Wiener Neustadt: Zukünftig keine Hetze mit Jill und Dor

Unter den Fake-Pro­filen ‚Coco Jill‘ und auch ‚Bel­la Dor‘ hat Gertrude S. auf Face­book gehet­zt – und sich auch noch aufgeregt, als Face­book ihr Pro­fil wegen Het­ze vorüberge­hend ges­per­rt hat. Am Freitag,14.11., wurde der Prozess gegen die wegen Ver­het­zung Angeklagte wieder aufgenom­men und mit der Verurteilung zu fünf Monat­en bed­ingt vor­läu­fig geschlossen. Aus dem Gerichtssaal dies­mal ein Augenzeugenbericht.

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Coco Jill bei der Hetze
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Das Urteil gegen Gertrude S. alias „Coco Jill“ alias „Bel­la Dor“ ist noch nicht rechtskräftig.


Bel­la Dor
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Der Prozess wurde am 17.10. unter­brochen, um den Krim­i­nal­beamten Uwe Sail­er, der die Anzeige gegen Coco Jill einge­bracht hat­te, als Zeu­gen zu befragen. 

„Unglaublich frech“ drauf war die Angeklagte am zweit­en Ver­hand­lungstag, schreibt unser Gerichtssaal­re­porter. Als Uwe Sail­er in den Zeu­gen­stand kam, „kon­nte sie sich ein verächtlich-sieges­sicheres Grin­sen nicht verkneifen“. Eine grobe Fehleinschätzung!


Impres­sio­nen vom Prozess gegen Gertrude S. alias „Coco Jill“ am 17.10.2014

Als Zuschauer anwe­send: zwei Repor­terin­nen, einige Recht­sprak­tikan­tInnen, keine Fre­unde oder Ver­wandten der Angeklagten. 

Sehr konzen­tri­erte, sach­liche Rich­terin, ver­sucht hart­näck­ig aber erfol­g­los, aus der Angeklagten mehr als ein­sil­bige Antworten herauszuholen. 

Staat­san­walt totales Pok­er­face, hat kein­er­lei Fragen.

Vertei­di­ger zeigt nicht allzu viel Engage­ment, stellt der Angeklagten ein paar Pflicht­fra­gen („Bereuen Sie, was Sie da geschrieben haben?“), hakt aber nicht nach.


Coco-Jill über die Sperre von­Bel­la Dor
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Die Angeklagte gibt sich betont koop­er­a­tiv, wurde offen­sichtlich genau instru­iert, was sie auf welche Fra­gen antworten solle. Alles kon­nte der Vertei­di­ger eben auch nicht voraus sehen!

Rich­terin: Wen mein­ten Sie mit „Muserl“, denen Sie gerne Beton­schwimm­flügel ver­passen möcht­en? Angeklagte: Das weiß ich nicht mehr. Ich hätte genau­so gut Pup­perl schreiben können.
R.: Mein­ten Sie vielle­icht Moslems?
A.: Das weiß ich nicht mehr.
R.: Sie schrieben, die ungarischen Roma gehören erschossen, aber dann kommt man ins Gefäng­nis. Warum wollen Sie Roma erschießen?
A.: Sie haben meine Win­ter­reifen gestohlen.
R.: Wur­den sie dafür verurteilt?
A.: Nein, man hat nie her­aus gefun­den, wer das war.
R.: Warum glauben Sie, dass es die Roma waren?
A.: Da war ja alles offen, und auf ein­mal waren vier Roma in meinem Keller, obwohl nur ein­er ein Glas Wass­er wollte, warum ste­hen dann alle vier da, wenn sie nichts stehlen wollen?
R.: Sie schrieben, dass Moslems Kinder­schän­der seien.
A.: Dazu möchte ich mich nicht äußern.
R.: Warum haben Sie solche Sachen gepostet?
A.: Ich habe nichts gepostet, ich habe nur auf Zeitungs­berichte reagiert. Auf Fakten.
R.: Glauben Sie alles, was im Inter­net steht?
A.: schweigt
R.: In welchen Foren haben Sie gepostet?
A.: Nur in geschlosse­nen Grup­pen, Wir für Öster­re­ich und FPÖ für Österreich.
R.: Wie viele Men­schen kon­nten lesen, was Sie gepostet haben?
A.: Das weiß ich nicht, nur die, die Mit­glieder in diesen geschlosse­nen Grup­pen sind.
R.: Wie viele Mit­glieder hat so eine geschlossene Gruppe?
A.: So zwis­chen 60 und 500.

Die Repor­terin, die neben mir sitzt, zückt ihr Handy, — FPÖ für Öster­re­ich: offene Gruppe, mehr als 2000 Likes.

Die Rich­terin unter­bricht die Sitzung für 10 Minuten – sie hat auch ein Handy J

Als sie die Angeklagte damit kon­fron­tiert, dass ihre Angaben offen­bar nicht der Wahrheit entsprachen, macht die A. endgültig bock­starr zu. Die Rich­terin vertagt zur Ladung von Uwe Sailer.

Fort­set­zung am 14.11.2014:

In der Fort­set­zung des Prozess­es gegen Gertrude S ging es bei der Befra­gung des Zeu­gen Uwe Sail­er darum, wie weit die Post­ings von „Coco Jill“ öffentlich waren. Frau S. hat­te ja damit argu­men­tiert, dass sie nie aktiv gepostet hätte, son­dern nur Kom­mentare in geschlosse­nen Grup­pen (Wir für Öster­re­ich, FPÖ für Öster­re­ich, Patri­oten Öster­re­ich) abgegeben hätte.

Uwe Sail­er kon­nte anhand von Screen­shots bele­gen, dass Coco Jills Has­sti­raden großteils auf ihrer eige­nen Time­line erfol­gten, ergo für ihre 573 FB-Fre­unde sicht­bar waren. Zwei Kom­mentare, die Mit­gliedern der mus­lim­is­chen Gemein­schaft Inzucht und vom Koran legit­imierten Kindsmiss­brauch vor­war­fen, wur­den aus der Anklage genom­men, da sie ohne weit­ere Recherchen kein­er bes­timmten FB-Seite zuor­den­bar waren.

Die Rich­terin erk­lärte in ihrem Urteilsspruch den Tatbe­stand der Ver­het­zung der Öffentlichkeit für erfüllt und erläuterte, dass dies vom Zeu­gen Uwe Sail­er abso­lut glaub­haft und nachvol­lziehbar nachgewiesen wurde. Die Post­ings der Angeklagten beze­ich­nete sie als heftig und wider­wär­tig, da sie offen­sichtlich darauf abziel­ten, Men­schen zu erniedri­gen und Hass zu schüren. (Beispiele: Mus­lime wur­den als „pes­tizider Müll“ beze­ich­net, es ging um „Neger, Afgha­nen, Albaner, von jedem Dreck a bissl was“, „Negermetas­tasen“, ungarischen Zige­unern, die man „am besten erschießen“ solle, von „Muserln, mit denen ich in Rich­tung Donau fahren und ihnen Beton­schwimm­flügerl ver­passen“ würde etc.) 

Als erschw­erend wurde die wieder­holte Tat­bege­hung über einen län­geren Zeitraum ange­führt, das Urteil bewegt sich jedoch auf Grund der bish­eri­gen Unbescholtenheit der Angeklagten im unteren Rah­men: 5 Monate, auf drei Jahre bedingt.