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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Mélange KW 39/24 (Teil 1): FPÖ – Rechtsextreme Vorfälle am laufenden Band

Die FPÖ liegt nicht nur bei den Ergeb­nis­sen der Natio­nal­rats­wahl vor­ne, son­dern mit gro­ßem Abstand auch in Bezug auf rechts­extre­me Vor­fäl­le, die in der Wahl­wo­che von uns regis­triert wur­den: Bei einem Wel­ser Magis­trats­be­diens­te­ten stellt sich die Fra­ge, Hit­ler­gruß oder Tanz­be­we­gung, ein Salz­bur­ger Bür­ger, der an sei­nem Gar­ten­zaun Bot­schaf­ten gegen die FPÖ ange­bracht hat­te, stellt sich die Fra­ge, wie­so er Besuch von der Poli­zei bekam und war­um er ein­ver­nom­men wer­den soll­te, ein Texting­ta­ler FPÖ-Funk­tio­när beant­wor­tet kei­ne Fra­gen, und wir fra­gen uns, wie­so Ver­tre­ter von rechts­extre­men Medi­en ins Par­la­ment durften.

1. Okt. 2024
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

Wels/OÖ: Fragwürdige Tanzbewegung eines Burschenschafters
Bürmoos/Sbg: FPÖ-Kritik mit bösen Folgen

Texingtal/NÖ: Hetze mit HJ gegen LGBTQ
Wien: FPÖ feiert Antisemiten Bhakdi ab
Wien: Heftige Attacke auf Puls24-Team bei FPÖ-Wahlabschlussveranstaltung
Wien: Medien bei FPÖ-Wahlparty nicht erlaubt, dafür Rechtsextreme
Wien: Rechtsextreme Medien im Parlament
Wien: FPÖ verwechselt Adresse

 

Wels/OÖ: Fragwürdige Tanzbewegung eines Burschenschafters

Es geschah auf einer Hoch­zeits­fei­er, die im Juni 24 auf Schloss Mühl­dorf in Feld­kir­chen statt­ge­fun­den hat. Da hob ein Wel­ser Magis­trats­be­diens­te­ter, auch Bur­schen­schaf­ter der „Ober­ös­ter­rei­cher Ger­ma­nen in Wien“ und laut Ober­ös­ter­rei­chi­sche Nach­rich­ten (28.9.24, S. 30) 2015 FPÖ-Kan­di­dat für die Lin­zer Gemein­de­rats­wahl, zum Intro eines bekann­ten Songs den abge­win­kel­ten rech­ten Arm.

Ein Mini-Video, ver­öf­fent­licht von meinbezirk.at (27.9.24), zeigt in knap­pen vier Sekun­den die Sze­ne. Der Mann steht ein­sam und ziem­lich steif auf der Tanz­flä­che, hebt sei­nen Arm und senkt ihn wie­der. Hit­ler­gruß oder Tanz­be­we­gung? Ein Leser hat der Redak­ti­on der Bezirks­Rund­schau das Video zuge­spielt und noch ange­merkt, dass der Mann „bei den Fei­er­lich­kei­ten auch zu dem Gigi D’A­gos­ti­no-Hit ‚l’a­mour tou­jours’ auch ‚Aus­län­der raus’ gegrölt [habe]. Das ist auf dem Video aller­dings nicht zu hören.“

Da der Bur­schen­schaf­ter für die Bezirks­Rund­schau nicht zu errei­chen war, gab der Wel­ser Bür­ger­meis­ter Andre­as Rabl (FPÖ) sei­ne Exper­ti­se zu dem Vor­fall ab: „Man hört am Video nicht, dass ‚Aus­län­der raus‘ skan­diert wird.“ (meinbezirk.at) Das hat auch nie­mand außer Rabl behaup­tet. Der Wel­ser FPÖ-Stadt­par­tei­chef Ger­hard Kroiß gab sich ähn­lich fach­kun­dig: „Ich habe das Video noch nicht gese­hen, mei­ner Mei­nung nach war das kein HIt­ler­gruß.” (meinbezirk.at)

