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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange 50/25: Gerald Grosz unter Neonazis

Ein Deut­scher in Dorn­birn kommt mit einer Diver­si­on für Hit­ler-Foto und Nazi-Chats davon, ein Pri­mar­arzt fan­ta­siert über „Ausch­witz“ für eine Pati­en­tin, in Her­nals liegt ein Waf­fen­ar­se­nal zwi­schen Hit­ler-Sta­tue und Kin­dern, ein Gra­zer Poli­zist hor­tet Arm­brust und Stich­waf­fen, Gerald Grosz prä­sen­tier­te sein Mer­kel-Buch auf einer Buch­mes­se mit Neo­na­zi-Betei­li­gung. Und: Wie viel Geld pumpt die FPÖ über Inse­ra­te in rechts­extre­me Medien?

15. Dez. 2025
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Bez. Dorn­birn-Feld­kir­ch/V: Diver­si­on für Nazi-Nach­rich­ten und Hit­ler-Foto im Wohnzimmer
  • Horn/NÖ: Pri­mar­arzt mit NS-Sager
  • Wien-Her­nals: NS-Devo­tio­na­li­en und Waffen
  • Graz: Poli­zist mit Waffenarsenal
  • Die FPÖ & ihre rechts­extre­men Medien
  • Halle/D: Buch­mes­se zwi­schen Neu­rechts und Neo­na­zis­mus – mit öster­rei­chi­scher Beteiligung

Bez. Dornbirn-Feldkirch/V: Diversion für Nazi-Nachrichten und Hitler-Foto im Wohnzimmer

Am 11. Dezem­ber ende­te ein am Lan­des­ge­richt Feld­kirch als Geschwo­re­nen­pro­zess ange­setz­tes Ver­fah­ren wegen Ver­dachts der NS-Wie­der­be­tä­ti­gung bin­nen Minu­ten mit einer Diver­si­on: Der 48-jäh­ri­ge, bis­lang unbe­schol­te­ne Ange­klag­te, ein in Vor­arl­berg leben­der Deut­scher, zahl­te 3.300 Euro und blieb damit ohne Ver­ur­tei­lung. Laut Ankla­ge ging es um das Ver­schi­cken bzw. Wei­ter­lei­ten ein­schlä­gi­ger NS-Nach­rich­ten (u.a. in Whats­App-Grup­pen bis 22 Mit­glie­der) sowie um ein im Wohn­zim­mer auf­ge­stell­tes Hit­ler-Foto. Im Raum stand § 3g Abs. 1 Ver­bots­ge­setz mit einem Straf­rah­men von sechs Mona­ten bis fünf Jahren.

Rich­ter Diet­mar Nuß­bau­mer begrün­de­te die diver­sio­nel­le Erle­di­gung u. a. mit der Unbe­schol­ten­heit und der Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung; die Schuld sei „gera­de noch nicht als schwer ein­zu­stu­fen“. (Neue Vor­arl­ber­ger Tages­zei­tung, 12.12.25, S. 13) Das Gericht habe auch die ver­gleichs­wei­se gerin­ge Zahl sicher­ge­stell­ter Datei­en (genannt wer­den 21) sowie das Geständ­nis berück­sich­tigt. Die Staats­an­wäl­tin hielt dem Ange­klag­ten laut „Kro­nen Zei­tung“ (11.12.25) vor, ein frü­hes Geständ­nis bei der Poli­zei hät­te ihm das „Gerichts­sze­na­rio“ womög­lich erspart.

Horn/NÖ: Primararzt mit NS-Sager

Ein Pri­mar­arzt am Lan­des­kli­ni­kum Horn in Nie­der­ös­ter­reich wur­de nach einer men­schen­ver­ach­ten­den und NS-ver­harm­lo­sen­den Äuße­rung über eine über­ge­wich­ti­ge Pati­en­tin frist­los ent­las­sen. Wäh­rend einer inter­nen Bespre­chung soll er laut einem anony­men Brief von Mit­ar­bei­tern gesagt haben, dass der Pati­en­tin „nur noch Ausch­witz hel­fen“ wür­de. Die­se Aus­sa­ge lös­te unter den Kol­le­gen Ent­set­zen aus und wur­de als Ver­harm­lo­sung von NS-Ver­bre­chen sowie als Über­schrei­tung jeg­li­cher Mensch­lich­keit und Pro­fes­sio­na­li­tät gewer­tet. Neben die­ser Äuße­rung wur­den dem Arzt im anony­men Schrei­ben auch schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe bezüg­lich sei­nes Füh­rungs­stils gemacht, dar­un­ter Mob­bing, stän­di­ges Anschrei­en und ein Arbeits­kli­ma der Angst, das dazu führ­te, dass Pfle­ge­per­so­nal sich wei­ger­te, ihn bei Visi­ten zu begleiten.

