Mit Dreckschleudern zum Bundespräsident? – Gerald Grosz (Teil 1)

Er will also tat­säch­lich kan­di­dieren. Ger­ald Grosz, der das BZÖ als Obmann in die Bedeu­tungslosigkeit versenkt (wofür ihm nicht genug gedankt wer­den kann) und als Unternehmer sein Unternehmen Cardea Con­sult­ing in die Liq­ui­da­tion geführt hat, will es also noch ein­mal wis­sen und als Bun­de­spräsi­dent kan­di­dieren. „Gesellschaft­spoli­tisch bin ich lib­er­al“, erk­lärte er seinem Leib­blatt oe24.at. Das ist so geschmack­los und jen­seit­ig wie fast alles, was Grosz son­st noch von sich gibt.

Wo begin­nt man in ein­er Beschrei­bung von Ger­ald Grosz? Mit ein­er hal­blusti­gen Episode, die ziem­lich charak­ter­is­tisch ist. Im März dieses Jahres verdichteten sich laut „Stan­dard“ das Gerüchte, wonach die großspurig als „Duell“ angekündigte Tournee von Ger­ald Grosz und Sebas­t­ian Bohrn-Mena, die sich seit ger­aumer Zeit auf oe24.tv auf erbärm­lichem Niveau stre­it­en bzw. anö­den, wegen man­gel­nden Pub­likum­sin­ter­ess­es abge­sagt wer­den müsse. Befeuert wurde das Gerücht durch einen Tweet von Heinz-Chris­t­ian Stra­che, in dem der behauptete, dass zu wenige Karten verkauft wor­den seien.

Tournee Duell Grosz vs. Bohrn Mena vor der Absage (Screenshot FB)

Tournee Duell Grosz vs. Bohrn Mena vor der Absage (Screen­shot FB)

Grosz antwortete auf den Stra­che-Tweet mit einem Demen­ti („wurde auf­grund des Ukraine Kriegs vor zwei Wochen auf Früh­jahr 2023 ver­schoben“) und mit ein­er Klagsankündi­gung gegen Stra­che: „Es wird somit Klage gegen Her­rn Stra­che einge­bracht!“ Das ist insofern etwas über­raschend, als aus­gerech­net Ger­ald Grosz im Novem­ber 2018 dem damals Noch-Vizekan­zler Stra­che bei einem Fes­takt an Haiders Grab­stätte im Kärnt­ner Bärental die „Jörg Haider-Medaille“ ver­lei­hen durfte. Sozusagen ein Akt der Ver­söh­nung zwis­chen BZÖ und FPÖ.

Auf 2023 verschoben: Tournee Duell Grosz versus Bohrn Mena

Auf 2023 ver­schoben: Tournee Duell Grosz ver­sus Bohrn Mena

Ger­ald mit dem Besen

Unter Schüs­sels schwarzblauer Koali­tion durfte Grosz den Press­esprech­er für den FPÖ-Sozialmin­is­ter und zeitweili­gen Vizekan­zler Her­bert Haupt geben, wech­selte dann 2005 mit diesem und Über­vater Haider zum BZÖ, wurde 2006 Gen­er­alsekretär dieses Vere­ins, um 2008 seine Funk­tion mit der Begrün­dung zurück­zule­gen, dass er sich zukün­ftig auf die Steier­mark konzen­tri­eren wolle. Gut gebrüllt, Kätzchen! Im Jän­ner 2008 war der Ger­ald bei der Gemein­der­atswahl in Graz näm­lich als Spitzenkan­di­dat ziem­lich abges­tunken: 4,3 Prozent bzw. 2 Man­date für Ger­alds Radautruppe, die im Wahlkampf vor allem durch die Kam­pagne „Wir säu­bern Graz“ aufge­fall­en war. Von wem? Wer war damit gemeint? Grosz in ein­er Aussendung vom 12. Juli 2007: „… die üblichen Verdächti­gen Pfar­rer Puch­er, die unnöti­gen und auss­chließlich auf Steuerzahlerkosten finanzierten Beiräte der Stadt Graz und einige aus­gewählte Tugendter­ror­is­ten, die schon immer als beson­deren Graz-Feinde aufge­treten sind“.