Bür­ger­meis­ter Andre­as Rabl ana­ly­sier­te die Arm­be­we­gung sei­nes Beam­ten aber tat­säch­lich und befin­det, das Video bzw. die Tanz­be­we­gun­gen sei­en „ungüns­tig geschnit­ten“ (Ober­ös­ter­rei­chi­sche Nach­rich­ten, 28.9.24, S. 30). Zur Bezirks­Rund­schau füg­te er an: „Da tanzt ein Mann auf der Tanz­flä­che, es hat eine inter­ne Unter­su­chung des­we­gen gege­ben, dar­aus ergab sich, dass es eine rei­ne Tanz­be­we­gung war. Ich glau­be, dahin­ter steckt die Absicht, jeman­den ins rech­te Eck zu stel­len.“

Die Wel­ser Anti­fa schreibt süf­fi­sant in ihrer Stel­lung­nah­me: „Wir glau­ben unse­rem Herrn Bür­ger­meis­ter grund­sätz­lich fast alles“, betont Anti­fa-Vor­sit­zen­der Wer­ner Retzl. „Nur als er uns sei­nen Nazi-Groß­va­ter als Wider­stands­kämp­fer ver­kau­fen woll­te, waren wir ein wenig skeptisch.“

Ob es neben den „inter­nen Ermitt­lun­gen“ auch offi­zi­el­le, näm­lich sol­che der Staats­an­walt­schaft zur Fra­ge Tanz­be­we­gung oder Hit­ler­gruß gibt, geht aus den diver­sen Medi­en­be­rich­ten nicht hervor.

Update 18.3.25: Laut „Kro­nen Zei­tung” (18.3.25) wur­den die Ermitt­lun­gen gegen den Magis­trats­be­diens­te­ten eingestellt.

Bürmoos/Sbg: FPÖ-Kritik mit bösen Folgen

Es ist eine schwer zu ver­dau­en­de Geschich­te, über die der „Stan­dard“ (27.9.24) berich­tet und zeigt, was pas­siert, wenn jemand aus dem Volk (jenen Teil, den Kickl & Co nicht mei­nen) die FPÖ kritisiert:

Mit Sprü­chen wie „Kickl ist Gift für unse­re Zukunft” und „Braun hat­ten wir schon mal, war Kacke” ver­sucht Elmar Kas­per, Bewoh­ner der Salz­bur­ger Gemein­de Bür­moos, sei­ne Nach­bar­schaft dazu zu bewe­gen, eine ande­re Par­tei als die FPÖ zu wäh­len. Doch rela­tiv bald, nach­dem er ent­spre­chen­de Pla­ka­te im August auf sei­nem Gar­ten­zaun ange­bracht hat­te, stand die Poli­zei vor sei­ner Tür.

Der Bür­moo­ser wur­de wegen des Ver­dachts der Ver­het­zung ein­ver­nom­men. Da der „Ver­dacht“ halt­los war, stell­te die Staats­an­walt­schaft Salz­burg das Ermitt­lungs­ver­fah­ren wie­der ein. War­um aber war über­haupt ermit­telt wor­den? „Jemand habe ihn ange­zeigt, wes­we­gen die Exe­ku­ti­ve tätig gewor­den sei und ihn zur Klä­rung des Erst­ver­dachts ver­nom­men habe.“ (derstandard.at) Die Anzei­ge sei von einer poli­ti­schen Par­tei gekom­men, bestä­tig­te die Poli­zei in vor­neh­mer Diskretion.

Vier Wochen spä­ter fand sich die Poli­zei wie­der bei dem Bür­moo­ser ein. Zu Dritt mar­schier­te die Exe­ku­ti­ve auf und for­der­te ihn auf, sofort auf den Pos­ten zur Ein­ver­nah­me mit­zu­kom­men. In der Nähe sei­nes Hau­ses war näm­lich ein FPÖ-Wahl­pla­kat­stän­der ver­schwun­den – und da kom­bi­nier­te der Anzei­ger, wie­der die dis­kre­te poli­ti­sche Par­tei FPÖ, dass da mög­li­cher­wei­se der FPÖ-Kri­ti­ker dahin­ter­ste­hen könn­te. Der Bür­moo­ser „hat­te sich bei dem Besuch der Poli­zis­ten aller­dings gewei­gert, mit­zu­kom­men, da er nach eige­nen Anga­ben in Ruhe früh­stü­cken woll­te“ (derstandard.at).

