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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange KW 41/25 (Teil 2): Wozu haben wir das Symbole-Gesetz?

Wie­der ein Jugend­li­cher, der wegen der Andro­hung eines Amok­laufs ver­ur­teilt wur­de. Jetzt steht ihm eine wei­te­re Ankla­ge nach dem Ver­bots­ge­setz bevor. Zudem: Ver­ur­tei­lun­gen von zwei Rauschna­zis, eines drit­ten Nazis mit einem SS-Runen-Tat­too. Und die Fra­ge: Wozu gibt’s das Sym­bo­le-Gesetz, wenn es nicht exe­ku­tiert wird?

19. Okt. 2025
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Feldkirch/V: Nach der gefähr­li­chen Dro­hung die Wiederbetätigung?
  • Feldkirch/V: Zwei Tiro­ler Rausch-Nazis verurteilt
  • Pon­gau-Salz­burg: Aus „44” wur­den SS-Runen
  • Inns­bruck: Immu­ni­tät auf­ge­ho­ben – Ermitt­lun­gen gegen FPÖ Abwerzger
  • Wien-Leo­pold­stadt: Abhit­lern am Praterstern
  • Wien-Wie­den: Groß­flä­chi­ges Nazi-Geschmiere
  • Wien: Sym­bo­le-Gesetz ohne Wirkung
  • D: Bun­des­tag hebt Immu­ni­tät von zwei AfD-Abge­ord­ne­ten auf: Belei­di­gung und Hitlergruß
  • Frank­furt am Main/D: Nach „Itio­ten­treff“ und „NSU 2.0“ schon wie­der Ermitt­lun­gen gegen Ers­tes Polizeirevier

Feldkirch/V: Nach der gefährlichen Drohung die Wiederbetätigung?

Einem 16-jäh­ri­gen Ex-Schü­ler einer Mit­tel­schu­le im Bezirk Feld­kirch wur­de am 6.10. der Pro­zess gemacht wegen des Vor­wurfs der gefähr­li­chen Dro­hung und der schwe­ren Nötigung.

Nach den gericht­li­chen Fest­stel­lun­gen droh­te der dama­li­ge Schü­ler im Juni gegen­über vier Schü­lern mit einem Amok­lauf noch vor Schul­schluss an der von ihm besuch­ten Mit­tel­schu­le im Bezirk Feld­kirch. Dem­nach hass­te der Schü­ler, der schon sta­tio­när psych­ia­trisch behan­delt wur­de, Leh­rer und Schü­ler. (vol.at, 6.10.25)

Außer­dem soll er einer Elf­jäh­ri­gen mit dem Abste­chen gedroht haben, wenn sie sei­nen Amok­plan ver­ra­ten soll­te. Von die­sem Vor­wurf (schwe­re Nöti­gung) wur­de er aller­dings man­gels an Bewei­sen frei­ge­spro­chen, für die gefähr­li­che Dro­hung erhielt er eine teil­be­ding­te Geld­stra­fe von 960 Euro (480 € davon unbe­dingt). „Die Staats­an­wäl­tin kün­dig­te eine wei­te­re Ankla­ge gegen den 16-Jäh­ri­gen an, wegen natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Wie­der­be­tä­ti­gung.“ (vol.at)

Feldkirch/V: Zwei Tiroler Rausch-Nazis verurteilt

Die zwei Tiro­ler leben in Vor­arl­berg, haben sich dort auch ein­schlä­gig wie­der­be­tä­tigt und muss­ten sich des­halb am 7.10. vor dem Lan­des­ge­richt Feld­kirch verantworten.

Im August hat­ten die bei­den Män­ner, 26 und 44 Jah­re alt, in den Bre­gen­zer See­an­la­gen im Voll­rausch mehr­fach ein­schlä­gi­ge Paro­len geru­fen und den Hit­ler­gruß gezeigt. Der Jün­ge­re beschimpf­te zudem Pas­san­ten mit dunk­ler Haut­far­be auf übels­te Art und Wei­se, unter­malt von Affen­ge­schrei. Ein ent­setz­ter Zeu­ge des Vor­falls erstat­te­te Anzei­ge. (krone.at, 7.10.25)

Der 26-Jäh­ri­ge war wegen sei­ner Gesicht­stat­toos schnell iden­ti­fi­ziert, der 44-Jäh­ri­ge fiel spä­ter erneut auf, als er die Fest­nah­me eines Kum­pels mit „Heil Hit­ler“ und der ent­spre­chen­den Hand­be­we­gung ver­hin­dern woll­te. Das hat für den bereits zwei­mal ein­schlä­gig Vor­be­straf­ten nicht geklappt. Auch vor Gericht nicht: zwei Jah­re Haft (anzu­neh­men, dass unbe­dingt). Der Jün­ge­re kam –dies­mal noch – mit 3.200 Euro Geld­stra­fe und 4 Mona­ten bedingt davon.