Der Besen, vor allem der „eis­erne Besen“, mit dem das Land gesäu­bert und gere­inigt wer­den soll, war und ist ein beliebter Topos der extremen Recht­en, vorzugsweise auch der Nazis. „Der eis­erne Besen“ nan­nte sich eine Vor­läufer­pub­lika­tion des „Stürmer“. Wer also mit dem Besen und dem Kärcher eine Stadt reini­gen will, darf auf einen gewis­sen Wieder­erken­nungswert hof­fen. Auf die Kam­pagne „Wir säu­bern Graz“ antwortete deshalb auch die in der Kam­pagne adressierte Fir­ma Kärcher nach der Wahl übri­gens mit ein­er Klagsankündi­gung gegen das BZÖ Graz.

Stürmer-Vorläufer "Der eiserne Besen" (Anno ÖNB)

Stürmer-Vor­läufer „Der eis­erne Besen” (Anno ÖNB)

Ger­ald stürzt ab

Eigentlich kön­nte der Ger­ald das Ergeb­nis der steirischen Land­tag­wahl von 2010, die er als Spitzenkan­di­dat der völ­lig auf ihn aus­gerichteten Liste „BZÖ-Liste Ger­ald Grosz“ bestrit­ten hat, als bös­es Omen für seine BP-Kan­di­datur sehen : 2,98 % oder 0 Man­date. Der dama­lige Wiener BZÖ-Spitzenkan­di­dat Wal­ter Sonnleit­ner richtete Grosz via „Stan­dard“ aus, dass er eigentlich als „FPÖ light“ Ver­gan­gen­heit sei und fügte zur Verdeut­lichung hinzu: „Wenn die Leute schon eine graus­liche Poli­tik wollen, dann wollen sie es ordentlich graus­lich.

Das war insofern ungerecht, als sich der Ger­ald sowohl vorher als auch nach­her stets bemüht hat, beson­ders graus­lich zu sein und möglichst viel Dreck zu ver­spritzen. Sein­er poli­tis­chen Kar­riere im recht­en Lager war das nicht abträglich. Sie war deshalb mit den Nieder­la­gen in Graz und der Steier­mark noch nicht been­det, son­dern führte zur Krö­nung als Bun­desparteiob­mann des ster­ben­den BZÖ im Jahr 2013.

Ganz kurz war der BZÖ-Obmann 2014 sehr „glück­lich“, als er Haiders Tochter Ulrike Haider-Quer­cia als Spitzenkan­di­datin für die Wahl zum Europäis­chen Par­la­ment präsen­tieren durfte. Dauerte aber nicht lange, das Glück. Ulrike Haider-Quer­cia zog ihre Kan­di­datur ent­nervt zurück, als sie bemerk­te, dass eine unab­hängige und proeu­ropäis­che Posi­tion im BZÖ nicht goutiert wurde. Mit ihrer Nach­fol­gerin als BZÖ-Kan­di­datin wurde Grosz nicht mehr so glück­lich: 0,5 % reicht­en noch für den let­zten Platz unter den öster­re­ichis­chen Kleinparteien.

2015, nach dem poli­tis­chen und auch finanziellen Desaster der Partei, dem einiges an Kor­rup­tion voraus­ge­gan­gen war, wink­te Ger­ald als Parteiob­mann ab. „Mein beru­flich­es Engage­ment lässt es nicht zu, dass ich vollen Ein­satz zeigen kann, und ich halte es daher regel­recht für unmoralisch, ein Amt weit­er­hin zu beset­zen, zu dessen hun­dert­prozentiger Auf­gaben­er­füllen man nicht mehr in der Lage ist“, erk­lärte er treuherzig Ende März.

Wom­it die unternehmerische Phase von Grosz ein­geläutet wäre. Im Okto­ber 2014 grün­dete er sein erstes Unternehmen, die Acu­tus Con­sult­ing e.U., ein PR- und Beratung­sun­ternehmen, das für seinen aktuellen Wahlkampf offen­sichtlich als Werbe- und Mer­chan­dis­ing-Plat­tform genutzt wird. Die näch­ste Fir­men­grün­dung fol­gte 2016 mit der Cardea Con­sult­ing GmbH, die aber 2021 – aus welchen Grün­den auch immer – liq­ui­diert wurde. Das Inter­esse dürfte sich in engen Gren­zen gehal­ten haben, denn auf den Por­tal­en, die Kun­den­be­w­er­tun­gen anbi­eten, find­en sich keine Einträge.

