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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 9 Minuten

Das rechtsextreme Wochenblatt „Zur Zeit“ (Teil 2): So normal kann Extremes sein

„Zur Zeit“ ver­tritt auch abseits der ver­ein­zel­ten Ent­glei­sun­gen, die ein gewis­ses media­les Echo evo­zie­ren, durch­ge­hend Posi­tio­nen die ent­we­der rechts­extrem sind, oder zumin­dest an Rechts­extre­mis­mus anschluss­fä­hig sind. Dies lässt sich, mit Blick auf zen­tra­le Kri­te­ri­en unse­res Rechts­extre­mis­mus-Begriffs, anhand der aktu­ells­ten „Zur-Zeit“-Ausgaben aufzeigen.

14. Dez. 2018
"Zur Zeit" Ausgabe 45/18: Anti-ORF-Hetze "Aus dem Volk"
"Zur Zeit" Ausgabe 45/18: Anti-ORF-Hetze "Aus dem Volk"

Von der in Teil I die­ses Bei­trags bespro­chen „Distan­zie­rung“ ist ein Aspekt noch unbe­spro­chen geblie­ben: „Zur-Zeit“-Redakteur Toma­s­chitz ver­steigt sich zu der Behaup­tung, dass der Text von Rohon­c­zy „in keins­ter Wei­se der Blatt­li­nie“ ent­spre­che (man beach­te den Super­la­tiv!). Wir haben bereits auf­ge­zeigt, dass die Behaup­tun­gen, der Text sei ver­se­hent­lich rein­ge­rutscht und/oder der Text sei ledig­lich „Bru­tal-Sati­re“ gewe­sen, höf­lich for­mu­liert, nur wenig glaub­haft sind. Aber wie steht es um die zur Spra­che gebrach­te „Blatt­li­nie“? Oder prä­zi­ser: Wie ist „Zur Zeit“ abseits ver­ein­zel­ter media­ler Schlag­lich­ter und offen­sicht­lich faschis­to­ider Grenz­über­schrei­tun­gen zu bewer­ten? Wir haben uns zu die­sem Zweck die letz­ten drei Aus­ga­ben (alle von Novem­ber 2018) beson­ders genau ange­se­hen, um zu einer aktua­li­sier­ten Ein­schät­zung zu kom­men, inwie­weit „Zur Zeit“ als rechts­extrem ein­zu­stu­fen ist. Mit Blick auf die ana­ly­ti­schen Bestim­mungs­merk­ma­le des Rechts­extre­mis­mus eini­ge Bei­spie­le aus den Aus­ga­ben 45, 46 und 47/2018.

Autoritäre Rebellion und Antiliberalismus

In Nr. 47 schreibt Redak­teur Bern­hard Toma­s­chitz den Arti­kel zum „The­ma der Woche“ mit dem Titel „Das neue Euro­pa im Vor­marsch“ (S. 30–37). Dar­in bezieht er sich durch­ge­hend posi­tiv auf Orbán (den er mehr­fach zitiert) und Sal­vi­ni, bei­de als Ver­tre­ter des „neu­en Euro­pa“; er lobt expli­zit Orbáns „illi­be­ra­le Demo­kra­tie“ als „Gegen­ent­wurf zur west­li­chen Demo­kra­tie“ und wen­det sich gegen die „stän­di­ge Dämo­ni­sie­rung Russ­lands durch west­li­che Medien“.

Sündenbockmentalität & Verschwörungstheorien

Im sel­ben Arti­kel nennt Toma­s­chitz auch den Ver­schwö­rungs­theo­rien ver­brei­ten­den Öko­no­men Peter König. Auf die­sen bezug­neh­mend behaup­tet er, dass die EU ein „Kon­strukt [sei], das unmit­tel­bar nach dem Zwei­ten Welt­krieg von den USA aus­ge­dacht wur­de“. Behaup­tet wird eine geziel­te Schwä­chung Euro­pas durch eine „außer­eu­ro­päi­sche Macht“, die im Arti­kel mal kon­kret als USA benannt wird, mal als Glo­ba­li­sie­rung und mal als „Neue Welt­ord­nung“. Von der west­li­chen Demo­kra­tie behaup­tet Toma­s­chitz, dass in ihr „weni­ger das Volk bestimmt, son­dern viel­mehr die selbst­er­nann­te ‚Zivil­ge­sell­schaft’ und diver­se NGOs, die von frag­wür­di­gen Hin­ter­män­nern gesteu­ert wer­den“. Hier klingt bereits der (flie­ßen­de) Über­gang von Ver­schwö­rungs­theo­rie zu (codier­tem) Anti­se­mi­tis­mus an – sie­he wei­ter unten. 

