boro­da­jke­wy­cz-Affä­re 1965 als „Beginn“ der „Anti­fa“ in Öster­reich erzählt, mit „Stra­ßen­schlach­ten“ gegen Poli­zei und „frei­heit­li­che Stu­den­ten“. Das ist bil­li­ge (und dum­me) Geschichts­klit­te­rung. Der zen­tra­le Fakt die­ser Affä­re, den Sickl nicht ein­mal erwähnt, lau­tet: Ernst Kirch­we­ger wur­de bei einer anti­fa­schis­ti­schen Demons­tra­ti­on vom Neo­na­zi Gun­ther Kümel nie­der­ge­schla­gen und starb kurz dar­auf – ein mar­kie­ren­der Moment, weil rech­te Gewalt das ers­te poli­ti­sche Todes­op­fer der Zwei­ten Repu­blik for­der­te. Wer dar­aus eine „Antifa-Straßenschlacht“-Erzählung strickt, betreibt schlicht Täter-Opfer-Umkehr.

der von Kümel niedergeschlagene Ernst Kirchweger (Foto: Alfred Klahr Gesellschaft)
Der von Kümel nie­der­ge­schla­ge­ne Ernst Kirch­we­ger (Foto: Alfred Klahr Gesellschaft)

Der viel­leicht absur­des­te öster­rei­chi­sche Teil folgt aller­dings bei Mach­ls Selbst­ent­las­tung nach rechts: Er han­tiert unent­wegt mit „Ich glau­be, ich habe das Gefühl, in mei­ner Wahr­neh­mung“, was in zwei Aus­sa­gen gip­felt: „Also extre­mis­ti­sche, gewalt­tä­ti­ge rech­te Aus­schrei­tun­gen ken­ne ich per­sön­lich über­haupt nicht“ und „Mei­ner Wahr­neh­mung nach hat sich zum Bei­spiel die Iden­ti­tä­re Bewe­gung nie straf­recht­lich etwas zu Schul­den kom­men las­sen.“ Obwohl bei­des mul­ti­pel wider­leg­bar ist, wird rech­te Gewalt als nicht exis­tent erklärt, lin­ke Gewalt hin­ge­gen zur all­ge­gen­wär­ti­gen Regel. Schon allei­ne die Zah­len aus dem letz­ten Ver­fas­sungs­schutz­be­richt bele­gen das Gegenteil.

Heinrich Sickl, „Experte“ für die „Antifa”

Die Sen­dung bekommt durch Hein­rich Sickl einen unfrei­wil­lig komi­schen Touch: Der Mann, der am lau­tes­ten „lin­ke Gewalt“ her­bei­re­det, kommt aus einem Milieu, in dem Gewalt nie nur Theo­rie war. In der Sen­dung dient er als mora­li­scher Schieds­rich­ter, der ande­ren „Gewalt­be­reit­schaft“ attes­tiert, wäh­rend sei­ne eige­ne Bio­gra­fie genau in jener Sze­ne andockt, wo Gewalt­be­reit­schaft struk­tu­rell dazugehört.

„Mit Aus­dau­er am rech­ten Rand“, titel­te die „Klei­ne Zei­tung“ (13.6.22) einen Arti­kel über Hein­rich Sickl, der 2018 als Gra­zer Gemein­de­rat für die FPÖ ange­lobt wor­den war, obwohl – oder weil? – damals sei­ne Ver­gan­gen­heit in der Neo­na­zi-Sze­ne durch­aus bekannt war. „Eine Jugend­sün­de“ sei das gewe­sen, lau­te­te der Frei­spruch des dama­li­gen Gra­zer FPÖ-Chefs Mario Eustac­chio. Sickl selbst bezeich­ne­te sich als einen, der „auf der Suche war“. „Mit dem Wahn­sinn“ von damals woll­te er 2018 nichts mehr zu tun haben.