Dass das alles öffent­lich wur­de, liegt an der Toch­ter des Bür­moo­ser Fami­li­en­va­ters, Nadi­ne Kas­per, die als Abge­ord­ne­te für die Grü­nen im Vor­arl­ber­ger Land­tag tätig ist und ihre „groß­ar­ti­gen Eltern“ lobt und gegen Kickl und des­sen Par­tei so her­zieht wie die Eltern. Da wird sie wohl auf­pas­sen müs­sen, dass die Exe­ku­ti­ve nicht auch bei ihr aufmarschiert!

Da hän­gen mei­ne groß­ar­ti­gen Eltern ein State­ment gegen rechts an den eige­nen Gar­ten­zaun. Die Poli­zei taucht auf, es gäbe eine Anzei­ge, sie wür­den mit die­ser Akti­on zu „Sach­be­schä­di­gung“ auf­for­dern. 4 Wochen spä­ter: ring, ring, die Poli­zei ist da (die­ses Mal zu dritt; mein Vater pic.twitter.com/gP0qwztfef

— Nadi­ne Kas­per (@nadine_kasper_) Sep­tem­ber 25, 2024

Texingtal/NÖ: Hetze mit HJ gegen LGBTQ

In Tex­ing­tal, mit­ten in Nie­der­ös­ter­reich, also dort, wo ÖVP und FPÖ gemein­sam regie­ren, begab sich Fol­gen­des, was sogar die Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten (24.9.24) fast sprach­los machte:

Eine Whats-App-Sta­tus­mel­dung eines Tex­ing­ta­ler FPÖ-Funk­tio­närs macht aktu­ell sprach­los. Es ist eine Col­la­ge zwei­er Bil­der – der Pri­de-Para­de 2019 in New York und einem Foto der Hit­ler­ju­gend – und dem Text „Indok­tri­nie­re sie, solan­ge sie jung sind“. Es ist auch nicht das ers­te Pos­ting des Funk­tio­närs in dem er sei­ne Abnei­gung gegen­über der LGBTQ-Com­mu­ni­ty aus­drückt.

Nicht sprach­los, aber zurück­hal­tend beschrie­ben die NÖN die Het­ze­rei­en des FPÖ-Funk­tio­närs als „Abnei­gung gegen­über der LGBTQ-Com­mu­ni­ty“. Wirk­lich sprach­los wur­de dage­gen der Het­zer selbst, der nicht ant­wor­ten woll­te oder durf­te, „aller­dings nahm FPÖ-Bezirks­par­tei­chef und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Richard Punz Stel­lung. Von Reue, dass ein mög­li­cher Kan­di­dat bei der kom­men­den Gemein­de­rats­wahl ein Foto der Hit­ler­ju­gend mit ein­deu­ti­gem Text pos­tet, ist dabei aber auch kei­ne Spur.“ (noen.at)

Die Whats­App-Sta­tus-Mel­dung des Tex­ing­ta­lers bleibt ohne Kon­se­quenz. Die Staats­an­walt­schaft St. Pöl­ten lei­te­te kei­ne Ermitt­lun­gen wegen Ver­het­zung ein, ob es eine Ver­wal­tungs­stra­fe gibt, ist noch offen. Für den Gedenk­ver­ein MERK­wür­dig – Zeit­his­to­ri­sches Zen­trum Melk ist das Pos­ting des Tex­ing­ta­ler Blau­en hin­ge­gen „klar het­zend“ (noen.at).

