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Lesezeit: 6 Minuten

Mélange KW 42/25: Ein Kirchenmann ist Hitler dankbar

Das Ver­fah­ren gegen den Kärt­ner Kir­chen­mann nach dem Ver­bots­ge­setz wur­de zwar ein­ge­stellt, Irri­ta­ti­on wegen sei­ner Äuße­rung, er sei Hit­ler in Bezug auf die Ein­füh­rung der Kir­chen­steu­er dank­bar, bleibt den­noch. Eben­falls in Kärn­ten: Es wur­den wie­der ein­mal zwei­spra­chi­ge Orts­ta­feln beschmiert.

20. Okt. 2025
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Feldkirch/V: Ange­droh­te Amok­fahrt als „schwar­zer Humor“
  • Kärn­ten: Hit­ler dankbar?
  • Melk/NÖ: Hit­ler­gruß bei Kirtagsgaudi
  • Pliberk/Železna Kapla/Koprivna (Koroš­ka): Zwei­spra­chi­ge Orts­ta­feln beschmiert
  • Wolfsberg/K: Abwahl von FPÖ-Stadt­rä­tin durch eige­ne Leu­te war rechtswidrig
  • GB-Isra­el: Neo­na­zi Tom­my Robin­son als Staats­gast in Israel

Feldkirch/V: Angedrohte Amokfahrt als „schwarzer Humor“

Ein 33-jäh­ri­ger Vor­arl­ber­ger wur­de am 14.10. in Feld­kirch zu 15 Mona­ten Haft ver­ur­teilt, nach­dem er unter ein Insta­gram-Video zum Chris­to­pher Street Day in Bre­genz einen Hass­kom­men­tar gegen die LGBTQI+-Community gepos­tet hat­te. Der Mann, der bereits 13 Vor­stra­fen – davon zehn ein­schlä­gi­ge – auf­weist, wur­de wegen Ver­het­zung und ver­such­ten Land­zwangs angeklagt.

Unter ein Instra­gram-Video zum CSD in Bre­genz hat­te er kommentiert:

„Ich muss mit dem Auto eh noch in die Wasch­stra­ße. Aber dann war­te ich noch damit, bis ich durch den Dreck gefah­ren bin.“ Im Pro­zess bekennt sich der Mann zwar dahin­ge­hend schul­dig, den Kom­men­tar geschrie­ben zu haben, bestrei­tet jedoch eine böse Absicht dahin­ter: „Ich woll­te die Leu­te damit nicht pro­vo­zie­ren oder ver­ängs­ti­gen.“ Das sei nur schwar­zer Humor gewe­sen. In sei­nem Freun­des­kreis sei die­se Art von Humor nor­mal. (Kro­nen Zei­tung, 16.10.25 S. 30)

Rich­ter Theo Rüm­me­le bewer­te­te das Pos­ting jedoch als Auf­sta­che­lung zu Hass und als Ver­such, Angst und Unru­he zu ver­brei­ten. Letzt­lich erkann­te der Ange­klag­te ein, dass sei­ne Äuße­run­gen falsch waren. Das Urteil ist rechts­kräf­tig. Ob die Haft bedingt oder unbe­dingt aus­ge­spro­chen wur­de, geht aus dem Bericht der „Kro­nen Zei­tung“ nicht her­vor. Anzu­neh­men ist auf­grund der Vor­stra­fen eine unbe­ding­te Haft.

Kärnten: Hitler dankbar?

Ein Kärnt­ner Kir­chen­bei­trags­zah­ler, Herr W., beschwer­te sich über die Höhe sei­nes Bei­trags und for­der­te eine Reduk­ti­on. Im Ver­lauf des E‑Mail-Wech­sels äußer­te ein Mit­ar­bei­ter der katho­li­schen Kir­che, er sei „in der Sache Adolf Hit­ler dank­bar“, da das öster­rei­chi­sche Kir­chen­fi­nan­zie­rungs­sys­tem auf die Bedürf­nis­se der Bei­trags­zah­ler Rück­sicht neh­me. Die­se Aus­sa­ge bezieht sich dar­auf, dass die Kir­chen­steu­er 1939 von den Natio­nal­so­zia­lis­ten ein­ge­führt und nach 1945 in Öster­reich bei­be­hal­ten wurde.

