Gerald Grosz (Teil 2): Rechtsextreme Positionen

Gesellschaft­spoli­tisch hält sich Ger­ald Grosz, der ehe­ma­lige BZÖ-Obmann und Haider-Fan, für einen Lib­eralen. Das ist so irre­al wie sein aktuell drin­gen­der Wun­sch, Bun­de­spräsi­dent wer­den zu wollen. Ob Grosz man­gels Organ­i­sa­tion über­haupt die Hürde von 6.000 Unter­stützungserk­lärun­gen für eine Kan­di­datur schafft? Was der St. Georgs-Rit­ter jeden­falls seit Jahren schafft: das ohne­hin schon erbärm­liche poli­tis­che Niveau noch weit­er abzusenken und ein Stück nach Rechts zu verschieben.

Möglicher­weise leit­et Grosz sein Selb­stver­ständ­nis als gesellschaft­spoli­tisch Lib­eraler aus dem Umstand ab, dass er seit eini­gen Jahren als beken­nen­der Schwuler auftritt. Da müssen wir ihn jedoch ent­täuschen. Ohne die bei­den gle­ich­set­zen zu wollen, aber der Neon­azi-Chef Michael Küh­nen ist durch sein Out­ing auch nicht zum Lib­eralen mutiert. Ob Ger­ald Grosz selb­st ein Recht­sex­tremer ist, oder ob er mit recht­sex­tremen Posi­tio­nen spielt, um sich so Aufmerk­samkeit zu ver­schaf­fen, wis­sen wir nicht – bei­des ist mehr als unap­peti­tlich. Seine poli­tisch-ide­ol­o­gis­chen Posi­tion­ierun­gen ori­en­tieren sich alle­samt an der extremen Recht­en haben wir in Teil 1 behauptet. Das wollen wir jet­zt belegen

Der große Austausch

Manche empfind­en dies als Bere­icherung und manche als den großen Aus­tausch“, schrieb Grosz am 4.5.20. Was da noch als unentsch­iedene Hal­tung durchge­hen mag, macht er in seinem Post­ing vom 14.7.20 ganz klar: „Selb­stver­ständlich ist die Ide­olo­gie des Mul­ti­kul­tur­al­is­mus, also die zwang­hafte Ver­mis­chung unter­schiedlich­er Eth­nien und Völk­er unter einem Dach, gescheit­ert.“ Das kön­nten die Iden­titären auch nicht anders for­mulieren. Und so wie die behauptet Grosz von sich natür­lich auch, dass er kein Ras­sist sei. Sicher?

Gerald Grosz lobt Orbàn (11.5.22)

Ger­ald Grosz lobt Orbàn (11.5.22)

Ras­sis­mus

Herr Erdo­gan und die Türken ver­ste­hen nur die Sprache der Härte!“ (17.10.19) Ein ver­baler Aus­rutsch­er, weil Grosz eigentlich Erdo­gan ver­bal prügeln will? Lei­der nein! Eine „inte­gra­tionsun­willige Bagage“ nan­nte er sie schon früher (22.4.18), und mit diesem Post­ing wird klar, dass er ganz offen ras­sis­tisch kann: „Warum wollen Türken bei uns ihr Land in Leg­e­bat­te­rien ver­wan­deln?“ (15.4.20) Auch hier kommt er ganz offen ras­sis­tisch daher: „Wer Parteien, Ide­olo­gien und Abkömm­lin­gen (sic!) von Zivil­i­sa­tio­nen auf dem Niveau der Nean­der­taler unter­stützt ….“ (21.6.20)

Sozial­dar­win­is­mus und Wissenschaftsfeindlichkeit

Für Grosz war die Coro­na-Pan­demie von Beginn an harm­los wie eine Grippe. Eine „saisonale Erschei­n­ung“ (2.6.21) nan­nte er sie, eine „panis­che Grippe“ (24.4.20), die „dem Touris­mus die Exis­tenz kostet“ (24.4.20). Die weit mehr als sechs Mil­lio­nen Coro­na-Toten ver­schwinden bei ihm hin­ter den zynis­chen Sätzen:

Wir wer­den mit Coro­na leben müssen, wie die Men­schheit seit Jahrtausenden mit ein­er Vielzahl von Viren leben ler­nen musste! Der Ausweg aus dieser Abwärtsspi­rale ist: FREIHEIT ZUR SELBSTBESTIMMUNG! Jed­er trägt für sich das Risiko des Lebens, wir sind nicht unsterblich und Regierun­gen die uns diese Lüge vor­gaukeln, ver­fol­gen andere Ziele. (28.7.21)

Und weil sie noch immer das Gegen­teil behaupten, sind die Experten „soge­nan­nte“ (3.3.21) und „polithörig“ (7.9.21), bei denen es Zeit sei, sie „vor Gericht zu stellen“ (11.5.22), jeden­falls aber: „Man sollte diese ‚Experten‘ rasch aus­tauschen! Denn sie sind die größte Gefahr für uns Men­schen.“ (29.7.21)

Dichotomisierung der Gesellschaft

Grosz, der sich mit einem Part­ner, der sich selb­st als „reich wie ein Sche­ich“ beze­ich­net, eine GesmbH teilt, der Abge­ord­neter und Parteiob­mann ein­er Par­la­mentspartei war sowie Kom­men­ta­tor bzw. Kolum­nist bei oe24 und dem AfD-nahen „Deutsch­land Kuri­er“ ist, will sich per­ma­nent als der uner­schrock­ene Kämpfer gegen das Estab­lish­ment, dem er aber sel­ber ange­hört, inszenieren.

