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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Freiheitliche Arbeitnehmer Wien (II): Burschenschafter, Identitärer, Ex-VAPO

Vom 10. bis zum 23. April fin­det in Wien die Arbei­ter­kam­mer-Wahl statt. Wir stel­len aus­ge­wähl­te Kan­di­da­ten der „Frei­heit­li­chen Arbeit­neh­mer“ vor. Heu­te acht Män­ner von Platz von 20 bis 88.

28. März 2024

Platz 20: Ste­fan Tüchler
Platz 23: Rein­hard Wansch
Platz 36: Jan Staudigl
Platz 37: Leo Gabri­el Kohlbauer
Platz 49: Bernd Saurer
Platz 60: Gre­gor Amhof
Platz 74: Robert Podany
Platz 88: Hubert Erhart

Platz 20: Stefan Tüchler

Beschäf­tigt bei den Wie­ner Lini­en; Arbei­ter­kam­mer­rat Frei­heit­li­che Arbeit­neh­mer in Wien

2017 pos­tet Andre­as P. eines der Eier­no­ckerl-Pos­tings zu Hit­lers Geburts­tag am 20.4.: „Gera­de lecke­re Eier­no­ckerl mit grü­nen (sic!) Salat geges­sen“ und erhält dafür ein Like von Ste­fan Tüchler.

Eiernockerl-Posting am 20.4.17 gelikt von Stefan Tüchler (FB)
Eier­no­ckerl-Pos­ting am 20.4.17 gelikt von Ste­fan Tüch­ler (FB)

Platz 23: Reinhard Wansch

Bur­schen­schaf­ter, Mit­ar­bei­ter FPÖ Wien (EDV/IT)

Für den 27. Juni 2020 lud die deut­lich rechts­extre­me Bur­schen­schaft Olym­pia „deut­sche Frau­en“ und „deut­sche Män­ner“ mit einem Wehr­machts­bild zur Juni­bow­le. Einer der ein­ge­la­de­nen „deut­schen“ Män­ner war Rein­hard Wansch, der bei der Bur­schen­schaft Olym­pia aktiv ist.

Platz 36: Jan Staudigl

Frei­heit­li­che Jugend und Identitärer

Stau­digl war oder ist Obmann des RFJ Land­stra­ße und laut einem rechts­extre­men Maga­zin im Vor­stand des RFJ Wien. Er tritt regel­mä­ßig bei iden­ti­tä­ren Veranstaltungen/Demos auf.

Am 28.4.23 fand in den Räum­lich­kei­ten der Frei­heit­li­chen Jugend eine vom Pres­se­ser­vice Wien doku­men­tier­te Fei­er mit dem Retro-Chau­vi-Mot­to „Straight Kings statt Drag Queens“ statt, an der neben Mit­glie­dern der neo­na­zis­ti­schen „Tanz­bri­ga­de“ auch Stau­digl teilnahm.

Am 29. Juli 2023 trat Stau­digl in Wien bei einer rechts­extre­men Demo, an der auch etli­che ver­ur­teil­te Neo­na­zis teil­nah­men, als iden­ti­tä­rer Ban­ner­trä­ger auf. Im Skan­dal­vi­deo der Frei­heit­li­chen Jugend von letz­tem Som­mer spiel­te Stau­digl eine pro­mi­nen­te Rol­le: In einer Groß­ein­stel­lung ist er neben ande­ren als Schwarz­hemd­ler zu sehen.

Am 14.3.24 bei der FPÖ-Ver­an­stal­tung in Favo­ri­ten war Stau­digl einer jener, die den Puls24-Kame­ra­mann phy­sisch ange­gan­gen sind, was in einem Video des Pres­se­ser­vice Wien deut­lich zu sehen ist.

li.: Jan Staudigl als Bannerträger bei der Identitären-Demo am 29.7.23 in Wien; re.: Staudigl kurz nach dem Angriff auf den Kameramann von Puls24 am 14.3.24 in Wien-Favoriten (Bild 1: Ausschnitt Recherche.Netzwerk.Berlin; Bild 2: Screenshot Video Presseservice Wien)
li.: Jan Stau­digl als Ban­ner­trä­ger bei der Iden­ti­tä­ren-Demo am 29.7.23 in Wien; re.: Stau­digl kurz nach dem Angriff auf den Kame­ra­mann von Puls24 am 14.3.24 in Wien-Favo­ri­ten (Bild 1: Aus­schnitt Recherche.Netzwerk.Berlin; Bild 2: Screen­shot Video Pres­se­ser­vice Wien)

Platz 37: Leo Gabriel Kohlbauer

Bezirks­par­tei­ob­mann FPÖ Mariahilf

Kohl­bau­er war zwi­schen 2017 und 2020 Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter der FPÖ Wien und ist der­zeit im Rat­haus­klub der Wie­ner FPÖ beschäftigt.