Herr W. war den­noch ob des Hit­ler-Geden­kens fas­sungs­los und schal­te­te einen Rechts­an­walt ein. Der Unter­kärnt­ner sei bei dem The­ma beson­ders auf­merk­sam und sen­si­bel, da er der slo­we­ni­schen Volks­grup­pe ange­hört und sei­ne Fami­lie unter der Hit­ler-Dik­ta­tur beson­ders gelit­ten habe. Meh­re­re Ver­wand­te waren ver­bannt, ver­schleppt und sogar in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ermor­det worden.
„Dank­bar­keit gegen­über dem NS-Regime zu äußern, das ist für ihn völ­lig inak­zep­ta­bel, auch ich hal­te es für untrag­bar“, erklärt sein Anwalt Far­had Paya und hat bei der Staats­an­walt­schaft Kla­gen­furt Anzei­ge wegen Ver­dachts auf Ver­stoß gegen das NS-Ver­bots­ge­setz erstat­tet. Die Ankla­ge­be­hör­de hat in der heik­len Cau­sa Ermitt­lun­gen auf­ge­nom­men; auch der Ver­fas­sungs­schutz wur­de ein­ge­schal­tet. (krone.at, 15.10.25)

Das Ver­fah­ren wur­de jedoch ein­ge­stellt, da der Mit­ar­bei­ter sich ledig­lich im his­to­ri­schen Kon­text zur Kir­chen­steu­er geäu­ßert habe und kei­ne Glo­ri­fi­zie­rung des Natio­nal­so­zia­lis­mus vor­lie­ge. Laut der Staats­an­walt­schaft gibt es kei­ne Hin­wei­se auf eine natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Wie­der­be­tä­ti­gung; die For­mu­lie­rung sei zwar unglück­lich, erfül­le aber nicht den Tat­be­stand einer straf­ba­ren Handlung.

Melk/NÖ: Hitlergruß bei Kirtagsgaudi

Neben Anzei­gen wegen Rauf­han­dels und Kör­per­ver­let­zun­gen sind auch Delik­te, die unters Ver­bots­ge­setz bei Volks­fes­ten alles ande­re als sel­ten. Auch in Melk beim Kolo­ma­ni-Kir­tag am 13. Okto­ber war das der Fall.

In den Nacht­stun­den ab 23 Uhr kam es zu zwei Rau­fe­rei­en, wel­che unter Alko­hol­ein­fluss statt­fan­den. Hier kam es auch zu Anzei­gen wegen Kör­per­ver­let­zung. Eine wei­te­re Per­son fühl­te sich gegen 23 Uhr bemü­ßigt, der anwe­sen­den Poli­zei sowie den Fest­gäs­ten den Hit­ler­gruß zu zei­gen. Bei der anschlie­ßen­den Befra­gung durch die Poli­zei ver­flüch­tig­te sich der Täter in Aus­re­den, wobei laut Poli­zei „sei­ne Moti­va­ti­on klar erkenn­bar“ war. Für ihn gab es eine Anzei­ge im Sin­ne des Ver­bots­ge­set­zes. (noen.at, 15.10.25)

Pliberk/Železna Kapla/Koprivna (Koroška): Zweisprachige Ortstafeln beschmiert

In der Nacht auf Sonn­tag wur­den im Bezirk Völ­ker­markt fünf zwei­spra­chi­ge Orts­ta­feln von bis­lang unbe­kann­ten Tätern besprüht, wobei die slo­we­ni­schen Orts­be­zeich­nun­gen unkennt­lich gemacht wur­den. Betrof­fen sind vier Tafeln in Bad Eisenkappel/Železna Kap­la, Koprein/Koprivna sowie eine in Bleiburg/Pliberk. Die Poli­zei hat umge­hend Ermitt­lun­gen ein­ge­lei­tet, unter­sucht die beschä­dig­ten Tafeln auf Spu­ren und kon­trol­liert alle zwei­spra­chi­gen Orts­ta­feln im Bezirk auf wei­te­re Beschä­di­gun­gen. Auf­grund des Ver­dachts einer poli­tisch moti­vier­ten Straf­tat wur­de der Ver­fas­sungs­schutz eingeschaltet.

(Quel­le: kaernten.orf.at, 19.10.25)

Die Jour­na­lis­tin Tan­ja Mal­le berich­tet auf Blues­ky (19.10.25), dass auch die Tafel der Ort­schaft Koprein/Koprivna ver­schmiert wor­den sei – „soweit ich weiß, ist das die letz­te am Weg zum Perš­m­an­hof. (…) Slo­we­ni­en ist, wenig über­ra­schend, ‚not amu­sed‘, berich­tet die Tages­zei­tung Delo.“

Update 20.10.25: Der „Stan­dard” (20.10.25) berich­tet mitt­ler­wei­le von ins­ge­samt acht ver­schmier­ten Orts­ta­feln – sie­ben in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Perš­m­an­hof. „Der Perš­m­an­hof liegt etwa in der Mit­te der beschmier­ten Orts­ta­feln. Rechts­an­walt Rudi Vouk sagt, er kön­ne hier ’schwer an einen Zufall glau­ben, das sind Orte, da kommt man nicht ein­fach so zufäl­lig vor­bei’.” (derstandard.at)

Update 18.2.26: Die Poli­zei hat die Ermitt­lun­gen erfolgs­los abge­schlos­sen, der oder die Täter konn­ten nicht eru­iert wer­den, schreibt Tan­ja Mal­le auf Blues­ky.

