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Lesezeit: 3 Minuten

Mario Eustacchios Spesenkonto: Alimentierung von rechtsextremen Projekten

Heu­te, 14. Novem­ber, fand in Graz ein Son­der­ge­mein­de­rat statt. Der Anlass: die schier unglaub­li­chen Geld­trans­ak­tio­nen, die über das Spe­sen­kon­to des ehe­ma­li­gen FPÖ-Vize­bür­ger­meis­ters und Stadt­ra­tes Mario Eustac­chio gelau­fen sind. Auch rechts­extre­me Pro­jek­te wur­den von Eustac­chio ali­men­tiert. Eine Übersicht.

14. Nov. 2024
Ausgaben Spesenkonto Eustacchio (Zusammenstellung rechtsextreme Projekte SdR)
Ausgaben Spesenkonto Eustacchio (Zusammenstellung rechtsextreme Projekte SdR)

Der Gra­zer FPÖ-Finanz­skan­dal ist mit den Spe­sen­aus­ga­ben von Mario Eustac­chio eine Facet­te rei­cher. Sie sind ein Sit­ten­bild dafür, wie fri­vol die FPÖ in Graz mit öffent­li­chen Gel­dern umge­gan­gen ist.

Körberlgeld weit höher als österreichisches Durchschnittseinkommen

20.000 Euro pro Jahr wären Eustac­chio 2015 und 2016, 34.000 in den Jah­ren danach (2017 bis Okto­ber 2021) als von der Stadt Graz über­wie­se­ne Gel­der zur Ver­fü­gung gestan­den, aber an die 3.400 Euro pro Monat haben das Kon­to ver­las­sen. Das ist sehr viel höher als das durch­schnitt­li­che Brut­to­ein­kom­men von unselb­stän­dig arbei­ten­den Men­schen in Öster­reich! Das Defi­zit am Kon­to wur­de durch Ein­zah­lun­gen unbe­kann­ter Her­kunft – ver­mut­lich zumin­dest teil­wei­se – über Gel­der des Par­tei­klubs aus­ge­gli­chen. Inzwi­schen küm­mert sich dar­um die Staats­an­walt­schaft Klagenfurt.

Die Mit­tel sind „aus­schließ­lich für durch die jewei­li­ge Funk­ti­on ver­an­lass­te Aus­ga­ben zu ver­wen­den“, schreibt die „Klei­ne Zei­tung“ (23.10.24) über den Ver­wen­dungs­zweck der Stadt­gel­der. Kon­trol­liert wor­den sei­en die Aus­ga­ben aber nicht. So konn­ten Zig­tau­sen­de Euro für Wein­ein­käu­fe, Auf­ent­hal­te von Flach­gau bis Cha­mo­nix, Pos­ten wie „Stolz auf dein Auto“ und Über­wei­sun­gen an das „SVA 1 Straf­amt“ für Organ­straf­ver­fü­gun­gen auf­ge­wen­det werden.

Es ist ordent­lich Wein geflos­sen. Gleich 46 Mal schei­nen unter­schied­li­che Wein­gü­ter und ‑geschäf­te in der Buchungs­zei­le auf. 1062,60 Euro da, 865 Euro dort, dann wie­der 2206,50 Euro. In Sum­me sind es 32.497,44 Euro für Wein, die Mario Eustac­chio in den Jah­ren 2015 bis Ende Okto­ber 2021 aus­ge­ge­ben hat. (kleinezeitung.at, 23.10.24)

Auch Wein aus Ita­li­en hat der ehe­ma­li­ge Vize­bür­ger­meis­ter auf Stadt­kos­ten impor­tie­ren las­sen: Für „Vini diver­si, Az. Con­te d Atti­mis Mania­go“ und „Trans­port Wein Az. Con­te d Atti­mis“ haben im Juli 2019 sat­te 2.428,50 Euro das Spe­sen­kon­to verlassen.

