Wochenschau KW 33/21

Schüsse mit ein­er Schreckschusspis­tole mit­ten in der Nacht in der Wiener Donaus­tadt – aus Frust, wie der Schütze angibt, bei dem neben­bei auch noch eine Waf­fen­samm­lung samt SS-Devo­tion­alie gefun­den wurde. Ste­fan Mag­net (AUF1-TV) empört sich, dass Pay­Pal gle­ich drei sein­er Kon­ten gekündigt hat. Warum eigentlich?

Wien/Donaustadt: Frustschüsse, Waf­fen & SS-Devotionalie
Salzburg: Juden­witze und Hitler-Videos
Linz: Pay­Pal-Kon­ten von AUF1-TV und Mag­net gesperrt
Mölltal/K: Ein­spruch gegen Wiener Zei­this­torik­er als Gutachter
D/Ru/Ö: Rechtsverbinder Manuel Ochsen­re­it­er verstorben

Wien/Donaustadt: Frustschüsse, Waf­fen & SS-Devotionalie

„Aus Frust“ gab der 22-Jährige Donaustädter an, habe er herumgeschossen. Mit­ten in der Nacht.

Beamte des Stadt­polizeikom­man­dos Donaus­tadt trafen mit WEGA-Unter­stützung gegen 2.30 Uhr ein. In dem Haus fan­den die Beamten einen alko­holisierten 22-Jähri­gen vor. Der Mann gab zu, dass er mit ein­er Schreckschusspis­tole mehrere Schüsse abgegeben hat­te. Als Motiv nan­nte er per­sön­lichen Frust. (kurier.at, 16.8.21)

Ob der Wiener seine zehn Schreckschuss­waf­fen und 14 Kampfmess­er, darunter einen SS-Dolch samt Hak­enkreuz-Besatz, auch aus Frust gesam­melt hat, geht aus dem Polizeibericht nicht her­vor. Vor­läu­fig gibt’s ein Waf­fen­ver­bot und eine Anzeige nach dem Verbotsgesetz.

Salzburg: Juden­witze und Hitler-Videos

Kurz ist die Zeitungsmeldung zu einem Prozess in Salzburg ausgefallen:

Ein 36-Jähriger ist am Dien­stag am Lan­des­gericht wegen nation­al­sozial­is­tis­ch­er Wieder­betä­ti­gung verurteilt wor­den. Der Mann hat­te via What­sApp 45 ein­schlägige Nachricht­en mit Juden­witzen und Hitler-Videos an einen Fre­und geschickt. Der Salzburg­er war umfassend geständig. Er erhielt 18 Monate bed­ingte Haft. Das Urteil ist recht­skräftig. (Salzburg­er Nachricht­en, 18.8.21, S. L6)

Linz: Pay­Pal-Kon­ten von AUF1-TV und Mag­net gesperrt

Eigentlich ist es ja absurd, wenn Ste­fan Mag­net mit seinem Inter­net-TV unen­twegt über Konz­erne und „die Glob­al­is­ten“ herzieht und sich dann bit­ter darüber beschw­ert („wider­liche Zen­sur“), wenn ihn ein­er dieser Konz­erne, deren Dien­ste er dann doch genützt hat­te, vor die Tür set­zt. Die Rede ist vom US-amerikanis­chen Finanz­di­en­stleit­er Pay­Pal, der das „AUF1“-Konto sowie ein Fir­men- und Pri­vatkon­to von Mag­net geschlossen hat.

PayPal sperrt Magnets Konten (Screenshot TG AUF1)

Pay­Pal sper­rt Mag­nets Kon­ten (Screen­shot TG AUF1)

Mölltal/K: Ein­spruch gegen Wiener Zei­this­torik­er als Gutachter

Der Fall erin­nert frap­pierend an das Ermit­tlungsver­fahren in der Causa Liederbuch/Bruna Sude­tia, als nach Ein­spruch des Anwalts von Her­wig Götschober, der ursprünglich von der Staat­san­waltschaft bestellte Gutachter schlussendlich vom Ober­lan­des­gericht mit ein­er kuriosen Begrün­dung und nach voll­brachter Arbeit wieder seines Amtes enthoben wurde.