Wien: FPÖ feiert Antisemiten Bhakdi ab

Am 24.9., also weni­ge Tage vor der Natio­nal­rats­wahl, lud der FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Micha­el Schned­litz in die Wie­ner Lug­ner-City zu einer Ver­an­stal­tung mit dem Anti­se­mi­ten und Ver­schwö­rungs­er­zäh­ler Sucha­rit Bhak­di und erin­ner­te dar­an, dass die FPÖ bei den Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen eine Pole-Posi­ti­on beansprucht.

Der „eme­ri­tier­te deut­sche Mikro­bio­lo­ge, der wäh­rend der Pan­de­mie durch sei­ne gro­tes­ken Falsch­in­for­ma­tio­nen auf­fäl­lig wur­de und sich dadurch ins wis­sen­schaft­li­che Jen­seits kata­pul­tier­te“ (derstandard.at, 23.9.24), ver­damm­te die jüdi­sche Hochschüler:innenschaft (JöH), weil die durch ihre Mahn­wa­che gegen Volks­kanz­ler und Kel­ler­na­zis den Anti­se­mi­tis­mus schü­re – was eine wei­te­re anti­se­mi­ti­sche Ent­glei­sung von Bhak­di, der von der FPÖ als „Licht­ge­stalt der Frei­heit“ beju­belt wur­de, darstellt.

Die JöH brach­te eine Sach­ver­halts­dar­stel­lung ein, weil Bhak­di ein­mal mehr die Coro­na-Maß­nah­men mit dem Holo­caust ver­gli­chen habe.

In Bezug auf die Coro­na-Maß­nah­men sprach Bhak­di vom „größ­ten Ver­bre­chen der Mensch­heit“. “Noch nie sei so vie­len Men­schen so viel Gewalt ange­tan wor­den“. Den Kon­text der Aus­sa­ge macht Bhak­di klar: „Wo und wann in der Geschich­te der Mensch­heit ist an so vie­len Men­schen so viel Gewalt, kör­per­lich, men­tal, ver­bal ange­wandt wor­den. Die Ant­wort kennt ihr alle.“ Damit posi­tio­niert Bhak­di sei­ne Aus­sa­gen klar in Ana­lo­gie zum Holo­caust. (ots.at, 27.9.24)

Den Ein­peit­scher bei der Ver­an­stal­tung gab Leo Lug­ner (vor­mals Kohl­bau­er), dem der Auf­tritt aber auch nicht dazu ver­hel­fen konn­te, genug Vor­zugs­stim­men zu sam­meln, um in den Natio­nal­rat ein­zie­hen zu können.

Wien: Heftige Attacke auf Puls24-Team bei FPÖ-Wahlabschlussveranstaltung

Bei der Abschluss­ver­an­stal­tung der FPÖ zum Natio­nal­rats­wahl­kampf am Wie­ner Ste­phans­platz kam es zu sehr hef­ti­gen ver­ba­len und phy­si­schen Atta­cken auf das Medi­en­team von Puls24, als des­sen Repor­ter Chris­toph Isaac Kram­mer gera­de ein­lei­ten­de Wor­te spre­chen woll­te. „Ein Mann unter­bricht den Repor­ter und ver­sucht die Kame­ra zuzu­hal­ten, die Kame­ra weg­zu­neh­men und ihm das Mikro­fon aus der Hand zu schla­gen. „Du Oasch” raunt ihm ein auf­ge­brach­ter Zuhö­rer zu, eben­so wie „Schleich di”, berich­te­te puls24.at am 27.9.24.

Live wäh­rend einer Schal­te wird unse­rer Repor­ter beim FPÖ-Wahl­kampf­ab­schluss ange­gan­gen. https://t.co/iUiyji7vcj pic.twitter.com/uqGRarF3zO

— Mathi­as Mor­scher (@mathiasmoe) Sep­tem­ber 27, 2024

Wien: Medien bei FPÖ-Wahlparty nicht erlaubt, dafür Rechtsextreme

Fabi­an Kös­ter von der ZDF-Sati­re-Sen­dung „Heu­te Show“ war auch bei der Abschluss­ver­an­stal­tung der FPÖ am Wie­ner Ste­phans­platz prä­sent. Er wur­de anschei­nend nicht ver­bal oder phy­sisch angepöbelt.

