Hans-Henning Scharsach: Freiheitliche vor Gericht

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Über Kri­mi­nal­fäl­le inner­halb der FPÖ hat „Stoppt die Rech­ten” in unzäh­li­gen Bei­trä­gen berich­tet. Der Jour­na­list und Publi­zist Hans-Hen­ning Schar­sach hielt beim gro­ßen Netz­werktref­fen des „OÖ. Netz­werk gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus” am 14. Okto­ber 23 in Wels vor etwa 200 Teil­neh­men­den einen viel­be­ach­te­ten Vor­trag, in dem er kom­pakt über die unglaub­li­che Zahl und die unglaub­li­che Viel­falt kri­mi­nel­ler Akti­vi­tä­ten von FPÖ-Poli­ti­kern” refe­riert hat. Der Vor­tra­gen­de stell­te uns das Manu­skript dan­kens­wer­ter­wei­se zur Verfügung.

Hans-Henning Scharsach (Screenshot Video FB 14.4.21)

Hans-Hen­ning Schar­sach (Screen­shot Video FB 14.4.21)

Lie­be Freun­din­nen und Freun­de, als ich mich mit Robert auf das The­ma mei­nes heu­ti­gen Vor­trags geei­nigt hat­te, bat ich ihn um min­des­tens drei­ein­halb Stun­den Redezeit.

Lei­der geht das nicht. Ihr seht ja selbst, was hier los ist. Ich muss mich also dar­auf beschrän­ken, eini­ge sum­ma­ri­sche Schlag­lich­ter auf die unglaub­li­che Zahl und die unglaub­li­che Viel­falt kri­mi­nel­ler Akti­vi­tä­ten von FPÖ-Poli­ti­kern zu werfen.

Begin­nen wir mit dem Aktu­ells­ten: Den Fall Teicht­meis­ter nütz­te die FPÖ wie­der ein­mal, um sich in gro­ßer Pose als Ver­tre­te­rin von Recht und Ord­nung zu gebär­den. Sie for­der­te här­te­re Stra­fen für Sexu­al­de­lik­te – bis hin zu lebenslänglich.

Ich darf dar­an erin­nern: 2004 wur­den auf dem PC des frei­heit­li­chen Frak­ti­ons­ob­man­nes in Linz kin­der-por­no­gra­phi­sche Dar­stel­lun­gen gefun­den. Die Staats­an­walt­schaft leg­te den Fall nie­der, weil alle FPÖ-Mit­ar­bei­ter aus­sag­ten, dass vie­le Per­so­nen Zugang zu dem PC hat­ten und sich der Schul­di­ge daher nicht eru­ie­ren ließ.

2005 wie­der­hol­te sich das: Wie­der fand man auf einem Com­pu­ter der ober­ös­ter­rei­chi­schen Frei­heit­li­chen kin­der­por­no­gra­phi­sches Mate­ri­al. Wie­der wur­de der Fall von der Staats­an­walt­schaft zurück­ge­legt – aus den glei­chen Grün­den wie ein Jahr zuvor.

2007 wur­de ein bur­gen­län­di­scher Orts­par­tei­chef der FPÖ rechts­kräf­tig ver­ur­teilt. Er hat­te kin­der­por­no­gra­phi­sches Mate­ri­al aus dem Inter­net her­un­ter­ge­la­den, gespei­chert und Jugend­li­chen zugäng­lich gemacht. Von Jour­na­lis­ten auf­ge­deckt wur­de das aller­dings erst 2009. Zwei Jah­re war der Vor­be­straf­te in all sei­nen FPÖ-Funk­tio­nen geblieben.

2011 berich­te­te der ORF Nie­der­ös­ter­reich von einem der Kin­der­por­no­gra­phie ver­däch­ti­gen FPÖ-Poli­ti­ker, der im Ver­hör zugab, mit einer Mut­ter über sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen ihrer min­der­jäh­ri­gen Toch­ter ver­han­delt zu haben.

2016 wur­den auf dem PC eines FPÖ-Betriebs­ra­tes der Tiro­ler Poli­zei, den die Frei­heit­li­chen zwei­mal für das Euro­päi­sche Par­la­ment hat­ten kan­di­die­ren las­sen, por­no­gra­phi­sche Dar­stel­lun­gen Min­der­jäh­ri­ger gefunden.

Aber es blieb nicht immer bei foto­gra­fi­schen Dar­stel­lun­gen. Auch hier gibt es einen ober­ös­ter­rei­chi­schen Fall: 2015 wur­de ein frei­heit­li­cher Vize­bür­ger­meis­ter aus dem Bezirk Wels-Land zu zwölf Mona­ten teil­be­dingt ver­ur­teilt, der sei­ne zehn­jäh­ri­ge Enke­lin miss­braucht hatte.