Tausende Euro vom Spesenkonto an Rechtsextreme

Neben Hun­der­ten Pos­ten für Bewir­tun­gen kamen Aus­ga­ben für einen Steu­er­be­ra­ter, FPÖ-Ver­an­stal­tun­gen, und blaue Teil­or­ga­ni­sa­tio­nen dazu. Regel­mä­ßig hat Eustac­chio aber auch rechts­extre­me Pro­jek­te finan­ziert. Unter den ein­schlä­gi­gen Medi­en wur­de mit 2.837 Euro am groß­zü­gigs­ten die „W3 Ver­lags GmbH“ („Zur Zeit”) des Andre­as Möl­zer sub­ven­tio­niert. Auf­fäl­lig ist, dass noch knapp vor Ende von Eustac­chi­os Amts­zeit 2.000 Euro an die „W3“ über­wie­sen wur­den. Auch der Gra­zer „Aula-Ver­lag“ und sei­ne Nach­fol­ge­rin, die „Frei­lich Medi­en GmbH“ erhiel­ten regel­mä­ßig Zuwen­dun­gen – ins­ge­samt 1.376,60 Euro. Allei­ne in dem Jahr, als der Aula-Skan­dal nach der Dif­fa­mie­rung von aus den KZ-befrei­ten Maut­hau­sen-Häft­lin­gen platz­te und die Aula inten­siv um Spen­den keil­te, tätig­te Eustac­chio acht Überweisungen.

Zu den wei­te­ren ali­men­tier­ten ein­schlä­gi­gen Medi­en zähl­ten auch „Info-Direkt“, „unzen­su­riert“ und die par­tei­ei­ge­ne Zei­tung „Neue freie Zei­tung“. An den rechts­extre­men „Leo­pold Sto­cker Ver­lag“ wur­den – ver­mut­lich für Bücher­käu­fe – ins­ge­samt 2.309,03 Euro überwiesen.

Ande­re aus dem Milieu Begüns­tig­te waren der „Freund­schafts­kreis Bur­schen­schaf­ter VaB OÖ Linz“, der „Alpen­län­di­sche Kul­tur­ver­band Süd­mark“, mehr­fach ein nicht zuor­den­ba­rer „Ver­ein für Mei­nungs­frei­heit“, der „Ver­ein Gra­zer Tur­ner­schaft“, eine „Patrio­ti­sche Soli­da­ri­tät“, die „Mari­ne­ka­me­rad­schaft Teget­t­hoff“ und das FPÖ-nahe „Franz Ding­ho­fer Insti­tut“, als des­sen Prä­si­dent Mar­tin Graf fungiert.

Burschenschafterbälle

Dass der Kor­po­rier­te Mario Eustac­chio auch den Gra­zer und den Wie­ner Bur­schen­schaf­ter­ball („Aka­de­mi­ker­ball“) mit nam­haf­ten Zuwen­dun­gen bedach­te, über­rascht nicht mehr. 6.252,00 Euro sind für Spen­den, Mie­te von Logen und Auf­ent­halts­kos­ten rund um die Bäl­le ver­merkt, davon 500 Euro im Jahr 2021, als bei­de Bäl­le pan­de­mie­be­dingt gar nicht statt­ge­fun­den hatten.

Absolute Schamlosigkeit

Ob hier Eustac­chio oder ande­ren straf­recht­lich rele­van­te Vor­wür­fe zu machen sind, wird die Jus­tiz klä­ren. Wie Aus­ga­ben die­ser Art mora­lisch zu recht­fer­ti­gen sind, mögen die Wäh­ler und Wäh­le­rin­nen bewer­ten! Der Gra­zer Gemein­de­rat Tris­tan Amme­rer (Grü­ne), auch Vor­stands­mit­glied von „Stoppt die Rech­ten”, äußert sich auf Nach­fra­ge eindeutig:

Unter Mario Eustac­chio gerie­ten die Finan­zen des Stadt­ra­tes und des FPÖ Rat­haus­klubs mut­maß­lich zu einem Selbst­be­die­nungs­la­den, wo im gro­ßen Stil Geld ver­schwand. Damit befasst sich nun die Staats­an­walt­schaft. Poli­ti­sche Kon­se­quen­zen gibt es bis­her kei­ne außer, dass die aktu­el­le Rat­haus­ko­ali­ti­on stren­ge­re Richt­li­ni­en für den Umgang mit Klub­gel­dern und Ver­fü­gungs­mit­teln erlässt. Das fügt sich naht­los in ein Mus­ter abso­lu­ter Scham­lo­sig­keit der FPÖ im Umgang mit öffent­li­chen Gel­dern ein. Die­ser Par­tei kann man kei­nen Cent anvertrauen.

Mario Eustacchio beim Sondergemeinderat am 14.11.24 (Screenshot Videoportal Stadt Graz)
Mario Eustac­chio beim Son­der­ge­mein­de­rat am 14.11.24 (Screen­shot Video­por­tal Stadt Graz)

➡️ derstandard.at (14.11.24): Gra­zer Son­der­ge­mein­de­rat zu Spe­sen: Rät­sel­ra­ten um Eustac­chi­os Vakuumpumpe

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