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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Wer sind die großen AUF1-Finanziers?

Ste­fan Magnets AUF1 ist eine Des­in­for­ma­ti­ons­platt­form in Jour­na­lis­mus-Ästhe­tik. Aber wer zahlt den täg­li­chen Betrieb? Woher kommt das Geld für das Fir­men­ge­flecht, das tut, als wür­de es seri­ös bericht­erstat­ten? Ein Event hat ein paar Ant­wor­ten geliefert.

10. Juni 2026
Also doch "große AUF1-Finanziers"? Stefan Magnet bekommt Geldspende über 12.000 Euro überreicht (Screenshot AUF1)
Also doch "große AUF1-Finanziers"? Stefan Magnet bekommt Geldspende über 12.000 Euro überreicht (Screenshot AUF1)

„Kri­tisch hin­ter­fra­gen, sich nicht alles gefal­len las­sen und frei und unab­hän­gig arbei­ten“, lau­tet die Selbst­dar­stel­lung der Des­in­for­ma­ti­ons­platt­form. Beto­nung auf Selbst­dar­stel­lung, denn „unab­hän­gig“ ist AUF1 von sei­nen Finan­ziers nur, wenn es in sein Welt­bild und zum Mar­ke­ting passt.

Teleshopping 2.0

Kürz­lich wur­de über die „alter­na­tiv­me­di­zi­ni­sche“ Behand­lung von Hun­den und Kat­zen berich­tet. Klas­si­sche medi­zi­ni­sche Maß­nah­men wür­den oft mehr scha­den als nüt­zen oder im schlimms­ten Fall sogar dazu füh­ren, dass man sei­nen Haus­tie­ren Ner­ven­gift ver­ab­reicht. Das mögen stei­le The­sen sein, zu denen es ver­schie­de­ne Mei­nun­gen geben könn­te. Aber nicht bei AUF1!

In dem Video wur­de aus­schließ­lich die „Alter­na­tiv-Tier­ärz­tin Dr. Jut­ta Zieg­ler“ inter­viewt. Als Lösung prä­sen­tier­te die dann Pro­duk­te, die es prak­ti­scher­wei­se gleich im AUF1-Online­shop zu bestel­len gibt. Pro­duk­te der Eigen­mar­ke der Inter­view­part­ne­rin: „Dr. Zieg­ler Natur­fut­ter“ Zufall? Wohl kaum! Es macht den Anschein, als wür­de AUF1 in sei­nen Bei­trä­gen Pro­duk­te bewer­ben, um die dann im eige­nen Online­shop anzu­bie­ten. Das riecht stark nach Tele­shop­ping 2.0!

So erfolg­reich eine sol­che Ver­mark­tungs­stra­te­gie sein mag, der Betrieb einer gan­zen Des­in­for­ma­ti­ons­platt­form lässt sich allein mit der­lei Inter­net­deals wohl kaum bestrei­ten. Dazu kommt: Der Shop ist wirt­schaft­lich vom Inter­net-TV getrennt, die Gewin­ne flie­ßen in die KAUF1-GmbH, die über die „4MT Hol­ding GmbH” zu 100 % im Eigen­tum von Ste­fan Magnet steht.

Magnat zahlt Magnet?

Und da gab’s ja noch die Behaup­tung, AUF1 berich­te „frei und unab­hän­gig“. Dem öffent­lich-recht­li­chen ORF wer­den bei AUF1 regel­mä­ßig Pro­pa­gan­da und Lügen vor­ge­wor­fen, die Ein­he­bung von „Zwangs­ge­büh­ren“ wird skan­da­li­siert. Alles ganz anders bei Ste­fan Magnets Des­in­for­ma­ti­ons­werk­statt AUF1: In einer Doku auf ARTE sag­te „Chef­re­dak­teur“ Ste­fan Magnet unlängst, man finan­zie­re sich über Spen­den von „vie­len Tau­sen­den Men­schen“, die „im Durch­schnitt 20, 30, 40 Euro“ spen­den wür­den, „weil wir kei­ne gro­ßen Finan­ziers im Hin­ter­grund haben, die uns unter­stüt­zen“.

