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Lesezeit: 4 Minuten

Wurde Milad E. von einem Ausländerfeind ermordet?

Ein Nach­bar­schafts­streit in einem Wie­ner Gemein­de­bau endet töd­lich: Heinz R., bekannt als „Tech­no-Heinz“, soll den ira­nisch­stäm­mi­gen Milad E. erschos­sen haben. War es Mord aus Aus­län­der­hass? Und war­um durf­te er sei­ne Waf­fe trotz vor­her­ge­hen­der Eska­la­tio­nen behalten?

30. Okt. 2025
Gedenken an das Opfer Milad E. (Screenshot FB 20.10.25)
Gedenken an das Opfer Milad E. (Screenshot FB 20.10.25)

Am 11. Okto­ber, um ca. 4 Uhr früh, tötet „Tech­no-Heinz“ in einem Gemein­de­bau in Wien-Donau­stadt sei­nen Nach­barn durch Schüs­se aus sei­nem Revol­ver. Die­se Fak­ten sind unstrit­tig. Die Anzahl der Schüs­se, das Motiv für die Tötung: Gegen­stand der Ermitt­lun­gen. Puz­zle-Tei­le erge­ben zusam­men­ge­setzt jedoch ein sehr unvor­teil­haf­tes Bild von „Tech­no-Heinz“. Der getö­te­te Nach­bar, Milad E. (33), war ira­ni­scher Her­kunft, Heinz R., ali­as „Tech­no-Heinz“ ist ein öster­rei­chi­scher Ausländerfeind.

Die meis­ten Medi­en haben den mut­maß­li­chen Mord an Milad E. bis­lang igno­riert, nur der Bou­le­vard hat eini­ges zusam­men­ge­tra­gen. Heinz R. (50), ali­as „Tech­no-Heinz“, ali­as DJ Aus­tria­na, wird in „Heu­te“ (13.10.25) „als hage­rer Mann mit gro­ßem Durst und vom Frem­den­hass zer­fres­sen beschrie­ben“.

YouTube-Kanal von Heinz R. alias DJ Austriana – Profilbild: geschminkt als "Billy the Puppet" (Figur aus der Horrorfilmreihe „Saw“)
You­Tube-Kanal von Heinz R. ali­as DJ Aus­tria­na – Pro­fil­bild: geschminkt als „Bil­ly the Pup­pet” (Figur aus der Hor­ror­film­rei­he „Saw“)

Ein Brandanschlag

Seit 2021 soll es laut Berich­ten wie­der­holt Alko­hol-Eska­pa­den von Heinz R. gege­ben haben, die auch poli­zei­lich bekannt wur­den. „Heu­te“ regis­triert meh­re­re Anzei­gen wegen Lärm­be­läs­ti­gung durch Heinz R. und schreibt weiter:

Im Som­mer trat der 50-Jäh­ri­ge offen­bar im Suff ein Fens­ter ein, der zwei­te Vor­fall rich­te­te sich am 30. August bereits bedroh­lich gegen das spä­te­re Opfer, des­sen frem­de Her­kunft dem Ver­däch­ti­gen ein Dorn im Auge gewe­sen sein soll. Denn plötz­lich stand sei­ne Fuß­mat­te in Flam­men. Nur ein Zeu­ge – „Heu­te” konn­te mit ihm spre­chen – ver­hin­der­te geis­tes­ge­gen­wär­tig ein Aus­brei­ten der Flam­men auf die Woh­nung des Ira­ners und das gesam­te Wohnhaus.

Mit sei­nem Nach­barn Milad E. geriet „Tech­no-Heinz“, des­sen Namens­schild an der Tür laut „Heu­te“ mit Öster­reich-Flag­gen und einem Pit­bull-Schrift­zug beklebt ist, immer wie­der wegen nächt­li­cher lau­ter Tech­no-Musik in Streit.

Trotz der Alko­hol-Eska­pa­den und sei­ner Aggres­si­ons­aus­brü­che wur­de gegen Heinz R. kein Waf­fen­ver­bot aus­ge­spro­chen. So konn­te er sei­ne Waf­fe, einen Tau­rus-Revol­ver, bei der Tat einsetzen.

„L‘amour toujours“ in der Tatnacht

Auch in der Tat­nacht soll Heinz R. sehr laut Musik abge­spielt haben, dar­un­ter „L’amour tou­jours“ von Gigi D’Agostino – in wel­cher Text­va­ri­an­te, ist im Bei­trag von oe24.at (18.10.25) nicht vermerkt.

Celi­na, die ein Stock­werk unter Heinz R. wohnt, erzähl­te dem „Kurier“ (11.10.25): „Um 2.30 Uhr bin ich auf­ge­wacht, weil ich sehr lau­te Musik aus sei­ner Woh­nung gehört habe. Dann einen Pum­perer, und dann den Schuss.“(Her­vor­he­bung im Original)

„Gehört ihm eh“ und Wiederbetätigung?

Ob es ein Schuss war oder vier Schüs­se, wer­den die Ermitt­lun­gen klä­ren müs­sen. oe24.at beschreibt die Situa­ti­on nach dem Ein­tref­fen der Poli­zei um ca. vier Uhr früh so:

Als die Wega ihn in Unter­ho­sen in sei­ner Woh­nung antra­fen — die vier abge­feu­er­ten Patro­nen­hül­sen hat­te er ein­ge­sam­melt und am Schreib­tisch neben sei­ner Tau­rus 85 lie­gen, mur­mel­te er zunächst etwas davon, den Nach­barn, den aus dem Iran vor dem Regime geflo­he­nen 33-jäh­ri­gen Milad E. mit einem Ein­bre­cher ver­wech­selt zu haben.

