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Lesezeit: 4 Minuten

Schärding-Ried/OÖ: Gewalttätiger Deutscher verurteilt

Ras­sis­ti­scher Angriff am Schär­din­ger Wochen­markt: Ein Deut­scher wur­de in Ried zu zehn Mona­ten bedingt und einer Zah­lung von 1.000 Euro ver­ur­teilt. Beim ers­ten Pro­zess­ter­min ist der Ange­klag­te mit einer atem­be­rau­ben­den Begrün­dung nicht aufgetaucht.

21. Okt. 2025
Landesgericht Ried (Tafel vor dem Gebäude; © SdR)
Landesgericht Ried (© SdR)

Zur ursprüng­lich für den 3. Sep­tem­ber ange­setz­ten Ver­hand­lung war der Ange­klag­te Hel­mut S. (66) nicht erschie­nen, weil er sich angeb­lich auf­grund des Nach­na­mens der Rich­te­rin vor einem „isla­mi­schen Schau­pro­zess“ gefürch­tet hatte.

Rich­te­rin: War­um sind Sie besorgt, wenn Sie mei­nen Namen lesen?
Hel­mut S.: Ich füh­le mich zu Unrecht angeklagt.

Am 13. Okto­ber war die Furcht über­wun­den (wozu die Andro­hung, ihn mit­tels Haft­be­fehl vor­füh­ren zu las­sen, bei­getra­gen haben dürf­te), und der Mann aus Ober­fran­ken muss­te dem Gericht erklä­ren, war­um er eine Frau mit Kopf­tuch am Wochen­markt in Schär­ding auf beson­ders wider­li­che Wei­se ras­sis­tisch atta­ckiert und ver­letzt hatte.

Am 17. April ist Hel­mut S., der sei­ne Pen­si­on mit dem Bau von Modell­ei­sen­bah­nen auf­bes­sert, am Wochen­markt in Schär­ding kom­plett aus­ge­zuckt, als er eine Frau mit Kopf­tuch gese­hen hat­te. Laut Ankla­ge habe er sie zunächst grund­los beschimpft: „Du schaust schei­ße aus! Scheiß Allah! Scheiß Islam!“

Dann soll er

die Frau mit Gewalt gepackt und ver­sucht haben, ihr ein Stück Frank­fur­ter in den Mund zu ste­cken: „Ich esse Schwein, jetzt musst du auch Schwein essen!“ Auch danach soll der Pei­ni­ger nicht von der Mus­li­ma abge­las­sen haben. Nach­dem er ihr den Arm ver­dreht und gedroht haben soll, ihr die Hand abzu­ha­cken, soll er ihr zum Schluss drei Faust­schlä­ge ins Gesicht ver­passt haben. (krone.at, 13.10.25)

Aus­ge­ras­tet ist Hel­mut S. aber nicht zum ers­ten Mal. In Deutsch­land hat er bereits drei Vor­stra­fen wegen Kör­per­ver­let­zung und Betrugs kassiert.

S. bekennt sich in Ried nicht schul­dig. In der Befra­gung durch die Rich­te­rin schil­dert er die Vor­gän­ge am Wochen­markt anders als in der poli­zei­li­chen Ein­ver­nah­me. Vor Gericht sieht er sich sel­ber als den Atta­ckier­ten, gibt Erin­ne­rungs­lü­cken vor, als ihn die Rich­te­rin zu den Schlä­gen befragt, die er der Frau ver­setzt hat. Das Ein­zi­ge, was er gesteht: Er habe viel­leicht „Scheiß Allah“ oder „Scheiß Islam“ vor sich hingemurmelt.

Sein Opfer hat ganz ande­re Wahr­neh­mun­gen:

Die tür­ki­sche Frau ersucht, in Abwe­sen­heit des Beschul­dig­ten in den Zeu­gen­stand tre­ten zu dür­fen. „Er hat mich rich­tig belei­digt. Ich glau­be, er hat zuerst gedacht, dass ich nicht Deutsch kann“, sagt die Frau. Durch die Faust­schlä­ge habe sie län­ger unter Schmer­zen gelit­ten. „Ich schwö­re, dass ich ihn nicht belei­digt habe, aber ich habe mich weh­ren müs­sen und ihn geschubst. Außer­dem habe sie ihn fest­ge­hal­ten. Wirk­lich gehol­fen habe ihr auf dem Schär­din­ger Stadt­platz wäh­rend der lan­gen Aus­ein­an­der­set­zung nie­mand, sie habe dann sogar wäh­rend der Ran­ge­lei sel­ber die Poli­zei geru­fen. (nachrichten.at, 13.10.25)

Zwei wei­te­re Zeug*innen, die aber den eigent­li­chen Tat­her­gang nicht beob­ach­tet haben, wer­den ein­ver­nom­men, ein Ver­such der Ver­tei­di­gung, eine wei­te­re Zeu­gen­ein­ver­nah­me und damit Ver­ta­gung der Ver­hand­lung zu errei­chen, wird abgelehnt.