Eine alte Jour­na­lis­ten­weis­heit sagt: Das Archiv ist der schlimms­te Feind unse­riö­ser Poli­ti­ker. Es lässt sich also auch heu­te noch lücken­los bele­gen, wie die kri­mi­nel­len Akti­vi­tä­ten von FPÖ-Poli­ti­kern seit Jahr­zehn­ten die öster­rei­chi­sche Demo­kra­tie desta­bi­li­sie­ren und das poli­ti­sche Kli­ma vergiften.

Die meis­ten von euch sind zu jung, um sich an den Fall Peter Rosen­stingl zu erin­nern. Rosen­stingl war ein pro­mi­nen­ter FPÖ-Par­la­men­ta­ri­er. Er beklei­de­te Mit­te der 90er Jah­re zahl­rei­che Füh­rungs­po­si­tio­nen und war unter ande­rem Obmann des Rings Frei­heit­li­cher Wirt­schafts­trei­ben­der. 1998 setz­te er sich mit 50 Mil­lio­nen Schil­ling ins Aus­land ab. Zwei Jah­re danach erhielt er wegen schwe­ren gewerbs­mä­ßi­gen Betrugs sie­ben Jah­re Haft.

Bern­hard Grat­zer, Obmann der Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen FPÖ, wur­de als Kom­pli­ze Rosen­stingls zu drei Jah­ren Haft verurteilt.

Danach schick­te die FPÖ mit Josef Trenk einen Nach­fol­ger für Rosen­stingl ins Par­la­ment, der wegen Auto­ma­ten­be­trugs bereits rechts­kräf­tig ver­ur­teilt war.

Viel Zeit ist seit­her ver­gan­gen. Geän­dert hat sich nichts. Die Kor­rup­ti­on ist fes­ter Bestand­teil der FPÖ-Poli­tik geblie­ben. Zur­zeit ermit­telt die Staats­an­walt­schaft in Graz gegen sie­ben hohe FPÖ-Funk­tio­nä­re, die in drin­gen­dem Ver­dacht ste­hen, Steu­er- und Par­tei­gel­der in Mil­lio­nen­hö­he ver­un­treut zu haben.

Dazu zäh­len der ehe­ma­li­ge Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter und heu­ti­ge Lan­des­par­tei­chef Mario Kuna­sek, der ehe­ma­li­ge Gra­zer Vize­bür­ger­meis­ter und Finanz­prü­fer der Bun­des- und Lan­des-FPÖ, Mario Eustac­chio und der ehe­ma­li­ge Gra­zer Klub­chef Armin Sippel.

Mitt­ler­wei­le gibt es zwei Selbst­an­zei­gen. Eine vom Ex-Kas­sier der Frei­heit­li­chen Aka­de­mi­ker­ver­bän­de, der hohe Ein­gän­ge unbe­stimm­ter Her­kunft unge­prüft ver­bucht hat­te, die ande­re von Mat­thi­as Eder, dem ehe­ma­li­gen Klub­di­rek­tor und Finanz­re­fe­rent der FPÖ. Die­ser hat der Staats­an­walt­schaft 700.000 Euro zur Scha­dens­gut­ma­chung überwiesen.

Neben­bei: Als Gra­zer FPÖ-Funk­tio­nä­re 2022 den Antrag stel­len, die dubio­sen Geld­flüs­se der Par­tei prü­fen zu las­sen, wur­den sie von Kickl und Kuna­sek aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen. Alexis Pas­cut­ti­ni, einer der Aus­ge­schlos­se­nen, hat sei­ner ehe­ma­li­gen Par­tei im Inter­view mit dem Stan­dard ein Ent­hül­lungs­buch angedroht.

Ich habe jetzt einen Skan­dal aus den 90er Jah­ren einem der Jetzt­zeit gegen­über­ge­stellt. Was in den 25 Jah­ren dazwi­schen pas­sier­te, das ist ein­ma­lig in der Kri­mi­nal­ge­schich­te west­li­cher Demo­kra­tien.

