Zur ursprünglich für den 3. September angesetzten Verhandlung war der Angeklagte Helmut S. (66) nicht erschienen, weil er sich angeblich aufgrund des Nachnamens der Richterin vor einem „islamischen Schauprozess“ gefürchtet hatte.
Richterin: Warum sind Sie besorgt, wenn Sie meinen Namen lesen?
Helmut S.: Ich fühle mich zu Unrecht angeklagt.
Am 13. Oktober war die Furcht überwunden (wozu die Androhung, ihn mittels Haftbefehl vorführen zu lassen, beigetragen haben dürfte), und der Mann aus Oberfranken musste dem Gericht erklären, warum er eine Frau mit Kopftuch am Wochenmarkt in Schärding auf besonders widerliche Weise rassistisch attackiert und verletzt hatte.
Am 17. April ist Helmut S., der seine Pension mit dem Bau von Modelleisenbahnen aufbessert, am Wochenmarkt in Schärding komplett ausgezuckt, als er eine Frau mit Kopftuch gesehen hatte. Laut Anklage habe er sie zunächst grundlos beschimpft: „Du schaust scheiße aus! Scheiß Allah! Scheiß Islam!“
Dann soll er
die Frau mit Gewalt gepackt und versucht haben, ihr ein Stück Frankfurter in den Mund zu stecken: „Ich esse Schwein, jetzt musst du auch Schwein essen!“ Auch danach soll der Peiniger nicht von der Muslima abgelassen haben. Nachdem er ihr den Arm verdreht und gedroht haben soll, ihr die Hand abzuhacken, soll er ihr zum Schluss drei Faustschläge ins Gesicht verpasst haben. (krone.at, 13.10.25)
Ausgerastet ist Helmut S. aber nicht zum ersten Mal. In Deutschland hat er bereits drei Vorstrafen wegen Körperverletzung und Betrugs kassiert.
S. bekennt sich in Ried nicht schuldig. In der Befragung durch die Richterin schildert er die Vorgänge am Wochenmarkt anders als in der polizeilichen Einvernahme. Vor Gericht sieht er sich selber als den Attackierten, gibt Erinnerungslücken vor, als ihn die Richterin zu den Schlägen befragt, die er der Frau versetzt hat. Das Einzige, was er gesteht: Er habe vielleicht „Scheiß Allah“ oder „Scheiß Islam“ vor sich hingemurmelt.
Sein Opfer hat ganz andere Wahrnehmungen:
Die türkische Frau ersucht, in Abwesenheit des Beschuldigten in den Zeugenstand treten zu dürfen. „Er hat mich richtig beleidigt. Ich glaube, er hat zuerst gedacht, dass ich nicht Deutsch kann“, sagt die Frau. Durch die Faustschläge habe sie länger unter Schmerzen gelitten. „Ich schwöre, dass ich ihn nicht beleidigt habe, aber ich habe mich wehren müssen und ihn geschubst. Außerdem habe sie ihn festgehalten. Wirklich geholfen habe ihr auf dem Schärdinger Stadtplatz während der langen Auseinandersetzung niemand, sie habe dann sogar während der Rangelei selber die Polizei gerufen. (nachrichten.at, 13.10.25)
Zwei weitere Zeug*innen, die aber den eigentlichen Tathergang nicht beobachtet haben, werden einvernommen, ein Versuch der Verteidigung, eine weitere Zeugeneinvernahme und damit Vertagung der Verhandlung zu erreichen, wird abgelehnt.
In ihrem Urteil ist die Richterin eindeutig:
Für mich war Frau T. sehr glaubhaft, und ich habe keinen Grund, an ihrer Glaubwürdigkeit zu zweifeln. Tatsache ist, dass die Beweislage ausreichend ist. Frau T. stand auf und ließ es sich nicht gefallen, dass Sie ihre Religion beleidigt haben. Die Verletzungen sind evident, wurden unmittelbar nachfolgend festgestellt. Ich sehe zum jetzigen Zeitpunkt keine Veranlassung, Sie einsperren zu lassen. Die bedingte Strafe erhalten sie, weil Ihre Vorstrafen lange zurückliegen. (Prozessbeobachtung)
Das Urteil, zehn Monate bedingt auf drei Jahre und eine Schmerzensgeldzahlung über 1.000 Euro, ist noch nicht rechtkräftig. Die Richterin erteilt Helmut S. zudem die Auflage, bei der bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus drei Termine wahrzunehmen. „Ich sehe Handlungsbedarf, wenn Sie sich so verhalten, wie Sie das taten“, fügt die Richterin an.
Danke für die Prozessbeobachtung!
Ein Posting, das die Runde macht
Kein Thema im Gerichtssaal war ein Posting, das seit 2023 massenhaft quer durch diverse Plattformen geteilt wird und mit dem Namen des Angeklagten gezeichnet ist. In ihm beschwert sich S. über den Heizungsumbau, den ihm „ein Mann“ (gemeint ist Robert Habeck) aufzwingen wolle und der mit Bürokratie und hohen Kosten verbunden sei. Der Autor halluziniert auch, er werde, wenn er sich weigere, aus seinem Haus vertrieben, um dann festzustellen:
Der Deutsche ist im allgemeinen geduldig aber es kocht im Bekanntenkreis. Der Druck steigt schon lange in Deutschen Kessel und 100.000 aus ihren Häusern zu schmeissen dürfte zum offenen Bürgerkrieg führen. Zumal ja „andere” zu Millionen wohlversorgt hier untergebracht werden, mit Heizung, Essen, WLAN und allen Annehmlichkeiten. (Fehler im Original).
Das Posting, dessen Inhalt zur Gänze erfunden ist, findet in Österreich vor allem bei Blauen Zuspruch, obwohl die Gesetzeslage hier völlig anders ist.

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