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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 2 Minuten

Wie rechte Themen in der Mitte landen

Neue For­schung aus Ber­lin zeigt: Wenn die extreme/radikale Rech­te Migra­ti­on, Islam oder Inte­gra­ti­on hoch­zieht, reagie­ren eta­blier­te Par­tei­en mess­bar und ver­stär­ken damit die Nor­ma­li­sie­rung rech­ter Ideen. Das gilt beson­ders für Oppositionsparteien.

22. Okt. 2025
Parteien und rechte Themen (Mainstream parties and the AfD in cultural debates, monthly and yearly means, S. 10)
Parteien und rechte Themen (Mainstream parties and the AfD in cultural debates, monthly and yearly means, S. 10)

Für die 2025 publi­zier­te Stu­die „Far-right agen­da set­ting: How the far right influen­ces the poli­ti­cal main­stream“ (Dani­el Sal­di­via Gon­z­at­ti und Tere­sa Völ­ker) wur­den mehr als eine hal­be Mil­li­on Arti­kel aus sechs sehr unter­schied­li­chen deut­schen Print­me­di­en (Süd­deut­sche Zei­tung, taz, Welt, Jun­ge Frei­heit sowie Stutt­gar­ter Zei­tung und Säch­si­sche Zei­tung) von 1994 bis 2021 aus­ge­wer­tet. Unter­sucht wur­de, ob die Auf­merk­sam­keits­spit­zen rech­ter Akteur*innen in einem Monat dazu führ­ten, dass die Par­tei­en im Fol­ge­mo­nat auf die­sel­ben The­men stär­ker anspran­gen. Damit wird Agen­da-Set­ting im Zeit­ver­lauf mess­bar gemacht.

Die drei wich­tigs­ten Ergebnisse

  1. Annä­he­rung der The­men über Jahrzehnte
    Die The­men der Rech­ten und der Par­tei­en sind näher zusam­men­ge­rückt – beson­ders bei Migra­ti­on, Inte­gra­ti­on und Ras­sis­mus. (S. 12)
  2. Mess­ba­rer Ein­fluss: Par­tei­en fol­gen den The­men-Peaks der Rechten
    „Die in den Medi­en beob­acht­ba­re The­men­ge­wich­tung rech­ter Akteu­re sagt die spä­te­re The­men­ge­wich­tung der Par­tei­en vor­aus“. Kurz­fris­tig ca. 3,7 % Ver­schie­bung, mit Nach­lauf rund 11 % pro Monat. (S. 13)
  3. Oppo­si­ti­ons­par­tei­en reagie­ren stärker
    Der Effekt betrifft alle Par­tei­en, ist aber für Oppo­si­ti­ons­par­tei­en stär­ker als für Regie­rungs­par­tei­en. (S. 18) Beson­ders „kleb­rig“ wir­ken die The­men Islam und Inte­gra­ti­on: Der Ein­fluss steigt vom ers­ten zum drit­ten Monat um 50 %. Die Autor*innen spre­chen von „sti­cky’ issues … such as Islam and inte­gra­ti­on“. (S. 17)

Seit 2015 (Flucht­mi­gra­ti­on) zeigt sich eine deut­li­che Inten­si­vie­rung: The­men­ver­schie­bun­gen durch rech­te Akteu­re schla­gen häu­fi­ger auf Par­tei­en­kom­mu­ni­ka­ti­on durch. Migration/Integration sind die Haupt­ka­nä­le. Das The­ma „Islam“ wirkt teils über meh­re­re News-Zyklen. (S. 14–17)

Die Autor*innen fas­sen zusam­men, dass Par­tei­en­kom­mu­ni­ka­ti­on über Jah­re zur dis­kur­si­ven Nor­ma­li­sie­rung rech­ter Ideen bei­trägt, und zwar unab­hän­gig von der Stoß­rich­tung der Reak­ti­on (Auf­grei­fen, Abgren­zen, Gegen­f­raming). Aus­schlag­ge­bend ist die Sicht­bar­keit des The­mas in der Par­tei­en­kom­mu­ni­ka­ti­on, nicht die Bewer­tung. (S. 15, S. 18)

It’s like a dance … If the con­duc­tor is far-right and you’re reac­ting to it, you can­not deci­de which music should be play­ing. (Stu­di­en­au­tor Dani­el Sal­di­via Gon­z­at­ti im „Guar­di­an“, 18.10.25)

Zusam­men­ge­fasst: Stra­te­gisch sinn­voll ist, eine eige­ne, kla­re Spra­che statt reak­ti­ver Anschluss­kom­mu­ni­ka­ti­on zu pfle­gen, sonst tanzt man nach rech­ter Musik. Fragt sich nur mehr, war­um Par­tei­en, die sich selbst als der Mit­te zuge­hö­rig sehen wol­len, ihre Sui­zi­dal­stra­te­gie wei­ter­ver­fol­gen. Jüngs­tes Bei­spiel ist Fried­rich Merz mit sei­ner Äuße­rung, dass sich Migra­ti­on als Pro­blem im „Stadt­bild“ bemerk­bar mache und: „[D]eswegen ist der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter ja auch dabei, jetzt in sehr gro­ßem Umfang auch Rück­füh­run­gen zu ermög­li­chen und durch­zu­füh­ren.“ (zit. nach tagesschau.de, 17.10.25)

Auch aus Öster­reich lie­ßen sich unzäh­li­ge Bei­spie­le anfüh­ren. Das Resul­tat hier­zu­lan­de: eine FPÖ, die in den Umfra­gen Rich­tung 40 % steuert.

➡️ Dani­el Sal­di­via Gon­z­at­ti und Tere­sa Völ­ker, Far-right agen­da set­ting: How the far right influen­ces the poli­ti­cal main­stream (Euro­pean Jour­nal of Poli­ti­cal Rese­arch, 2025)

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