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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Blaue Laufbahn: Bernadette Conrads und ihr Weg in den FPÖ-Parlamentsklub

Sag mir, wen Du beschäf­tigst, und ich sage Dir, wer Du bist – die­ses abge­wan­del­te Bon­mot trifft zumin­dest auf die Poli­tik zu. Sel­ten sind par­la­men­ta­ri­sche Mit­ar­bei­te­rIn­nen im Fokus, jene der FPÖ fal­len jedoch immer wie­der auf: vor allem, wenn sie aus dem recht­ex­tre­men Umfeld kom­men und dann – so, wie seit Dezem­ber 2017 – in die Minis­te­ri­en auf­stei­gen. Aber nicht nur dann. Ein Bei­spiel: Ber­na­dette Conrads.

8. Mai 2018

2010 berich­te­ten wir über Jan Acker­mei­er, der nach der Orga­ni­sa­ti­on einer Wan­de­rung mit ein­schlä­gi­gem Publi­kum als Mit­ar­bei­ter des Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Harald Ste­fan sei­nen Hut neh­men muss­te – als Mit­ar­bei­ter von Ste­fans Frak­ti­ons­kol­le­gen Johan­nes Hüb­ner jedoch nicht.

Im Früh­jahr 2017 trenn­te sich Chris­ti­an Höbart von Alex­an­der Schley­er – ein­ver­nehm­lich, wie es offi­zi­ell hieß. Hate­kom­men­ta­re auf Face­book wur­den zu Schley­ers Stol­per­stein, sei­ne Mit­glied­schaft bei den Iden­ti­tä­ren scheint kein Hin­der­nis gewe­sen zu sein.

Mit der neu­en Legis­la­tur­pe­ri­ode taucht nun ein in Insi­der­krei­sen bereits bekann­ter Name auf der Lis­te der par­la­men­ta­ri­schen Mit­ar­bei­te­rIn­nen im blau­en Par­la­ments­klub auf: Ber­na­dette Con­rads. Ers­te Ein­bli­cke lie­fert ein Arti­kel der Recher­che­platt­form „Rechtsd­rall“: Zu den zwölf Ermor­de­ten beim isla­mis­ti­schen Anschlag auf Char­lie Heb­do fiel Con­rads nur ein: „was die lin­ken schrei­ber­lin­ge des sati­re­ma­ga­zins angeht, die auf­grund ihrer eige­nen poli­ti­schen for­de­run­gen drauf­ge­gan­gen sind, kann man nur auf das wort kar­ma hinweisen.“

Ber­na­dette Con­rads Kar­rie­re ist bemer­kens­wert, da sie als Akti­vis­tin der Sozia­lis­ti­schen Jugend diret­tis­si­ma zu den Iden­ti­tä­ren wech­sel­te. Con­rads kan­di­dier­te dann 2015 bei der Gemein­de­rats- und Bezirks­ver­tre­tungs­wahl für die FPÖ, aller­dings an einer hin­te­ren Stel­le. Obwohl sie in einer zah­len­mä­ßig recht gro­ßen FPÖ-Fan­grup­pe von James Mar­tin ali­as Mar­tin Wurm­it­zer am 7.10.2015 mit „Ber­na­dette statt Mina­rett“ warm emp­foh­len wur­de, blieb der gro­ße Erfolg aus und Con­rads ohne poli­ti­sches Mandat.

Nun hat Con­rads also im blau­en Par­la­ments­klub ange­heu­ert, und zwar beim Salz­bur­ger Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Chris­ti­an Pew­ny. Was qua­li­fi­ziert Con­rads für ihren neu­en Job im Sold des öster­rei­chi­schen Par­la­ments? Wir haben ihre Face­book-Akti­vi­tä­ten unter die Lupe genommen.

Ende 2014 wird Con­rads zur Admi­nis­tra­to­rin der „offe­ne Grup­pe FPÖ“ gemacht und über­nimmt danach gänz­lich von ihrem Men­tor Mar­tin Wurm­it­zer, der sich als Admin zurück­zieht. Wurm­it­zer selbst ist ein­deu­tig am extrem rech­ten Rand anzu­sie­deln.

Con­rads pos­te­te zuwei­len auch selbst in der Grup­pe und lös­te damit eine Flut von Hass­kom­men­ta­ren aus, dar­un­ter eini­ge, die straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen müssten:

Dass den „Anstif­tern“ – wer auch immer damit gemeint sein mag – wenig geheim auch der Tod gewünscht wird, gefällt Con­rads offen­bar, denn sie likt den Kommentar.

Dass sich unter den Likern auch der Her­aus­ge­ber der rechts­extre­men Pos­til­le „Wochen­blick“, Nor­bert Gerol­din­ger, befin­det, sei hier nur angemerkt.

