„Kritisch hinterfragen, sich nicht alles gefallen lassen und frei und unabhängig arbeiten“, lautet die Selbstdarstellung der Desinformationsplattform. Betonung auf Selbstdarstellung, denn „unabhängig“ ist AUF1 von seinen Finanziers nur, wenn es in sein Weltbild und zum Marketing passt.
Teleshopping 2.0
Kürzlich wurde über die „alternativmedizinische“ Behandlung von Hunden und Katzen berichtet. Klassische medizinische Maßnahmen würden oft mehr schaden als nützen oder im schlimmsten Fall sogar dazu führen, dass man seinen Haustieren Nervengift verabreicht. Das mögen steile Thesen sein, zu denen es verschiedene Meinungen geben könnte. Aber nicht bei AUF1!
In dem Video wurde ausschließlich die „Alternativ-Tierärztin Dr. Jutta Ziegler“ interviewt. Als Lösung präsentierte die dann Produkte, die es praktischerweise gleich im AUF1-Onlineshop zu bestellen gibt. Produkte der Eigenmarke der Interviewpartnerin: „Dr. Ziegler Naturfutter“ Zufall? Wohl kaum! Es macht den Anschein, als würde AUF1 in seinen Beiträgen Produkte bewerben, um die dann im eigenen Onlineshop anzubieten. Das riecht stark nach Teleshopping 2.0!
So erfolgreich eine solche Vermarktungsstrategie sein mag, der Betrieb einer ganzen Desinformationsplattform lässt sich allein mit derlei Internetdeals wohl kaum bestreiten. Dazu kommt: Der Shop ist wirtschaftlich vom Internet-TV getrennt, die Gewinne fließen in die KAUF1-GmbH, die über die „4MT Holding GmbH” zu 100 % im Eigentum von Stefan Magnet steht.
Magnat zahlt Magnet?
Und da gab’s ja noch die Behauptung, AUF1 berichte „frei und unabhängig“. Dem öffentlich-rechtlichen ORF werden bei AUF1 regelmäßig Propaganda und Lügen vorgeworfen, die Einhebung von „Zwangsgebühren“ wird skandalisiert. Alles ganz anders bei Stefan Magnets Desinformationswerkstatt AUF1: In einer Doku auf ARTE sagte „Chefredakteur“ Stefan Magnet unlängst, man finanziere sich über Spenden von „vielen Tausenden Menschen“, die „im Durchschnitt 20, 30, 40 Euro“ spenden würden, „weil wir keine großen Finanziers im Hintergrund haben, die uns unterstützen“.
Einiges aber deutet darauf hin, dass dies maximal die halbe Wahrheit ist: Bei ARTE wird eine Finanzierung von AUF1 durch den ungarischen Medienmagnaten Lőrinc Mészáros bzw. dessen MBH-Bank behauptet. Woher dieses Wissen kommt ist unklar, die in der Doku genannten Quellen geben dies jedenfalls nicht her.
Wer AUF1 ganz sicher fördert, ist viel weniger geheimnisvoll: Einmal ist da die finanzielle Unterstützung durch die FPÖ. Im letzten halben Jahr hat die Partei um Herbert Kickl Inserate um mindestens 59.000 Euro bei AUF1 geschaltet. Die Videoberichte über die FPÖ sind – wenig überraschend – durchwegs wohlwollend.
Und dann gibt es noch reiche Privatleute, die bei der AUF1-Jubiläumsfeier im Mai sogar auf der großen Bühne gefeiert wurden. Existieren sie also doch, die „großen Finanziers“?
Einer könnte der österreichisch-kanadische Unternehmer und Mentalcoach Stefan Preisenhammer sein. Beim AUF1-Fest überreichte Preisenhammer unter großem Applaus Stefan Magnet eine Spende in Goldmünzen. Vor laufenden Kameras und versammeltem Publikum wechselte Gold im Wert von 12.000 Euro den Besitzer. Preisenhammer habe AUF1 in der Vergangenheit „schon mehrfach mit großzügigen Spenden“ bedacht.
