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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Mélange KW 16/24 (Teil 2): FPÖ

Im zwei­ten Teil des Wochen­rück­blicks dreht sich alles um die FPÖ: Blaue Neo­na­zi-Kon­tak­te, blaue Zer­würf­nis­se, blaue Schwurb­ler und ein offe­ner Brief gegen den blau­en Angriff auf die Demokratie.

26. Apr. 2024
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

Wien: Leiter der BVT-Razzia erhielt Mail von Gottfried Küssel
Stadl-Paura/OÖ: Die blauen Fetzen fliegen
Wien: Prominenter Covid-Schwurbler Bhakdi bei der FPÖ in Wien
Ö/D: Offener Brief von 140 Wissenschafter*innen – Warnung vor FPÖ und AfD

 

Wien: Leiter der BVT-Razzia erhielt Mail von Gottfried Küssel

In dem skan­da­lö­sen Fall der unter Innen­mi­nis­ter Kickl ange­ord­ne­ten Haus­durch­su­chung beim „Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung“ (BVT) im Febru­ar 2018 ist ein bri­san­tes Detail ans Licht gekom­men. Kur­zer Rück­blick: Bei der Raz­zia war der Aus­druck einer E‑Mail ver­schwun­den, in der Öster­reichs bekann­tes­ter Neo­na­zi Gott­fried Küs­sel jeman­dem mit offi­zi­el­ler Poli­zei­adres­se in ein „Lokal“ namens „Reich“ (ver­mut­lich Küs­sels Kel­ler­raum im zwei­ten Bezirk) ein­lud. Dies hat­te Sibyl­le G., die ehe­ma­li­ge Lei­te­rin des Extre­mis­mus­re­fe­rats im BVT, im par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schuss am 10.4. bekannt gege­ben (sie­he aus­führ­lich: stopptdierechten.at, 12.4.24).

Der „Stan­dard“ hat nun, auf der Grund­la­ge eines vor­läu­fi­gen Pro­to­kolls von G.s Aus­sa­gen, ent­hüllt, dass es sich bei dem Emp­fän­ger der Neo­na­zi-Mail tat­säch­lich um den Lei­ter der Raz­zia han­deln dürf­te: Poli­zei­oberst Wolf­gang Preiszler.

So habe sich auf G.s Schreib­tisch der Aus­druck einer E‑Mail gefun­den, in der Küs­sel eini­ge Per­so­nen zu einer Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den habe. Auf die­sem Ver­tei­ler habe sich auch Preiszler befun­den. „Wie ich erfah­ren habe, wer der ope­ra­ti­ve Ein­satz­lei­ter bei der Haus­durch­su­chung ist, habe ich mei­nem Vor­ge­setz­ten, der neben mir gestan­den ist, noch gesagt: Ich bin neu­gie­rig, ob sie auch den Mail­aus­druck von Gott­fried Küs­sel fin­den“, sag­te G. vor dem U‑Ausschuss. Als sie spä­ter ihr Büro auf­ge­räumt habe, sei das Doku­ment nicht mehr da gewe­sen, erklär­te G. spä­ter. (derstandard.at, 19.4.24)

Preiszler hat bis­her kei­ne Stel­lung dazu bezo­gen, in wel­chem Ver­hält­nis er zu Küs­sel steht. Dass aus­ge­rech­net Preiszlers Ein­satz­grup­pe gegen Stra­ßen­kri­mi­na­li­tät (EGS) die Raz­zia durch­führ­te, hat­te in Medi­en und bei der Oppo­si­ti­on bereits damals zu dem Ver­dacht geführt, dass bewusst eine Ein­heit mit Nähe zur FPÖ aus­ge­wählt wor­den war. Und die ist bei Preiszler ein­deu­tig gege­ben: Er war zum Zeit­punkt der Raz­zia FPÖ-Gemein­de­rat in Guntramsdorf.

Der Stan­dard-Jour­na­list Mar­kus Sulz­bach­er hat nun beim Innen­mi­nis­te­ri­um nach­ge­fragt und eine erstaun­li­che Ant­wort erhalten.

Auf Anfra­ge, ob die­ser Kon­takt [Preiz­ler-Küs­sel, Anmk. SdR] bekannt sei und wie das bewer­tet wer­de, heißt es in einer Stel­lung­nah­me lapi­dar: „Sofern dem Ver­fas­sungs­schutz straf­recht­lich rele­van­te Sach­ver­hal­te bekannt wer­den, wer­den die­se umge­hend bei der Staats­an­walt­schaft zur Anzei­ge gebracht.” Zum Adres­sa­ten der E‑Mail gibt es kei­ne Aus­kunft. Man bit­tet „um Ver­ständ­nis, dass zu kon­kre­ten Per­so­nen aus daten­schutz­recht­li­chen Grün­den kei­ne Aus­sa­gen getä­tigt wer­den kön­nen”. (derstandard.at, 25.4.24)

Der Adres­sat ist bekannt, dazu muss das Innen­mi­nis­te­ri­um kei­ne Aus­sa­gen mehr täti­gen. Dass jedoch etwa­ige Kon­tak­te von Poli­zei­be­am­ten in die Neo­na­zi-Sze­ne nicht an eine straf­recht­li­che Rele­vanz geknüpft sein dürf­ten, müss­te selbst­ver­ständ­lich sein – zumin­dest in einem demo­kra­ti­schen Staat.