Grosz-Firma Cardea in Liquidation

Grosz-Fir­ma Cardea in Liquidation

2019 wieder eine Fir­men­grün­dung: Die Ger­ald Grosz Con­sult­ing GmbH mit dem 100 %-Gesellschafter und Geschäfts­führer gle­ichen Namens tritt in den Markt der unzäh­li­gen Con­sult­ing­fir­men ein, und 2020 fol­gt dann die Geraldgrosz.com GmbH, bei der Ger­ald allerd­ings nur 50 Prozent der Gesellschafter­an­teile hält. Die anderen 50 hält ein­er, der eigentlich so gar nicht zum selb­st­gewählten Pro­fil des Ger­ald Grosz – ein­er von unten gegen die da oben – passen will. Wal­ter Tem­mer, ein steirisch­er Mil­lionär, der an unzäh­li­gen anderen Fir­men und Gesellschaften Anteile hält, auf ATV präsent durch die Staffel „Die Tem­mers – reich wie ein Sche­ich“, fir­miert als Part­ner. Mit den Fir­men des Ger­ald Grosz sind wir einst­weilen zwar durch, aber noch lange nicht mit seinen Aktivitäten.

Grosz GMBH mit Gesellschafter Walter Temmer

Grosz GMBH mit Gesellschafter Wal­ter Temmer

Ger­ald, der Habsburg-Ritter

2018 durfte sich Ger­ald in voller Pracht als Rit­ter des St. Georgs-Ordens auf Schloss Seg­gau mit einem Hab­s­burg-Spross zeigen: mit Rit­ter Ger­ald hät­ten die Hab­s­burg­er einen ihrer braven Unter­ta­nen immer­hin als Präsi­den­ten in der Hofburg!

2018 – der aus­tralis­che Recht­ster­ror­ist und Massen­mörder von Christchurch hat­te Mar­tin Sell­ner von den Iden­titären schon mit Geld­spenden bedacht – ritt Ger­ald zu ein­er hefti­gen und ziem­lich unver­schämten Attacke auf Jus­tizmin­is­ter Moser aus, weil die Staat­san­waltschaft (!) die Iden­titären strafrechtlich belan­gen wollte. Grosz kri­tisierte das ange­blich „bish­erig unsägliche Wirken“ Mosers, der endlich seinen „Saft­laden“ Jus­tizmin­is­teri­um in Ord­nung brin­gen solle. Sehr unverblümt forderte Grosz damit eine Weisung bzw. Ein­stel­lung der Ermit­tlun­gen durch Moser, der früher ein­mal Klub­dir­ke­tor der FPÖ war. Stra­che, damals Vizekan­zler, gefiel die Video-Botschaft von Grosz so sehr, dass er sie auf seinem (pri­vat­en) FB-Kon­to teilte.

2018 began­nen dann auch die unsäglichen und unterirdis­chen wöchentlichen „Duelle“ auf oe24.tv, die Grosz als erk­lärter Vertreter der Recht­en zunächst mit Rudi Fußi, den er als „Hasen­fußi“ tit­ulierte, und nach dessen Abgang mit Sebas­t­ian Bohrn-Mena („link­er Sozial­ro­man­tik­er“) führte. In den sozialen Net­zw­erken, die Grosz zumeist mit Videobotschaften bedi­ent, ist er sehr aktiv. Die neg­a­tive Qual­ität des bewussten Wut­predi­gers passt ide­al zu deren Erre­gungs­getriebe und ver­schafft Grosz eine beachtliche Zahl von Likes bzw. Abonnent*innen.

Ganz Öster­re­ich ist für ihn eine offene Psy­chi­a­trie, die Bun­desregierung Stüm­per bzw. die größten Hornochsen der Welt, Kan­zler Neham­mer ein Kriegstreiber, Vizekan­zler Kogler ein Wein­säufer, Ex-Kan­zler Kurz ein Ohrwaschelka­k­tus, die „GrünIn­nen“ linke Kryp­tokom­mu­nis­ten und Gre­ta Thun­berg ein Kind-Orakel, ober­ste Vor­sitzende aller Kli­makom­mu­nis­ten, Sek­ten­führerin des Hitzekults. Her­bert Kickl dage­gen wurde schon bei sein­er Wahl zum Parteiob­mann als der „intellek­tuelle Kopf und das rhetorische Schw­ert der FPÖ“ begrüßt.

Grosz: Österreich ist eine offene Psychiatrie (Screenshot FB)

Grosz: Öster­re­ich ist eine offene Psy­chi­a­trie (Screen­shot FB)

Was hin­ter den unzäh­li­gen abw­er­tenden und dehu­man­isieren­den Schimpfkanon­aden des Ger­ald Grosz aber auch noch sicht­bar wird, sind seine poli­tisch-ide­ol­o­gis­chen Posi­tion­ierun­gen, die sich alle­samt an der extremen Recht­en orientieren.

➡️ Ger­ald Grosz (Teil 2): Recht­sex­treme Positionen