Ende 2015 wur­de Sickl Obmann des „Frei­heit­li­chen Aka­de­mi­ker­ver­ban­des“ (FAV) Stei­er­mark, der bis zum Ende 2018 Mehr­heits­ei­gen­tü­mer der in Tei­len neo­na­zis­ti­schen „Aula“ war. Zudem war der Alte Herr der rechts­extre­men Bur­schen­schaft Armi­nia Graz als Ver­mie­ter von Räum­lich­kei­ten für die Iden­ti­tä­ren in Graz und als Teil­neh­mer an einer Iden­ti­tä­ren-Demo aufgefallen.

Als Nach­schlag gab es 2018 für Sickl noch so etwas wie einen Todes­kuss durch den stand­haf­ten Neo­na­zi Franz Radl, der Sickl in einem Face­book-Ein­trag „für sein vor­bild­haf­tes Ver­hal­ten und sein huma­ni­tä­res Enga­ge­ment“ lobte.

Der Neonazi Franz Radl auf Facebook über Heinrich Sickl: "vorbildhaftes Verhalten und sein humanitäres Engagement (er nahm an einer Kundgebung für meine Freilassung teil)" (FB 2018)
Der Neo­na­zi Franz Radl auf Face­book über Hein­rich Sickl: „vor­bild­haf­tes Ver­hal­ten und sein huma­ni­tä­res Enga­ge­ment (er nahm an einer Kund­ge­bung für mei­ne Frei­las­sung teil)” (FB 2018)

Gemeint war eine Kund­ge­bung am 5. Okto­ber 1991 vor dem Lan­des­ge­richt Graz für die Frei­las­sung von Franz Radl, der sich wegen des Ver­dachts der NS-Wie­der­be­tä­ti­gung in Unter­su­chungs­haft befun­den hat­te. An der von Gerd Hon­sik ange­mel­de­ten Demo nah­men neben Sickl und Hon­sik auch Gott­fried Küs­sel und eini­ge Dut­zend wei­te­re Neo­na­zis teil. Deren Soli­da­ri­tät galt auch den von Radl damals ver­brei­te­ten Behaup­tun­gen, wonach die Gas­kam­mern in den KZ nur nach­träg­lich ein­ge­bau­te Attrap­pen gewe­sen sei­en. Bei der Kund­ge­bung wur­de das Lied der Hit­ler­ju­gend „Es zit­tern die mor­schen Kno­chen“ gesun­gen – ange­stimmt von Küs­sel und Hein­rich Sickl, wie der Poli­zei­be­richt vermerkte.

Sickl war damals im Umkreis der „Volks­treu­en Jugend­of­fen­si­ve“ tätig, die als Öster­reich-Able­ger der neo­na­zis­ti­schen „Natio­na­lis­ti­schen Front“ (NF) des Mein­olf Schön­born fun­gier­te. Die „Natio­na­lis­ti­sche Front“ wur­de in Deutsch­land 1992 ver­bo­ten. Aus­lö­ser war ein mas­si­ver Poli­zei­ein­satz im Jahr davor, bei der „Gäs­te­wo­che“ der „Deut­schen Kul­tur­ge­mein­schaft Öster­reich“ im stei­ri­schen Pichl. Schon 1990 war ein Dut­zend NF-Akti­vis­ten bei die­sem jähr­lich statt­fin­den­den Ver­net­zungs­tref­fen der diver­sen Neo­na­zi-Grup­pen prä­sent. 1991 waren es noch mehr, aber auch die Staats­po­li­zei hat­te sich für eine Raz­zia versammelt.