Eini­ges aber deu­tet dar­auf hin, dass dies maxi­mal die hal­be Wahr­heit ist: Bei ARTE wird eine Finan­zie­rung von AUF1 durch den unga­ri­schen Medi­en­ma­gna­ten Lőrinc Més­zá­ros bzw. des­sen MBH-Bank behaup­tet. Woher die­ses Wis­sen kommt ist unklar, die in der Doku genann­ten Quel­len geben dies jeden­falls nicht her.

Wer AUF1 ganz sicher för­dert, ist viel weni­ger geheim­nis­voll: Ein­mal ist da die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung durch die FPÖ. Im letz­ten hal­ben Jahr hat die Par­tei um Her­bert Kickl Inse­ra­te um min­des­tens 59.000 Euro bei AUF1 geschal­tet. Die Videobe­rich­te über die FPÖ sind – wenig über­ra­schend – durch­wegs wohlwollend.

Und dann gibt es noch rei­che Pri­vat­leu­te, die bei der AUF1-Jubi­lä­ums­fei­er im Mai sogar auf der gro­ßen Büh­ne gefei­ert wur­den. Exis­tie­ren sie also doch, die „gro­ßen Finanziers“?

Einer könn­te der öster­rei­chisch-kana­di­sche Unter­neh­mer und Men­tal­coach Ste­fan Prei­sen­ham­mer sein. Beim AUF1-Fest über­reich­te Prei­sen­ham­mer unter gro­ßem Applaus Ste­fan Magnet eine Spen­de in Gold­mün­zen. Vor lau­fen­den Kame­ras und ver­sam­mel­tem Publi­kum wech­sel­te Gold im Wert von 12.000 Euro den Besit­zer. Prei­sen­ham­mer habe AUF1 in der Ver­gan­gen­heit „schon mehr­fach mit groß­zü­gi­gen Spen­den“ bedacht.

Im Som­mer 2024 durf­te der red­se­li­ge Mann über eine Stun­de im AUF1-Inter­view alles Erdenk­li­che erzäh­len: über sei­ne Kin­der, sein „Gewohn­heits­trai­ning“, eine „geis­ti­ge Fil­ter­rei­ni­gung“ und sei­ne zer­bro­che­ne Ehe. Kri­ti­sche, freie und unab­hän­gi­ge Bericht­erstat­tung? Auf der Büh­ne aber beton­te Prei­sen­ham­mer trotz­dem, wie „wohl recher­chier­te, seriö­se News“ er mit sei­nen Gel­dern unterstütze.

„Einer der größten Förderer”

Direkt davor sprach ein wei­te­rer För­de­rer ins Mikro. Der Deut­sche Hart­mut Iss­mer ist kein Unbe­kann­ter. Er leis­te­te die dritt­größ­te Spen­de in der Par­tei­ge­schich­te der AfD (spiegel.de, 22.1.25). Auch für AUF1 dürf­te er tief in die Tasche zu grei­fen. Bereits zum Start der Ver­schwö­rungs­platt­form habe sich Iss­mer ent­schie­den, „mas­siv zu unter­stüt­zen“, sag­te er. Auch die Mode­ra­ti­on beton­te mehr­mals, dass Iss­mer „ein Groß­spen­der“ und „einer der größ­ten För­de­rer seit Anbe­ginn“ sei.