Im Sommer 2024 durfte der redselige Mann über eine Stunde im AUF1-Interview alles Erdenkliche erzählen: über seine Kinder, sein „Gewohnheitstraining“, eine „geistige Filterreinigung“ und seine zerbrochene Ehe. Kritische, freie und unabhängige Berichterstattung? Auf der Bühne aber betonte Preisenhammer trotzdem, wie „wohl recherchierte, seriöse News“ er mit seinen Geldern unterstütze.
„Einer der größten Förderer”
Direkt davor sprach ein weiterer Förderer ins Mikro. Der Deutsche Hartmut Issmer ist kein Unbekannter. Er leistete die drittgrößte Spende in der Parteigeschichte der AfD (spiegel.de, 22.1.25). Auch für AUF1 dürfte er tief in die Tasche zu greifen. Bereits zum Start der Verschwörungsplattform habe sich Issmer entschieden, „massiv zu unterstützen“, sagte er. Auch die Moderation betonte mehrmals, dass Issmer „ein Großspender“ und „einer der größten Förderer seit Anbeginn“ sei.
Leisten kann er sich das, weil ihn seine Firmen nach eigenen Angaben „zu einem kleinen Millionär“ (fr.de, 4.4.24) gemacht haben. Das ermögliche ihm eine ganze Reihe von Plattformen zu unterstützen, die sein Weltbild verbreiten: PI-News, Tichys Einblick, Kontrafunk usw. Sein Weltbild gibt der ehemals Bedienstete der Bundeswehr auf Youtube auch selbst gerne zum Besten: Die Klima- und Corona-Politik „habe sich als Schwindel herausgestellt“, die öffentlich-rechtlichen Medien seien die „Lügenpresse“, Putin ein „sehr vernünftiger Politiker“ und natürlich „auch Trump“.
„Mut-Unternehmer” und Hitler-Fan
Und dann ist da noch ein alter Finanzier rechtsextremer Medien aus Österreich: der Unternehmer Ronald Seunig. Seunig wurde mit seinem Einkaufszentrum Excalibur City an der tschechischen Grenze bekannt. Die Unternehmung führt mittlerweile als Family City Sohn Roger.
Seunig Senior hatte in der Vergangenheit schon viel Geld in eine dubiose Publikation gesteckt. Jahrelang hatte er das weit rechts angesiedelte Kampfblatt „alles roger?“ herausgegeben. Die Blattlinie war der von AUF1 ähnlich: Verschwörungsmythen mit antisemitischen Untertönen, rechter Kulturkampf und die Kultivierung von Ängsten vor Migrant:innen und der LGBT-Community. Zudem hatte das Blatt Interviews von Stars abgedruckt deren Echtheit, gelinde gesagt, in Zweifel gezogen werden mussten.
Heute schaltet Seunig als einer der wenigen regelmäßig Inserate bei AUF1. Und wie andere Großspender auch darf Ronald Seunig unter dem Titel „Mut-Unternehmer“ in einem ausschweifenden Interview bei AUF1 seine steilen Thesen zum Besten geben. Darin geht es nicht nur um sein Hobby, das Jukebox-Museum, sondern auch seine Geschichte als Unternehmer, in der er unter anderem einen Dutyfree-Shop an der Grenze zu Tschechien als Musterbeispiel der Steuervermeidung etabliert hatte.
Relevanter noch sind die Ansichten Seunigs zur österreichischen Politik. In ihr sehe er vor allem Strukturen, „um die kriminellen Machenschaften, die im Hintergrund laufen, zu verdecken“. Regierungsmitglieder gehörten ins Gefängnis für das, „was sie dem Volk angetan haben in den letzten Jahren“. Dabei hielt sich Seunig im AUF1-Interview offenbar noch in Zaum. 2003 hat er dem Magazin Trend „seine offene Verehrung für Adolf Hitler” verkündet. Ein Bild des Führers würde „die Decke des Seunigschen Anwesens“ zieren, denn es sei „unglaublich, was der draufgehabt hat“.*
Ob Tierärztin, FPÖ, AfD-Finanzier oder Einkaufszentrum-Betreiber: AUF1 berichtet weder kritisch noch unabhängig. Vielmehr entsteht der Eindruck, wer zahlt wird protegiert.
* Ein Faksimile dieses denkwürdigen Trend-Artikels findet sich bei Stoppt die Rechten: Alles roger?
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