Wolfsberg/K: Abwahl von FPÖ-Stadträtin durch eigene Leute war rechtswidrig

Die Kärnt­ner Gemein­de­auf­sicht stuft die Abwahl der Wolfs­ber­ger FPÖ-Stadt­rä­tin Isa­bel­la Theu­er­mann vom 26. Juni 2025 als rechts­wid­rig ein: Statt der erfor­der­li­chen drei unter­zeich­ne­ten den Abwahl­an­trag nur zwei FPÖ-Man­da­ta­re. Zwei kurz davor ange­lob­te blaue Ersatz­ge­mein­de­rä­te hat­ten gegen die eige­ne Stadt­rä­tin geputscht und die kur­zer­hand abge­wählt – einer, Micha­el Schüss­ler, ließ sich mit sei­ner und der zwei­ten blau­en Stim­me selbst zum Stadt­rat wählen.

Der Vor­gang war rechts­wid­rig, wie die Gemein­de­auf­sicht des Lan­des Kärn­ten nun nach mona­te­lan­ger Prü­fung befand. Denn: Min­des­tens drei FPÖ-Gemein­de­rats­mit­glie­der hät­ten den Abwahl­an­trag unter­zeich­nen müs­sen, wie der Lei­ter der Gemein­de­auf­sicht, Ste­fan Pri­mosch, erläu­ter­te. (derstandard.at, 15.10.25)

Recht­li­che Fol­gen hat das nicht mehr, weil Theu­er­mann aus Kos­ten­grün­den kei­ne Beschwer­de beim VfGH ein­brach­te. Die Volks­an­walt­schaft prüft den Fall auf mög­li­che Ver­wal­tungs­feh­ler. Schüss­ler bleibt Stadt­rat, Theu­er­mann ist „nur“ noch Gemein­de­rä­tin. Und die Landespartei?

Der Kärnt­ner FPÖ-Lan­des­par­tei­ob­mann Erwin Ange­rer bezeich­ne­te den Vor­gang kurz nach der Abwahl als „demo­kra­tisch und nicht außer­ge­wöhn­lich“ und beton­te, er mische sich nicht in die Stadt- und Gemein­de­po­li­tik ein. (derstandard.at)

GB-Israel: Neonazi Tommy Robinson als Staatsgast in Israel

Der FM4-Kolum­nist Robert Roti­fer ord­net den äußerst ver­stö­ren­den Staats­be­such des bri­ti­schen Neo­na­zis Tom­my Robin­son (Ste­phen Yax­ley-Len­non) in Isra­el ein.

Der mehr­fach ver­ur­teil­te Robin­son reist auf Ein­la­dung von Dia­spo­r­ami­nis­ter Ami­chai Chi­k­li, rechts­extre­mer Hard­li­ner inner­halb des Likud-Blocks, zum Qua­si-Staats­be­such nach Isra­el. Chi­k­li preist ihn als muti­gen Anfüh­rer gegen den radi­ka­len Islam, wäh­rend die bri­ti­schen jüdi­schen Ver­tre­tun­gen ihn als „Schlä­ger­typ,“ „das Schlech­tes­te an Bri­tan­ni­en“ ver­ur­tei­len und war­nen, sei­ne Prä­senz unter­mi­nie­re ech­te Arbeit gegen Extremismus.

Trotz Pro­tes­ten wird Robin­son hofiert—ein bei­spiel­lo­ser Bruch mit der Dia­spo­ra, den selbst Kon­ser­va­ti­ve tadeln: Isra­el agie­re wie „der schlimms­te Feind sei­ner selbst und der Diaspora“.

Statt Soli­da­ri­tät zu stär­ken, wer­de gezündelt—falsche Fron­ten in einer gespal­te­nen Gesell­schaft. Die staat­li­che Legi­ti­ma­ti­on für Robin­son sei das Aller­letz­te, was bri­ti­sche Jüdin­nen und Juden jetzt bräuchten.

➡️ fm4.orf.at, 18.10.25: Robert Roti­fer: Tom­my, der fal­sche Freund

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Schlagwörter: FPÖ | Hetze | Hitlergruß | Kärnten/Koroška | LGBTQIA+-Feindlichkeit | Niederösterreich | Vandalismus/Sachbeschädigung/Schmierereien | Verhetzung | Vorarlberg | Weite Welt | Wiederbetätigung

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