Der TV-Mod­er­a­tor und Satirik­er Jan Böh­mer­mann ist für ihn ein „Estab­lish­ment-Vollp­fos­ten“ (4.2.22), Bun­de­spräsi­dent Van der Bellen „ein Kan­di­dat des Estab­lish­ments“ (22.6.22), „Steig­bügel­hal­ter der Eliten“ (22.6.22), während für ihn, den uner­schrock­e­nen Kämpfer gilt: „Der Her­aus­forder­er wird dif­famiert und lächer­lich gemacht.“ (22.6.22) Sowieso gilt für Grosz: „Das Volk wird ver­arscht, das Estab­lish­ment richtet es sich!“ (1.4.22). Deshalb find­et er es auch „bemerkenswert, wie sich Europas Estab­lish­ment gegen Le Pen zusam­men tut“ (23.4.22).

Wobei Grosz, wenn es ihm oppor­tun erscheint, auch einen sehr bre­it­en Estab­lish­ment-Begriff fährt, der die Mehrheit der Bevölkerung umfasst. Die wird dann eben beschimpft als „das Estab­lish­ment der hündis­chen Coro­na-Verehrer“ (28.1.21). Behil­flich sind dem Estab­lish­ment natür­lich die Medi­en, die „Pro­pa­gan­daanstal­ten“, die „medi­ale Umerziehungse­lab­o­rate“ (31.5.22) liefern. Ein­schlägige Begriffe wie „Sys­tem­presse“ oder „Lügen­presse“ ver­mei­det Grosz, aber mit dem schrä­gen Ter­mi­nus „Umerziehungse­lab­o­rate“ bedi­ent er die Klientel.

Dehu­man­isierung

Dif­famierun­gen, Pathol­o­gisierun­gen und die sys­tem­a­tis­che Dehu­man­isierung von poli­tis­chen Geg­n­ern sind ein prä­gen­des Merk­mal der Rhetorik von Grosz. Der Bun­de­spräsi­dent ist für ihn der „Staats­geron­tokrat“, der „rauchende“, „sprechende“, „schweigende“ oder auch „hon­orige“ „Aschen­bech­er“ aus der Hof­burg, der Wiener Bürg­er­meis­ter das „Schnitzel­gesicht“, die deutsche Außen­min­is­terin Baer­bock die „ober­ste Stot­terin“, „Fälsch­er-Anni“ oder „Annal­pha­be­ta“.

Über die sys­tem­a­tis­che Abw­er­tung der Per­son Gre­ta Thun­berg ver­sucht Grosz auch, die Kli­makatas­tro­phe ins Lächer­liche zu ziehen: Ihre Beschimp­fung als das „schwedis­che Kind-Orakel“, „intellek­tuelles Nachtschat­tengewächs“(23.7.21), „Hohe­p­ries­terin des Wel­tun­ter­gangs“, „Sek­ten­führerin des Hitzekults“ (18.7.21) soll seine argu­men­ta­tive Not überdecken.

Inter­es­sant ist deshalb auch, wie sich Grosz zum rus­sis­chen Angriff­skrieg gegen die Ukraine posi­tion­iert. Eine offene Parteinahme für den Aggres­sor umschifft er weit­ge­hend dadurch, indem er den ukrainis­chen Präsi­den­ten und die Ukraine dif­famiert. Selen­skyj ist für ihn ein „Wod­ka-Oli­garch für Arme“, der „seit 3 Monat­en in erpresserischem Ton an die Moral des West­ens appel­lierte, um noch mehr Waf­fen für ein sinnlos­es Unter­fan­gen zu erhal­ten“ (29.5.22). Der Präsi­dent ist für ihn „ein Heuch­ler“ (20.4.22), der „in hüb­sche Cam­ou­flage gehüllte Kriegs­darsteller“ (29.5.22), „Vertreter der kor­rupten ukrainis­chen Klep­tokra­ten­demokratur“ (5.3.22), eines Lan­des also, das „bis vor weni­gen Wochen von densel­ben Medi­en noch als der kor­rupteste Staat der EU (sic!) beze­ich­net wurde“ (26.2.22).