Schulungsbrief der "Nationalistischen Front": "Rassenlehre des Deutschen Volkes"
Schu­lungs­brief der „Natio­na­lis­ti­schen Front”: „Ras­sen­leh­re des Deut­schen Volkes”

Die Ver­haf­tung des NF-Vor­sit­zen­den Mein­olf Schön­born konn­ten die Versammlungsteilnehmer:innen ver­hin­dern, nicht aber die Beschlag­nah­mung von NF-Schrif­ten, in denen die Bil­dung eines kon­spi­ra­ti­ven „Natio­na­len Ein­satz­kom­man­dos“ der NF beschrie­ben und die Waf­fen-SS als Vor­bild ange­prie­sen wur­de. 1988 hat­te ein NF-Mit­glied einen Brand­an­schlag auf ein Flücht­lings­heim ver­übt, bei dem vier Men­schen starben.

Ziele der "Nationalistischen Front": "Aufbau von starken Finanzen! Beitragsregelung) - (die SS ist auch nicht mit 5,-DM monatlich ausgekommen! )" (internes NF-Papier)
Zie­le der „Natio­na­lis­ti­schen Front”: „Auf­bau von star­ken Finan­zen!
Bei­trags­re­ge­lung)
- (die SS ist auch nicht mit 5,-DM monat­lich aus­ge­kom­men! )” (inter­nes NF-Papier)

Als sich im Febru­ar 2000 Sick­ls Mut­ter, Eli­sa­beth Sickl, als FPÖ-Sozi­al­mi­nis­te­rin vor­stell­te, wur­de sie auch zur poli­ti­schen Ori­en­tie­rung ihres Soh­nes befragt: Mit sei­nen Neo­na­zi-Akti­vi­tä­ten sei sie unglück­lich gewe­sen, aber mitt­ler­wei­le habe ihr Sohn den Absprung geschafft und sei „nur mehr Mit­glied einer schla­gen­den Ver­bin­dung“. Eigent­lich bei zwei: neben der Armi­nia in Graz auch noch bei der „wehr­haf­ten pen­na­len Bur­schen­schaft Tigu­ri­na“ im Kärnt­ner Feld­kir­chen, deren Web­site mit wider­li­chen SS-Wit­zen und sexis­ti­schen Sprü­chen auf­war­te­te. Als Medi­en dar­auf auf­merk­sam wur­den, ging die Sei­te off­line und fiel 2019 mit einem Video auf, dem das DÖW „NS-Koket­te­rie“ attes­tier­te.

Aus dem "Kneipbuch" auf der Website der Tigurina: "Heil Ostmark"
Aus dem „Kneip­buch” auf der Web­site der Tigu­ri­na:
„Heil Ost­mark”

Vom Armi­nen Sickl ist aus dem Jahr 2001 – da war er bereits 28 Jah­re alt – eine bezeich­nen­de Aus­sa­ge über­lie­fert. Im Zuge eines Rich­tungs­streits in sei­nem Dach­ver­band Deut­sche Bur­schen­schaft (DB), weil ein wegen ver­such­ten Mor­des gesuch­ter Neo­na­zi auf der Bude der Münch­ner Bur­schen­schaft Danu­bia Unter­schlupf gefun­den hat­te, kom­men­tier­te Sickl die Distan­zie­rungs­ver­su­che so: „Die DB muss sich nicht über­all­hin abgren­zen – Sie kann stolz sein auf ihre Grund­sät­ze Ehre, Frei­heit, Vater­land und braucht sich nicht ver­ste­cken.“ (zit. nach recherchegraz.noblogs.org, 15.10.16) Die dau­ern­de Abgren­zung gegen Rechts gehe ihm schon auf die Ner­ven. Rechts sei weder gewalt­tä­tig noch ras­sis­tisch, zitiert ihn „Recher­che Graz“.

Hein­rich Sickl war als Obmann des FAV Stei­er­mark nicht nur mit der „Aula“ ver­bun­den, son­dern auch FAV-Ver­bin­dungs­mann in die offen rechts­extre­me Sze­ne mit Ver­an­stal­tun­gen wie der FAV-Semi­nar­se­rie „Sturm auf Euro­pa“ und der „Herbst­aka­de­mie“ gemein­sam mit dem „Insti­tut für Staats­po­li­tik“ des Götz Kubitschek.