Das Team der „Heu­te Show“ wird sich, wie zu erfah­ren war, auch heu­te in der Wahl­kampf­zen­tra­le im Par­la­ment ein­fin­den. Auch woll­te man sich für die Wahl­par­ty der FPÖ, die in der Stiegl Ambu­lanz m Alten AKH über die Büh­ne geht, akkre­di­tie­ren, doch die Zusa­ge blieb aus.“ (kleinezeitung.at, 29.9.24)

Eine media­le Bericht­erstat­tung von der FPÖ-Wahl­par­ty nach der Rede von Her­bert Kickl war gene­rell nicht erlaubt. Die FPÖ hat­te ver­fügt, dass Journalist*innen die Par­ty zu ver­las­sen hät­ten. „Wäh­rend Medi­en drau­ßen blei­ben muss­ten, waren bei der FPÖ-Wahl­par­ty Rechts­extre­me offen­bar will­kom­men — sie teil­ten selbst Fotos von der Par­ty.“ (puls24.at, 30.9.24)

Sie­ges­trun­ke­ne Neo­fa­schis­ten grei­fen in Öster­reich nach der Macht: Die #FPÖ und fei­er­te ihre gest­ri­ge #Wahl­par­ty in #Wien gemein­sam mit Kadern der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung. Bis­lang doku­men­tier­te Rechts­extre­mis­ten sind „Tim Zieg­ler” (1), Jakob Guna­cker (2) und Lau­renz Gross­mann. https://t.co/WubMUegUkr pic.twitter.com/cON6FswQtY

— Recher­che­platt­form zur Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (@IbDoku) Sep­tem­ber 30, 2024

Wien: Rechtsextreme Medien im Parlament

Angeb­lich hat das Innen­mi­nis­te­ri­um bzw. die Direk­ti­on Staats­schutz und Nach­rich­ten­dienst unter Beru­fung auf den § 22 des Sicher­heits­po­li­zei­ge­set­zes meh­re­re Per­so­nen bzw. rechts­extre­me Medi­en von der Bericht­erstat­tung aus dem Par­la­ment am Wahl­abend aus­ge­schlos­sen, wor­auf die FPÖ empört reagiert hat­te. Doch stellt sich natür­lich die Fra­ge, war­um sich das Par­la­ment sein Haus­recht an das Innen­mi­nis­te­ri­um abtritt. Aus Feigheit?

Ver­wir­rung gab es auch um die Fra­ge, ob Medi­en oder Per­so­nen aus­ge­schlos­sen wur­den. Nico­las Schott (RTV) und Micha­el Scharf­mül­ler (Info-Direkt) sol­len nach Eigen­aus­sa­ge betrof­fen gewe­sen sein, dazu wur­den von den bei­den Flo­ri­an Machl (report24) und der FPÖ-Klub­mit­ar­bei­ter Wal­ter Asperl (unzen­su­riert) genannt.

Auf1 hat­te schon Tage vor der Wahl in schril­len Tönen vor Wahl­be­trug und Wahl­ma­ni­pu­la­ti­on zum Scha­den der FPÖ gewarnt und sich selbst als Wäch­ter für fai­re Wah­len zu insze­nie­ren ver­sucht. Wie das durch die blo­ße Anwe­sen­heit eini­ger Per­so­nen im Par­la­ment mög­lich sein soll, beant­wor­te­te Auf1 natur­ge­mäß nicht.

Auf1 insze­nier­te sei­ne Prä­senz im Par­la­ment gemein­sam mit RTV mit einem flott gezim­mer­ten „Stu­dio“. Inter­viewt wur­de dort etwa FPÖ-Chef Her­bert Kickl, der sei­nen Dank an den rechts­extre­men Ver­schwö­rungs­sen­der dadurch abstat­te­te, dass er ihn als ers­tes Medi­um auf­such­te. Made­lei­ne Petro­vic, in einem frü­he­ren Leben Grün-Che­fin und am Wahl­sonn­tag mit ihrer Lis­te und 0,6 % unter­ge­gan­gen, wur­de eben­so inter­viewt wie der Chef der Lis­te MFG, die mit 0,4 % noch deut­li­cher abge­straft wurde.