In ihrem Urteil ist die Rich­te­rin eindeutig:

Für mich war Frau T. sehr glaub­haft, und ich habe kei­nen Grund, an ihrer Glaub­wür­dig­keit zu zwei­feln. Tat­sa­che ist, dass die Beweis­la­ge aus­rei­chend ist. Frau T. stand auf und ließ es sich nicht gefal­len, dass Sie ihre Reli­gi­on belei­digt haben. Die Ver­let­zun­gen sind evi­dent, wur­den unmit­tel­bar nach­fol­gend fest­ge­stellt. Ich sehe zum jet­zi­gen Zeit­punkt kei­ne Ver­an­las­sung, Sie ein­sper­ren zu las­sen. Die beding­te Stra­fe erhal­ten sie, weil Ihre Vor­stra­fen lan­ge zurück­lie­gen. (Pro­zess­be­ob­ach­tung)

Das Urteil, zehn Mona­te bedingt auf drei Jah­re und eine Schmer­zens­geld­zah­lung über 1.000 Euro, ist noch nicht recht­kräf­tig. Die Rich­te­rin erteilt Hel­mut S. zudem die Auf­la­ge, bei der baye­ri­schen Infor­ma­ti­ons­stel­le gegen Extre­mis­mus drei Ter­mi­ne wahr­zu­neh­men. „Ich sehe Hand­lungs­be­darf, wenn Sie sich so ver­hal­ten, wie Sie das taten“, fügt die Rich­te­rin an.

Dan­ke für die Prozessbeobachtung!

Ein Posting, das die Runde macht

Kein The­ma im Gerichts­saal war ein Pos­ting, das seit 2023 mas­sen­haft quer durch diver­se Platt­for­men geteilt wird und mit dem Namen des Ange­klag­ten gezeich­net ist. In ihm beschwert sich S. über den Hei­zungs­um­bau, den ihm „ein Mann“ (gemeint ist Robert Habeck) auf­zwin­gen wol­le und der mit Büro­kra­tie und hohen Kos­ten ver­bun­den sei. Der Autor hal­lu­zi­niert auch, er wer­de, wenn er sich wei­ge­re, aus sei­nem Haus ver­trie­ben, um dann festzustellen:

Der Deut­sche ist im all­ge­mei­nen gedul­dig aber es kocht im Bekann­ten­kreis. Der Druck steigt schon lan­ge in Deut­schen Kes­sel und 100.000 aus ihren Häu­sern zu schmeis­sen dürf­te zum offe­nen Bür­ger­krieg füh­ren. Zumal ja „ande­re” zu Mil­lio­nen wohl­ver­sorgt hier unter­ge­bracht wer­den, mit Hei­zung, Essen, WLAN und allen Annehm­lich­kei­ten. (Feh­ler im Original).

Das Pos­ting, des­sen Inhalt zur Gän­ze erfun­den ist, fin­det in Öster­reich vor allem bei Blau­en Zuspruch, obwohl die Geset­zes­la­ge hier völ­lig anders ist.

Kettenposting gezeichnet mit "Helmut S." – geteilt von einer Österreicherin: "Betrifft leider auch bei uns viele Hausbesitzer, auch mich: „Meine Eltern haben 1972 ein kleines Haus gebaut, das ich jetzt bewohne. Das Haus hat eine traditionelle Öl Heizung, die ca 2500 | verbraucht, den Rest macht ein Holzofen. Soweit - Sogut und funktioniert seit langem. Nun soll ich das Haus "sanieren" weil 1 Mann das will? (...) Es ist Schluss. Der Deutsche ist im allgemeinen geduldig aber es kocht im Bekanntenkreis. Der Druck steigt schon lange in Deutschen Kessel und 100.000 aus ihren Häusern zu schmeissen dürfte zum offenen Bürgerkrieg führen. Zumal ja "andere" zu Millionen wohlversorgt hier untergebracht werden, mit Heizung, Essen, WLAN und allen Annehmlichkeiten. Auch das darf (noch) angemerkt werden. Freundliche Grüsse" (Helmut S...) (Screenshot FB)
Ket­ten­pos­ting gezeich­net mit „Hel­mut S.” – geteilt von einer Öster­rei­che­rin (Screen­shot FB)

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Schlagwörter: Hetze | Körperverletzung | Oberösterreich | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Verhetzung | Weite Welt

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