Sickl lös­te als Geschäfts­füh­rer der Eigen­tü­me­rin des Aula-Nach­fol­ge­ma­ga­zins „Frei­lich“, die „Frei­lich Medi­en GmbH“  weni­ge Tage vor Beginn des Pro­zes­ses gegen die „Aula“ auf und grün­de­te die „Edi­ti­on Kon­text GmbH, in der er nun selbst als Allein­ge­sell­schaf­ter und Geschäfts­füh­rer fungiert.

Maaßen: Unsinn, sauber verpackt

Hans-Georg Maa­ßen lie­fert die gro­ße deut­sche Legen­de und ver­sucht, sei­ne Behaup­tun­gen mit ver­meint­li­cher Distanz zum Gesprächs­ob­jekt „Anti­fa“ sau­ber zu ver­pa­cken: Er kramt in der Geschich­te, lan­det kom­plett dane­ben, als er etwa sagt, der Schöp­fer des Anti­fa-Logos sei „ein lin­ker Bau­haus-Künst­ler, näm­lich Max Ger­hard“, gewe­sen, wobei ihm zu genü­gen scheint, dass „Ger­hard“ irgend­wie so klingt wie der rea­le Name des Gra­fi­kers, der Geb­hard hieß; dann die in der Wei­ma­rer Repu­blik gegrün­de­te Anti­fa, für Maa­ßen die KPD-„Terrortruppe“ mit Arm zur SPD (wobei ihm das Wort „Ter­ror“ für das Nazi-Regime nie über die Lip­pen kommt) plus ver­dreh­te Per­so­nal­ge­schich­ten als poli­ti­sche Keule.

Und weil Machl Maa­ßen in der Sen­dung zum Opfer des „Sys­tems“ sti­li­siert („Nach­dem er eine Mei­nung äußer­te, wel­che von jener der ehe­ma­li­gen Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel abwich, geriet er im eta­blier­ten Sys­tem in Ungna­de“), lohnt ein Rea­li­täts­ab­gleich: Die Kon­tro­ver­sen um Maa­ßen als Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent dreh­ten sich nicht um eine harm­lo­se abwei­chen­de Mei­nung, wie Machl behaup­tet, son­dern u.a. um sei­ne öffent­li­chen Skan­dal­aus­sa­gen zu Chem­nitz („Hetzjagd“-Debatte) und die poli­ti­sche Ver­trau­ens­fra­ge, die dar­aus wurde.

Fazit und ein Rat

Nur weni­ge der Unfug-Bei­spie­le aus der„Dreiländereck“-„Antifa”-Sendung sind hier ange­führt. Sie lie­fert kei­ne Ana­ly­se, son­dern ein Hand­buch rech­ter Dis­kurs­tech­nik: Jour­na­lis­mus wird zur „Ver­knüp­fung“ mit der „Anti­fa“ umge­lo­gen, Rechts­staat zur „Ver­höh­nung“ umeti­ket­tiert, anti­fa­schis­ti­sche Bil­dungs- und Auf­klä­rungs­ar­beit wer­den zur Bedro­hung umge­deu­tet, und die eige­ne Sze­ne wird bio­gra­fisch wie his­to­risch aus der Gewalt­ge­schich­te herausretuschiert.

Einen Rat hat Sickl noch zum Schluss als Rezept gegen die „Anti­fa“ parat: Man müs­se „die­se Struk­tu­ren [der Anti­fa] noch mehr öffent­lich machen“. Mit der­ma­ßen wenig Sach­kennt­nis gerüs­tet muss er aller­dings gut auf­pas­sen, nicht in die Ver­leum­dungs­schie­ne zu gera­ten. Denn die könn­te für ihn teu­er werden.

➡️ Radio „Kon­tra­funk“ dockt in Linz an, Flo­ri­an Machl lie­fert die öster­rei­chi­sche Brü­cke (Teil 1)

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