Auch in Nr. 46 bleibt Toma­s­chitz dem ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Gerau­ne treu: Dies­mal geht es um den UNO-Migra­ti­ons­pakt (wie­der­um „The­ma der Woche“, S. 28–36), und an einer Stel­le schreibt er dies­be­züg­lich von „Bestre­bun­gen von Ver­fech­tern der Neu­en Welt­ord­nung, Euro­pa mit Men­schen aus dem Ori­ent oder aus Afri­ka zu flu­ten“. Ein ande­rer Autor spricht in Zusam­men­hang mit dem UNO-Migra­ti­ons­pakt in einer kur­zen Replik (S. 36) von den „Pläne[n] einer Schat­ten­re­gie­rung“.  

In Nr. 47 (S. 17) plat­ziert außer­dem ein ledig­lich mit A.S. abge­kürz­ter Autor die para­no­ide Wahn­vor­stel­lung, dass es „ter­ror­ähn­li­che Maß­nah­men der stil­len Repres­si­on“ gegen Ver­tre­ter des natio­na­len Lagers gebe. Als Bei­spiel genannt wird etwa die Kün­di­gung des Pri­vat­kon­tos von Iden­ti­tä­ren-Chef Mar­tin Sellner.

Codierter Antisemitismus

„Zur Zeit“ hat, wie zahl­rei­che ande­re rechts­extre­me Medi­en und Akteu­re auch, den jüdi­schen Mil­li­ar­där Geor­ge Sor­os als per­so­ni­fi­zier­te Ziel­schei­be für anti­se­mi­ti­sche Res­sen­ti­ments gewählt. Die durch­ge­hen­de Dif­fa­mie­rung von Sor­os ent­spricht gleich­zei­tig einem ande­ren Bestim­mungs­merk­mal des Rechts­extre­mis­mus: näm­lich der Per­so­na­li­sie­rung und Mora­li­sie­rung des Poli­ti­schen. 

In Nr. 47 wird unmit­tel­bar nach dem Edi­to­ri­al in einem anony­men Kurz­bei­trag gegen die geplan­te Ansie­de­lung der Sor­os-Uni in Wien gepol­tert: Es hand­le sich um eine „glo­ba­lis­ti­sche Kader­schmie­de“, Öster­reich wer­de zum „Befehls­emp­fän­ger der Hoch­fi­nanz“. 

Und in Nr. 45, wie­der unmit­tel­bar nach dem Edi­to­ri­al, wird unter dem Titel „Sor­os ‚inves­tiert’ wie­der“ die Behaup­tung kol­por­tiert, Geor­ge Sor­os för­de­re „Mas­sen­mi­gra­ti­on“ und gleich­zei­tig nahe­ge­legt, dass sich die Agen­da von Sor­os mit jener vom UNO-Migra­ti­ons­pakt decke. Die­ser sei ein Bei­spiel dafür, wie „die Wün­sche glo­ba­lis­ti­scher Olig­ar­chen in die Agen­den von Schat­ten­re­gie­run­gen wach­sen.“ Der kur­ze, anony­me Text schließt damit, dass es ihnen (also Sor­os und den Draht­zie­hern des UN-Pakts) nicht um tem­po­rä­ren Schutz gehe, „son­dern um die Zucht wur­zel­lo­ser Individuen“.

Anti-Soros-Propaganda in „Zur Zeit“ Ausgabe 45/18: "Es geht um die Zucht wurzelloser Individuen"
Anti-Sor­os-Pro­pa­gan­da in „Zur Zeit“ Aus­ga­be 45/18

Eben­so in Nr. 45 (S. 19–21) geht wie­der­um Redak­teur Toma­s­chitz der „Fra­ge“ nach, ob nicht Geor­ge Sor­os hin­ter der soge­nann­ten „Migran­ten­ka­ra­wa­ne“ steckt. Der Arti­kel trägt den Titel „‚Sor­os-Express’ unter­wegs“ mit dem Unter­ti­tel: „Spu­ren füh­ren in den Dunst­kreis des Spe­ku­lan­ten Georg Sor­os“. Toma­s­chitz ver­weist in sei­ner hane­bü­che­nen Argu­men­ta­ti­on natür­lich nicht auf seriö­se Quel­len, son­dern aus­schließ­lich auf rech­te Fake-News-Akteu­re, wie etwa die ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Web­site „World­Net­Dai­ly“ oder das Rechts­au­ßen-Inter­net­ma­ga­zin „Ame­ri­can Thin­ker“.

