Der Fassadenreiniger beim FPÖ-Historikerbericht

Nein, das wird kein Bericht über den fehlen­den Bericht der FPÖ-His­torik­erkom­mis­sion. Es wird auch keine Analyse der geschön­ten 32-seit­i­gen „Zusam­men­fas­sung“ des zurück­ge­hal­te­nen Rohberichts. Wobei – so ganz stimmt das nicht! Wir beziehen uns näm­lich auf die Presseaussendung von SOS-Mit­men­sch, wonach ein FPÖ-Mitar­beit­er mit Neon­azi-Ver­gan­gen­heit Hand an die „Zusam­men­fas­sung“ des unfer­ti­gen Rohberichts gelegt hat. Darauf hingewiesen hat­te bere­its der Pla­giat­sjäger Ste­fan Weber in einem ver­nich­t­en­dem Gutacht­en zur Zusam­men­fas­sung des blauen Rohberichts. Das hat was: Ein Fas­saden­reiniger ver­sucht die FPÖ-Fas­sade zu reinigen?!

Der Rei­he nach: Hubert Erhart heißt der FPÖ-Mitar­beit­er, der mit dem Bear­beit­en der 32-seit­i­gen (im Kern nur 20-seit­i­gen) „Zusam­men­fas­sung“ beschäftigt war – irgend­wie halt. Hubert Erhart war vor etlichen Jahren Kam­er­ad­schafts­führer bei Got­tfried Küs­sels „Volk­streuer Außer­par­la­men­tarisch­er Oppo­si­tion“ (VAPO). Das ist Schnee von gestern, sagt der Hubert heute, er habe keine Kon­tak­te mehr in die Szene, damals – vor 30 Jahren- sei er „dumm und jung“ gewe­sen. Was ist er jetzt?

Hubert Erhart ist heute nicht nur Mitar­beit­er im FPÖ-Par­la­mentsklub, son­dern auch nach wie vor ein stram­mer Burschen­schafter bei der extrem recht­en und anti­semi­tis­chen „Teu­to­nia“ Wien. Mit­tler­weile natür­lich Alter Herr. Ist er altersmilde gewor­den, hat er wirk­lich keine Kon­tak­te mehr in die braune Szene? Was hat der Hubert an der „Zusam­men­fas­sung“ des unfer­ti­gen Bericht­es herumge­fum­melt? Hat er sie gar redigiert?

Die FPÖ erk­lärt im „Stan­dard“, dieser Vor­wurf sei „lächer­lich“: „Erhart habe einzig und allein das ursprüngliche Rohberichts­doku­ment in ein PDF-For­mat umge­wan­delt.“ Wir kön­nen das nicht überprüfen.

Was wir aber einiger­maßen überblick­en kön­nen, sind Huberts Kon­tak­te nach ganz rechts. Nicht die vor dreißig Jahren, son­dern die von heute. Wobei – eine Ergänzung ist uns schon wichtig! Das mit den 30 Jahren stimmt nur sehr bed­ingt. Vor unge­fähr 30 Jahren erfol­gte der Ein­stieg in die Neon­azi-Organ­i­sa­tion VAPO – laut Anklage. Hubert Erhart war dem­nach 10 Jahre lang, bis 1997, bei der VAPO, deren erk­lärtes Ziel die Besei­t­i­gung der sou­verä­nen Repub­lik Öster­re­ich und ihre Wiedere­ingliederung in ein neues „Deutsches Reich“ war. 1999 musste sich Hubert Erhart näm­lich wegen des Ver­dachts der Wieder­betä­ti­gung vor einem Geschwore­nen­gericht in Wien ver­ant­worten. Trotz sein­er langjähri­gen Aktiv­ität in der VAPO ver­suchte Kam­er­ad­schafts­führer Hubert seine Aktiv­ität kleinzure­den, beze­ich­nete die VAPO als Clique, als „Fre­und­schaftsver­band“. Der Prozess wurde damals vertagt, weil Got­tfried Küs­sel nicht vor Gericht erschienen war. (Über die Fort­set­zung der Ver­hand­lung und das Urteil der Geschwore­nen ist kein Medi­en­bericht zu finden.)