Unter Par­tei­ob­mann Jörg Hai­der ist die FPÖ zu einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung mutiert. Prak­tisch die gesam­te Par­tei­füh­rung von damals ist mitt­ler­wei­le rechts­kräf­tig ver­ur­teilt. Wir haben den spek­ta­ku­lä­ren Pro­zess gegen Karl Heinz Gras­ser und Wal­ter Meisch­ber­ger als Fort­set­zungs­kri­mi in den Medi­en mit­er­lebt. Der ehe­ma­li­ge frei­heit­li­che Finanz­mi­nis­ter wur­de in ers­ter Instanz zu acht Jah­ren ver­ur­teilt. Für Meisch­ber­ger, der die Geschi­cke der FPÖ jah­re­lang als Bun­des­ge­schäfts­füh­rer und Gene­ral­se­kre­tär gelenkt hat­te, war es der zwei­te Schuld­spruch: Immer­hin sie­ben Jah­re Haft.

Die­se bei­den Urtei­le sind nicht oder noch nicht rechts­kräf­tig. Vie­le Dut­zend Schuld­sprü­che ande­rer füh­ren­den FPÖ-Poli­ti­ker aber haben längst Rechts­kraft erlangt.

Der eins­ti­ge Klub­ob­mann und stell­ver­tre­ten­de Par­tei­ob­mann Peter Wes­ten­tha­ler wur­de wegen schwe­ren Betrugs und fal­scher Zeu­gen­aus­sa­gen gleich zwei­mal ver­ur­teilt. Der ehe­ma­li­ge FPÖ-Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Ger­not Rum­pold wur­de zwei­mal ver­ur­teilt, bei­de Male wegen Kor­rup­ti­ons­de­lik­ten im Zuge ille­ga­ler Par­tei­en­fi­nan­zie­rung. Ewald Stad­ler, Mit­glied des Bun­des­par­tei­vor­stan­des, wur­de wegen schwe­rer Nöti­gung und fal­scher Zeu­gen­aus­sa­ge schul­dig gesprochen.

Und als sich Hai­der im Jahr 2000 aus Wien ver­ab­schie­de­te, um die schwarz-blaue Koali­ti­on zu ermög­li­chen, trug er die Kor­rup­ti­on nach Kärn­ten, wo die­se ab 2005 zu BZÖ-Kor­rup­ti­on wur­de. Uwe Scheuch, den Hai­der für das größ­te poli­ti­sche Talent sei­ner Par­tei hielt und ihn daher zum stv. Lan­des­haupt­mann und Nach­fol­ger als Kärnt­ner Par­tei­ob­mann mach­te, wur­de gleich vier­mal rechts­kräf­tig ver­ur­teilt. Wei­te­re rechts­kräf­ti­ge Urtei­le gab es gegen Hai­ders Nach­fol­ger als Lan­des­haupt­mann, Ger­hard Dörf­ler, gegen die bei­den frei­heit­li­chen Regie­rungs­mit­glie­der, die Lan­des­rä­te Harald Dober­nig und Gün­ter Wil­leg­ger und gegen Ste­fan Petz­ner. Hai­ders lang­jäh­ri­ger Sekre­tär Gerold Mik­scha setz­te sich vor der Pro­zess­la­wi­ne ab – nach Para­gu­ay wie Ermitt­ler vermuten.

Aber es sind nicht nur Hai­ders Par­tei­freun­de, die da ver­ur­teilt wur­den. Es sind auch Hai­ders Lob­by­is­ten, Hai­ders Spen­der, Hai­ders Steu­er­be­ra­ter, Hai­ders Wer­be­be­ra­ter, Hai­ders Pres­se­spre­cher, Hai­ders Bank­be­ra­ter und nicht zuletzt Hai­ders Koalitionspartner.

Im Ver­fah­ren gegen den ehe­ma­li­gen Kärnt­ner ÖVP-Chef Josef Mar­tinz wur­de deut­lich, dass die­ser eigent­lich nur Bei­trags­tä­ter war. Es war Hai­der, der Kärn­ten als (ich zitie­re aus dem Gerichts­ur­teil) „poli­ti­schen Selbst­be­die­nungs­la­den“ miss­braucht hatte.

Aus­drück­lich hielt der Rich­ter fest, dass Hai­der (Zitat) „nur auf Grund sei­nes Able­bens“ nicht „zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den kann“. Weil Mar­tinz als Hai­ders Stell­ver­tre­ter mit die­sem gemein­sa­me Sache gemacht hat­te, wur­de er wegen Untreue zu vier­ein­halb Jah­ren verurteilt.