Bernhard Tomaschitz in „Zur Zeit“ Ausgabe 45/18 "Migrantentkarawane" als "Soros-Express"
Bern­hard Toma­s­chitz in „Zur Zeit“ Aus­ga­be 45/18

Auf­fäl­lig ist auch die regel­mä­ßi­ge Erwäh­nung von bekann­ten anti­se­mi­ti­schen Pro­jek­ti­ons­flä­chen, obwohl dazu inhalt­lich gar kein plau­si­bler Zusam­men­hang besteht. So erwähnt etwa Toma­s­chitz zwei mal (Nr. 47, S. 35/Nr. 46, S. 59) wenn es um Macron geht, die­ser sei ein „ehe­ma­li­ger Roth­schild-Ban­ker“. Ähn­li­ches gilt auch für die stän­di­ge Bezug­nah­me auf Geor­ge Sor­os: Etwa wenn Toma­s­chitz (Nr. 47, S. 35) über den Vor­sit­zen­den der libe­ra­len Frak­ti­on des EU-Par­la­ments Guy Ver­hof­stadt schreibt und neben­bei erwähnt, die­ser sei ein „glü­hen­der Ver­eh­rer des Spe­ku­lan­ten Geor­ge Sor­os“. Sol­che Codes („Rothschild“/„Soros“) funk­tio­nie­ren, weil sie sich bereits im anti­se­mi­ti­schen Welt­bild der­ar­tig eta­bliert haben, dass wei­te­re Aus­füh­run­gen zu ihnen nicht nötig sind; was auch den ange­neh­men Effekt haben dürf­te, dass man sich nicht wei­ter angreif­bar machen muss, son­dern ohne heik­le Erläu­te­run­gen ein­fach nur den Namen hin­schrei­ben kann.    

(Kultureller) Rassismus

Unter dem Titel „Ver­ges­se­ne Brü­der“ wird in einem kur­zen, anony­men Bei­trag der Nr. 47 eine You­tube-Doku­men­ta­ti­on der Alt-Right-Akti­vis­tin Lau­ra Sou­thern gelobt. In dem Film geht es um angeb­li­chen Ras­sis­mus gegen Wei­ße in Süd­afri­ka. Die kur­ze Rezen­si­on ver­steigt sich zu der Lüge, Wei­ße wür­den einer „sys­te­ma­ti­schen Ver­nich­tung durch bru­ta­le Mor­de“ zum Opfer fal­len, es hand­le sich um einen „verschwiegene[n] Völ­ker­mord“.    

Eben­so in Nr. 47 (S. 10) ver­steigt sich der FPÖ-Lokal­po­li­ti­ker Fritz Sim­handl zur Behaup­tung, dass „Aus­län­der und Asyl­be­rech­tig­te“ die „Ver­ur­sa­cher der hohen Arbeits­lo­sig­keit“ seien.

Ins­ge­samt zieht sich das Geschimp­fe auf die angeb­li­che „Mas­sen­im­mi­gra­ti­on“ durch alle Aus­ga­ben. Dabei fehlt es auch an den bekann­ten Natur­ka­ta­stro­phen-Meta­phern nicht, wie etwa der „Mir­gan­ten­wel­le“. Ins­be­son­de­re in Nr. 46, in der es u.a. um den UNO-Migra­ti­ons­pakt geht, wird ein auf­fäl­lig dif­fa­mie­ren­des Voka­bu­lar ver­wen­det, die Rede ist von: „Asyl­in­dus­trie“, „Asyl­lob­by“, „Anti­dis­ki­mi­nie­rungs­wahn“, etc..

