Ungarn: Hetze mit EU-Geldern?

Das neon­azis­tis­che und anti­semi­tis­che ungarische Het­z­por­tal kuruc.info wird von einem ungarischen Winz­er betrieben, der 1988 in die USA emi­gri­ert ist, melde­ten derstandard.at bzw. APA. Der Blog Pusz­taranger hat schon im August Infos veröf­fentlicht, wonach einige der Redak­teure von kuruc.info über den Job­bik- EU-Abge­ord­neten Csanad Szege­di als Arbeit­sas­sis­ten­ten beschäftigt und finanziert wür­den.

Csanad Szege­di, das ist jen­er Job­bik-Mann, der nach jahre­langer übel­ster anti­semi­tis­ch­er Het­ze heuer im Som­mer „ent­deck­te“, dass er eine jüdis­che Groß­mut­ter hat­te. Szege­di, der sofort von der recht­sex­tremen Szene wegen sein­er jüdis­chen Herkun­ft und sein­er Lügen beschimpft wurde, kam einem Parteiauss­chluss bei Job­bik durch seinen Aus­tritt zuvor – das Man­dat im Europäis­chen Par­la­ment behält er aber. Pusz­taranger veröf­fentlichte im Juli Doku­mente, wonach Szege­di schon im Jahr 2010 von einem krim­inellen „Wehrsportkam­er­aden“ mit Recherche-Ergeb­nis­sen zu sein­er jüdis­chen Herkun­ft kon­fron­tiert wor­den war. Szege­di hat ihm darauf EU-Gelder (ver­mut­lich aus seinem Ver­fü­gungs­bud­get) ange­boten, damit diese Infos nicht pub­lik wer­den. Die Gespräche der bei­den waren aber mit­geschnit­ten und heuer zu Beginn des Som­mers veröf­fentlicht wor­den, worauf Szege­di selb­st seine jüdis­che Groß­ma­ma „ent­deck­te“.

Aus­lös­er für die Enthül­lun­gen über Szege­di dürften Intri­gen und Machtkämpfe inner­halb der recht­sex­tremen Szene sein.


Csanád Szege­di, Bildquelle: Pester Lloyd
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Welche Rolle der ungarische Winz­er Bela Var­ga, der in Kali­fornien lebt, bei kuruc.info tat­säch­lich spielt, ist unklar. Fakt ist, dass das Inter­net-Por­tal aufwendig gestal­tet ist und sich­er von ein­er ungarischen Redak­tion gefüt­tert wird — auch wenn der Serv­er in den USA ste­ht. Die Infos, wonach mehrere Recht­sex­trem­is­ten über Arbeitsverträge mit dem EU-Abge­ord­neten Szege­di als kuruc-Redak­teure tätig sind (was die Betrof­fe­nen bestre­it­en), sind eben­so alarmierend wie das ange­botene Schweigegeld von Szege­di — EU-Gelder für Neonazis?

Var­ga ist jeden­falls als ein­er der Mit­s­tifter von Kopfgeldern iden­ti­fiziert wor­den, die von kuruc.info als Prämie für die Iden­ti­fizierung von Teil­nehmern an ein­er Demon­stra­tion gegen den ungarischen Kriegsver­brech­er Csa­tary aus­ge­set­zt wur­den. Für die Iden­ti­fizierung der Demo-Teil­nehmerIn­nen und ihre Kon­tak­t­dat­en set­zte kuruc-info eine Prämie von 100.000 Forint (ca. 350 €) pro Per­son aus. Der Aufruf wurde inner­halb 48 Stun­den von über 90.000 Per­so­n­en gele­sen und führte nicht nur zur Iden­ti­fizierung der meis­ten Teil­nehmenden, son­dern auch zu mas­siv­en per­sön­lichen Drohungen.

Var­ga hat den Infos zufolge den über­wiegen­den Teil der Prämie (drei Vier­tel) finanziert. Für den ungarischen Min­is­ter­präsi­den­ten Vik­tor Orban ist der Winz­er in Kali­fornien ein geeigneter Vor­wand, um kuruc.info als „anti­semi­tis­che Pro­voka­tion aus den USA“ darzustellen. Die weit­ere Argu­men­ta­tion ist ähn­lich wie früher bei alpen-donau.info: die Behör­den kön­nten nichts unternehmen, der Serv­er befinde sich in den USA usw.

Auf Pusz­taranger ist allerd­ings nachzule­sen, dass sich auch Orbans Parteifre­unde von Fidesz auf kuruc.info als „Infor­ma­tion­squelle“ beziehen.

Höch­ste Zeit jeden­falls, dass das Het­z­por­tal kuruc.info still­gelegt und die dubiosen Finanzquellen ans Tages­licht gebracht werden!

Kuruc.info und Ober­wart: Anfrage betr­e­f­fend des bewaffneten Auf­marsch von Job­bik in Oberwart