Zurück in die Gegen­wart, in der der Hubert 2017 im FPÖ-Klub angekom­men ist und gar nix mehr mit der Ver­gan­gen­heit zu tun haben will. Eigentlich reicht da schon die Teu­to­nia, die inner­halb ihres Dachver­ban­des, der Deutschen Burschen­schaft, und dort inner­halb der extrem recht­en Burschen­schaftlichen Gemein­schaft ganz rechts ange­siedelt ist, um das zu wider­legen. Ein kurz­er Blick auf das Face­book-Kon­to von Hubert Erhart zeigt uns, dass er nach wie vor mit so illus­tren Per­sön­lichkeit­en wie der „SS-Lily“ Kon­takt hält (aber das trifft für echte FPÖ- Größen auch zu). Dass er sich zum Namen­stag 2018 einen Holzschnitt des NS-Kün­stlers Svit­bert Lobiss­er auf seine FB-Chronik stellt, passt zwar irgend­wie auch ins Bild, fällt aber in ein­er burschen­schaftlichen Umge­bung nicht wirk­lich auf.

Inter­es­sant ist da schon was anderes. Als 2015 das recht­sex­treme Blättchen „Info- Direkt“ aus den Kadern des ehe­mals neon­azis­tis­chen Bun­des freier Jugend (BfJ) gegrün­det wurde, stellte sich in der Nr. 4 (2015) eine Fir­ma Strahlw­erk großzügig mit einem ganz­seit­i­gen Inser­at ein. Die Fir­ma Strahlw­erk stellte sich dabei als Spezial­ist für Fas­saden­reini­gung vor, ver­gaß aber im Inser­at darauf hinzuweisen, wo sie zuhause und wie sie tele­fonisch zu erre­ichen ist, wenn’s pressiert mit der Fassadenreinigung.

Strahlwerk-Inserat auf "Info Direkt" 4/2015 ganzseitig

Strahlw­erk-Inser­at auf „Info Direkt” 4/2015 ganzseitig

Das Fir­men­buch wies damals den Hubert Erhart als Inhab­er der Fir­ma für Ober­flächen­sanierung und Fas­saden­reini­gung und damit auch Finanzi­er des ver­rät­sel­ten Inser­ats aus. Von wegen keine Kon­tak­te mehr in die Szene!

STRAHLWERK Oberflächensanierung & Graffitientfernung e.U.: Eigentümer Hubert Erhart

STRAHLWERK Ober­flächen­sanierung & Graf­fi­tient­fer­nung e.U.: Eigen­tümer Hubert Erhart

Da ist es dann auch schon fast egal, ob der Spezial­ist für Ober­flächen­sanierung und Fas­saden­reini­gung bei der dürfti­gen Fas­sade des FPÖ-His­toriker­berichts nur einen Mausklick oder doch mehr gemacht hat. Der Fas­saden­reiniger und Ober­flächen­sanier­er mit VAPO-Ver­gan­gen­heit und Info-Direkt-Inser­at beim FPÖ-His­toriker­bericht – das erzählt mehr über die FPÖ als tausend Seit­en FPÖ-Historikerbericht!

Erhart erkundigt sich nach einer "Original Reichsuhr"

Erhart erkundigt sich nach ein­er „Orig­i­nal Reichsuhr”

Erhart wünscht mit dem Sujet "Deutsche Weihnacht 1940 Weihnachtsringsendung" 2016 "Frohe Weihnachten"

Erhart wün­scht mit dem Sujet „Deutsche Wei­h­nacht 1940 Wei­h­nacht­sringsendung” 2016 „Fro­he Weihnachten”

Erhart fragt nach Menschen wie seinen Großvater: "Großvater ... Wo sind sie, die ohne Rücksicht auf eigenes Leben, ohne wenn und aber für unser Land einstehen? Wo sind sie, die sich dem Verderben ausliefern, um uns zu beschützen?"

Erhart fragt nach Men­schen wie seinen Groß­vater: „Groß­vater … Wo sind sie, die ohne Rück­sicht auf eigenes Leben, ohne wenn und aber für unser Land ein­ste­hen? Wo sind sie, die sich dem Verder­ben aus­liefern, um uns zu beschützen?” (Dazu postete er das Bild eines Ordens aus dem Kärnt­ner Abwehrkampf.)