Antifeminismus & Volksgemeinschaftsideologie

In einem beson­ders bizar­ren Zitat ver­dich­ten sich gleich meh­re­re Momen­te rechts­extre­mer Gesin­nung, sodass die Zuord­nung unter eine der Über­schrif­ten tat­säch­lich schwie­rig ist – ein gewis­ser Max Ort­ner wird mit fol­gen­dem Satz zitiert: „20 000 jähr­lich nicht abge­trie­be­ne Kin­der hät­ten den ‚Fach­ar­bei­ter­man­gel’ (Öster­reichs) bes­ser beho­ben als hun­dert­tau­send aus dem Aus­land ein­ge­drun­ge­ne ‚Wis­sen­schaft­ler, Ärz­te, Inge­nieu­re usw.’“ 

Hier ver­bin­den sich die „klas­si­sche“ Anti-Aus­län­der-Het­ze, ein beson­ders geschmack­lo­ser Anti­fe­mi­nis­mus (Abtrei­bung wird als schäd­lich für die Nati­on bewer­tet) und die Bedie­nung der Volks­ge­mein­schafts­ideo­lo­gie. Letz­te­res inso­fern, als die abge­trie­be­nen Föten offen­bar ledig­lich qua ihrer „auto­chtho­nen“ Abstam­mung bes­ser befä­hig­te Fach­ar­bei­ter wären.

Bizarr ist, dass ein inhalt­lich bei­na­he iden­ti­sches Zitat bereits in der heu­ri­gen Aus­ga­be 40 abge­druckt war, dies­mal von einem Armin Fitz­ka, über den wir bereits 2016 berich­tet haben. Die inhalt­li­che Ver­bin­dung von Anti-Aus­län­der-Het­ze/An­ti­fe­mi­nis­mus/­Volks­ge­mein­schaft ist der „Zur-Zeit“-Redaktion also offen­sicht­lich ein Anlie­gen. Dass der eine von 20.000 jähr­li­chen Schwan­ger­schaft­ab­brü­chen spricht (was seit 1974 die Zahl 900.000 erge­ben wür­de), der ande­re, näm­lich Fitz­ka, gleich von 2,2 Mil­lio­nen seit 1974, zeigt die Will­kür­lich­keit der Argu­men­ta­ti­ons­grund­la­gen: Was zur inten­dier­ten Bot­schaft passt, wird gedruckt.

"Zur Zeit" 40/18 (links) und 47/18 (rechts)
„Zur Zeit” 40/18 (links) und 47/18 (rechts)

Antiegalitarismus: Hass auf Gewerkschaften

In Nr. 47 (S. 27–29) ver­gleicht ein Autor gewerk­schaft­li­che Druck­mit­tel bei Lohn­ver­hand­lun­gen mit Gewalt­de­lik­ten: „Wenn eine der in Ver­hand­lung ste­hen­den Par­tei­en die ande­re mit Dro­hun­gen für den Fall der Nicht­er­fül­lung ihrer For­de­run­gen über­zieht oder die­se sogar umsetzt, wird das im Nor­mal­fall als gefähr­li­che Dro­hung, Nöti­gung, Erpres­sung oder Sach­be­schä­di­gung sei­ne straf­recht­li­che Wür­di­gung erfah­ren.“ Für die Gewerk­schaft gel­ten hin­ge­gen „Aus­nah­me­re­geln“. Der Arti­kel schließt mit der chau­vi­nis­ti­schen Behaup­tung, Gewerk­schaf­ten sei­en für die Ver­hand­lun­gen von Löh­nen „über­flüs­sig“. In den zuge­hö­ri­gen Fotos von belie­bi­gen Demons­tra­tio­nen (jede kon­kre­te Anga­be fehlt) wer­den die abge­bil­de­ten Demons­trie­ren­den in der Unter­ti­telung ein­mal als „arbeits­scheu“ bezeich­net und ein­mal in die Nähe von „Links­extre­mis­ten“ gerückt.    

Nationalisierendes Geschichtsverständnis und Revisionismus

Im Edi­to­ri­al der Nr. 46 kri­ti­siert Her­aus­ge­ber Andre­as Möl­zer im Bezug auf den Staats­akt vom 12. Novem­ber in der Wie­ner Staats­oper (zum 100-jäh­ri­gen Jubi­lä­um der Repu­blik) das „offi­zi­el­le Geschichts­ver­ständ­nis“. Er schreibt: „So wich­tig und rich­tig es war, Holo­caust-Über­le­ben­de […] ein­zu­la­den, so stellt sich den­noch die Fra­ge, war­um nicht aller Opfer gedacht wird.“ So auch der „etwa 260 000 Öster­rei­cher, die als Sol­da­ten der Wehr­macht gefal­len sind“. 

