Bez. Lilienfeld-St. Pölten: Der Cousin war‘s
Ein 20-jähriger Lehrling aus dem Bezirk Lilienfeld wurde wegen des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung angeklagt, nachdem über seinen TikTok-Account Postings veröffentlicht wurden, die Hitler und den Nationalsozialismus verharmlosten bzw. verherrlichten. Die Vorfälle ereigneten sich Anfang März des Vorjahres. Zunächst hatte der Angeklagte bei der Polizei ausgesagt, die Postings selbst verfasst zu haben, gab jedoch vor Gericht an, dass sein minderjähriger Cousin – mit seiner Erlaubnis – den Account genutzt und die fraglichen Beiträge geschrieben habe. Der Angeklagte erklärte, er habe die Schuld auf sich genommen, um seinen Cousin, der aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt, zu schützen.
Mehrere Zeug:innen, darunter die Mutter der Freundin des Angeklagten und sein Vater, bestätigten die enge Beziehung zwischen dem Angeklagten und seinem Cousin sowie die problematische Situation des Cousins. Auch der knapp 14-jährige Cousin selbst gestand vor Gericht, die Postings verfasst zu haben, zeigte sich einsichtig und distanzierte sich von den Aussagen. Er räumte ein, dass es sich um rassistische Äußerungen handelte und er sich inzwischen geändert habe.
Der Prozess verlief kürzer als erwartet. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hielten einen Freispruch für möglich. Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass das Übernehmen der Schuld für eine nicht begangene Tat eine falsche Beweisaussage darstellt. Am Ende wurde der Angeklagte doch freigesprochen.
(Quelle: noen.at, 13.1.26)
Wien-Donaustadt: Rassist prügelt und tritt auf Obdachlosen ein
Ein medial völlig unterbelichteter Gewaltakt ereignete sich am 15. Jänner in der Wiener U‑Bahnstation „Seestadt“. Es war bloß eine kurze Presseaussendung der LPD Wien, die ohne zusätzliche Informationen/Recherchen wiedergegeben wurde.
Sachverhalt: Ein 26-Jähriger (Stbg.: Österreich) steht im Verdacht, gestern einen mutmaßlich obdachlosen Mann schwer verletzt zu haben. Mehrere Zeugen meldeten am Polizeinotruf, dass der Tatverdächtige mehrfach auf den in der U‑Bahn-Station sitzenden Mann eingeschlagen und eingetreten habe. Zueilende Streifenkräfte nahmen den 26-Jährigen vorläufig fest. Der Tatverdächtige machte gegenüber den Beamten mehrfach fremdenfeindliche Äußerungen, die er auch als Motiv für seinen Angriff nannte. Das Opfer wurde vom Rettungsdienst notfallmedizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Der Tatverdächtige bei dem eine Alkoholisierung von über zwei Promille festgestellt wurde, befindet sich in Polizeigewahrsam. (LPD Wien, 16.1.26)
Klagenfurt: Hitlergruß und Nazi-Parolen
Am 18. Jänner wurde durch eine Aussendung der LPD Kärnten bekannt, dass es am Vortag in einem Klagenfurter Lokal zu einem Vorfall gekommen ist – just an jenem Tag, an dem die FPÖ in Klagenfurt ihr Neujahrstreffen abgehalten hat.
Am 17. Jänner 2025 gegen 21:25 Uhr wurde die Polizei zu einem Innenstadtlokal beordert, da dort eine alkoholisierte männliche Person andere Lokalgäste belästigt und zuvor auch schon den Hitlergruß gezeigt haben soll. Vor dem Lokal konnte die offensichtlich alkoholisierte Person, ein 25-jähriger Mann, angetroffen werden. Dieser skandierte auch gegenüber den einschreitenden Beamten nationalsozialistische Ausrufe. Den wiederholten und deutlichen Aufforderungen der Polizeibeamten, diese tatbestandsmäßigen Ausrufe und Gesten zu unterlassen, kam der Mann nicht nach. Der 25-Jährige wurde daraufhin festgenommen und in das Polizeianhaltezentrum verbracht. Nach der am heutigen Tag durchgeführten Einvernahme ordnete die Staatsanwaltschaft Klagenfurt die Anzeige auf freiem Fuß an. (LPD via regionews.at, 18.1.26)
Kärnten: Verfassungsschutz seit vier Jahren ohne Leitung
Olga Voglauer, Grüne Nationalratsabgeordnete, kritisiert scharf, dass die Leitung des Kärntner Landesamts für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) seit fast vier Jahren nicht nachbesetzt wurde. Nach dem etwas unfreiwilligen Rücktritt von Stephan Tauschitz im Jahr 2022, der aufgrund seiner Teilnahme am rechtsextremen Ulrichsbergtreffen in die Kritik geraten war, wird die Leitung seither nur interimistisch durch eine Referatsleiterin ausgeübt.
Voglauer bezeichnet dies angesichts der Sensibilität der Position als „grob fahrlässig“ und „völlig unverständlich und inakzeptabel“ (kaernten.orf.at, 12.1.26). Sie hinterfragt zudem die rechtliche Zulässigkeit dieser langjährigen Interimslösung und brachte dazu im November 2025 eine parlamentarische Anfrage ein. Die erstaunliche Antwort des Innenministers auf die Frage „Wurde die Leitung des LSE Kärnten nach dem Jahr 2022 und nach Abschluss der Reform nochmals ausgeschrieben?“ Karner: „Eine Interessentensuche wird mittelfristig erfolgen.“
Die Situation gelte, so Voglauer, auch im Zusammenhang mit dem skandalösen Polizeieinsatz am Peršmanhof als „höchst besorgniserregend“. Der damalige stellvertretende LSE-Leiter, der diesen Einsatz geführt hatte, wurde inzwischen einer anderen Dienststelle zugewiesen und sieht sich einem Amtsmissbrauchsverfahren gegenüber. Laut Innenministerium werden die Aufgaben der stellvertretenden Leitung bei Abwesenheit der interimistischen Leiterin jeweils durch Weisung an geeignete Beamte übernommen. Eine dauerhafte Nachbesetzung sei erst nach Abschluss der laufenden Verfahren geplant.
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