Von der Haft retour in die braune Gemeinschaft

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Die Mel­dung über die Haft­ent­las­sung des Holo­caust­leug­ners Wolf­gang Fröh­lich nach dem Pro­zess in Krems ver­brei­te­te sich schnell, aller­dings nicht über „nor­ma­le“ öster­rei­chi­sche Medi­en, son­dern über brau­ne Kanä­le. Das erklärt sich dar­aus, dass ein neo­na­zis­ti­sches Netz­werk rund um die deut­sche Orga­ni­sa­ti­on „Gefan­ge­nen­hil­fe“ Fröh­lich über Jah­re hin­weg auf­mun­ternd und für sei­ne Frei­las­sung kam­pag­nis­ie­rend beglei­tet hatte.

Die „Gefan­ge­nen­hil­fe“ küm­mert sich als Nach­fol­ge­grup­pe der 2011 ver­bo­te­nen deut­schen „Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für natio­na­le poli­ti­sche Gefan­ge­ne und deren Ange­hö­ri­ge“ (HNG) um inhaf­tier­te Neo­na­zis und laut Eigen­an­ga­be auch um deren Fami­li­en. „For­mal han­delt es sich bei der »Gefan­ge­nen­hil­fe« um einen in Schwe­den ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein mit einer Post­fach­adres­se in Stock­holm. Es gilt jedoch als sicher, dass die Orga­ni­sa­ti­on vor allem deut­schen Kadern besteht.” (jungle.world, 11.12.2014)

Als Ziel gibt die Orga­ni­sa­ti­on an:

Das Gefan­ge­nen-Pro­jekt ‚GefangenenHilfe.info’ wur­de als Platt­form für ver­schie­de­ne Initia­ti­ven ins Leben geru­fen, die sich um die Vor­beu­gung, Betreu­ung, Direkt­hil­fe und Wie­der­ein­glie­de­rung in unse­re Gemein­schaft nach einer ver­büß­ten Haft­stra­fe dre­hen.

Website "Gefangenenhilfe"

Web­site „Gefan­ge­nen­hil­fe”

Im Klar­text heißt dies, man sich küm­mert auch oder vor allem dar­um, die Inhaf­tier­ten men­tal in den brau­nen Krei­sen zu hal­ten, um sie nach der Haft wie­der einzugliedern.

Bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit wirbt die „Gefan­ge­nen­hil­fe“ um Spen­den, die jedoch mit kräf­ti­ger ein­schlä­gi­ger Unter­stüt­zung lau­fen. Zur einer 2014 gestar­te­ten Spen­den­kam­pa­gne berich­te­te jungle.world über die Betei­li­gung zahl­rei­cher rechts­extre­mer und neo­na­zis­ti­scher Unter­neh­men mit klin­gen­den Namen wie „Reichs­ver­sand“, „Odin-Ver­sand“ etc.. Neben NPD-Akti­ven agie­ren auch Mit­glie­der ande­rer rechts­extre­mer Split­ter­par­tei­en im Dunst­kreis der „Gefan­ge­nen­hil­fe“, dar­un­ter auch Kader aus der Par­tei „Die Rechte“.

Die Gefan­ge­nen­hil­fe finan­ziert sich jedoch kei­nes­wegs nur durch Spen­den, son­dern lukriert ihr Bud­get auch aus ande­ren Quel­len. Eta­bliert sind inzwi­schen zahl­rei­che Musik­ver­an­stal­tun­gen (allei­ne 2017 wur­den 289 Rechts­rock-Kon­zer­te in Deutsch­land gezählt), die sich mit tau­sen­den Besu­che­rIn­nen nicht nur zu wich­ti­gen natio­na­len und inter­na­tio­na­len Sze­ne­treffs her­aus­ge­bil­det haben, son­dern vor allem zur Requi­rie­rung beacht­li­cher finan­zi­el­ler Mit­tel die­nen, die je nach Ver­an­stal­tung schon in sechs­stel­li­ge Beträ­ge gehen kön­nen. „Gro­ße Fes­ti­vals wie im thü­rin­gi­schen The­mar erfreu­en sich einer dau­er­haf­ten Beliebt­heit in der rechts­extre­men Sze­ne. Mit Tau­sen­den Besu­chern set­zen die Ver­an­stal­ter dort in nur weni­gen Tagen Zehn­tau­sen­de bis Hun­dert­tau­sen­de Euro um.” (spiegel.de, 2.2.19)

