Vormittag: Kontokündigung als Systemattacke
Stefan Magnet setzt die Kündigung sofort in große Alarmrhetorik. In der Telegram-Ankündigung heißt es: „Eilt +++ AUF1-Bankkonto gekündigt! Ungarn gefallen! Der Plan wird ausgerollt …“ Darunter wird der „Verein zur Förderung der Informationsfreiheit und Selbstbestimmung“ samt Bankverbindung bei der „Erste Bank“ in Wien als alternativer Spendenweg genannt.
In einer „Sondersendung“ erklärt AUF1-Chef Magnet, das ungarische Spendenkonto sei gekündigt worden: „Orbán ist weg und in Ungarn beginnt die Säuberung.“ Das Ziel der Kündigung sei, AUF1 „im Sommerloch zu vernichten, ausbluten zu lassen“. Der Regierungswechsel in Ungarn liefert dafür die politische Kulisse: Nach Orbáns Wahldesaster wird das Land von Péter Magyar geführt, der damit beschäftigt ist, mit Orbáns Korruptionsregime aufzuräumen. Dazu gehört auch die bisherige AUF1-Bank MBH, die im Eigentum des Orbán-Lakaien Lőrinc Mészáros steht.
Magnet macht aus der Kontokündigung eine EU-gesteuerte Verfolgungserzählung. Magyar baue den „Orbán-Staat“ um, der Druck aus der EU sei enorm, das AUF1-Spendenkonto sei diesem „Fegefeuer“ zum Opfer gefallen. Danach folgt die bekannte Magnet-Eskalationskette: digitales Gefängnis, „Krieg, Enteignung, Great Reset und Transhumanismus“. Warum die ungarische MHB-Bank das Konto gekündigt hat, erzählt Magnet nicht, er präsentiert die Entscheidung bloß als Teil eines Frontalangriffs auf AUF1.
Personelle Verflechtungen und FPÖ-Verbindungen
Der praktische Teil der Sendung klingt weit weniger apokalyptisch. Zahlungen über Kreditkarte, PayPal und Krypto seien weiterhin „problemlos möglich“, das SEPA-Lastschriftverfahren habe sich als „einfach, zuverlässig und stabil“ erwiesen. Zusätzlich bekomme AUF1 Unterstützung von einem „unabhängigen Spendenverein“, der Gelder entgegennehme und an AUF1 weiterleite.
Bei dem im Mai 2025 entstandenen angeblich unabhängigen „Verein zur Förderung der Informationsfreiheit und Selbstbestimmung“ fungiert Dominik Frimbichler als Obmann, sein Stellvertreter ist Jürgen Franzelin. Der Verein trägt zwar keinen AUF1-Namen, die Personen führen aber in das Umfeld, das Stoppt die Rechten seit Jahren dokumentiert.

Beide Namen tauchen auch in anderen Konstruktionen rund um AUF1 auf: Franzelin ist seit AUF1-Start in mehreren AUF1-nahen Vereinen aktiv, Frimbichler scheint zusätzlich beim „Verein für den Aufbruch zur unabhängigen Medienvielfalt“ als Stellvertreter auf. Damit führt das neue Ausweichkonto zu Personen, die im Vereinsnetz rund um AUF1 fest verwoben sind.
Neben dem offiziellen Trägerverein von AUF1 gibt es Unterstützungs- und Fördervereine, in denen immer wieder dieselben Personen aufscheinen: Stefan Magnet, Florian Magnet, Jürgen Franzelin, Andreas Retschitzegger, Romana Palmetshofer und Dominik Frimbichler. Dazu kommt eine zweite Ebene aus drei GmbHs, die fest in der Hand von Stefan Magnet liegen. Die Rollen wechseln in Vereinen und GmbHs – einmal Obmann, einmal Stellvertreter, einmal Kassier, einmal Geschäftsführerin dort, dann Geschäftsführerin da –, die Schilder werden ausgeatuscht, die personellen Kontinuitäten bleiben.
Mit Franzelin, Frimbichler und Andreas Retschitzegger kommen drei der Vereinsfunktionäre aus dem „Ring Freiheitlicher Jugend“, mit Andre Taschner, Geschäftsführer einer nachgelagerten AUF1-GmbH, sind es vier mit RFJ-Vergangenheit. Jürgen Frimbichler ist den Parteiweg weitergegangen und FPÖ-Gemeindevertreter in Hof bei Salzburg.

Debanking-Empörung zur Spendenmobilisierung
Magnets Untergangserzählungen nach Kontenkündigungen gehören von Beginn an zum AUF1-Kommunikationskonzept, er nützt die Empörung regelmäßig in erster Linie zur Spendenmobilisierung.
Im März 2025 machte Magnet Wirbel um die Kündigung des ersten ungarischen Kontos und erklärte, bis zum Ablauf kaum Ersatz finden zu können. Kurz darauf war dann doch eine Lösung da. Im September 2025 folgte die nächste Variante: Ein Medienunterstützungsverein ohne Vorgeschichte sollte als Konto-Ausweg bei der Steyler Ethik Bank in Deutschland dienen. Tatsächlich wurde der bis dato unbekannte „Verein für Vielfalt und Objektivität“ von Personen aus dem Magnet-Geflecht geführt: von Bruder Florian Magnet und Jürgen Franzelin. Auf SWR-Nachfrage begründete die Steyler Ethik Bank die Kündigung mit missbräuchlicher Verwendung. Parallel funktionierten aber auch damals alternative Zahlungswege.
Verein als Durchzugskonto
Nach dem unabhängigen „Verein für Vielfalt und Objektivität“, soll’s nun also der unabhängige „Verein zur Förderung der Informationsfreiheit und Selbstbestimmung“ richten und Spendengelder für AUF1 entgegennehmen. Damit wird der Verein funktional zum AUF1-Zahlungskanal. Ob die „Erste Bank“ weiß, dass sie ein Durchzugskonto für ein Medium, das der österreichische Verfassungsschutz jährlich in seinen Bericht listet und das seit 2026 in Deutschland als „als gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ (Verfassungsschutzbericht 2025, S. 68) geführt wird, bietet?
Wenn’s mit dem aktuellen Verein wieder nicht klappen sollte, stünde ein weiterer zur Verfügung: der „Verein für den Aufbruch zur unabhängigen Medienvielfalt“ mit der KAUF1-Geschäftsführerin Romana Palmetshofer und Dominik Frimbichler an der Vorstandsspitze.
Die vorläufige Schlusspointe
Noch am Abend verkündete AUF1, doch noch über ein „gebührenfreies Ausweichkonto“ zu verfügen. Auf Telegram gab’s dazu die Kontonummer: jene des AUF1-Trägervereins mit Konto in Ungarn bei der MBH-Bank.
Update: Der „Standard” (2.7.26) hat die „Erste Bank” um eine Stellungnahme gebeten, aber noch keine Antwort erhalten.
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