Gut, mit seinen fehlen­den Ken­nt­nis­sen der poli­tis­chen Geo­gra­phie nähert er sich seinem Liebling Don­ald Trump („ein wahrer Segen für Europa“, 22.2.22) an, aber auch ohne EU stimmt die Behaup­tung so nicht, schon gar nicht im Ver­gle­ich mit Rus­s­land, das wesentlich kor­rupter ist.

Aber Grosz hat ja noch ein anderes „Argu­ment“ gegen die Ukraine, „ein Land, das seit 2014 als kor­ruptes faschis­tis­ches Regime bekan­nt ist“ (24.5.22). Wie bitte? Ist das jet­zt die Legit­imierung von Putin, der die Ukraine durch die rus­sis­che Okku­pa­tion „ent­naz­i­fizieren“ will? „Vielle­icht kön­nten sich alle Seit­en darauf besin­nen, solche ver­rück­ten Ver­gle­iche zu unter­lassen“, postet Grosz am 8.5.22, um dann hinzuzufü­gen: „Diese Kriegspro­pa­gan­da schafft keinen Frieden nur weit­ere Pro­voka­tio­nen.“ Da möcht­en wir Grosz keines­falls wider­sprechen, wenn er mit den „alle Seit­en“ auch sich selb­st meinen würde. Aber er meint natür­lich nur die Ukrain­er, nicht den ver­meintlichen Ent­naz­i­fizier­er Putin und schon gar nicht den „Antifaschis­ten“ Grosz , denn sein­er Mah­nung vor­angestellt hat­te er den ent­behrlichen Hin­weis: „Putin ist kein Hitler, die Russen keine Nazis.

Gerald Grosz definiert, wer (k)ein Nazi ist: Putin (8.5.22)

Ger­ald Grosz definiert, wer (k)ein Nazi ist: Putin (8.5.22)

Raus aus der EU und den Sanktionen

Auch eines der Leibthe­men der europäis­chen Recht­sex­tremen bedi­ent Grosz vor allem in den let­zten Monat­en immer stärk­er: den Aus­tritt aus der Europäis­chen Union. 2020 ver­steck­te er seinen und Putins Wun­sch noch hin­ter dieser Formel: „Nein zu dieser EU, Ja zum großen europäis­chen Gedanken der Grün­derväter.“ (24.4.20) Das war noch eine vor­sichtige Ablehnung. Mit­tler­weile fordert Grosz klar: „Raus aus dieser EU!“ (13.5.22). Noch etwas fordert Grosz seit Kurzem – sog­ar in Ver­salien: „Wir brauchen eine SOFORTIGE ABSCHAFFUNG ALLER SANKTIONEN!“ (5.5.22)

Gerald Grosz: Raus aus der EU! (13.5.22)

Ger­ald Grosz: Raus aus der EU! (13.5.22)

Das bet­rifft natür­lich die Sank­tio­nen der EU und ander­er Staat­en gegen Rus­s­land wegen dessen Aggres­sion­skriegs. Im Fall des möglichen Ver­dachts gegen die Volk­sre­pub­lik Chi­na, wonach das Coro­na-Virus in einem Labor in Wuhan ent­standen sein kön­nte, sah das Grosz völ­lig anders:

Wann, wenn nicht jet­zt, ist es Zeit, die Herkun­ft dieses Virus lück­en­los zu klären! Denn die Mil­liar­den­schä­den wird der Verur­sach­er dieses weltweit­en Wahnsinns zu tra­gen haben. Und wenn Chi­na nicht zahlt, wird die Welt­ge­mein­schaft mit Sank­tio­nen, Ein­rei­se­ver­boten, einge­frore­nen Kon­ten und dem Einzug chi­ne­sis­chen Volksver­mö­gens reagieren müssen! Ohne Wenn und Aber! (31.5.21)

Gerald Grosz fordert Sanktionen gegen China (31.5.21)

Ger­ald Grosz fordert Sank­tio­nen gegen Chi­na (31.5.21)

Aber harte Sank­tio­nen wegen eines unbestätigten Ver­dachts über die Entste­hung eines Virus, mit dem wir nach Grosz ein­fach zu leben ler­nen müssen, sind eben was völ­lig anderes als Sank­tio­nen gegen ein rus­sis­ches Regime, das einen Ter­rorkrieg führt!

Was jeden­falls noch fehlt, das ist eine Auseinan­der­set­zung mit dem autoritären Staats- und Amtsver­ständ­nis des Kan­di­dat­en Grosz. Kommt noch!

P.S.: Alle Zitate bzw. die Datum­sangaben dazu beziehen sich auf Post­ings von Ger­ald Grosz von dessen Face­book-Seite, auf der ihm mit­tler­weile mehr als 300.000 Per­so­n­en folgen.

Gerald Grosz FB-Seite: 304.795 Follower (Screenshot 29.6.22)

Ger­ald Grosz FB-Seite: 304.795 Fol­low­er (Screen­shot 29.6.22)

➡️ Mit Dreckschleud­ern zum Bun­de­spräsi­dent? – Ger­ald Grosz (Teil 1)
➡️ Was ist Rechtsextremismus?