Blaue Laufbahn: Bernadette Conrads und ihr Weg in den FPÖ-Parlamentsklub

Sag mir, wen Du beschäftigst, und ich sage Dir, wer Du bist – dieses abgewandelte Bonmot trifft zumindest auf die Politik zu. Selten sind parlamentarische MitarbeiterInnen im Fokus, jene der FPÖ fallen jedoch immer wieder auf: vor allem, wenn sie aus dem rechtextremen Umfeld kommen und dann – so, wie seit Dezember 2017 – in die Ministerien aufsteigen. Aber nicht nur dann. Ein Beispiel: Bernadette Conrads.

2010 berichteten wir über Jan Ackermeier, der nach der Organisation einer Wanderung mit einschlägigem Publikum als Mitarbeiter des Nationalratsabgeordneten Harald Stefan seinen Hut nehmen musste – als Mitarbeiter von Stefans Fraktionskollegen Johannes Hübner jedoch nicht.
Im Frühjahr 2017 trennte sich Christian Höbart von Alexander Schleyer – einvernehmlich, wie es offiziell hieß. Hatekommentare auf Facebook wurden zu Schleyers Stolperstein, seine Mitgliedschaft bei den Identitären scheint kein Hindernis gewesen zu sein.
Mit der neuen Legislaturperiode taucht nun ein in Insiderkreisen bereits bekannter Name auf der Liste der parlamentarischen MitarbeiterInnen im blauen Parlamentsklub auf: Bernadette Conrads. Erste Einblicke liefert ein Artikel der Rechercheplattform „Rechtsdrall“: Zu den zwölf Ermordeten beim islamistischen Anschlag auf Charlie Hebdo fiel Conrads nur ein: „was die linken schreiberlinge des satiremagazins angeht, die aufgrund ihrer eigenen politischen forderungen draufgegangen sind, kann man nur auf das wort karma hinweisen.“

Bernadette Conrads Karriere ist bemerkenswert, da sie als Aktivistin der Sozialistischen Jugend direttissima zu den Identitären wechselte. Conrads kandidierte dann 2015 bei der Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahl für die FPÖ, allerdings an einer hinteren Stelle. Obwohl sie in einer zahlenmäßig recht großen FPÖ-Fangruppe von James Martin alias Martin Wurmitzer am 7.10.2015 mit „Bernadette statt Minarett“ warm empfohlen wurde, blieb der große Erfolg aus und Conrads ohne politisches Mandat.

Nun hat Conrads also im blauen Parlamentsklub angeheuert, und zwar beim Salzburger Nationalratsabgeordneten Christian Pewny. Was qualifiziert Conrads nun für ihren neuen Job im Sold des österreichischen Parlaments? Wir haben ihre Facebook-Aktivitäten unter die Lupe genommen.

Ende 2014 wird Conrads zur Administratorin der „offene Gruppe FPÖ“ gemacht und übernimmt danach gänzlich von ihrem Mentor Martin Wurmitzer, der sich als Admin zurückzieht. Wurmitzer selbst ist eindeutig am extrem rechten Rand anzusiedeln – ihm werden wir einmal ein eigenes Kapitel widmen.

Conrads postete zuweilen auch selbst in der Gruppe und löste damit eine Flut von Hasskommentaren aus, darunter einige, die strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen müssten:

Dass den „Anstiftern“ – wer auch immer damit gemeint sein mag – wenig geheim auch der Tod gewünscht wird, gefällt Conrads offenbar, denn sie likt den Kommentar

(Dass sich unter den Likern auch der Herausgeber der rechtsextremen Postille „Wochenblick“, Norbert Geroldinger, befindet, sei hier nur angemerkt.)

Als diese Kommentare in einer anderen FB-Gruppe kritisch aufgezeigt wurden, äußerte sich Conrads amüsiert, einen Grund, sie zu löschen, sieht sie offenkundig nicht – übrigens bis heute nicht.

Im Juli 2015 ereiferte sich Conrads über jene, die die menschenrechtswidrige Behandlung von Flüchtlingen in Ungarn anprangerten und erntet damit die entsprechenden Hasskommentare

Die „mongolischen Horden“ gefallen Conrads offenbar, sie schenkt dem Kommentator ein Like.

Am 5. Februar 2016 zeigt sich Odo D. empört über die ORF-Kommentatorin Mirjam Weichselbraun, woraufhin Conrads sie als „Parasit in den Gedärmen der Sozialdemokratie“ diffamiert.

Auf ihrem eigenem Facebook-Profil „Bernadette Therese“ übermittelte Conrads im März 2015 besondere Geburtstagsgrüße an einen besonderen Menschen, nämlich an den Ex-Pegida Sprecher Georg Nagel. Warum sie ausgerechnet Adolf Hitler als Geburtstagsmotiv wählte, können wir bestenfalls erahnen.

Wo FPÖ draufsteht, ist meistens auch „Soros“ drinnen, Verschwörungstheorien inklusive. Natürlich dürfen auch bei Conrads entsprechende Bemerkungen nicht fehlen. Da definiert Conrads schnell, was als antisemitisch zu bezeichnen ist und was nicht.

Wenn es dann noch mit Tal Silberstein und Christian Kern in Verbindung gebracht wird, geht die „Gaudi“ besonders ab.

Im Mai 2017 empfahl sich Conrads offenbar besonders für den Job als parlamentarische Mitarbeiterin, indem sie in „Zur Zeit“ über die angebliche Medienmanipulation in Bezug auf Gertrude Pressburger und deren Wahlvideo als „Frau Gertrude“ thematisierte und damit und anderen Beispielen „die Divergenz zwischen den tatsächlichen politischen Handlungen und der lediglich öffentlichen Darstellung“ zu belegen versuchte. Vollmundig stellte Conrads in ihrem Posting fest, dass das Video von „Frau Gertrude“ ein Produkt von Tal Silberstein gewesen sei – um dann etwas überraschend auf die Frage des Info-Direkt-„Beraters“ Stefan Magnet, ob es denn „tatsächlich Hinweise, dass Silberstein das Video Frau Gertrude erfunden hat“ gäbe, zu antworten: „Nein mehr weiß ich auch nicht. Aber ich gehe schwer davon aus.“

Nun denn, so viel Kompetenz ist zu belohnen, nämlich mit einer Anstellung im freiheitlichen Parlamentsklub. Dass Conrads nichts dabei findet, wenn in einem Kommentar die Holocaustüberlebende Gertrude Pressburger als „Lageroma“ bezeichnet wird, ist wohl nur noch eine Draufgabe. Ihr Vorgesetzter, der Nationalratsabgeordnete Christian Pewny, wird nun jedoch eine Frage zu beantworten haben: Hat er Conrads wegen ihrer Geisteshaltung und Ergüsse eingestellt oder trotzdem? Egal, wie die Antwort auf die Frage ausfällt, für ihn und den FPÖ-Klub spricht sie nicht. Sag mir, wen Du beschäftigst, und ich sage Dir, wer Du bist …

Bei den Likes schließt sich der Kreis wieder, denn da finden sich einige „alte“ Bekannte: Alexander C. („Wien Alex“), Peter Dingsleder (Identitäre) und die oben bereits erwähnten Georg Nagel und Alexander Schleyer.