Stadl-Paura/OÖ: Die blauen Fetzen fliegen

In Stadl-Pau­ra kracht es in der rech­ten Lokal­po­li­tik. Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Popp, der 2021 mit der „Lis­te Popp“ ange­tre­ten ist und gewählt wur­de, hat genug von der FPÖ und ins­be­son­de­re von Her­bert Kickl und ist aus­ge­tre­ten – sei­nem Geburts­tag, beton­te Popp: „Ich habe am 8. April, mei­nem Geburts­tag, die Mit­glied­schaft bei der FPÖ auf­ge­kün­digt. Der Par­tei­aus­tritt hat sich ange­fühlt wie ein Befrei­ungs­schlag.” (nachrichten.at, 15.4.24) Damit ist der FPÖ einer von 15 frei­heit­li­chen Bür­ger­meis­tern in Ober­ös­ter­reich abhan­den gekommen.

Gemein­de­rat Slo­bo Pupe­ter grün­de­te eine neue FPÖ-Orts­par­tei und soll nun, da er for­mal noch der Lis­te Popp ange­hört, bei der nächs­ten Gemein­de­rats­sit­zung aus sämt­li­chen Aus­schüs­sen geschmis­sen wer­den. Für eine Fort­set­zung des Kon­flikts ist also gesorgt.

Wien: Prominenter Covid-Schwurbler Bhakdi bei der FPÖ in Wien

Am 12.4. hat­te die FPÖ zu einer Ver­an­stal­tung mit dem Titel „Zurück zur Nor­ma­li­tät“ ins Wie­ner Arcotel Wim­ber­ger ein­ge­la­den. Star­gast war der Ver­schwö­rungs­ideo­lo­ge und Medi­zi­ner Sucha­rit Bhak­di. Was die­ser Agi­ta­tor vor sei­nen blau­en Fans an Wahn von sich gege­ben hat, lässt sich in einer „Falter“-Recherche nachlesen:

Die Pocken­imp­fung hat nie gewirkt. Die glo­ba­le Gesund­heits­dik­ta­tur ist nicht erst seit ges­tern, son­dern seit hun­dert Jah­ren in Pla­nung. Gegen Vire­n­er­kran­kun­gen kann man nicht imp­fen.  Und „die gan­ze Polio­ge­schich­te“, also die Bekämp­fung der Kin­der­läh­mung durch eine Imp­fung, ist „wahr­schein­lich eine Rie­sen­lü­ge“. (falter.at, 18.4.24)

Mit Bhak­di auf dem Podi­um sprach der FPÖ-Poli­ti­ker Gerald Hau­ser, der seit der Pan­de­mie auf blau­es Quer­den­ker­tum und Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gie gepolt ist. Auch FPÖ-Chef Kickl selbst gab sich die Ehre als Red­ner. In einer FPÖ-Pres­se­aus­sendung (12.4.24) hal­lu­zi­nier­te er die Ver­an­stal­tung als „als star­ke Bot­schaft an dunk­le und fins­te­re Mäch­te in die­sem Land“ und er bezeich­ne­te Bhak­di gar als eine „Licht­ge­stalt“.

Im Jahr 2021 erging sich Bhak­di noch öffent­lich in ganz offe­nem Anti­se­mi­tis­mus: „Das ist das Schlim­me an den Juden: Sie ler­nen gut. Es gibt kein Volk, das bes­ser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt — und umge­setzt. Des­halb ist Isra­el jetzt living hell — die leben­de Höl­le.“ (zit. nach tagesschau.de, 14.7.21).

Beim FPÖ-Event in Wien kam der Agi­ta­tor ohne direk­ten Ver­weis auf Juden und Jüdin­nen aus, son­dern bedien­te den apo­ka­lyp­ti­schen Wahn von der Welt­ver­schwö­rung im Querdenker*innen-Jargon:

Die mRNA-Imp­fun­gen sei­en ein „sata­ni­sches Pro­gramm, das Mil­lio­nen Men­schen geschä­digt und ver­stüm­melt hat“, sag­te er. Die WHO set­ze auf die­se Tech­no­lo­gie und bedro­he damit die Mensch­heit. „Sie bedro­hen Sie und ihre Liebs­ten – und die öster­rei­chi­sche Ein­heits­re­gie­rung beab­sich­tigt, die WHO tat­kräf­tig zu unter­stüt­zen“. „Buuuuuhhhh!“, tön­te es dar­auf­hin aus dem Saal. (derstandard.at, 12.4.24)

Bhak­di nann­te Kickl einen „einen per­sön­li­chen, guten Freund“ (ebd.) und rief auch dazu auf, ihn zu wählen.

Ö/D: Offener Brief von 140 Wissenschafter*innen – Warnung vor FPÖ und AfD

Ange­sichts der bevor­ste­hen­den Wah­len enga­gie­ren sich 140 Wissenschafer*innen gegen FPÖ und AfD:

In einem offe­nen, vom renom­mier­ten Kärnt­ner Psy­cho­the­ra­peu­ten Klaus Otto­mey­er initi­ier­ten Brief an Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler in Öster­reich und Deutsch­land war­nen rund 140 Psy­cho­lo­gin­nen, Psy­cho­the­ra­peu­ten und Sozi­al­wis­sen­schaf­ter aus bei­den Län­dern vor einem Erstar­ken des Rechts­extre­mis­mus. (derstandard.at, 17.4.24)

Initi­iert wur­de der offe­ne Brief von dem Kärnt­ner eme­rier­ten Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Klaus Otto­mey­er, der im poli­ti­schen Feld ins­be­son­de­re durch sei­ne Publi­ka­tio­nen zu Jörg Hai­der und die dar­aus resul­tie­ren­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen bekannt gewor­den ist.

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Schlagwörter: AfD | Antisemitismus | FPÖ | Neonazismus/Neofaschismus | Oberösterreich | Verschwörungsideologien | Weite Welt | Wien

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