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FPÖ Graz: Würstelstand-Geständnisse und ein Todesfall

Neu­es aus dem Kom­plex um die Gra­zer FPÖ: Die Kla­gen­fur­ter Staats­an­walt­schaft ermitt­let im Fall des Todes des frü­he­ren Büro­lei­ters von Ex-Vize­bür­ger­meis­ter Eustac­chio. Außer­dem ließ der ehe­ma­li­ge Finanz­re­fe­rent der Stadt­par­tei, Mat­thi­as Eder, „Geständ­nis­se” vom Sta­pel, an die er sich jedoch nicht mehr erin­nern kann.

7. Mai 2024
Würstelstand-Geständnisse (Symbolfoto KI-generiert)

Seit vor­letz­ter Woche über­schla­gen sich die Ereig­nis­se in der Finanz­af­fä­re um die Gra­zer FPÖ, bei der es um die mut­maß­li­che Ver­un­treu­ung von Steu­er­geld in der Höhe von 1,8 Mil­lio­nen Euro geht (sie­he aus­führ­lich stopptdierechten.at, 3.1.24). Nun ermit­telt die Kla­gen­fur­ter Staats­an­walt­schaft auch noch im Fall des Todes des frü­he­ren Büro­lei­ters von Ex-Vize­bür­ger­meis­ter Eustac­chio. Des­sen Leich­nam wur­de am 23.4. aufgefunden.

Todesfall im Zusammenhang mit der Finanzaffäre?

Alexis Pas­cut­ti­ni, Klub­chef der FPÖ-Abspal­tung Kor­rup­ti­ons­frei­er Gemein­de­rats­klub (KFG), erklär­te am 30.4. bei einer Pres­se­kon­fe­renz, dass

der KFG als Pri­vat­be­tei­lig­ter im Finanz­ver­fah­ren den Mann mehr­mals als Zeu­gen gefor­dert habe. „Jetzt wird er nie mehr ein­ver­nom­men wer­den kön­nen“ (…). Bei der Staats­an­walt­schaft Kla­gen­furt woll­te man auf STAN­DARD-Nach­fra­ge aber den Namen des Toten, der zuletzt Refe­rats­lei­ter im Gra­zer Magis­trat war, bis vor weni­gen Tagen nie gehört haben. (derstandard.at, 30.4.24)

Den­noch über­nahm Kla­gen­furt nun die Ermitt­lun­gen in dem Todes­fall, was am frü­he­ren Job des Man­nes und eines mög­li­chen Zusam­men­hangs mit dem Finanz­skan­dal liegt. Einem gerichts­me­di­zi­ni­schen Kurz­gut­ach­ten zufol­ge wird der­zeit von Fremd­ein­wir­kung nicht aus­ge­gan­gen. Der Mann soll sich selbst erschos­sen haben. Ein bal­lis­ti­sches Gut­ach­ten steht aber noch aus.

STAN­DARD-Gesprä­che mit Per­so­nen aus dem pri­va­ten Umfeld des Ver­stor­be­nen erge­ben das Bild der völ­li­gen Rat­lo­sig­keit ob mög­li­cher Grün­de für den mut­maß­li­chen Sui­zid. Der Anfang 42-jäh­ri­ge Bur­schen­schaf­ter sei gera­de dabei gewe­sen, beim Bun­des­heer wei­ter Kar­rie­re zu machen.
Pas­cut­ti­ni erzähl­te in sei­ner Pres­se­kon­fe­renz am Diens­tag, dass er selbst letz­te Woche zunächst Poli­zei­schutz bean­tragt und auch bekom­men habe, als der Todes­fall zuerst bekannt wur­de. (Ebd.)

Pas­cut­ti­ni kün­dig­te auch noch wei­te­re Ent­hül­lun­gen an, ohne Details zu nennen.

Nächtliche Geständnisse am Würstelstand

In dem umfas­sen­den Skan­dal gab es noch eine Wen­dung – und zwar am Würs­tel­stand. Dort sind spät­abends am 15. April Mit­glie­der der FPÖ-Abspal­tung „Kor­rup­ti­ons­frei­er Gemein­de­rat“ (KFG) zufäl­lig auf jenen Mann getrof­fen, der im Novem­ber 2021 Selbst­an­zei­ge ein­reich­te und damit die Schuld für die anonym ange­zeig­ten Unge­reimt­hei­ten auf sich nahm: Mat­thi­as Eder. Eder war Klub­di­rek­tor des FPÖ-Gemein­de­rats­klubs und zugleich Finanz­re­fe­rent der Stadt­par­tei. Eder habe über die Finanz­af­fä­re zu erzäh­len begon­nen und wur­de dabei von den KFG-Leu­ten aufgezeichnet.
Er sag­te etwa:

„Dass ich für die gan­zen Eier­do­deln mei­nen Schädl hing­hal­ten hab, find ich eh erbärmlich.“
Und nach­dem die ande­ren vier immer wie­der beto­nen, dass sie ihm nicht glaub­ten, dass er allein schul­dig sei, ruft er schließ­lich unge­hal­ten: „Natür­lich war i’s ned allan, wie soll ich allan 700.000 Euro gfla­dert haben? Wer glaubt des?“ (derstandard.at, 3.5.24)

Die Kro­nen Zei­tung (7.5.24) zitiert wei­ter aus der Ton­band­ab­schrift: „Ich hab gemacht, was mir ange­schafft wur­de, man dient sei­nem Herrn!“

Eder erklär­te auch, dass Pas­cut­ti­ni etwas „ganz Schlim­mes pas­sie­ren“ wer­de und er sein Buch zum den Finanz­skan­dal nicht wer­de schrei­ben kön­nen. Die Ton­auf­zeich­nung wur­de der Staats­an­walt­schaft übermittelt.

Eder ruder­te spä­ter wie­der zurück und ließ über sei­nen Anwalt Bern­hard Leho­fer ver­laut­ba­ren, dass er schwer alko­ho­li­siert alles Mög­li­che gesagt habe, sich aber nicht mehr erin­nern kön­ne, aber bei der Aus­sa­ge zu sei­ner dama­li­gen Selbst­an­zei­ge blei­ben wol­le. Auch die Andeu­tung, Pas­cut­ti­ni wer­de etwas pas­sie­ren, nahm er zurück.

Bemer­kens­wert: Fünf Tage nach der Würs­tel­stand­be­geg­nung leg­te Anwalt Leho­fer das Man­dat für Eder nieder.

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Schlagwörter: FPÖ | Korruption/Betrug/Untreue | Steiermark

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