2018 ver­däch­ti­gen er und der dama­li­ge Klub­ob­mann der FPÖ, Johann Gude­nus, einen Lehr­ling, der als Asyl­wer­ber aus Syri­en nach Öster­reich gekom­men war, ein Sym­pa­thi­sant der Ter­ror­mi­liz His­bol­lah gewe­sen zu sein und zei­gen ihn beim Ver­fas­sungs­schutz an. Der plum­pe Kri­mi­na­li­sie­rungs­ver­such miss­lang zwar, hat­te aber einen pikan­ten Hin­ter­grund. Eigent­lich soll­te damit dem Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Alex­an­der Van der Bel­len ans Zeug geflickt wer­den, weil der gemein­sam mit dem dama­li­gen ober­ös­ter­rei­chi­schen Inte­gra­ti­ons­lan­des­rat Anscho­ber den Betrieb des Lehr­lings besucht und den Lehr­ling als gelun­ge­nes Bei­spiel für Inte­gra­ti­on gelobt hat.

Kohl­bau­er ist schon seit Jah­ren ein gro­ßer Fan des rechts­au­tori­tä­ren unga­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Vik­tor Orbán und sei­ner Poli­tik. Als 2022 die EU-Kom­mis­si­on Ungarn wegen des­sen Gesetz gegen Homo­se­xua­li­tät ver­klagt, schafft es Kohl­bau­er, Geset­ze gegen Homo­se­xua­li­tät mit Geset­zen für Kin­der­schutz zu ver­bin­den und die Posi­ti­on der Kom­mis­si­on als Schan­de zu bezeichnen.

Leo Kohlbauer: "Eine Schande für Europa sind diese EU und Van der Leyen. Es bräuchte auch bei uns Gesetze zum Kinderschutz!" (FB)
Leo Kohl­bau­er: „Eine Schan­de für Euro­pa sind die­se EU und Van der Ley­en. Es bräuch­te auch bei uns Geset­ze zum Kin­der­schutz!” (FB)

Kohl­bau­er hat­te auch in frü­he­ren Jah­ren kei­ne Berüh­rungs­ängs­te mit außer­par­la­men­ta­ri­schen Rechts­extre­men wie den Iden­ti­tä­ren oder auch mit dem Chef der deut­schen Neo­na­zis von der NPD, Frank Franz, den er ger­ne bei Wit­zen (etwa über „Zecken“) lik­te, der aber auch ihn likte.

Kohlbauer likt Frank Franz (FB)
Kohl­bau­er likt Frank Franz (FB)

Kohl­bau­er ist auch ein erklär­ter Rassist.

3 Beispiele für Kohlbauers Rassismus (alle FB)
3 Bei­spie­le für Kohl­bau­ers Ras­sis­mus (alle FB)

Platz 49: Bernd Saurer

Klub­ju­rist im Rat­haus­klub FPÖ Wien

Sau­rer ist Kas­sier im Frei­heit­li­chen Bil­dungs­in­sti­tut Ost­ti­rol, das die Gold­bar­ren-Pen­si­on „Enzi­an“ in St. Jakob betrie­ben hat. Von 2018 bis 2021 sol­len laut Rech­nungs­hof vom Bun­des­kanz­ler­amt Mil­lio­nen an Aka­de­mie-För­de­run­gen nicht an das FBI im Bund, son­dern an das FBI Ost­ti­rol über­wie­sen wor­den sein. Eine Klä­rung der Ange­le­gen­heit steht aus.

Sau­rer war zwi­schen 2016 und 2018 nicht­amts­füh­ren­der Stadt­schul­rats­vi­ze­prä­si­dent. Bei sei­nem Amts­an­tritt ver­spra­chen Stra­che und Gude­nus, dass Sau­rer „das Amt mit Leben fül­len“ wer­de. Danach war von Sau­rer nichts mehr zu hören.

Platz 60: Gregor Amhof

Refe­rent in der Frei­heit­li­chen Aka­de­mie Wien, Bezirks­rat in Wien-Alsergrund

„pro­fil“ (30.9.10) schrieb über Amhof:

Ein Schuss Anti­se­mi­tis­mus ist offen­bar auch kein Scha­den. Gre­gor Amhof etwa hat­te sich mit Aus­sa­gen „gegen pri­vi­le­gier­te NS-Opfer, deren am Juden­platz gedacht wird, wäh­rend man Kriegs­to­ten und Toten an der Hei­mat­front öffent­li­che Auf­merk­sam­keit ver­wei­gert“, her­vor­ge­tan. Stra­che hat­te damals von einer „unglück­li­chen For­mu­lie­rung“ gespro­chen.

Hans Hen­ning Schar­sach schreibt in sei­nem Buch „Stra­che. Im brau­nen Sumpf“ (S. 249) über Gre­gor Amhof:

In einer Kolum­ne zum ‚Gedenk­jahr‘ in der Bezirks­zei­tung setzt er Kriegs­to­te mit NS-Opfern gleich. Die­se wer­den von ihm in dreis­ter Geschichts­fäl­schung mit 80.000 statt der his­to­risch ver­bürg­ten sechs Mil­lio­nen bezif­fert und nicht als Ermor­de­te, son­dern als „in der Kriegs­zeit als Lager- oder Jus­tiz­op­fer“ Umge­kom­me­ne bezeichnet.

