Statthalter Gudenus, sein Chef und ein Foto

Die Unterstellung gegenüber dem Fotografen Jürg Christandl („Kurier“) zieht Johann Gudenus , der Wiener FPÖ-Vizebürgermeister, nach einem halben Jahr als „unwahr“ zurück und zahlt 2.500 Euro an die Flüchtlingshilfe des Roten Kreuzes. Über seine Facebook – Seite ließ er am 4.12.diese Einigung verlautbaren, die im Umfeld einer Klage wegen übler Nachrede und Unterlassung entstanden war. Die Hetze auf seiner Facebook-Seite unterbindet er aber weiterhin nicht.

Seine Fans legen Gudenus sogar noch diese Erklärung, die er angesichts der Klagen wegen übler Nachrede und Unterlassung aus guten Gründen abgegeben hat, als Größe aus. Offen bleibt zunächst die Frage, wie sein Chef Strache jetzt nach dem Rückzieher von Gudenus vorgehen will. Denn auch Strache hat die unwahre Behauptung, dass das Foto von Christandl vor dem Asylwerberzentrum in Wien Landstraße gestellt sei, weiterverbreitet. „Kurier“-Chefredakteur und Herausgeber Helmut Brandstätter hatte damals die Behauptung Straches, das Foto von Christandl , das eine Flüchtlingsfamilie und demonstrierende FPÖ-Funktionäre („Nein zum Asylantenheim“), sei inszeniert, als „glatte Lüge“ zurückgewiesen .

Eine strafrechtliche Ermittlung gegen Strache hat der Nationalrat abgelehnt, die zivilrechtliche Klage auf Kreditschädigung und Unterlassung ist davon nicht berührt. Im einstweiligen Verfahren wurden Strache und Gudenus deren Behauptungen über das Foto untersagt, wobei Gudenus seine Unterstellung („Wenn Kinder missbraucht werden für Fotos (…), dann ist es etwas, für das sich eigentlich der Fotograf entschuldigen sollte“) erst Wochen nach dem Foto (3.6.) bzw. den Strache-Äußerungen getätigt hatte.

Strache hatte zwei Tage nach der Demo von FPÖ-Funktionären vor der Flüchtlingsunterkunft in Wien Landstraße im ORF über das Foto gemutmaßt, es wurde „organisiert, dass ein Kind mit einem Fotografen positioniert vorbeigeführt wurde. Und so kann man mit Bildern Kinder missbrauchen“ (kurier.at,9.6.).

Wenige Tage später wiederholte Strache in einer ZIB 2 des ORF seine Behauptung mit etwas anderen Worten und sprach davon, dass „ein Journalist offensichtlich hier das Bild mit einem Kind oder einem Erwachsenen oder zwei Erwachsenen ganz bewusst eingefädelt“ habe (kurier.at , 11.6.).

Andere FPÖ-Funktionäre überschlugen sich damals in Versuchen, ihrem Chef zu Hilfe zu kommen. Generalsekretär Kickl wollte „weitere Indizien für die Inszenierung“ gefunden haben, der allzeit getreue FPÖ-Parlamentarier Christian Höbart kündigte gar eine parlamentarische Anfrage an (die er aber nicht einbrachte) und Gerhard Deimek, ein weiterer blauer Abgeordneter, glänzte auf Twitter mit der Behauptung, das Foto mit der syrischen Flüchtlingsfamilie zeige „Papa & Papa“.

Zwischen diesen starken blauen Ansagen schien zunächst kein Platz mehr für Gudenus. Der holte das zwar Wochen später nach, machte jetzt aber einen Rückzieher, der für die Behauptungen seines Chefs wenig Spielraum lässt.

Morgen: Gudenus schreibt lieber nicht mehr