Im sel­ben Fahr­was­ser kri­ti­siert Mit­her­aus­ge­ber Wal­ter Sele­dec am Bei­spiel des Sol­da­ten Wal­ter Nowot­ny, der „der erfolg­reichs­te Öster­rei­cher als Jagd­flie­ger in der Wehr­macht“ gewe­sen sei, wie mit dem Geden­ken an Wehr­macht­sol­da­ten umge­gan­gen wird. Dabei bezeich­net er es als „neu­es bös­ar­ti­ges Phä­no­men“, dass man damit begin­ne „vie­le Uni­form­trä­ger der ehe­ma­li­gen Deut­schen Wehr­macht (die natür­lich Öster­rei­cher waren) als Faschis­ten, Kriegs­ver­bre­cher und Vater­lands­ver­rä­ter zu brand­mar­ken.“ Das Skan­da­lö­se dar­an ist, dass es zumin­dest latent impli­ziert, nicht vie­le Wehr­machts­sol­da­ten sei­en Faschis­ten und Kriegs­ver­bre­cher gewe­sen.  

In Nr. 45 empört sich Josef Pas­tei­ner über „skan­da­lö­se lin­ke Spiel­chen des ORF“, weil die­ser in sei­nen Doku­men­ta­tio­nen zur öster­rei­chi­schen Geschich­te die Errun­gen­schaf­ten der „Reprä­sen­tan­ten des frei­heit­li­chen Lagers“ nicht aus­rei­chend wür­digt. Der Autor ist Lan­des­ob­mann des Frei­heit­li­chen Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Leh­rer­ver­eins. Um gegen den ORF noch etwas drauf­zu­set­zen, lässt man unter dem Titel „Dra­mo­lett – Aus dem Volk” Bau­ar­bei­ter in ihrer Arbeits­pau­se über den ORF, bei dem „auf­ge­räumt“ gehö­re, sin­nie­ren. Ins Visier der Auf­räum­phan­ta­sien gera­ten neben Armin Wolf auch die Mode­ra­to­rin­nen der bei Bau­ar­bei­tern sicher­lich hoch­be­lieb­ten Sen­dun­gen „Pres­se­stun­de“ und „Hohes Haus“ Patri­cia Pawli­cki und von „Im Zen­trum” Clau­dia Reiterer.

"Zur Zeit" Ausgabe 45/18: Anti-ORF-Hetze "Aus dem Volk"
„Zur Zeit” Aus­ga­be 45/18: Anti-ORF-Het­ze „Aus dem Volk”

Damit sind ledig­lich eini­ge Bei­spie­le benannt, die im Sin­ne der in Öster­reich aner­kann­ten Defi­ni­ti­on von Rechts­extre­mis­mus rele­vant sind. Nichts davon ist so schlimm wie die in Teil I bespro­che­nen Ent­glei­sun­gen, aber alles davon ist anschluss­fä­hig an eben die­se. Zur Erin­ne­rung: Alles oben zitier­te stammt aus ledig­lich drei Ausgaben!

Die offensichtliche Nähe zur FPÖ

Auch das Nahe­ver­hält­nis zur FPÖ wird in die­sen drei Aus­ga­ben evi­dent, nicht nur auf­grund der bei­den Inse­ra­te des FPÖ-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums (sie­he Teil 1), son­dern weil meh­re­re hohe FPÖ-Funk­tio­nä­re – stets im Rah­men des „The­ma der Woche“ – inter­viewt wer­den. In Nr. 46 gibt es ein Inter­view mit Vize­kanz­ler Stra­che (S. 31–32), sowie eines mit dem über sei­nen Anti­se­mi­tis­mus gestrau­chel­ten ehe­ma­li­gen Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Johan­nes Hüb­ner (S. 28). In Nr. 47 ist ein Inter­view mit FPÖ-EU-Dele­ga­ti­ons­lei­ter Harald Vilims­ky (S. 33–34) abge­druckt, in dem er meint Orbán hät­te „als einer der Ret­ter Euro­pas zu gel­ten“.   

Das inhalt­li­che, per­so­nel­le und pro­pa­gan­dis­ti­sche Nahe­ver­hält­nis von „Zur Zeit“ zur Regie­rungs­par­tei FPÖ ist und bleibt skan­da­lös. Dies umso mehr vor dem Hin­ter­grund, dass die faschis­to­iden Ent­glei­sun­gen sich nicht prin­zi­pi­ell von der Blatt­li­nie unter­schei­den, son­dern höchs­tens ein gra­du­el­ler inhalt­li­cher Unter­schied aus­ge­macht wer­den kann.

 

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