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Mélange KW 51–52/24 & 1–2/25: FPÖ (Teil 2)

Wäh­rend der Gra­zer Ex-Vize­bür­ger­meis­ter Mario Eustac­chio bei sei­nen Steu­er­erklä­run­gen ein steu­er­scho­nen­des „Miss­ver­ständ­nis“ unter­lau­fen ist, wur­de sein Cou­sin Ange­lo neu­er Direk­tor des blau­en Land­tags­klubs. Die bei­den Cou­sins sind wie der alte Klub­di­rek­tor bei der­sel­ben Bur­schen­schaft, die auch in dem Gra­zer FPÖ-Finanz­skan­dal ver­strickt ist. Eine Par­te der Fami­lie Schi­ma­nek mit SS-Zei­chen und im NS ver­wen­de­tem Spruch sorgt für Aufregung.

14. Jan. 2025
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

Inhalt

Togg­le
  • Graz: Eustac­chi­os Miss­ver­ständ­nis, Finanz­be­schlüs­se und ein Doppelmandatar
  • Stmk: Ver­dop­pe­lung der Frau­en­quo­te im FPÖ-Land­tags­klub und viel „Stiria“
  • Langenlois/NÖ: Par­te mit brau­ner Geschichte

Graz: Eustacchios Missverständnis, Finanzbeschlüsse und ein Doppelmandatar

Nach­dem das Spe­sen­kon­to, kon­kret die Ein­nah­men und Aus­ga­ben, die dar­über geflos­sen sind, des ehe­ma­li­gen Gra­zer FPÖ-Vize­bür­ger­meis­ters Mario Eustac­chio schon für eini­ge Ver­wun­de­rung und media­le Reso­nanz gesorgt hat, mach­te die „Klei­ne Zei­tung“ (18.12.24) öffent­lich, dass Eustac­chio in sei­nen Steu­er­erklä­run­gen für 2018 und 2019 diver­se Aus­ga­ben wie Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wand, Kilo­me­ter­geld, Bewir­tungs­spe­sen und Klub­ge­büh­ren abge­setzt hat, obwohl er die bereits über sein famo­ses Spe­sen­kon­to rück­ver­rech­net hatte.

Dar­auf ange­spro­chen, sagt Eustac­chio: „Ich gehe davon aus, dass es ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­blem zwi­schen mei­nem Steu­er­be­ra­ter und mir gab.“ Es ist der­sel­be Steu­er­be­ra­ter, der auch die Buch­hal­tung für den FPÖ-Klub gemacht hat. Und: Die Sache habe nichts mit dem Straf­ver­fah­ren zu tun, das „Miss­ver­ständ­nis“ wur­de „gegen­über der Abga­ben­be­hör­de auf­ge­klärt“. Ob damit ein Finanz­straf­ver­fah­ren gegen Eustac­chio läuft, ist offen. Sei­tens des Finanz­mi­nis­te­ri­ums heißt es, es dür­fen „kei­ne Aus­kunft zu kon­kre­ten Steu­er- bzw. Abga­be­pflich­ti­gen erteilt wer­den“. (kleinezeitung.at, 18.12.24)

Ein Zwi­schen­be­richt zum Stand der Ermitt­lun­gen im blau­en Finanz­skan­dal legt nahe, dass die Ver­tei­di­gungs­li­nie der Haupt­be­schul­dig­ten Eder, Eustac­chio und Sip­pel, Finanz­trans­ak­tio­nen auf­grund von Beschlüs­sen der zustän­di­gen Gre­mi­en getä­tigt zu haben, nicht ver­fängt. „Zahl­rei­che Beschlüs­se, die im Akt zu fin­den sind, tru­gen aber stets die­sel­ben drei Unter­schrif­ten: jene von Eder, Eustac­chio und Sip­pel. In den Par­tei­gre­mi­en waren sie laut Zeu­gen­aus­sa­gen aber nie The­ma.“ (kleinezeitung.at, 20.12.24)

Ein wei­te­res Kurio­sum ergibt sich aus dem Finanz­skan­dal: Gün­ter Wag­ner, der letz­te frei­heit­li­che Mohi­ka­ner im der­zei­ti­gen Gra­zer Gemein­de­rat ist nun Dop­pel­man­da­tar: Gemein­de­rats- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter. Hät­te Wag­ner auf sein Man­dat im Gemein­de­rat ver­zich­tet, wäre die mitt­ler­wei­le zum „feind­li­chen“ Klub der Kor­rup­ti­ons­frei­en (KfG) gewech­sel­te Clau­dia Schön­ba­cher zum Zug gekom­men und die FPÖ gar nicht mehr ver­tre­ten gewe­sen. Das wäre von der inhalt­li­chen Wir­kung her aber kon­se­quenz­los geblieben.

