Lesezeit: 6 Minuten

Rückblick KW 25/23 (II): Germanisches Unheil & SprengstoffLesezeit: 6 Minuten

Neben den Pro­zes­sen wegen Wie­der­be­tä­ti­gung gab es in der Vor­wo­che auch noch aktu­el­le Wie­der­be­tä­ti­gung – zumin­dest die Berich­te dazu stam­men aus der Vor­wo­che. Die „Ger­ma­ni­sche Neue Medi­zin” fin­det noch immer ihre Fans und Pro­pa­gan­dis­ten – trotz ihrer teil­wei­se töd­li­chen Wir­kun­gen, für die natür­lich jede Haf­tung aus­ge­schlos­sen wird. Schließ­lich wird gegen das omi­nö­se Ver­schwö­rer­quar­tett aus Kleindiex […]

27. Jun 2023
Teil der bislang in Kleindiex/Ruden aufgefundenen Schusswaffen (© LPD Kärnten)
Teil der bislang in Kleindiex/Ruden aufgefundenen Schusswaffen (© LPD Kärnten)

Graz: Aus für die „84er Jungs“ nach Wiederbetätigung
Tirol: Wiederbetätigung an Schulen ein Problem
Zell an der Pram/OÖ: Germanische Medizinschwurbler tagen im Schloss
Weimar/D: Freund der GNM und von Anastasia nach Ausladungen wieder dabei
Kleindiex-Klagenfurt: Strafanträge gegen sprengstoffhaltige Verschwörer

Graz: Aus für die „84er Jungs“ nach Wiederbetätigung

Der Ver­ein GAK, neben Kon­kur­rent Sturm der zwei­te bekann­te Gra­zer Fuß­ball­klub, und sei­ne Fan­kur­ve haben sehr rasch reagiert. Nach­dem am Wochen­en­de 17./18.6. ein Foto auf­tauch­te, das etwa zehn Per­so­nen zeigt, die auf einem Bal­kon den Hit­ler­gruß zei­gen, dazu noch ein Trans­pa­rent mit der Inschrift „Divi­si­on 84“ (wobei das „S“ in Divi­si­on wie die Sig-Rune aus­ge­führt ist), hat die Fan­kur­ve des GAK sofort reagiert: „Inner­halb weni­ger Stun­den wur­den Maß­nah­men gegen die Grup­pie­rung ergrif­fen und die Auf­lö­sung des Fan­klubs gefor­dert“, berich­tet „Liga­por­tal“.

Auch der Vor­stand des GAK hat sich dar­auf­hin in einer Erklä­rung von dem Vor­fall distan­ziert und den Aus­schluss aus dem Ver­ein ange­kün­digt, falls es sich um Mit­glie­der han­deln soll­te. Der betrof­fe­ne Fan­klub der „84er Jungs“ hat auf sei­ner Face­book-Sei­te gleich am 18.6. sei­ne Selbst­auf­lö­sung ver­kün­det. Noch vor der Auf­lö­sung sind anschei­nend Mit­glie­der des Fan­klubs aus Pro­test gegen die mut­maß­li­che Wie­der­be­tä­ti­gung aus­ge­tre­ten. Angeb­lich ist der Fan­klub, den es seit 2016 gab, vor­her nie durch rechts­extre­me Akti­vi­tä­ten auf­ge­fal­len. Die mar­tia­li­sche Selbst­in­sze­nie­rung „GAK bis in den Tod“ passt nicht ganz in die­ses Bild.

Der Vor­fall selbst hat sich anschei­nend auf einer Fan­fahrt in Ungarn ereig­net und ist mitt­ler­wei­le nach einer Anzei­ge Gegen­stand einer Über­prü­fung durch die Staats­an­walt­schaft Graz.

Aufgelöst nach Hitlergruß: "84er Jungs" (Screenshot FB)
Auf­ge­löst nach Hit­ler­gruß: „84er Jungs” (Screen­shot FB)

Tirol: Wiederbetätigung an Schulen ein Problem

Es ist nur ein kur­zer Satz in einem Bericht der Tiro­ler Tages­zei­tung“ (18.6.23) über stark gestie­ge­ne Zah­len bei Schul­sus­pen­die­run­gen nach der Coro­na-Pan­de­mie, aber der hat es in sich: „In den höhe­ren Schul­stu­fen ist Wie­der­be­tä­ti­gung ein Pro­blem.“ Wer weiß mehr?