Schon Tage vor der Wahl hat­ten die Gene­ral­se­kre­tä­rin des Pres­se­clubs Con­cor­dia, Danie­la Kraus, und die Jour­na­lis­tin Ingrid Brod­nig in einem „Kom­men­tar der Ande­ren“ im „Stan­dard“ (25.9.24) vor der Akkre­di­tie­rung des „recht­ex­tre­mis­ti­schen, für Ver­schwö­rungs­my­then, Fehl­in­for­ma­ti­on und Stim­mungs­ma­che bekann­ten“ Kanals Auf1 gewarnt.

Der Umstand, dass über die Akkre­di­tie­rung von Rechts­extre­men büro­kra­tisch und nicht poli­tisch – durch das Par­la­ment – ent­schie­den wur­de, illus­triert die vor­herr­schen­de inhalt­li­che Lee­re und Unfä­hig­keit im Umgang mit Rechts­extre­men durch die meis­ten poli­ti­schen Akteu­re. Die zuvor nach der angeb­li­chen Sicher­heits­über­prü­fung durch den Ver­fas­sungs­schutz nicht akkre­di­tier­ten Per­so­nen, Schott, Scharf­mül­ler und Machl waren dann den­noch im Par­la­ments­ge­bäu­de, was die Vor­gangs­wei­se der Par­la­ments­di­rek­ti­on voll­ends ad absur­dum führte.

Zuerst (angeblich) nach einer Sicherheitsüberprüfung ausgeschlossen, dann doch im Parlament: Scharfmüller, Machl, Schott (Screenshot TG 30.9.24)
Zuerst (angeb­lich) nach einer Sicher­heits­über­prü­fung aus­ge­schlos­sen, dann doch im Par­la­ment: Scharf­mül­ler, Machl, Schott (Screen­shot TG 30.9.24)

Wien: FPÖ verwechselt Adresse

Der FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Chris­ti­an Hafenecker war etwas ganz Gro­ßem auf der Spur: Er warf dem Bun­des­mu­se­um Bel­ve­de­re und auch gleich Kul­tur­staats­se­kre­tä­rin Andrea May­er und auch gleich den Grü­nen vor, hin­ter einer per­fi­den Brief­ak­ti­on gegen die FPÖ zu stecken.

Das Muse­um sei die „Heim­stät­te“ eines Ver­eins, „der an 1500 Natio­nal­rats­kan­di­da­ten und ‑kan­di­da­tin­nen einen Brief schickt, in dem man auf­ge­for­dert wird, mit der Unter­schrift zu bestä­ti­gen, dass man eine Regie­rung der FPÖ nicht unter­stüt­zen wür­de“. Dahin­ter ste­cke somit Grü­nen-Kul­tur­staats­se­kre­tä­rin Andrea May­er, die dafür Kul­tur­bud­get ver­wen­de. (diepresse.com, 24.9.24)

Hafeneckers Anschul­di­gun­gen basier­ten auf der Annah­me, dass das Muse­um die glei­che Adres­se wie der Ver­ein „Ein Ver­spre­chen für die Repu­blik“ hät­te. Tat­säch­lich reich­ten die Inves­ti­ga­tiv­kennt­nis­se der FPÖ aber nicht so weit, um zu eru­ie­ren, dass in Neben­ge­bäu­den des Bel­ve­de­re auch Pri­va­te, Fir­men und Ver­ei­ne ansäs­sig sind. Der Ver­ein wird von Fil­me­ma­che­rin Gabrie­la Bacher gelei­tet und nicht von Bel­ve­de­re-Direk­to­rin Stel­la Rol­lig. Hafeneckers gro­ße Ent­de­ckung war also ein Schlag ins Wasser.

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