Pongau-Salzburg: Aus „44” wurden SS-Runen

Wie hoch ist der Pro­zent­satz von Men­schen (Män­nern), die wegen ihrer Nazi-Tat­toos eine Ver­ur­tei­lung wegen Wie­der­be­tä­ti­gung aus­ge­fasst haben? Gefühlt sehr hoch – wobei bei den meis­ten auch noch ande­re ein­schlä­gi­ge Delik­te dazu­kom­men, sodass man von einer ver­fes­tig­ten Nazi-Ideo­lo­gie spre­chen kann. Das dürf­te auch bei dem 30-jäh­ri­gen Pon­gau­er der Fall sein, der sich nicht nur im Coro­na-Jahr 2020 selbst SS-Runen auf sei­nen lin­ken Ober­schen­kel gesto­chen, son­dern auf Face­book auch einen anti­se­mi­ti­schen Kom­men­tar abge­son­dert hat.

Er habe sich das Tat­too im Jahr 2020 „im tota­len Dro­gen­rausch gesto­chen. Ich habe mir über­haupt nichts dabei gedacht. Eigent­lich woll­te ich mir ja die Zahl 44 ste­chen.“ (sn.at, 7.10.25) Gewor­den sind es aber dann doch die SS-Runen und damit zwei Jah­re bedingt wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung (nicht rechtskräftig).

Innsbruck: Immunität aufgehoben – Ermittlungen gegen FPÖ Abwerzger

Der Tiro­ler Land­tag ist am 8.10.25 dem Beschluss des zustän­di­gen Aus­schus­ses nach­ge­kom­men und hat die Immu­ni­tät des FPÖ-Lan­des­par­tei­chefs und Klub­ob­manns Mar­kus Abwerz­ger auf­ge­ho­ben. Die Staats­an­walt­schaft Inns­bruck hat­te die­se Auf­he­bung bean­tragt, weil sie gegen Abwerz­ger wegen des Ver­dachts der Ver­het­zung ermit­teln will.

Im Juli hat­te Abwerz­ger auf einem Social-Media-Account der FPÖ ein Video zum The­ma Abschie­bun­gen ver­öf­fent­licht. Der Lan­des­po­li­ti­ker trug dar­in eine „Bur­ger-King-Kro­ne“. Die­se ist offen­bar in rechts­extre­men Online­fo­ren als ras­sis­ti­scher Code bekannt, lau­te­te die Kri­tik. Der Code war aus einem Video aus den USA vom Jahr 2021 entstanden.
In dem ursprüng­li­chen Video belei­dig­te ein wei­ßer Mann mit Kro­ne eine schwar­ze Frau in mas­sivs­ter Wei­se. „Ich hat­te nie Kennt­nis von die­sem Video aus 2021“, sag­te Abwerz­ger im August im ORF Tirol „Som­mer­ge­spräch“. Bereits kurz nach Erschei­nen wur­den die umstrit­te­nen Vide­os wie­der gelöscht. (tirol.orf.at, 9.10.25)

Über Details zu den Vide­os hat Stoppt die Rech­ten hier berich­tet: Wie die FPÖ Tirol mit Codes in Video-Clips Ras­sis­mus und NS-Mythen normalisiert

Wien-Leopoldstadt: Abhitlern am Praterstern

Ein deut­scher Staats­bür­ger (44) wur­de am 12.10. abends am Pra­ter­stern fest­ge­nom­men, „da er im Bereich des Bahn­hofs Pra­ter­stern und Rich­tung der ein­schrei­ten­den Beam­ten mehr­fach einen Hit­ler­gruß aus­führ­te und ver­herr­li­chen­de Paro­len skan­dier­te. Beim Tat­ver­däch­ti­gen wur­de eine Alko­ho­li­sie­rung von etwa zwei Pro­mil­le fest­ge­stellt.“ (LPD Wien via polizei-nachrichten.at, 13.10.25)

Von einer Anzei­ge ist in der Aus­sendung nicht die Rede, son­dern nur von einer „Infor­ma­ti­on“ des Lan­des­am­tes für Staatsschutz.