Leis­ten kann er sich das, weil ihn sei­ne Fir­men nach eige­nen Anga­ben „zu einem klei­nen Mil­lio­när“ (fr.de, 4.4.24) gemacht haben. Das ermög­li­che ihm eine gan­ze Rei­he von Platt­for­men zu unter­stüt­zen, die sein Welt­bild ver­brei­ten: PI-News, Tichys Ein­blick, Kon­tra­funk usw. Sein Welt­bild gibt der ehe­mals Bediens­te­te der Bun­des­wehr auf You­tube auch selbst ger­ne zum Bes­ten: Die Kli­ma- und Coro­na-Poli­tik „habe sich als Schwin­del her­aus­ge­stellt“, die öffent­lich-recht­li­chen Medi­en sei­en die „Lügen­pres­se“, Putin ein „sehr ver­nünf­ti­ger Poli­ti­ker“ und natür­lich „auch Trump“.

„Mut-Unternehmer” und Hitler-Fan

Und dann ist da noch ein alter Finan­zier rechts­extre­mer Medi­en aus Öster­reich: der Unter­neh­mer Ronald Seunig. Seunig wur­de mit sei­nem Ein­kaufs­zen­trum Exca­li­bur City an der tsche­chi­schen Gren­ze bekannt. Die Unter­neh­mung führt mitt­ler­wei­le als Fami­ly City Sohn Roger.

Seunig Seni­or hat­te in der Ver­gan­gen­heit schon viel Geld in eine dubio­se Publi­ka­ti­on gesteckt. Jah­re­lang hat­te er das weit rechts ange­sie­del­te Kampf­blatt „alles roger?“ her­aus­ge­ge­ben. Die Blatt­li­nie war der von AUF1 ähn­lich: Ver­schwö­rungs­my­then mit anti­se­mi­ti­schen Unter­tö­nen, rech­ter Kul­tur­kampf und die Kul­ti­vie­rung von Ängs­ten vor Migrant:innen und der LGBT-Com­mu­ni­ty. Zudem hat­te das Blatt Inter­views von Stars abge­druckt deren Echt­heit, gelin­de gesagt, in Zwei­fel gezo­gen wer­den muss­ten.

Heu­te schal­tet Seunig als einer der weni­gen regel­mä­ßig Inse­ra­te bei AUF1. Und wie ande­re Groß­spen­der auch darf Ronald Seunig unter dem Titel „Mut-Unter­neh­mer“ in einem aus­schwei­fen­den Inter­view bei AUF1 sei­ne stei­len The­sen zum Bes­ten geben. Dar­in geht es nicht nur um sein Hob­by, das Juke­box-Muse­um, son­dern auch sei­ne Geschich­te als Unter­neh­mer, in der er unter ande­rem einen Duty­free-Shop an der Gren­ze zu Tsche­chi­en als Mus­ter­bei­spiel der Steu­er­ver­mei­dung eta­bliert hatte.

Rele­van­ter noch sind die Ansich­ten Seunigs zur öster­rei­chi­schen Poli­tik. In ihr sehe er vor allem Struk­tu­ren, „um die kri­mi­nel­len Machen­schaf­ten, die im Hin­ter­grund lau­fen, zu ver­de­cken“. Regie­rungs­mit­glie­der gehör­ten ins Gefäng­nis für das, „was sie dem Volk ange­tan haben in den letz­ten Jah­ren“. Dabei hielt sich Seunig im AUF1-Inter­view offen­bar noch in Zaum. 2003 hat er dem Maga­zin Trend „sei­ne offe­ne Ver­eh­rung für Adolf Hit­ler” ver­kün­det. Ein Bild des Füh­rers wür­de „die Decke des Seunig­schen Anwe­sens“ zie­ren, denn es sei „unglaub­lich, was der drauf­ge­habt hat“.*

Ob Tier­ärz­tin, FPÖ, AfD-Finan­zier oder Ein­kaufs­zen­trum-Betrei­ber: AUF1 berich­tet weder kri­tisch noch unab­hän­gig. Viel­mehr ent­steht der Ein­druck, wer zahlt wird protegiert.

* Ein Fak­si­mi­le die­ses denk­wür­di­gen Trend-Arti­kels fin­det sich bei Stoppt die Rech­ten: Alles roger?

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