Zwei Man­da­te bedeu­ten poli­ti­schen Mehr­auf­wand, aber auch den Dop­pel­be­zug eines Monats­brut­tos von ins­ge­samt 9219,05 Euro. Poli­tisch ist die FPÖ in Graz in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­sun­ken. Par­tei­chef Axel Kas­seg­ger kon­zen­triert sich auf den Natio­nal­rat, in stadt­po­li­ti­schen Debat­ten nimmt man weder ihn noch Wag­ners Ein­zel­stim­me wahr. (kleinezeitung.at, 27.12.24)

Stmk: Verdoppelung der Frauenquote im FPÖ-Landtagsklub und viel „Stiria“

Durch den Umzug von frei­heit­li­chen Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten in die stei­ri­sche Regie­rung, sind eini­ge Man­da­te frei gewor­den. Die wur­den alle­samt mit Män­nern nach­be­setzt. Da aller­dings mit Peter Samt ein Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter in den Bun­des­rat zog, konn­te die FPÖ mit der Nach­be­set­zung durch Kers­tin Zam­bo, einer treu­en Gra­zer Par­tei­gän­ge­rin, den Frau­en­an­teil im stei­ri­schen Land­tag glatt ver­dop­peln: von eins auf zwei.

Als FPÖ-Klub­di­rek­tor wur­de Ange­lo Eustac­chio neu instal­liert. Der ist eben­falls Bur­schen­schaf­ter und zufäl­lig bei der­sel­ben Ver­bin­dung wie sein Cou­sin Mario: bei der aka­de­mi­schen Bur­schen­schaft Stiria, die auch von den selt­sa­men Über­wei­sun­gen aus der Gra­zer FPÖ pro­fi­tiert und des­halb im Zuge einer Raz­zia Besuch erhal­ten hat und der eben­falls Mat­thi­as Eder angehört.

Ange­lo Eustac­chio löst Chris­ti­an Moser ab, der ins Büro von Lan­des­haupt­mann Kuna­sek gezo­gen ist. Auch Moser ist bei der „Stiria“ kor­po­riert und hat den Haupt­be­schul­dig­ten im Finanz­skan­dal, Mat­thi­as Eder, als Obmann des „Aka­de­mi­schen Haus­ver­ein Stei­er­mark“, der an der Adres­se der Stiria resi­diert und eben­falls Gel­der aus der Gra­zer FPÖ erhal­ten hat, abge­löst. Es bleibt also alles in der kor­po­rier­ten Familie.

Langenlois/NÖ: Parte mit brauner Geschichte

Auf der Web­site der Stadt­ge­mein­de Lan­gen­lois ist sie zu sehen: die Par­te für den ehe­ma­li­gen FPÖ-Poli­ti­ker Hans Jörg Schi­ma­nek sen., der kurz vor Weih­nach­ten mit 84 Jah­ren „plötz­lich und uner­war­tet“ ver­stor­ben ist. Auf der Par­te befin­det sich eine Irm­in­sul, die aus dem frü­hen Mit­tel­al­ter stammt, aber im Natio­nal­so­zia­lis­mus von der For­schungs­ge­mein­schaft Deut­sches Ahnen­er­be der SS als Sym­bol über­nom­men wur­de. Die Irm­in­sul dien­te auch als Logo der 2023 in Deutsch­land ver­bo­te­nen neo­na­zis­ti­schen „Art­ge­mein­schaft“.

Logo der neonazistischen Artgemeinschaft mit Irminsul
Logo der neo­na­zis­ti­schen Art­ge­mein­schaft mit Irminsul

Auf der Par­te ist zudem ein ein­schlä­gi­ger Spruch zu lesen.

„… und ewig lebt der Toten Taten­ruhm”, heißt es dort – laut dem Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des öster­rei­chi­schen Wider­stan­des (DÖW) stammt der Spruch aus der Edda, ver­mut­lich aus dem 13. Jahr­hun­dert, in der Erzäh­lun­gen von ger­ma­ni­schen Göt­tern und Hel­den zu fin­den sind. Natio­nal­so­zia­lis­ten haben die Lie­der und die Pro­sa der Edda häu­fig für sich ver­ein­nahmt. Der Spruch dien­te dazu, die gefal­le­nen Sol­da­ten als Hel­den dar­zu­stel­len und die Krie­ge des NS-Regimes zu recht­fer­ti­gen. (derstandard.at, 7.1.25)

Die Par­te zeich­ne­ten nicht nur Hans Jörg Schi­ma­nek jun. mit sei­nen drei Söh­nen, die alle­samt bei den als rechts­ter­ro­ris­tisch ver­däch­ti­gen „Säch­si­schen Sepa­ra­tis­ten“ („SS“) betei­ligt gewe­sen sein sol­len (zwei der Söh­ne befin­den sich in Haft, der drit­te wird als Beschul­dig­ter geführt), son­dern auch der zwei­te Sohn, René, Büro­lei­ter von Wal­ter Rosen­kranz, FPÖ-Stadt­rat und Spit­zen­kan­di­dat für die bevor­ste­hen­de Gemein­de­rats­wahl in Lan­gen­lois, sowie wei­te­re Fami­li­en­mit­glie­der, die sich eben­falls auf der frei­heit­li­chen Lis­te der Kandidat*innen für den Gemein­de­rat finden.

Die Cau­sa scheint fol­gen­los geblie­ben zu sein.

Update 9.1.26: Die Cau­sa blieb doch nicht fol­gen­los. Der ORF (9.1.26) berich­tet, dass wegen der Gestal­tung der Par­te (Irm­in­sul) gegen René Schi­ma­nek Ankla­ge wegen des Ver­dachts auf Wie­der­be­tä­ti­gung erho­ben wur­de. Die Ankla­ge ist noch nicht rechtskräftig.

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