Platz 74: Robert Podany

Am 15.11.22 fand ein Wie­der­be­tä­ti­gungs­pro­zess gegen den Neo­na­zi Peter J.S. statt, der zu 24 Mona­ten bedingt ver­ur­teilt wur­de. Im Pro­zess kam zur Spra­che, dass er vom Neo­na­zi-Häupt­ling Küs­sel eine Mail mit Ein­la­dung zu einem „Hel­den­ge­den­ken“ mit Vor­trag eines alten SS-Man­nes erhal­ten und die­se an Robert Poda­ny wei­ter­ge­schickt habe.

Am 9.11.19 war Poda­ny „teil­wei­se ver­mummt“ beim all­jähr­li­chen Auf­marsch von Rechts­extre­men und Neo­na­zis am Grab des Nazi-Flie­gers Wal­ter Nowot­ny. Er hat zumin­dest auch 2017 und 2018 an dem Neo­na­zi-Auf­marsch teilgenommen.

„FPÖ Fails“ doku­men­tier­te 2018 ein Pos­ting von Poda­ny, in dem er – wie ande­re aus der FPÖ – ein Foto aus der Net­flix-Serie „Dogs of Ber­lin“, das eine Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen einem Poli­zis­ten und einem Mann mit dunk­le­rem Teint simu­liert, für bare Mün­ze nahm und zu dem het­ze­ri­schen Kom­men­tar „Die Zukunft wird sein das Poli­zei und Bun­des­wehr unter­wan­dert wird und sich dann gegen uns stellt…” ant­wor­te­te: „mei red“.

Robert Podany: "mei red" (FB 18.5.18)
Robert Poda­ny: „mei red” (FB 18.5.18)

Die Watch­dog-Grup­pe „Hei­mat ohne Hass“ recher­chier­te 2015 inten­siv zu Robert Poda­ny, der damals Bezirks­rat der FPÖ in Wien-Donau­stadt war und wid­me­te ihm einen aus­führ­li­chen Bei­trag. Poda­ny bekun­de­te etwa damals schon akti­ves Inter­es­se an die Iden­ti­tä­ren und kün­digt Teil­nah­me an deren Demo (6.6.15) an. Doku­men­tiert wur­den auch inten­si­ve Kon­tak­te zur deut­schen Neo­na­zi-Grup­pe „Die Rech­te Dortmund“.

Als 2015 ein Soli­da­ri­täts­kon­zert für Geflüch­te­te mit den Toten Hosen, Sei­ler & Speer, Soap & Skin usw. statt­fand, kom­men­tier­te das ein alt­be­kann­ter Rechts­extre­mer auf Face­book mit „Schan­de“ und erhielt dafür ein ein­zi­ges Like: von Robert Podany.

Podany likt "schande." (FB)
Poda­ny likt „schan­de.” (FB)

Poda­ny fun­gier­te als Platz­spre­cher des FC Hel­las Kagran in der Zeit, als Mar­tin Graf und ande­re den Ver­ein auf Rechts trimm­ten.

Platz 88: Hubert Erhart

FPÖ-Par­la­ments­klub, Burschenschafter

Erhart war Mit­glied der neo­na­zis­ti­schen VAPO (Volks­treue Außer­par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on) des Gott­fried Küs­sel, die in den 1990er-Jah­ren zer­schla­gen wur­de. Erhart ist Mit­glied der deut­lich rechts­extre­men Bur­schen­schaft Teu­to­nia, die damals eini­ge VAPO-Akti­vis­ten stell­te. In einem Gespräch mit der APA 2017 distan­zier­te er sich von sei­nen dama­li­gen Akti­vi­tä­ten: „Das ist 30 Jah­re her” – und seit­dem wür­den ‚kei­ne Kon­tak­te‘ mehr mit die­ser Sze­ne bestehen.“ (APA zit. nach derstandard.at, 21.12.17)

Ganz so ist das aller­dings nicht. Sei­ne Fir­ma „Strahl­werk“, mit der er noch immer aktiv ist, inse­rier­te 2015 in der rechts­extre­men Zeit­schrift „Info-Direkt“ ganz­sei­tig. Auf Face­book blitzt immer wie­der eine ewig­gest­ri­ge Hal­tung durch: als er etwa am 24. Dezem­ber 2016 mit einem Wehr­machts­su­jet „Fro­he Weih­nach­ten“ wünsch­te. Distanz sieht anders aus!

Erhart wünscht mit dem Sujet "Deutsche Weihnacht 1940 Weihnachtsringsendung" 2016 "Frohe Weihnachten"
Erhart wünscht mit dem Sujet „Deut­sche Weih­nacht 1940 Weih­nachts­ring­sen­dung” 2016 „Fro­he Weihnachten”

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Schlagwörter: FPÖ | Hetze | Neonazismus/Neofaschismus | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Rechtsextremismus | Wien

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