Anfang August hat­te die „Kleine Zeitung“ gemeldet, dass bezüglich der NS-Runen am Ein­gangstor zum Grund­stück von zwei Ex-Poli­tik­ern ein Wiener Zei­this­torik­er mit ein­er Begutach­tung beauf­tragt wor­den sei. Nun ist aus der „Kro­nen Zeitung“ (20.8.21) nicht nur zu erfahren, dass die Kla­gen­furter Staat­san­waltschaft das Ver­fahren bere­its ein­stellen wollte, die Graz­er Ober­staat­san­waltschaft jedoch auf die Hinzuziehung eines Gutachters bestanden hat­te. Bis dieser aber arbeit­en kann, wird es wieder dauern. Denn gegen den Zeit­geschichtler der Uni Wien hat der Anwalt des Ex-FP-Man­datars Bedenken – da er Mit­glied des Mau­thausen-Komi­tees sei.“ (krone.at)

Die „Kro­ne“ endet damit, dass nun in Öster­re­ich wieder ein­mal ein His­torik­er­stre­it dro­he. Das ist es allerd­ings nicht: Es ist die bloße Ablehnung eines Zei­this­torik­ers durch einen weit rechtsste­hen­den Ex-Poli­tik­er bzw. dessen Anwalt.

D/Ru/Ö: Rechtsverbinder Manuel Ochsen­re­it­er verstorben

Die recht­sex­treme Welt, jeden­falls jene aus dem deutschsprachi­gen Raum, aber wahrschein­lich nicht nur aus dem Teil, trauert. Manuel Ochsen­re­it­er sei in Moskau ver­stor­ben, meldet die recht­sex­treme Monat­szeitschrift „Zuerst!“, deren Chefredak­teur Ochsen­re­it­er war. 

Ochsen­re­it­er war vor allem inter­na­tion­al sehr umtriebig und galt als rechter Net­zw­erk­er und Pro­pa­gan­dist für Putin. 2014 nahm er in Teheran (Iran) an der „New Horizon“-Konferenz teil, bei der Holo­caustleugn­er und Ver­schwörungside­olo­gen zusam­menka­men, und Ochsen­re­it­er über die „Israelis­che Lob­by in Deutsch­land“ referierte. 2014 war er auch Ref­er­ent auf der neurecht­en Kon­ferenz in „Iden­tiar­i­ans Ideas“ in Stock­holm. (…) Als Pro­pa­gan­dist für das autoritär geführte Rus­s­land und rechter Eurasi­er trat Ochsen­re­it­er regelmäßig auf, warb auf diversen Kon­feren­zen u.a. bei der AfD für solche Vorstel­lun­gen. Ochsen­re­it­er unter­stützte die AfD, rief in „Zuerst“ zu ihrer Wahl auf und organ­isierte für AfD-Par­la­men­tari­er „Wahlbeobachter­mis­sio­nen“. Zulet­zt fiel Manuel Ochsen­re­it­er im Zusam­men­hang mit einem Bran­dan­schlag im Feb­ru­ar 2018 auf ein Kul­turzen­trum im ukrainis­chen Uschgorod auf. Er soll drei mit­tler­weile verurteilte pol­nis­che Neon­azis für die Aktion anges­tiftet und bezahlt haben. Dies behaupteten sie im Prozess und Chat­nachricht­en sollen dies auch bele­gen. Gegen Ochsen­re­it­er ermit­telte deswe­gen noch 2020 die Gen­er­al­staat­san­waltschaft Berlin. Wom­öglich deswe­gen hielt er sich, wie „Zuerst“ berichtet, seit 2019 „über­wiegend in Moskau auf, wo er jet­zt nach ein­er Woche im Koma nach einem erneuten Herz­in­farkt ver­starb.“ Mit Bekan­ntwer­den der Vor­würfe 2019 tren­nte sich Ochsen­re­it­er vom AfD-Bun­destagsmit­glied Markus Frohn­maier, für den er seit 2018 als Fachref­er­ent tätig war. (bnr.de, 19.8.21)

Ochsen­re­it­er unter­hielt auch beste Beziehun­gen nach Öster­re­ich: Er war nicht nur beim recht­sex­tremen Kongress der „Vertei­di­ger Europas“ 2016 in Linz aufge­treten, son­dern hat­te auch Beiträge für den „Wochen­blick“ und „Info-Direkt“ geliefert. Seine Achse in die FPÖ führte ins­beson­dere zu Johann Gude­nus und Johannes Hüb­n­er. Das war in für alle drei poli­tisch noch hoff­nungs­fro­heren Zeiten.