Laut „heute.at“ (16.10.25) erklär­te R. zunächst, den Nach­barn für einen Ein­bre­cher gehal­ten und dar­auf­hin erschos­sen zu haben. Dann habe er noch ange­fügt: „das gehört ihm eh“ oe24.at erwähnt noch ein ande­res Detail: „Dar­auf­hin folg­ten dem Ver­neh­men nach etli­che ver­ba­le Ent­glei­sun­gen, die ihm zusätz­li­che Ermitt­lun­gen wegen des Ver­sto­ßes gegen das Wie­der­be­tä­ti­gungs­ge­setz ein­brin­gen.“

Spä­ter änder­te er sei­ne Ver­si­on vom Tat­her­gang und erklär­te, der Nach­bar habe ihn mit einem Mes­ser bedroht. Laut LKA wur­de jedoch kei­ne Stich­waf­fe am Tat­ort gefun­den. Der Grad sei­ner Alko­ho­li­sie­rung zum Tat­zeit­punkt ist eben­falls Gegen­stand der Ermittlungen.

Das Opfer: Milad E.

Die Ermitt­lun­gen gegen Heinz R. wer­den wegen Mord­ver­dachts geführt, R. befin­det sich in U‑Haft. Es gilt die Unschulds­ver­mu­tung bis zu einem all­fäl­li­gen rechts­kräf­ti­gen Urteil.

Über Milad E., das Opfer, ist sehr wenig bekannt. Er wird als ruhig und beson­nen geschil­dert. Für eine Nach­ba­rin aus dem Gemein­de­bau war er der „Lieb­lings­nach­bar“. Einem Ein­trag auf Face­book ist zu ent­neh­men, dass Milad E. eine Fami­lie und Freun­de hat, die um ihn trau­ern: „Milad war ein Mensch vol­ler Her­zens­wär­me und Güte, des­sen Lachen wir ewig ver­mis­sen wer­den.“

Hetze gegen das Opfer

Unter den Kom­men­ta­ren auf Platt­for­men wie Face­book über­wie­gen zwar jene Stim­men, die kein Ver­ständ­nis für Täter und Tat zei­gen – es gibt aber auch sol­che, die ent­ge­gen aller Fak­ten gegen das Opfer het­zen, den Täter und die Tat verharmlosen.

And­res O. auf FB: „Is doch scheiß egal wel­cher fan man ist gegen Aus­län­der muß man sich wären dür­fen“.

Ein FB-User, der sich „Hei­zungs Tech­ni­ker” nennt:

Ok, wir haben hier also einen Öster­rei­cher der sich halt nicht ver­ar­schen hat las­sen und halt jeman­den abge­knallt hat. Gibt’s über­all auf der Welt. Aber war­um wird hier so der Aus­tria Hard­core Fan betont ? Kommt jetzt eine Demo gegen Aus­tria oder was? Der Ira­ner hat den fal­schen ange­pisst, kommt vor, und? Der Typ geht in Schmalz und die Fami­lie des Opfers……nun ja, trau­rig aber ist lei­der pas­siert. So wie bei duzen­den öster­rei­chi­schen Opfern auch. Also machts kein Dra­ma, ist pas­siert, fer­tig. Kann halt pas­sie­ren wenn man jeman­den eine Goschn anhängt, hat er halt den fal­schen erwischt. Straf­rah­men für einen 75er sind 10–20 Jah­re. Als Flücht­ling wür­de er ver­mut­lich 10 bekom­men, nach 4 Jah­ren geht er heim. Bin gespannt was ein Öster­rei­cher für einen 75er aus­fasst.

Hasskommentare zum Mord an Milad E. (Screenshots FB bei Account oe24): "Ok, wir haben hier also einen Österreicher der sich halt nicht verarschen hat lassen und halt jemanden abgeknallt hat. Gibt's überall auf der Welt. Aber warum wird hier so der Austria Hardcore Fan betont ? Kommt jetzt eine Demo gegen Austria oder was? Der Iraner hat den falschen angepisst, kommt vor, und? Der Typ geht in Schmalz und die Familie des Opfers......nun ja, traurig aber ist leider passiert. So wie bei duzenden österreichischen Opfern auch. Also machts kein Drama, ist passiert, fertig. Kann halt passieren wenn man jemanden eine Goschn anhängt, hat er halt den falschen erwischt. Strafrahmen für einen 75er sind 10-20 Jahre. Als Flüchtling wurde er vermutlich 10 bekommen, nach 4 Jahren geht er heim. Bin gespannt was ein Österreicher für einen 75er ausfasst." "Endlich jemand der es auf den Punkt gebracht hat. Danke" "Is doch scheiß egal welcher fan man ist gegen Ausländer muß man sich wären dürfen" "Mit den Zuständen in Österreich wegen Ausländern, wundert es mich nicht mehr was passiert."
Hass­kom­men­ta­re zum Mord an Milad E. (Screen­shots FB bei Account oe24)

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Schlagwörter: Hetze | Mord/Mordversuch/Totschlag | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Wien

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