Zell an der Pram/OÖ: Germanische Medizinschwurbler tagen im Schloss

Zwi­schen 26.6. und 1.7. ver­sam­meln sich Fans der Ger­ma­ni­schen Neu­en Medi­zin (GNM) , die schon vie­le Kran­ke zu Tode gebracht hat, im Schloss Zell an der Pram zum Semi­nar „Natur­nah“. Die Ver­an­stal­ter rech­nen mit bis zu 100 Per­so­nen, die viel Geld dafür zah­len, dass sie die Inter­pre­ta­tio­nen der anti­se­mi­ti­schen GNM des Ryke Geerd Hamer und sei­ner fünf bio­lo­gi­schen Natur­ge­set­ze durch die Adep­ten Nico­las Bar­ro und Mar­co Pfis­ter anhö­ren dür­fen. Nach dem Tod des öster­rei­chi­schen Platz­hir­schen für Hamer-Inter­pre­ta­ti­on, Hel­mut Pil­har, in Para­gu­ay drän­geln Leu­te wie der Bar­be­sit­zer Mar­co Pfis­ter, der von Hamer noch als Ver­rä­ter abqua­li­fi­ziert wur­de, und Nico­las Bar­ro, über den ziem­lich ein­deu­ti­ge Beschrei­bun­gen sei­ner ver­gan­ge­nen Jah­re exis­tie­ren, auf den hei­mi­schen Markt, um hier abzukassieren.

Wer sich mit den Ver­an­stal­tern regres­sie­ren will, könn­te Pech haben. Das Impres­sum weist Bar­ro mit einer Adres­se in Zan­zi­bar Town (Tan­sa­nia) aus. Auf­schluss­reich ist ohne Zwei­fel das, was sonst noch im Impres­sum steht: Bar­ro distan­ziert sich qua­si von sich selbst.

Bei den Tex­ten auf die­ser Web–Site han­delt es sich NICHT um The­ra­pie­emp­feh­lun­gen oder gar um den Ver­such einer Dia­gno­se oder Behand­lung! Über­dies tei­le ich mit, dass ich kein Arzt oder Heil­prak­ti­ker bin. Falls irgend­ei­ne Stel­le wie eine The­ra­pie­emp­feh­lung klin­gen soll­te, habe ich mich unglück­lich aus­ge­drückt und distan­zie­re mich hier­mit aus­drück­lich davon. (…) Zusätz­lich müs­sen wir jede Haf­tung oder Garan­tie aus­schlie­ßen.

Nicolas Barro mit Adresse in Tansania (Screenshot Website)
Nico­las Bar­ro mit Adres­se in Tan­sa­nia (Screen­shot Website)

Bleibt bloß noch die Fra­ge offen, was sich die Gemein­de Zell an der Pram als Eigen­tü­mer bzw. das Land Ober­ös­ter­reich als Päch­ter gedacht den­ken, wenn sie einer der­ar­ti­gen Ver­an­stal­tung die Türen öffnen.

Weimar/D: Freund der GNM und von Anastasia nach Ausladungen wieder dabei

Die anti­se­mi­ti­sche Ger­ma­ni­sche Neue Medi­zin (GNM) spielt auch in den Vor­trä­gen des Öster­rei­chers Ricar­do Lep­pe eine bedeu­ten­de Rol­le. Aber so rich­tig kommt der Trick­künst­ler aus Glogg­nitz in Fahrt, wenn es um Ana­sta­sia und das vedi­sche Rech­nen geht. Wenn man ihn lässt. In Zürich ließ man ihn nicht, und jetzt, beim ohne­hin auch schon unab­hän­gig von Lep­pe frag­wür­di­gem Elfen­fes­ti­val auf Schloss Blu­men­thal (Aich­ach in Bay­ern), ist er schon wie­der aus­ge­la­den worden.