Und dann kam Stra­che, des­sen kri­mi­nel­le Ener­gie alles bis­her Dage­we­se­ne in den Schat­ten stell­te. Gemein­sam mit dem Wie­ner FPÖ-Chef Johann Gude­nus ver­such­te er, Öster­reichs größ­tes Print­me­di­um unter Kon­trol­le der FPÖ zu brin­gen damit den poli­ti­schen Wett­be­werb zu ver­fäl­schen und die Pres­se­frei­heit als Grund­la­ge unse­rer demo­kra­ti­schen Kul­tur aus­zu­he­beln. Den Kauf­preis für die­sen Anschlag auf Pres­se­frei­heit und Demo­kra­tie woll­te Stra­che den Steu­er­zah­lern auf­bür­den, indem er der ver­meint­li­chen Olig­ar­chen­toch­ter staat­li­che Auf­trä­ge für eine von ihr zu grün­den­de Bau­fir­ma in Aus­sicht stellte.

Wäre ihm gelun­gen, was er in Ibi­za ein­zu­fä­deln ver­sucht hat, der mate­ri­el­le und mora­li­sche Scha­den für unse­re Demo­kra­tie hät­te alles in den Schat­ten gestellt, was es in Öster­reich je gege­ben hat.

Bei kei­ner der unzäh­li­gen Straf­ta­ten von Poli­ti­kern der FPÖ, die zum Teil auch Regie­rungs­äm­ter inne­hat­ten, han­delt es sich um Kava­liers­de­lik­te. Es sind schwe­re und schwers­te Ver­bre­chen: Amts­miss­brauch, Nöti­gung im Amt, Bestechung und Bestech­lich­keit, Untreue, schwe­rer gewerbs­mä­ßi­ger Betrug, Spiel­au­to­ma­ten-Betrug, Urkun­den- und Beweis­mit­tel­fäl­schung, Falsch­aus­sa­ge, betrü­ge­ri­sche Kri­da, Steu­er­de­lik­te usw, usw…

Gegen Poli­ti­ker und Akti­vis­ten der zwei­ten und drit­ten Rei­he kom­men wei­te­re Straf­tat­be­stän­de hin­zu. Die­se rei­chen von Mord, — schwe­rer vor­sätz­li­cher Kör­per­ver­set­zung und ille­ga­lem Waf­fen­han­del bis hin zu Fried­hof­schän­dung, Denk­mal­schän­dung, Auf­ru­fen zur Gewalt gegen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, Han­del mit NS-Devo­tio­na­li­en und alle mög­li­chen unap­pe­tit­li­chen Sexualdelikte.

Aber auch das ist noch nicht alles. Dazu kommt eine lan­ge, lan­ge Rei­he von rechts­kräf­ti­gen Urtei­len wegen ras­sis­tisch oder neo­na­zis­tisch moti­vier­ter Straf­ta­ten, wie Ver­het­zung, Wie­der­be­tä­ti­gung, Holo­caust-Leug­nung, usw.

Wegen sol­cher Ver­bre­chen wur­den meh­re­re pro­mi­nen­te Par­la­men­ta­ri­er der FPÖ ver­ur­teilt, zum Bei­spiel der ehe­ma­li­ge Gene­ral­se­kre­tär der FPÖ, Karl-Heinz Kle­ment, John Gude­nus, Susan­ne Win­ter und Wer­ner Königs­ho­fer. Dazu eine lan­ge Lis­te von frei­heit­li­chen Man­da­ta­ren auf Lan­des- und Gemeindeebene.

Aber selbst das ist nur die Spit­ze eines Eis­ber­ges. Das Maut­hau­sen Komi­tee hat an die 200 soge­nann­ter „Ein­zel­fäl­le“ ras­sis­ti­scher und rechts­extre­mer Akti­vi­tä­ten gesam­melt, die typisch sind für die FPÖ und Tei­le ihrer Wählerschaft.

Lie­be Freun­din­nen und Freun­de, eine sol­che Häu­fung kri­mi­nel­ler Akti­vi­tä­ten durch Poli­ti­ker einer ein­zi­gen Par­tei hat es in der poli­ti­schen Kul­tur west­eu­ro­päi­scher Demo­kra­tien bis­her nie und nir­gends gegeben.

Ihr müsst nur selbst ver­su­chen, im Inter­net zu recher­chie­ren. Ihr wer­det zu ähn­li­chen Ergeb­nis­sen kom­men wie ich. Die Zahl rechts­kräf­ti­ger Ver­ur­tei­lun­gen von FPÖ-Poli­ti­kern ist laut Inter­net etwa zehn­mal so hoch wie die Ver­ur­tei­lun­gen von Poli­ti­kern aller ande­ren im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en zusam­men.