Die Gewin­ne flie­ßen u.a. in den Ankauf eige­ner Immo­bi­li­en, in denen dann auch haft­ent­las­se­ne Neo­na­zis unter­ge­bracht wer­den. Zudem dürf­te der Ver­kauf von Devo­tio­na­li­en und Beklei­dung mit Soli­da­ri­täts­auf­dru­cken für ein­zel­ne Gefan­ge­ne gera­de bei rechts­extre­men Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen ein ein­träg­li­ches Geschäft sein. Mit die­sem Geld wer­den auch Kam­pa­gnen orga­ni­siert, die die Frei­las­sung von Gesin­nungs­freun­den vor­an­trei­ben sollen.

Larisch wirbt aus Krems mit Folder für Kampagne von "N.S. Heute" (= Sascha Krolzig)

Larisch wirbt aus Krems mit Fol­der für Kam­pa­gne von „N.S. Heu­te” (= Sascha Krolzig)

Die „Gefan­ge­nen­hil­fe“ führt auch eine Face­book-Sei­te („Gefan­ge­nen­hil­fe Freun­des­kreis“); sie war nicht nur die ers­te, die die Frei­las­sung von Gott­fried Küs­sel samt Foto im Jän­ner ver­mel­de­te, von ihr gin­gen auch die Jubel­mel­dun­gen über die uner­war­te­te Haft­ent­las­sung von Wolf­gang Fröh­lich aus. Der Leip­zi­ger Neo­na­zi und Hoo­li­gan Nils Larisch (Ver­sand Her­manns­land und Orga­ni­sa­tor von Musik­e­vents) war nach Krems ange­reist, um vor Ort vom Fröh­lich-Pro­zess und des­sen Aus­gang zu berich­ten. In einer Video­bot­schaft aus Krems pen­del­te Larisch denn auch zwi­schen Ver­zü­ckung über Fröh­lichs uner­war­te­ter Haft­ent­las­sung und dem Auf­ruf, für Fröh­lich und ande­re Kame­ra­den zu spen­den. Larisch nütz­te sei­ne Video­bot­schaft auch gleich, um einen Appell an die FPÖ zu rich­ten, „die jetzt die Mög­lich­keit hät­te zu zei­gen, dass sie natio­nal ist (…) Schafft die­sen Ver­bots­pa­ra­gra­fen ab! Die­se Wie­der­be­tä­ti­gungs­ge­set­ze müs­sen ein für alle­mal weg. Das sind die abso­lu­ten Verbrecherparagrafen“.

Aus Krems berich­tet hat auch die Face­book-Sei­te des Sturm­zei­chen Ver­lags, des­sen Inha­ber Sascha Krol­zig zeit­gleich in Wien war, um mit Gott­fried Küs­sel ein Inter­view für die Zeit­schrift „N.S. Heu­te“ zu füh­ren. Ob Krol­zig mit oder ohne Küs­sel dann an den Freu­den­fei­er­lich­kei­ten anläss­lich Fröh­lichs Ent­las­sung teil­ge­nom­men hat, haben die Her­ren der Öffent­lich­keit nicht mehr mitgeteilt.