Wien-Wieden: Großflächiges Nazi-Geschmiere

Mut­maß­lich am Sams­tag, 11.10., wur­den am Vor­mit­tag quer ver­teilt über den St.-Elisabeth-Platz im 4. Bezirk Haken­kreu­ze, „Heil Hitler“-Schriftzüge und ver­hetz­ten­de Paro­len auf den Boden gesprüht. „‚Es lau­fen auf­grund die­ses Vor­falls Ermitt­lun­gen gegen eine bis dato unbe­kann­te Täter­schaft‘, heißt es aus dem Pres­se­bü­ro der Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Wien.“ (meinbezirk.at, 14.10.25)

Wien: Symbole-Gesetz ohne Wirkung

Seit 2021 sind Sym­bo­le der rechts­extre­men Iden­ti­tä­ren Bewe­gung in Öster­reich ver­bo­ten, um demo­kra­tie­feind­li­che Strö­mun­gen zu unter­bin­den. Das zen­tra­le Sym­bol der Grup­pe, der grie­chi­sche Buch­sta­be Lamb­da, ist jedoch nicht expli­zit unter­sagt, da es auch in ande­ren Kon­tex­ten ver­wen­det wird. Statt­des­sen ver­bie­tet das Sym­bo­le-Gesetz all­ge­mein die Ver­wen­dung von Sym­bo­len der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung, ein­schließ­lich gra­fisch ver­än­der­ter Dar­stel­lun­gen. Die not­wen­di­ge Ver­ord­nung des Innen­mi­nis­te­ri­ums zur Aktua­li­sie­rung der ver­bo­te­nen Sym­bo­le wur­de jedoch seit 2021 nicht ange­passt und zeigt wei­ter­hin das alte Lamb­da-Sym­bol mit Kreis.

Die Iden­ti­tä­ren haben ihr Sym­bol inzwi­schen mini­mal ver­än­dert, indem sie den Kreis ent­fernt haben. Bei der Demons­tra­ti­on in Wien im Juli wur­de das Sym­bol gezeigt, ohne dass es sei­tens der Poli­zei zu Anzei­gen kam.

Der grü­ne Rechts­extre­mis­mus­spre­cher Lukas Ham­mer kri­ti­siert, dass Innen­mi­nis­ter Ger­hard Kar­ner es ver­säumt hat, die Ver­ord­nung zu aktua­li­sie­ren, obwohl dies gesetz­lich vor­ge­schrie­ben wäre.

„Innen­mi­nis­ter Ger­hard Kar­ner müss­te eigent­lich das Gesetz voll­zie­hen und Ver­ord­nun­gen erlas­sen, die Up to Date sind und das aktu­el­le Sym­bol beinhal­ten“, sagt er. „Es ist alar­mie­rend, dass er sich offen­bar wei­gert, das zu tun – obwohl es sei­ne Pflicht ist, vom Par­la­ment beschlos­se­ne Geset­ze umzu­set­zen.“ Damit las­se er unwi­der­spro­chen zu, „dass Rechts­extre­me, von der Poli­zei eskor­tiert, offen ihr ver­bo­te­nes Logo zei­gen.“ (derstandard.at, 6.10.25)

Das Innen­mi­nis­te­ri­um äußert sich dazu nur vage und kün­digt kei­ne kon­kre­ten Schrit­te an.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof bestä­tig­te Anfang Sep­tem­ber, dass das Ver­bot der Iden­ti­tä­ren-Sym­bo­le gerecht­fer­tigt ist und kei­ne Ein­schrän­kung der Mei­nungs­frei­heit darstellt.