Die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­ge­sund­heits­agen­tur reagier­te: Der Arzt wur­de zunächst vom Dienst frei­ge­stellt und nach dem Wochen­en­de for­mell ent­las­sen. Die Agen­tur beton­te, dass sol­che Äuße­run­gen im Wider­spruch zu den Grund­wer­ten ste­hen und kei­nes­falls tole­riert wer­den, wes­halb eine frist­lo­se Ent­las­sung trotz Ärz­te­man­gels unum­gäng­lich gewe­sen sei. Bis­her lie­gen laut Arbei­ter­kam­mer Horn und Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Nie­der­ös­ter­reich kei­ne for­mel­len Anzei­gen gegen den Arzt vor; über straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen kön­ne erst nach einer Anzei­ge ent­schie­den werden.

(Quel­le: meinbezirk.at, 9.12.25)

Wien-Hernals: NS-Devotionalien und Waffen

In einer Woh­nung in Wien-Her­nals ist es nach einem Ret­tungs­ein­satz wegen eines Fie­ber­schubs bei einem zwei­jäh­ri­gen Kind zu einem grö­ße­ren Poli­zei­ein­satz gekom­men. Die Sani­tä­ter bemerk­ten in den Räu­men meh­re­re offen her­um­lie­gen­de Lang­waf­fen und ver­stän­dig­ten dar­auf­hin die Poli­zei. Der 40-jäh­ri­ge Mann ließ die Beam­ten des Stadt­po­li­zei­kom­man­dos Otta­kring in die Woh­nung, wo zahl­rei­che Schuss­waf­fen – teils gela­den und unge­si­chert –, rund 11.000 Schuss Muni­ti­on sowie ver­bo­te­ne Waf­fen (dar­un­ter Schlag­ring, Schlag­stock bzw. Tele­skop­schlag­stock und Pfef­fer­spray) sicher­ge­stellt wur­den. In der Woh­nung leben neben dem Mann zwei min­der­jäh­ri­ge Kinder.

Zusätz­lich fan­den die Poli­zis­ten meh­re­re NS-Uni­for­men, eine NS-Flag­ge und eine Hit­ler-Sta­tue, die auf einer Schlaf­zim­mer­kom­mo­de stand. Der Mann wur­de nach dem Ver­bots­ge­setz ange­zeigt und erhielt wegen der unsach­ge­mä­ßen Ver­wah­rung der Waf­fen ein vor­läu­fi­ges Waf­fen­ver­bot. Zur Recht­fer­ti­gung der NS-Devo­tio­na­li­en gab er an, Mit­glied eines slo­we­ni­schen Ree­nact­ment-Ver­eins zu sein, der Kriegs­schlach­ten nach­stellt. Der Mann wur­de nach dem Ver­bots- und Waf­fen­ge­setz angezeigt.

(Quel­le: APA via derstandard.at, 12.12.25)

Graz: Polizist mit Waffenarsenal

Am Frei­tag ist in der Stei­er­mark ein 42-jäh­ri­ger Poli­zist fest­ge­nom­men wor­den, der im Ver­dacht steht, bereits Anfang Novem­ber einen Kol­le­gen im Dienst mit einer Schuss­waf­fe bedroht zu haben. Die genau­en Umstän­de sind laut Staats­an­walt­schaft Graz noch Gegen­stand von Ermittlungen.

Auf Anord­nung der Staats­an­walt­schaft wur­de der Beam­te fest­ge­nom­men. Bei einer anschlie­ßen­den Haus­durch­su­chung kamen wei­te­re Waf­fen zum Vor­schein: neben Schuss­waf­fen zahl­rei­che Stich­waf­fen, eine Arm­brust sowie diver­ses Waf­fen­zu­be­hör. Gegen den Mann wur­de ein Waf­fen­ver­bot ver­hängt, er sitzt in Haft und wur­de von der Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on vom Dienst suspendiert.

Die Kom­bi­na­ti­on aus Schuss­waf­fen, Arm­brust und diver­sen Stich­waf­fen taucht immer wie­der im Umfeld rechts­extre­mer und ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­scher Sze­nen auf. Kon­kre­te Hin­wei­se auf ein rechts­extre­mes Motiv wer­den nicht genannt.