Sturmzeichenverlag nach dem Prozess gegen W. Fröhlich: "Zu den ersten Gratulanten gehörte sein langjähriger Freund und Veteran der Waffen-SS, Herbert Belschan von Mildenburg." (Screenshot Facebook)

Sturm­zei­chen­ver­lag nach dem Pro­zess gegen W. Fröh­lich: „Zu den ers­ten Gra­tu­lan­ten gehör­te sein lang­jäh­ri­ger Freund und Vete­ran der Waf­fen-SS, Her­bert Bel­schan von Mil­den­burg.” (Screen­shot Facebook)

Zeit­lich ganz vor­ne dabei im Jubi­lie­ren war auch der neo­na­zis­ti­sche „Thing-Kreis The­mar“ rund um Axel Schl­im­per und Ange­la Schal­ler, deren Video mit der fro­hen Kun­de auf ein­schlä­gi­gen Sei­ten dann die Run­de machte.

Videobotschaft "Thing-Kreis Themar" zu Fröhlichs Freilassung

Video­bot­schaft „Thing-Kreis The­mar” zu Fröh­lichs Freilassung

Die FB-Sei­te des „Thing-Krei­ses“ war im August 2018 auch die ers­te, die das Able­ben des füh­ren­den Mit­glieds der Euro­päi­schen Akti­on (EA) Hans Ber­ger, der wegen des Ver­dachts auf Bil­dung einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung in Wien in Unter­su­chungs­haft saß, ver­mel­det hat­te. Kein Wun­der: Axel Schl­im­per fun­gier­te für die EA als Kreis­lei­ter in Thü­rin­gen: „Schl­im­per ist im Netz­werk der Holo­caust­leug­ner eine beson­ders inter­es­san­te Figur. Drei Jah­re vor der Durch­su­chung sei­nes Hau­ses, im Juni 2014, nahm er an einem Tref­fen in einem Wie­ner Gast­haus mit ande­ren EA-Mit­glie­dern teil.” (blog.zeit.de 15.6.18) Nahe­lie­gend ist daher, dass auch Ber­ger in den Genuss der Ser­vices der „Gefan­ge­nen­hil­fe“ gekom­men sein dürfte.

Mora­lisch unter­stützt wer­den die brau­nen Knast­brü­der und ‑schwes­tern auch durch Brie­fe von Gesin­nungs­ka­me­ra­den, für die die Webe­si­te „Artikel5 Info“ Tipps parat stellt:

Tipps für Briefe an Häftlinge von "Artikel5 Info"

Tipps für Brie­fe an Häft­lin­ge von „Artikel5 Info”

„Bit­te beim Schrei­ben dar­auf ach­ten, die Gefan­ge­nen sind ideo­lo­gisch gefes­tigt, daher kei­ne blo­ßen Paro­len oder pathe­ti­sche Erklä­run­gen, die ledig­lich die mit­le­sen­de Zen­sur in Ver­wir­rung und zum Zurück­hal­ten der Post ani­mie­ren könn­te.Es gibt sicher auch so viel zu erzählen.“ 

Auch wir haben an der ideo­lo­gi­schen Fes­tig­keit der fri­schen Ex-Gefan­ge­nen kei­ne Zweifel …

"BRD-Schwindel" teilt Video des "Thing-Kreis Themar" zu Fröhlichs Haftentlassung

„BRD-Schwin­del” teilt Video des „Thing-Kreis The­mar” zu Fröh­lichs Haftentlassung

"Netz Germanica Imperii" teilt Video des "Thing-Kreis Themar" zu Fröhlichs Haftentlassung

„Netz Ger­ma­ni­ca Impe­rii” teilt Video des „Thing-Kreis The­mar” zu Fröh­lichs Haftentlassung

"Ende der Lüge" teilt Video des "Thing-Kreis Themar" zu Fröhlichs Haftentlassung und ruft auf, "Richter und Staatsanwälte zu unterstützen, die sich mutig dem 'Zeitgeist' widersetzen.

„Ende der Lüge” teilt Video des „Thing-Kreis The­mar” zu Fröh­lichs Haft­ent­las­sung und ruft auf, „Rich­ter und Staats­an­wäl­te zu unter­stüt­zen, die sich mutig dem ‚Zeit­geist’ widersetzen”.