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Manuel E.: Mit Kampfsport-Soundtrack zum Neonazi-ExportschlagerLesezeit: 4 Minuten

Wenn Manu­el E. heu­te auf der Ankla­ge­bank im Inns­bru­cker Lan­des­ge­richt Platz nimmt, kann er bereits auf eini­ge Gerichts­er­fah­run­gen mit nach­fol­gen­der Haft zurück­bli­cken. Der 38-Jäh­ri­­ge ist seit Jahr­zehn­ten eine fixe Grö­ße im orga­ni­sier­ten Neo­na­zis­mus. Nun droht ihm erneut eine Haft­stra­fe. Manu­el E. wur­de Ende Okto­ber 2023 in Unter­su­chungs­haft genom­men. Weni­ge Wochen davor war er am „Gerd […]

11. Mrz 2024
Manuel E. (Fotocollage "Runter von der Matte")
Manuel E. (Fotocollage "Runter von der Matte")

Manu­el E. wur­de Ende Okto­ber 2023 in Unter­su­chungs­haft genom­men. Weni­ge Wochen davor war er am „Gerd Hon­sik-Euro­pa­kon­gress“ in Wien auf­ge­tre­ten. Von Neo­na­zis ver­öf­fent­lich­te Fotos zei­gen ihn neben dem ita­lie­ni­schen Faschis­ten Davi­de Bran­ca­gli­on und dem schwe­di­schen Neo­na­zi Fre­d­rik Vej­de­land. Im Ver­hand­lungs­ka­len­der des Lan­des­ge­richts (1) ist ver­merkt, dass E. am Neo­na­zi-Kon­gress selbst als Red­ner auf­ge­tre­ten sei. Ob das auch ein Ankla­ge­punkt ist, wird die Ver­hand­lung zei­gen. Es wäre vor dem Hin­ter­grund, dass der Innen­mi­nis­ter noch im Dezem­ber in einer Anfra­ge­be­ant­wor­tung behaup­te­te, Den Sicher­heits­be­hör­den war der besag­te Kon­gress bekannt. Im Zusam­men­hang mit der Ver­an­stal­tung wur­den kei­ne Straf­ta­ten ver­zeich­net.“, eine Überraschung.

Manuel E.: Bestens vernetzt!

E.s Ver­haf­tung hat auch außer­halb Öster­reichs eini­gen Wir­bel ver­ur­sacht, denn der in Lienz leben­de Mann ist bes­tens ver­netzt – bis nach Russ­land: als Kampf­sport­ler, als Musi­ker und als Pro­mo­tor von Sze­ne­klei­dung. Bereits 2010 über­nahm ein rus­si­sches Nazi-Por­tal einen Bericht aus „Alter­me­dia“ über E., der damals noch einen ande­ren Nach­na­men führte.

Manu­el hat­te — als poli­ti­scher Häft­ling — bereits das „Glück”, alle „Freu­den” des kri­mi­nel­len Ter­rors in einem öster­rei­chi­schen Gefäng­nis zu erle­ben, wo er zwei Jah­re und fünf Mona­te inhaf­tiert war. (…) Im Mai 2008 wur­de Manu­el S. [Name abge­kürzt] ent­las­sen. Nach sei­ner Haft­ent­las­sung enga­gier­te sich Manu­el S. wie­der im natio­na­len Milieu im Kampf für die Frei­heit sei­nes Hei­mat­lan­des Österreich.

Sein erneu­tes Enga­ge­ment führ­te E. 2010 wie­der vor Gericht, wo er aller­dings mit einer Bewäh­rungs­stra­fe davon­kam (2). Wie vie­le ein­schlä­gi­ge Ver­ur­tei­lun­gen der Schlä­ger und Neo­na­zi Manu­el E. bis heu­te wirk­lich abkas­siert hat, wird wohl der aktu­el­le Pro­zess zei­gen. Bis 2010 sei E. sechs Mal vor Gericht „gezerrt“ wor­den, wis­sen die brau­nen Kame­ra­den vom „Frei­en Netz Süd“ in einem Pos­ting zu berichten.

„Propagandamaschine aus der Ostmark“

Als Musi­ker war E. mit Band­na­men wie „Feu­er­nacht“ und „Ter­ror­sph­ära“ unter­wegs. 2012 bewirbt das Label „O.P.O.S. Records“ eine CD-Pro­duk­ti­on von „Feu­er­nacht“ als „Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne aus der Ost­mark“. Dort fin­den sich Titel und Tex­te, die an Ein­schlä­gig­keit nichts ver­mis­sen lassen:

Strei­fe ab den Fluch der Mas­se, die vom Zeit­geist wird genährt.
Deren Art das edle Leben hasst, doch frem­des Fleisch begehrt.
Wenn Dein Zorn kreuzt Ihre Wege, der den Blut­krieg raufbeschwört,
wird der Tod einst rich­ten jene, wel­che nicht des Lebens wert. (CD „Kampf Macht Frei!“)