Als die­se Kom­men­ta­re in einer ande­ren FB-Grup­pe kri­tisch auf­ge­zeigt wur­den, äußer­te sich Con­rads amü­siert, einen Grund, sie zu löschen, sah sie offen­kun­dig nicht – übri­gens bis heu­te nicht.

Im Juli 2015 erei­fer­te sich Con­rads über jene, die die men­schen­rechts­wid­ri­ge Behand­lung von Flücht­lin­gen in Ungarn anpran­ger­ten und pro­vo­zier­te damit die ent­spre­chen­den Hasskommentare.

Die „mon­go­li­schen Hor­den“ gefal­len Con­rads offen­bar, sie schenkt dem Kom­men­ta­tor ein Like.

Am 5. Febru­ar 2016 zeigt sich Odo D. empört über die ORF-Kom­men­ta­to­rin Mir­jam Weich­sel­braun, wor­auf­hin Con­rads sie als „Para­sit in den Gedär­men der Sozi­al­de­mo­kra­tie“ diffamiert.

Auf ihrem eige­nem Face­book-Pro­fil „Ber­na­dette The­re­se“ über­mit­tel­te Con­rads im März 2015 beson­de­re Geburts­tags­grü­ße an einen beson­de­ren Men­schen, näm­lich an den Ex-Pegi­da Spre­cher Georg Nagel. War­um sie aus­ge­rech­net Adolf Hit­ler als Geburts­tags­mo­tiv wähl­te, kön­nen wir bes­ten­falls erahnen.

Wo FPÖ drauf­steht, ist meis­tens auch „Sor­os“ drin­nen, Ver­schwö­rungs­theo­rien inklu­si­ve. Natür­lich dür­fen auch bei Con­rads ent­spre­chen­de Bemer­kun­gen nicht feh­len. Da defi­niert Con­rads schnell, was als anti­se­mi­tisch zu bezeich­nen ist und was nicht.

Wenn es dann noch mit Tal Sil­ber­stein und Chris­ti­an Kern in Ver­bin­dung gebracht wird, geht die „Gau­di“ beson­ders ab.

Im Mai 2017 emp­fahl sich Con­rads offen­bar beson­ders für den Job als par­la­men­ta­ri­sche Mit­ar­bei­te­rin, indem sie in „Zur Zeit“ über die angeb­li­che Medi­en­ma­ni­pu­la­ti­on in Bezug auf Ger­tru­de Press­bur­ger und deren Wahl­vi­deo als „Frau Ger­tru­de“ the­ma­ti­sier­te und damit und mit ande­ren Bei­spie­len „die Diver­genz zwi­schen den tat­säch­li­chen poli­ti­schen Hand­lun­gen und der ledig­lich öffent­li­chen Dar­stel­lung“ zu bele­gen ver­such­te. Voll­mun­dig stell­te Con­rads in ihrem Pos­ting fest, dass das Video von „Frau Ger­tru­de“ ein Pro­dukt von Tal Sil­ber­stein gewe­sen sei – um dann etwas über­ra­schend auf die Fra­ge des Info-Direkt-„Beraters“ Ste­fan Magnet, ob es denn „tat­säch­lich Hin­wei­se, dass Sil­ber­stein das Video Frau Ger­tru­de erfun­den hat“ gäbe, zu ant­wor­ten: „Nein mehr weiß ich auch nicht. Aber ich gehe schwer davon aus.“

So viel Kom­pe­tenz ist zu beloh­nen, näm­lich mit einer Anstel­lung im frei­heit­li­chen Par­la­ments­klub. Dass Con­rads nichts dabei fin­det, wenn in einem Kom­men­tar die Holo­cau­st­über­le­ben­de Ger­tru­de Press­bur­ger als „Lage­ro­ma“ bezeich­net wird, ist wohl nur noch eine Drauf­ga­be. Ihr Vor­ge­setz­ter, der Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­an Pew­ny, wird nun jedoch eine Fra­ge zu beant­wor­ten haben: Hat er Con­rads wegen ihrer Geis­tes­hal­tung und Ergüs­se ein­ge­stellt oder trotz­dem? Egal, wie die Ant­wort auf die Fra­ge aus­fällt: für ihn und den FPÖ-Klub spricht sie nicht. Sag mir, wen Du beschäf­tigst, und ich sage Dir, wer Du bist …

Bei den Likes schließt sich der Kreis wie­der, denn da fin­den sich eini­ge „alte“ Bekann­te: Alex­an­der C. („Wien Alex“), Peter Dings­le­der (Iden­ti­tä­re) und die oben bereits erwähn­ten Georg Nagel und Alex­an­der Schleyer.

Teil 2: Die Phan­ta­sien der Rechtsextremen

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