Aber am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de (23.bis 25.6.) dürf­te es wie­der geklappt haben für den Zau­ber­künst­ler. Mit sei­nem Bru­der Eli­as mach­te er schon im Vor­feld Wer­bung für das Som­mer­camp im Hotel Pfif­fel­burg nahe Wei­mar in Thü­rin­gen, wo neben Kin­der­yo­ga und scha­ma­ni­schen Tanz­ri­tua­len der Zau­ber­künst­ler Ricar­do über die „Schu­le der Zukunft“ refe­rie­ren durf­te. Sein Bru­der Eli­as war für das Ger­ma­nisch-Medi­zi­ni­sche zustän­dig „Gesund­heit schafft Frei­heit“. Andrea Röp­ke und Andre­as Speit berich­ten in der „taz” (22.6.23) über die­se Ver­an­stal­tung der „Quer­den­ker“ mit dem Brett vor dem Kopf.

Pilhar und Leppe im Gespräch, Dez. 2020 (Video gelöscht)
Hel­mut Pil­har und Ricar­do Lep­pe im Gespräch, Dez. 2020 (Video gelöscht)

Kleindiex-Klagenfurt: Strafanträge gegen sprengstoffhaltige Verschwörer

Über Fall 36 in der Chro­no­lo­gie der Waf­fen­fun­de haben wir Anfang März berich­tet. Schon damals ver­mu­te­ten nicht nur wir, dass die gewal­ti­ge Waf­fen- und Spreng­stoff­samm­lung, die in der klei­nen Ort­schaft Klein­diex (Gemein­de Ruden) zufäl­lig (!) ent­deckt wur­de, nicht das Werk von „Waf­fen­nar­ren“ ist, son­dern einen poli­ti­schen Hin­ter­grund hat. Im März wur­den drei Per­so­nen, ein 29-jäh­ri­ger Öster­rei­cher und zwei Bri­ten im Alter von 67 und 69 Jah­ren“ (meinbezirk.at, 2.3.23) fest­ge­nom­men, nach­dem bei einem Ret­tungs­ein­satz die Ret­tungs­kräf­te zunächst Tei­le der rie­si­gen Waf­fen- und Muni­ti­ons­samm­lung gese­hen und dann gemel­det haben. Gegen einen der Män­ner bestand schon damals ein auf­rech­tes Waf­fen­ver­bot. „Trio woll­te Arma­ged­don her­auf­be­schwö­ren“, titel­te die meinbezirk.at eini­ge Tage später.

Teil der bislang in Kleindiex/Ruden aufgefundenen Schusswaffen (© LPD Kärnten)
Teil der bis­lang in Kleindiex/Ruden auf­ge­fun­de­nen Schuss­waf­fen (© LPD Kärnten)

Der „Kurier“ (2.3.23) berich­te­te, dass der 29-Jäh­ri­ge aus Graz in den sozia­len Medi­en Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen ver­brei­tet habe. Mitt­ler­wei­le ist klar, dass es sich nicht um ein Trio, son­dern um ein Quar­tett han­delt. Neben dem Stei­rer (29) und den zwei Bri­ten (M 67, F 67) fin­det sich in dem Straf­an­trag der Staats­an­walt­schaft Kla­gen­furt eine wei­te­re Bri­tin (68). Vor­ge­wor­fen wird ihnen Vor­be­rei­tung eines Ver­bre­chens durch Spreng­mit­tel vor sowie Ver­ge­hen nach dem Waf­fen­ge­setz“ (kleinezeitung.at, 21.6.23).

Im Zuge der Ermitt­lun­gen hat die 67-Jäh­ri­ge die gesam­te Ver­ant­wor­tung auf sich genom­men und betont, dass die ande­ren drei Per­so­nen nichts mit den Waf­fen und den Spreng­mit­teln zu tun hat­ten. Alle vier haben bis­her Vor­wür­fe zurück­ge­wie­sen, sie hät­ten ein Ver­bre­chen vor­be­rei­tet. Der Straf­rah­men für die ange­klag­ten Taten beträgt zwi­schen sechs Mona­ten und fünf Jah­ren Frei­heits­stra­fe. (kleinezeitung.at)

Noch Anfang Juni (Kro­nen Zei­tung, 1.6.23) war die Staats­an­walt­schaft anschei­nend über­zeugt, dass sich die Ver­dachts­mo­men­te bezüg­lich eines geplan­ten Spreng­stoff­an­schlags nicht erhär­tet hät­ten – die damals nur drei Ver­däch­ti­gen wur­den aus der U‑Haft ent­las­sen. Jetzt erfolg­te mit der Ankla­ge eine Kehrt­wen­de. Das Quar­tett ist wei­ter auf frei­em Fuß.

Verwandte Beiträge