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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Der Fassadenreiniger beim FPÖ-Historikerbericht

Nein, das wird kein Bericht über den feh­len­den Bericht der FPÖ-His­to­ri­ker­kom­mis­si­on. Es wird auch kei­ne Ana­ly­se der geschön­ten 32-sei­ti­gen „Zusam­men­fas­sung“ des zurück­ge­hal­te­nen Roh­be­richts. Wobei – so ganz stimmt das nicht! Wir bezie­hen uns näm­lich auf die Pres­se­aus­sendung von SOS-Mit­mensch, wonach ein FPÖ-Mit­ar­bei­ter mit Neo­na­zi-Ver­gan­gen­heit Hand an die „Zusam­men­fas­sung“ des unfer­ti­gen Roh­be­richts gelegt hat. Das hat was: Ein Fas­sa­den­rei­ni­ger ver­sucht die FPÖ-Fas­sa­de zu reinigen?

13. Aug. 2019

Hubert Erhart heißt der FPÖ-Mit­ar­bei­ter, der mit dem Bear­bei­ten der 32-sei­ti­gen (im Kern nur 20-sei­ti­gen) „Zusam­men­fas­sung“ beschäf­tigt war – irgend­wie halt. Erhart war vor etli­chen Jah­ren Kame­rad­schafts­füh­rer bei Gott­fried Küs­sels „Volks­treu­er Außer­par­la­men­ta­ri­scher Oppo­si­ti­on“ (VAPO). Das ist Schnee von ges­tern, sagt der Hubert heu­te, er habe kei­ne Kon­tak­te mehr in die Sze­ne, damals – vor 30 Jah­ren – sei er „dumm und jung“ gewe­sen. Was ist er jetzt?

Hubert Erhart ist heu­te nicht nur Mit­ar­bei­ter im FPÖ-Par­la­ments­klub, son­dern auch nach wie vor ein stram­mer Bur­schen­schaf­ter bei der extrem rech­ten und anti­se­mi­ti­schen „Teu­to­nia“ Wien. Mitt­ler­wei­le natür­lich Alter Herr. Ist er alters­mil­de gewor­den, hat er wirk­lich kei­ne Kon­tak­te mehr in die brau­ne Sze­ne? Was hat er an der „Zusam­men­fas­sung“ des unfer­ti­gen Berich­tes her­um­ge­fum­melt? Hat er sie gar redigiert?

Die FPÖ erklärt im „Stan­dard“ (12.8.19), die­ser Vor­wurf sei „lächer­lich“: „Erhart habe ein­zig und allein das ursprüng­li­che Roh­be­richts­do­ku­ment in ein PDF-For­mat umge­wan­delt.“ Wir kön­nen das nicht über­prü­fen. Was wir aber eini­ger­ma­ßen über­bli­cken kön­nen, sind Erharts Kon­tak­te nach ganz rechts. Nicht die vor drei­ßig Jah­ren, son­dern die von heu­te. Wobei: Eine Ergän­zung ist uns schon wich­tig! Das mit den 30 Jah­ren stimmt nur sehr bedingt. Vor unge­fähr 30 Jah­ren erfolg­te der Ein­stieg in die Neo­na­zi-Orga­ni­sa­ti­on VAPO – laut Ankla­ge. Hubert Erhart war dem­nach zehn Jah­re lang, bis 1997, bei der VAPO, deren erklär­tes Ziel die Besei­ti­gung der sou­ve­rä­nen Repu­blik Öster­reich und ihre Wie­der­ein­glie­de­rung in ein neu­es „Deut­sches Reich“ war.

1999 muss­te sich Hubert Erhart laut „Wie­ner Zei­tung” wegen des Ver­dachts der Wie­der­be­tä­ti­gung vor einem Geschwo­re­nen­ge­richt in Wien ver­ant­wor­ten. Trotz sei­ner lang­jäh­ri­gen Akti­vi­tät in der VAPO ver­such­te Kame­rad­schafts­füh­rer Hubert sei­ne Akti­vi­tät klein­zu­re­den, bezeich­ne­te die VAPO als Cli­que, als „Freund­schafts­ver­band“. Der Pro­zess wur­de damals ver­tagt, weil Gott­fried Küs­sel nicht vor Gericht erschie­nen war. (Über die Fort­set­zung der Ver­hand­lung und das Urteil der Geschwo­re­nen ist kein Medi­en­be­richt zu finden.)