E. sei „Mul­ti-Funk­tio­när der Sze­ne und vor allem durch sein Wir­ken bei der NS-Hard­core-Band «Ter­ror­sph­ära» bekannt. Die Band sticht mit ihrer Auf­ma­chung, Pro­duk­ti­on und dem musi­ka­li­schen Kön­nen der Mit­glie­der aus die­sem Gen­re des Rechts­Rock deut­lich her­aus und erreicht Per­so­nen über die Neo­na­zi­sze­ne hin­aus. Sie ist fak­tisch der Sound­track zum «Kampf der Nibe­lun­gen» und iko­nisch für die extrem rech­te Kampf­sport­sze­ne.“, schreibt das Por­tal „Exif Recher­che“ im Dezem­ber 2023.

Seit eini­gen Jah­ren tritt E. als Rap­per „Kom­baat“ auf. Die Musik beinhal­te laut Eigen­be­schrei­bung zu einem mar­tia­li­schem Video aggres­si­ven, nach vor­ne peit­schen­den Deutschrap (…) Die deutsch — öster­rei­chi­sche Jugend ist wütend! Und sie macht kei­ne Anstal­ten, es zu verbergen!“

Manuel E. als "Kombaat" (Screenshot Video "Kombaatologie")
Manu­el E. als „Kom­baat” (Screen­shot Video „Kom­baa­to­lo­gie”)

Tex­te von „Feu­er­nacht“ und „Ter­ror­sph­ära“ sind Teil der Ankla­ge im heu­ti­gen Inns­bru­cker Pro­zess – fragt sich nur, war­um erst jetzt, da E. als Mit­glied die­ser Bands bereits seit lan­ger Zeit bekannt ist.

➡️ zum Pro­zess: Neo­na­zi-Rap­per als Hochrisiko-Gefährder

Fuß­no­ten

1 Ver­hand­lungs­ka­len­der LG Innsbruck

Anklage nach dem Verbots- und Waffengesetz: "Der 38-jährige Angeklagte soll in Lienz für Dritte sichtbar in seiner Wohnung NS-Literatur (u.a. von Joseph Goebbels) und die mit einer Lebensrune versehene Taufkerze seines Sohnes aufbewahrt und Kleidungsstücke mit verbotsgesetzrelevanten Symbolen (u.a. Hakenkreuz) getragen haben, per Handy Fotos und Filme von sich beim Ausführen des Hitlergrußes versendet und versucht haben, seine 16-jährige Stieftochter mit NS- Gedankengut zu indoktrinieren, indem er sie mit einschlägiger NS-Kinderbuchliteratur versorgte (etwa „Kinder, was wisst ihr vom Führer" oder „Mutter, erzähl von Adolf Hitler")m [sic!] als Sänger und Gitarrist der rechtsextremen Bands „Feuernacht" und „Terrorsphära" Lieder mit NS-texten komponiert haben und am 7.10.2023 beim '1. Gerd Honsik-Europa Kongress' in Wien eine Rede gehalten haben" (Verhandlungskalender LG Innsbruck)
Ankla­ge nach dem Ver­bots- und Waf­fen­ge­setz: „Der 38-jäh­ri­ge Ange­klag­te soll in Lienz für Drit­te sicht­bar in sei­ner Woh­nung NS-Lite­ra­tur (u.a. von Joseph Goeb­bels) und die mit einer Lebens­ru­ne ver­se­he­ne Tauf­ker­ze sei­nes Soh­nes auf­be­wahrt und Klei­dungs­stü­cke mit ver­bots­ge­setz­re­le­van­ten Sym­bo­len (u.a. Haken­kreuz) getra­gen haben, per Han­dy Fotos und Fil­me von sich beim Aus­füh­ren des Hit­ler­gru­ßes ver­sen­det und ver­sucht haben, sei­ne 16-jäh­ri­ge Stief­toch­ter mit NS-
Gedan­ken­gut zu indok­tri­nie­ren, indem er sie mit ein­schlä­gi­ger NS-Kin­der­buch­li­te­ra­tur ver­sorg­te (etwa „Kin­der, was wisst ihr vom Füh­rer” oder „Mut­ter, erzähl von Adolf Hitler”)m [sic!] als Sän­ger und Gitar­rist der rechts­extre­men Bands „Feu­er­nacht” und „Ter­ror­sph­ära” Lie­der mit NS-tex­ten kom­po­niert haben und am 7.10.2023 beim ‚1. Gerd Hon­sik-Euro­pa Kon­gress’ in Wien eine Rede gehal­ten haben” (Ver­hand­lungs­ka­len­der LG Innsbruck)
2 Im Pro­zess am 11.3.24 wur­de vom Ange­klag­ten erwähnt, dass das Urteil auf­ge­ho­ben wor­den sei. Wir kön­nen die Rich­tig­keit die­ser Aus­sa­ge nicht überprüfen.

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