(Quel­le: steiermark.orf.at, 12.12.25)

Die FPÖ & ihre rechtsextremen Medien

Eine Recher­che von Mar­kus Sulz­bach­er für den „Stan­dard” (14.12.25) zeigt erst­mals das finan­zi­el­le Volu­men, mit dem der FPÖ-Par­la­ments­klub rechts­extre­me Medi­en durch Inse­ra­te spon­sert. Medi­en wer­den durch eine neue EU-Ver­ord­nung zur Offen­le­gung jener Sum­men gezwun­gen, die von poli­ti­schen Par­tei­en an das jewei­li­ge Medi­um fließen.

Beson­ders üppig bedacht wird Auf1: 19.200 Euro erhält der Sen­der vom Frei­heit­li­chen Par­la­ments­klub für Inse­ra­te im Rah­men einer Kam­pa­gne, die seit 21. Novem­ber läuft und bis 20. Jän­ner 2026 ange­setzt ist. Das Por­tal Report24 wird im sel­ben Zeit­raum mit 12.000 Euro bedacht. (…) Inse­ra­te erschei­nen eben­so im rechts­extre­men Maga­zin Info-Direkt und auf der Platt­form Der Sta­tus – jeweils im Wert von 4.800 Euro. Die Sei­te Unzen­su­riert erhält 9.600 Euro. Das Gra­zer Frei­lich Maga­zin wird mit 2.400 Euro bedacht. (derstandard.at)

Zur Auf­lis­tung im „Stan­dard” kom­men noch jeweils fürs sel­be Sujet 3.600 Euro  an „Unser Mit­tel­eu­ro­pa”, 1.200 Euro an „Der Eck­art” und 2.400 Euro an „Frank&Frei”. Macht ins­ge­samt 48.000 Euro, die der frei­heit­li­che Par­la­ments­klub in zwei Mona­ten den genann­ten Medi­en spen­diert. Ein weit­aus grö­ße­rer Teil wird aller­dings ans klub­ei­ge­ne FPÖ-TV gehen. (Ergän­zung 22.12.25: Möl­zers „Zur Zeit” scheint nicht unter die vom blau­en Par­la­ments­klub Begüns­tig­ten zu fal­len. Da sprin­gen die bei­den Abge­ord­ne­ten Mar­tin Graf und Axel Kas­seg­ger ein, die um jeweils 490 Euro Weih­nachts­grü­ße darbringen.)

Nicht inten­diert wird der blaue Wider­spruch sicht­bar: Die FPÖ bewirbt in allen genann­ten Medi­en ihre Kam­pa­gne gegen NGOs („Wir decken auf. Wofür die Regie­rung euer Geld aus­gibt”), dar­un­ter ist in der Trans­pa­renz­er­klä­rung zu sehen, wie viel aus öffent­li­chen Mit­teln stam­men­des Geld die FPÖ für rechts­extre­me Des­in­for­ma­ti­ons­schleu­dern aus­gibt, um ihren Feld­zug gegen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen zu bewerben.

AUF1: FPÖ-Kampagne gegen NGOs, darunter verpflichtende Transparenzinformation (Screenshot AUF1)
AUF1: FPÖ-Kam­pa­gne gegen NGOs, dar­un­ter Link zur ver­pflich­ten­den Trans­pa­renz­in­for­ma­ti­on (Screen­shot AUF1)

Halle/D: Buchmesse zwischen Neurechts und Neonazismus – mit österreichischer Beteiligung

Die Buch­mes­se „Sei­ten­Wech­sel“ (8./9. Novem­ber 2025 in Halle/Saale) fun­gier­te als abge­schot­te­ter Treff­punkt der extre­men Rech­ten – von AfD-nahen Milieus bis tief in die Neo­na­zi-Sze­ne, wie die ver­deck­te Recher­che der Platt­form „EXIF Recher­che“, „Insi­de „Sei­ten­wech­sel – ver­deckt auf der extrem rech­ten Buch­mes­se“, nun zeigt. Journalist:innen wur­den weit­ge­hend aus­ge­sperrt, wäh­rend rechts­extre­me Medi­en wie Auf1 und ande­re Sze­ne-For­ma­te unge­hin­dert dre­hen konn­ten. Ziel war eine kon­trol­lier­te Außen­dar­stel­lung und ein geschlos­se­ner Reso­nanz­raum für Rechtsextreme.