Zurück in die Gegen­wart, in der der Erhart 2017 im FPÖ-Klub ange­kom­men ist und gar nichts mehr mit der Ver­gan­gen­heit zu tun haben will. Eigent­lich reicht da schon die Teu­to­nia, die inner­halb ihres Dach­ver­ban­des, der Deut­schen Bur­schen­schaft, und dort inner­halb der extrem rech­ten Bur­schen­schaft­li­chen Gemein­schaft ganz rechts ange­sie­delt ist, um das zu wider­le­gen. Ein kur­zer Blick auf den Face­book-Account von Hubert Erhart zeigt uns, dass er nach wie vor mit so illus­tren Per­sön­lich­kei­ten wie der „SS-Lily“ Kon­takt hält (aber das trifft für ech­te FPÖ-Grö­ßen eben­falls zu). Dass er sich zum Namens­tag 2018 einen Holz­schnitt des NS-Künst­lers Svitbert Lobis­ser auf sei­ne FB-Chro­nik stellt, passt zwar auch ins Bild, fällt aber in einer bur­schen­schaft­li­chen Umge­bung nicht wirk­lich auf.

Inter­es­sant ist da schon was ande­res. Als 2015 das rechts­extre­me Blätt­chen „Info-Direkt“ aus den Kadern des ehe­mals neo­na­zis­ti­schen Bun­des frei­er Jugend (BfJ) gegrün­det wur­de, war in der Nr. 4 (2015) ein groß­zü­gi­ges ganz­sei­ti­ges Inse­rat zu fin­den. Die Fir­ma „Strahl­werk” stell­te sich dabei als Spe­zia­list für Fas­sa­den­rei­ni­gung vor, ver­gaß aber im Inse­rat dar­auf hin­zu­wei­sen, wo sie zuhau­se und wie sie tele­fo­nisch zu errei­chen ist, wenn’s pres­siert mit der Fassadenreinigung.

Strahlwerk-Inserat auf "Info Direkt" 4/2015 ganzseitig
Strahl­werk-Inse­rat auf „Info Direkt” 4/2015 ganzseitig

Das Fir­men­buch wies damals Hubert Erhart als Inha­ber der Fir­ma für Ober­flä­chen­sa­nie­rung und Fas­sa­den­rei­ni­gung und damit auch als Finan­zier des ver­rät­sel­ten Inse­rats aus. Von wegen kei­ne Kon­tak­te mehr in die Szene!

STRAHLWERK Oberflächensanierung & Graffitientfernung e.U.: Eigentümer Hubert Erhart
STRAHLWERK Ober­flä­chen­sa­nie­rung & Graf­fi­ti­ent­fer­nung e.U.: Eigen­tü­mer Hubert Erhart

Da ist es dann auch schon fast egal, ob der Spe­zia­list für Ober­flä­chen­sa­nie­rung und Fas­sa­den­rei­ni­gung bei der dürf­ti­gen Fas­sa­de des FPÖ-His­to­ri­ker­berichts nur einen Maus­klick oder doch mehr gemacht hat. Der Fas­sa­den­rei­ni­ger und Ober­flä­chen­sa­nie­rer mit VAPO-Ver­gan­gen­heit und Info-Direkt-Inse­rat beim FPÖ-His­to­ri­ker­bericht – das erzählt mehr über die FPÖ als tau­send Sei­ten FPÖ-Historikerbericht!

Erhart erkundigt sich nach einer "Original Reichsuhr"
Erhart erkun­digt sich nach einer „Ori­gi­nal Reichsuhr”
Erhart wünscht mit dem Sujet "Deutsche Weihnacht 1940 Weihnachtsringsendung" 2016 "Frohe Weihnachten"
Erhart wünscht mit dem Sujet „Deut­sche Weih­nacht 1940 Weih­nachts­ring­sen­dung” 2016 „Fro­he Weihnachten”
Erhart fragt nach Menschen wie seinen Großvater: "Großvater ... Wo sind sie, die ohne Rücksicht auf eigenes Leben, ohne wenn und aber für unser Land einstehen? Wo sind sie, die sich dem Verderben ausliefern, um uns zu beschützen?"
Erhart fragt nach Men­schen wie sei­nen Groß­va­ter: „Groß­va­ter … Wo sind sie, die ohne Rück­sicht auf eige­nes Leben, ohne wenn und aber für unser Land ein­ste­hen? Wo sind sie, die sich dem Ver­der­ben aus­lie­fern, um uns zu beschüt­zen?” (Dazu pos­te­te er das Bild eines Ordens aus dem Kärnt­ner Abwehrkampf.)

 

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