Der Dschihad, die SS, eine Broschüre und ein seltsamer Zeuge

Derzeit gibt es viel Aufre­gung um eine islamis­che Broschüre. Der Staat­san­waltschaft Wien liegt eine Anzeige vor, weil diese Broschüre ange­blich in einem islamis­chen Kinder­garten in Wien zur Instruk­tion der Päd­a­gogIn­nen ver­wen­det wird. Als Erziehungsziel ver­tritt die Broschüre den Dschi­had. Die FPÖ Wien fordert deshalb die sofor­tige Schließung des Kinder­gartens. Aber stim­men denn die Vorwürfe?

Auch wir haben die Broschüre in ein­er fak­sim­i­lierten Vari­ante „zuge­spielt“ bekom­men – mit einem deut­lichen Hin­weis auf die Ver­fasserin. Die Broschüre, die übri­gens online abruf­bar und so wesentlich ein­fach­er ver­bre­it­bar ist, stammt aus dem Jahr 2000 und wurde ver­fasst von Fati­ma Grimm. Die 2013 ver­stor­bene Fati­ma Grimm ist als Über­set­zerin, Autorin und extrem kon­ser­v­a­tive Ref­er­entin zum The­ma Islam bekan­nt. Die Kon­ver­titin ist die Tochter des SS-Ober­grup­pen­führers und Gen­er­als der Waf­fen-SS Karl Wolff.


Himm­ler mit seinem Adju­tan­ten Wolff
-

Fati­ma Grimm, die Ver­fasserin der Broschüre „Die Erziehung unser­er Kinder“, wurde als Hel­ga Lili Wolff 1934 in München geboren. Als sie 1960 zum Islam kon­vertierte, hat­te ihr Vater seine erste kurze Haft­strafe längst hin­ter sich. 1962 wurde Karl Wolff wegen sein­er Beteili­gung an Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit neuer­lich in Haft genom­men und 1964 wegen Bei­hil­fe zum Mord an 300.000 Juden im Ver­nich­tungslager Tre­blin­ka zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1969 wurde Wolff als haf­tun­fähig entlassen.

Tochter Hel­ga Lili beschreibt in einem Inter­view aus dem Jahr 2010 ihre Kind­heit als „recht glück­lich“. Eine Erwäh­nung, gar eine Auseinan­der­set­zung mit der Per­son ihres Vaters fehlt in diesem Inter­view. Stellte der Über­tritt zum Islam ihren Ver­such dar, sich von der Ide­olo­gie ihres Vaters abzu­gren­zen, sich deut­lich abzuset­zen? Flucht wäre zuviel gesagt, meint sie an ander­er Stelle. Die Kon­ver­sion zum Islam habe ihr aber „ohne Frage geholfen, aus dem Schat­ten meines Vaters her­auszutreten“ (FAZ.net) . Nicht wirk­lich, denn knapp vor seinem Tod legte auch ihr Vater das islamis­che Glaubens­beken­nt­nis ab.

Da sind wir dann bei der Sym­pa­thie von Nazi-Bonzen wie Hein­rich Himm­ler für bes­timmte Strö­mungen im Islam (Mus­lim­brüder), wobei sich die in erster Lin­ie auf den gemein­samen Anti­semitismus und son­st ziem­lich zynisch auf den Kampfgeist der bosni­akisch-islamis­chen SS-Divi­sion „Hand­schar“ bezog, weil – so Himm­ler- das eine „prak­tis­che und sym­pa­this­che Reli­gion“ sei, die den Men­schen den Him­mel ver­spricht, „wenn sie gekämpft haben und im Kampf gefall­en sind“ (Peter Lon­gerich, Hein­rich Himmler,p.277).


Der Groß­mufti von Jerusalem bei den bosnis­chen Frei­willi­gen der Waffen-SS
-

Anti­semitismus find­et sich nicht in der Broschüre von Fati­ma Grimm, aber — neben einem erschreck­en­dem Fam­i­lien — und Frauen­bild — eine Ver­her­rlichung des bewaffneten Dschi­had, die in einem abso­lut reak­tionärem Ver­ständ­nis ihres Glaubens begrün­det ist. Die Schrift, die auf ein Refer­at aus dem Jahr 1975 zurück­ge­ht, kri­tisiert die „erziehungs­faulen“ Mus­lime und dro­ht, „wenn wir in der Erziehung unser­er Kinder so weit­er­ma­chen“, mit dem Schreck­ge­spenst ein­er „Masse von halb gebilde­ten Nation­al­is­ten, Sozial­is­ten oder Human­is­ten“.

Was die Autorin in der Folge anbi­etet, ist der Auf­trag an die Frauen („Von Natur aus sind wir vor allem anderen dazu auserse­hen, Mut­ter zu sein“), ihre Kinder über die „Bere­it­stel­lung eines islamis­chen Milieus“ an den Dschi­had heranzuführen:

„Schon in den ersten Lebens­monat­en“ sollen Worte wie „Allah, Muham­mad, Islam und Qur’an mit liebevoller Stimme“ gesprochen wer­den. Später dann Kalligrafien an den Wän­den und „gut rez­i­tierte Verse aus dem Qur’an“ statt James Last.- James Last? Der hat selb­st 1975 Jugendliche nicht interessiert!