Orga­ni­siert wur­de die Mes­se von der Dresd­ner Buch­händ­le­rin Susan­ne Dagen („Buch­Haus Losch­witz“), AfD-Kul­tur­po­li­ti­ke­rin und lang­jäh­ri­ge Netz­werk­part­ne­rin von Götz Kubit­schek, dem Insti­tut für Staats­po­li­tik und dem Antai­os-Ver­lag. Über die­sen Kreis schlie­ßen sich die Lini­en zu Iden­ti­tä­ren, AfD, ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Pro­jek­ten und klas­si­schen Neonazis.

Wie weit rechts das Spek­trum reicht, zei­gen die gela­de­nen Akteu­re: „Vul­gä­re Analyse“-Betreiber Aron Piel­ka („Shlo­mo Fin­kel­stein“), von Götz Kubit­schek als „Star­gast“ insze­niert, ein­schlä­gi­ge Ver­la­ge wie Meta­Pol mit ehe­ma­li­gen „Jun­gen Natio­na­lis­ten“, das NS-nost­al­gi­sche Anti­qua­ri­at „Zei­ten­strom“ mit Lite­ra­tur von Holo­caust­leug­nern und „Lesen & Schen­ken“ mit Wehr­machts- und Waf­fen-SS-Ver­herr­li­chung – des­sen Pro­duk­te übri­gens Gegen­stand des Ver­bots­ge­setz-Pro­zes­ses gegen den Aula-Chef­re­dak­teur waren. Dazu tra­ten Neo­na­zi-Kader, Ham­mers­kins, Sze­ne-Musi­ker aus dem NS-Black-Metal-Umfeld und Funk­tio­nä­re aus NPD/„Die Hei­mat“ und „Der III. Weg“ auf.

Für Öster­reich ist der Mes­se-Cha­rak­ter eben­falls rele­vant: EXIF und ande­re Berich­te doku­men­tie­ren eine deut­li­che „Öster­reich-Kom­po­nen­te“. Vor Ort waren etwa die „Öster­rei­chi­sche Lands­mann­schaft“ mit ihren „Eck­art­schrif­ten“, meh­re­re Kader der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung Öster­reich, dar­un­ter die aus Deutsch­land stam­men­den und in Wien akti­ven Yan­nick Wage­mann und Wie­land Kubit­schek und Pro­jek­te wie „Blitz­wis­sen“, das ursprüng­lich vom Neo­na­zi Erik Ahrens gegrün­det und dann vom Öster­rei­cher Ste­phan Kreuz­wirt über­nom­men wur­de. In Hal­le ver­netz­ten sich öster­rei­chi­sche und deut­sche Iden­ti­tä­re und völ­ki­sche Ver­lags­pro­jek­te direkt mit der AfD-Infra­struk­tur und der Neonazi-Szene.

In die­sem Umfeld prä­sen­tier­te Gerald Grosz sein im August im Gra­zer Sto­cker-Ver­lag erschie­ne­nes Buch, eine Hetz­schrift gegen Ange­la Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik, das die Migra­ti­on als „Unter­gang“ von Deutsch­land und Öster­reich insze­niert und sich auf Kron­zeu­gen aus dem eige­nen Milieu wie Hans-Georg Maa­ßen, Her­bert Kickl oder Tino Chrup­al­la stützt. Grosz trat nicht auf einer „kon­ser­va­ti­ven“ Büh­ne auf, son­dern mit­ten in einem Set­ting, in dem Holo­caust­leug­ne­rin­nen wie Ursu­la Haver­beck ver­ehrt, NS-ver­herr­li­chen­de Lite­ra­tur ver­kauft und rechts­ter­ror­na­he Struk­tu­ren hofiert wur­den – flan­kiert von Neu-Rech­ter Prominenz.

Vor die­sem Hin­ter­grund wird sicht­bar, in wel­chem Milieu sich Grosz beweg­te: im orga­ni­sier­ten Kern der Neu­en Rech­ten und Neo­na­zi-Sze­ne, völ­lig abge­schot­tet von einem brei­ten Meinungsspektrum.

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Schlagwörter: AUF1 | FPÖ | Freilich/AULA | Identitäre | Info-Direkt | Neonazismus/Neofaschismus | Niederösterreich | report24 | Steiermark | unzensuriert | Verbotsgesetz | Vorarlberg | Weite Welt | Wiederbetätigung | Wien

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