D: Bundestag hebt Immunität von zwei AfD-Abgeordneten auf: Beleidigung und Hitlergruß

Die Immu­ni­tät der AfD-Abge­ord­ne­ten Ste­phan Brand­ner und Mat­thi­as Moos­dorf wur­de vom Bun­des­tag auf­ge­ho­ben, um straf­recht­li­che Ermitt­lun­gen gegen sie zu ermög­li­chen. Brand­ner wird vor­ge­wor­fen, die Spie­gel-Jour­na­lis­tin Ann Kat­rin Mül­ler mehr­fach belei­digt zu haben, indem er sie unter ande­rem als “Faschis­tin” bezeich­ne­te und ande­re auf­for­der­te, dies eben­falls zu tun. Dafür wur­de er bereits mit meh­re­ren Ord­nungs­gel­dern belegt, gegen die wei­te­re Voll­stre­ckung wegen sei­ner Immu­ni­tät bis­her verhinderten.

Neben ganz vie­len net­ten Nach­rich­ten gab es vor allem eine Fra­ge rund um die Ste­phan Brand­ner-Sache. Ich hab ver­sucht sie hier zu beant­wor­ten. Dan­ke auf jeden Fall für den Sup­port, der ist sehr viel Wert bei all dem Mist!

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— Ann-Kat­rin Mül­ler (@akm0803.bsky.social) 11. Okto­ber 2025 um 18:16

Moos­dorf hin­ge­gen wird vor­ge­wor­fen, vor rund zwei­ein­halb Jah­ren im Reichs­tags­ge­bäu­de den Hit­ler­gruß gezeigt zu haben. Die Auf­he­bung der Immu­ni­tät erlaubt nun den Behör­den, gegen bei­de Poli­ti­ker straf­recht­lich vorzugehen.

(Quel­le: spiegel.de, 10.10.25)

Frankfurt am Main/D: Nach „Itiotentreff“ und „NSU 2.0“ schon wieder Ermittlungen gegen Erstes Polizeirevier

Das Ers­te Poli­zei­re­vier in Frankfürt/Main ist offen­sicht­lich ein Wie­der­ho­lungs­tä­ter. Am 10.10. durch­kämm­ten rund 150 Poli­zei­be­am­te das Ers­te Frank­fur­ter Poli­zei­re­vier und zeit­gleich 21 Pri­vat­woh­nun­gen. Es wird gegen ins­ge­samt 17 Polizist*innen wegen des Ver­dachts des schwe­ren Amts­miss­brauchs und der schwe­ren Kör­per­ver­let­zung ermittelt.

Bei Fest­nah­men sol­len Poli­zei­be­am­te des 1. Frank­fur­ter Poli­zei­re­viers zwi­schen Febru­ar und April die­ses Jah­res sechs Män­ner unter ande­rem geschla­gen und getre­ten haben. In einem Fall soll ein Geschä­dig­ter eine Trep­pe hin­un­ter­ge­sto­ßen wor­den sein, sag­te Ober­staats­an­walt Mies.
Die Opfer, die mit Anzei­gen die Ermitt­lun­gen in Gang setz­ten, hät­ten Schürf­wun­den, Prel­lun­gen im Gesicht und in einem Fall auch einen Nasen­bein­bruch erlit­ten. Die Über­grif­fe ereig­ne­ten sich teils auf dem Poli­zei­re­vier, teils auch woan­ders. Body­cams oder auch Über­wa­chungs­ka­me­ras hiel­ten eini­ge der Taten fest.
(fr.de, 10.10.25)

Das Ers­te Frank­fur­ter Poli­zei­re­vier hat schon eine sehr beacht­li­che Vergangenheit:

Das ers­te Poli­zei­re­vier in Frank­furt war vor eini­gen Jah­ren schon ein­mal in den Fokus gera­ten, nach­dem Poli­zis­ten in rechts­extre­men Chat­grup­pen auf­ge­fal­len waren. Zudem lie­fen nach rechts­extre­men Droh­schrei­ben mit der Unter­schrift NSU 2.0 an Per­so­nen des öffent­li­chen Lebens zwi­schen­zeit­lich Ermitt­lun­gen gegen einen Poli­zis­ten und eine Poli­zis­tin des Reviers. Sie wur­den Ende 2023 ein­ge­stellt. (zeit.de,10.10.25)

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Schlagwörter: AfD | Beleidigung | FPÖ | Hetze | Hitlergruß | Identitäre | Neonazismus/Neofaschismus | Polizei | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Salzburg | Tirol | Vandalismus/Sachbeschädigung/Schmierereien | Vorarlberg | Weite Welt | Wien

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