Und was sagt FPÖ-Chef Her­bert Kickl zu die­ser unfass­ba­ren Serie an Ver­bre­chen von Spit­zen­po­li­ti­kern sei­ner Par­tei? Der Mann, der Volks­kanz­ler wer­den will, emp­fin­det die zahl­lo­sen Ver­ur­tei­lun­gen von FPÖ-Poli­ti­kern nicht als Schan­de für sei­ne Par­tei, son­dern (Zitat) „als Schan­de für Öster­reichs Justiz“.

Lie­be Freun­din­nen und Freun­de. Es gibt vie­le Gemein­schaf­ten und Ver­ei­ne, die ein eige­nes Lied­gut pfle­gen und eige­ne Lie­der­bü­cher her­aus­ge­ben. Besun­gen wer­den dabei die wich­tigs­ten Zie­le einer Gemein­schaft: Chris­ten sin­gen über Gott und Nächs­ten­lie­be, Mit­glie­der des Alpen­ver­eins oder der Wan­der­vö­gel über die Schön­heit der Natur.

In den Lie­der­bü­chern der deutsch­na­tio­na­len, schla­gen­den Bur­schen­schaf­ten, aus denen die FPÖ ihr Füh­rungs­per­so­nal rekru­tiert, fin­den sich Tex­te aus der NS-Zeit oder sol­che mit deut­li­chen Anklän­gen an NS-Parolen.

Im Lie­der­buch der Bur­schen­schaft, der Udo Land­bau­er ange­hört macht man sich bei­spiels­wei­se zynisch über die Ver­nich­tung von sechs Mil­lio­nen Juden lus­tig, mit der Text­zei­le: „Gebt Gas ihr alten Ger­ma­nen, wir schaf­fen die sie­ben­te Mil­li­on“.

Die­ser Satz arti­ku­liert zum einen Ent­täu­schung dar­über, dass die Juden­ver­nich­tung nicht zu Ende gebracht wer­den konn­te. Die­ser Satz, „wir schaf­fen die sie­ben­de Mil­li­on“ ist aber auch Auf­ruf zum Mas­sen­mord, in gedruck­ter Form und öffentlich.

Noch schlim­mer. Die­ser Satz wird einem der his­to­risch bedeu­tends­ten Ver­tre­ter des Juden­tums in den Mund gelegt: Isra­els Grün­der­va­ter Ben Guri­on. Das ist die typi­sche Täter-Opfer-Schuld­um­kehr der Nazis. Eine grö­ße­re Per­fi­die als Ben Guri­on die­sen Satz in den Mund zu legen, hät­te sich auch ein Goeb­bels nicht aus­den­ken können.

Dass Mit­glie­der einer Bur­schen­schaft, die sol­che Lie­der hat dru­cken las­sen, nicht vor Gericht, son­dern wie Udo Land­bau­er in einem Regie­rungs­amt lan­den, das ist für mich der größ­te Skan­dal, den ich in 50 Jah­ren als Jour­na­list und poli­ti­scher Autor erle­ben muss­te. Und für mich als Demo­krat ist es die größ­te Ent­täu­schung mei­nes poli­ti­schen Lebens.

Die­ser Fall zeigt jeden­falls eines: Die größ­te Gefahr für unse­re Demo­kra­tie ist nicht die FPÖ, deren Stim­men­re­ser­voir trotz aller Erfol­ge limi­tiert ist. Die wirk­lich zer­stö­re­ri­sche Gefahr geht von Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­kern demo­kra­ti­scher Par­tei­en aus, die sich zu Steig­bü­gel­hal­tern von Rechts­au­ßen-Poli­ti­kern machen und damit den Rechts­extre­mis­mus als fes­ten Bestand­teil in unse­rem demo­kra­ti­schen Sys­tem etablieren.

So, lie­be Freun­din­nen und Freun­de. Ich dan­ke euch für euer Inter­es­se und will nur noch die­sen einen Satz sagen, der bei allem, was man über die FPÖ schreibt oder spricht, juris­tisch unver­zicht­bar ist. Ihr kennt ihn ja. Für alle FPÖ­ler, die noch nicht rechts­kräf­tig ver­ur­teilt sind – gilt die Unschuldsvermutung!

➡️ SdR (2010): FPÖ & Kriminalität
➡️ SdR (2011): FPÖ & Kri­mi­na­li­tät (2011): Repri­se für Rosenstingl
➡️ SdR (2013): Die Par­tei der „Sau­ber­män­ner” (4 Teile)
➡️ SdR (2018): Hai­der (II): Kri­mi­na­li­tät und Kor­rup­ti­on im Umfeld