Am Ende ein­er islamis­chen Erziehung- dieser Hin­weis ist wichtig — ste­ht nach Fati­ma Grill jeden­falls das Erziehungsziel Dschihad:

„Ich meine, dass wir etwa um das 15. Leben­s­jahr herum damit rech­nen dür­fen, unsere Kinder für den Begriff des Dschi­had aufgeschlossen zu find­en“.

Was bedeutet Dschi­had in der Vorstel­lung von Fati­ma Grimm?

„Der Dschi­had ist ein Vertei­di­gungskampf gegen alle Kräfte, die den Islam anzu­greifen ver­suchen. Wenn wir mit wachem, offen­em Blick die Welt­lage betra­cht­en, so find­en wir, dass dieser Angriff von allen nur erden­klichen Seit­en mit allen nur möglichen Mit­teln ohne Unter­lass geführt wird“.

Und ein weit­er­er Schlüs­sel­satz lautet:

“… kämpfen für Gottes Sache lässt sich zwar vor allem mit dem Schw­ert; wo dies jedoch nicht möglich oder notwendig ist, auch mit der Fed­er, dem Spat­en, dem Skalpell oder meinetwe­gen sog­ar mit der Näh­nadel oder dem Kochlöf­fel“.

Da gibt es wohl selb­st the­ol­o­gisch nicht mehr Spiel­raum für Inter­pre­ta­tion! Dementsprechend dient die Broschüre schon seit Jahren als Beleg für Fun­da­men­tal­is­mus. Grimm hat sich ange­blich 2003 von dieser Schrift und ihrer Inter­pre­ta­tion dis­tanziert. Das ist allerd­ings wenig glaub­haft, denn in der Schrift „Frau und Fam­i­lien­leben im Islam“ (2005) hat sie die wesentlichen Pas­sagen fast wortwörtlich wiederholt.


Illus­tra­tion aus der Broschüre von Grimm
-

Die Broschüre – und da gibt es keine Zweifel – ist schlimm, sehr schlimm sog­ar. Die Fokussierung auf die Pas­sagen über den Dschi­had verdeckt allerd­ings, dass das Frauen‑, Fam­i­lien – und Gesellschafts­bild, das da vorgestellt wird, min­destens so katas­trophal ist wie die Pas­sagen über den Dschi­had. Die zie­len auf Jugendliche um das 15. Leben­s­jahr ab, die anderen Empfehlun­gen auf die Zeit vorher.

Wenn also die Schrift tat­säch­lich zur Instruk­tion von Kinder­garten­päd­a­gogIn­nen ver­wen­det würde, dann wäre das eigentliche Prob­lem ihre Empfehlun­gen zur islamis­chen Erziehung in den Vorstufen. Für die sind näm­lich –zumin­d­est teil­weise – Kinder­garten­päd­a­gogIn­nen auch zuständig. Im Unter­schied zu mus­lim­is­chen, christlichen, Nazi- Eltern wer­den deren Erziehungsmeth­o­d­en und –ziele zumin­d­est ansatzweise überprüft!

Die Frage ist daher: wird die Broschüre aktuell in einem islamis­chen Kinder­garten ver­wen­det? Wer­den die von ihr vorgeschla­ge­nen Erziehungsziele in islamis­chen Kindergärten umgesetzt?

Der „Kuri­er“ hat dazu einiges recher­chiert, was uns sehr hell­hörig gemacht hat.

Die Anzeige stützt sich auf die „Aus­sagen eines ehe­ma­li­gen Betreuers – der besagte Broschüre allerd­ings bere­its im Jahr 2003 in einem Regal des Kinder­gartens gese­hen haben will. Also vor zwölf Jahren“ (Kuri­er).

Das wäre ja noch fast ver­nach­läs­sig­bar, hätte sich nicht der ehe­ma­lige Betreuer selb­st fak­tisch wider­sprochen, indem er dem „Kuri­er“ auch das Fol­gende mitteilte:

„Eine Sit­u­a­tion, in der die zitierte „Dschi­had-Broschüre“ in dem Kinder­garten von Päd­a­gogen ver­wen­det wurde, sei ihm nicht bekan­nt, sagt der Ex-Mitar­beit­er“ (Kuri­er).

Dann teilte der Ex-Mitar­beit­er dem „Kuri­er“ allerd­ings noch etwas mit, was bei uns alle Glock­en läuten ließ:

„Derzeit läuft ein Ver­fahren wegen des Ver­dachts der Het­ze und der NS-Wieder­betä­ti­gung gegen ihn“.

Die Anzeige gegen den ehe­ma­li­gen Betreuer hat Rudi Anschober, Lan­desrat der Grü­nen in OÖ, einge­bracht. Und im Unter­schied zu dem ehe­ma­li­gen Betreuer, der diese Anzeige sub­stan­z­los find­et, haben wir viele Gründe und auch Belege, um da nachzule­gen und die angezeigten Delik­te noch zu erweitern.

Fort­set­zung fol­gt sicher!