Die Identitären, die Gewalt und der Oberleutnant Franco

Lesezeit: 3 Minuten

Im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt für das Jahr 2015 und in einer par­la­men­ta­ri­schen Anfra­ge­be­ant­wor­tung 2016 erzähl­ten Innen­mi­nis­ter und Ver­fas­sungs­schutz noch das Mär­chen von den gewalt­lo­sen Iden­ti­tä­ren. Die Ver­haf­tung von drei Iden­ti­tä­ren im fran­zö­si­schen Lil­le wegen Mord­ver­dacht schafft da neue Fak­ten. Außer­dem wäre da noch der Ver­dacht, dass Mit­glie­der der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung Kon­takt zu Fran­co A. und sei­nem Netz­werk haben sollen.

Man kann sich dem Ver­hält­nis der Iden­ti­tä­ren zur Gewalt theo­re­tisch, über ihre ideo­lo­gi­schen Ver­satz­stü­cke, nähern oder über ihre in der Pra­xis aus­ge­üb­te Gewalt. Man kann das auch am Bei­spiel der iden­ti­tä­ren Aus­la­gen­fi­gur Mar­tin Sell­ner abar­bei­ten. 2016 jubelt er, dass er sich „gott­sei­dank“ noch vor sei­nem „Asyl­wahn“ eine gute Waf­fe erstan­den hat, 2017 schießt er bereits mit einer Pfef­fer­spray­pis­to­le um sich.

Oder man nimmt die jüngs­ten Ereig­nis­se: In Lil­le wur­den in der Vor­wo­che drei Iden­ti­tä­re in Unter­su­chungs­haft genom­men, weil sie im drin­gen­den Ver­dacht ste­hen, den Gitar­ris­ten der Punk­band Ash­to­nes ver­prü­gelt „und dann ster­bend ins Was­ser gewor­fen“ zu haben. Wie der Blog „Stö­rungs­mel­der“ berich­tet, haben die Ver­däch­ti­gen „die Tat offen­sicht­lich gut geplant und bei­spiels­wei­se die Sim-Kar­ten ihrer Tele­fo­ne her­aus­ge­nom­men, damit die Poli­zei kein Bewe­gungs­pro­fil des Abends erstel­len konn­te“.

Die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung“ (FAZ) berich­tet aktu­ell davon, dass der „Mili­tä­ri­sche Abschirm­dienst” (MAD) der BRD gegen vier Stu­den­ten der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr in Mün­chen ermit­telt, die mit dem Ober­leut­nant Fran­co A. und – da wird’s inter­es­sant — mit den Iden­ti­tä­ren und der Münch­ner Deut­schen Bur­schen­schaft „Danu­bia“ in Ver­bin­dung gestan­den haben sollen.

Die „Danu­bia Mün­chen“ bil­det mit der Wie­ner Bur­schen­schaft „Teu­to­nia“ und den „Rac­zeks zu Bonn“ das „Ost­deut­sche Kar­tell”, sprich: so etwas wie den äußers­ten rech­ten Rand inner­halb der Deut­schen Bur­schen­schaft. Bei die­ser Gele­gen­heit sei daher erwähnt, dass die „Danu­bia Mün­chen“ bes­te Bezie­hun­gen nach Öster­reich und auch zu hei­mi­schen Iden­ti­tä­ren pflegt. Der MAD hat offen­sicht­lich einen begrün­de­ten Ver­dacht, dass der brau­ne Ober­leut­nant mit Iden­ti­tä­ren bzw. Danu­bia-Bur­schen­schaf­tern in Mün­chen in engem Kon­takt stand. Ver­mut­lich nicht nur, um den Sinn des Lebens zu erörtern.

Der Offiziersball fand am Abend des 20.1.2017 in der Wiener Hofburg statt. In den Gebüschen vor der Hofburg will der Bundeswehr-Offizier die Waffe gefunden haben. - Bildquelle: Wikipedia, frei unter CC 3.0.

Der Offi­ziers­ball fand am Abend des 20.1.2017 in der Wie­ner Hof­burg statt. In den Gebü­schen vor der Hof­burg will der Bun­des­wehr-Offi­zier die Waf­fe gefun­den haben. — Bild­quel­le: Wiki­pe­dia, frei unter CC 3.0.

Ober­leut­nant Fran­co A. hat am 20. Jän­ner 2017 den Offi­ziers­ball in Wien mit einem Kame­ra­den, der Reser­vist der Bun­des­wehr ist und in Wien lebt, besucht. Danach will er eine Pis­to­le im Busch gefun­den und sie am Flug­ha­fen ver­steckt haben. Aus­ge­rech­net am 3. Febru­ar, dem Tag des Bur­schen­schaf­ter- bzw. neu­er­dings FPÖ-Aka­de­mi­ker­balls, wur­de er in Wien-Schwe­chat beim Ver­such, die Pis­to­le aus­zu­lö­sen, fest­ge­nom­men. Der Bur­schen­schaf­ter- bzw. FPÖ-Aka­de­mi­ker­ball wird übri­gens ger­ne von Iden­ti­tä­ren, die ja zumeist Bur­schen­schaf­ter sind, besucht. Nach dem Bur­schi­ball 2017 schoss bekannt­lich der Mar­tin Sell­ner mit einer Pfef­fer­spray­pis­to­le um sich, wor­auf die Pis­to­le beschlag­nahmt und ein vor­läu­fi­ges Waf­fen­ver­bot aus­ge­spro­chen wur­de. Die Pis­to­le des Ober­leut­nants war schon Stun­den vor­her von der Poli­zei beschlag­nahmt worden.

Film­tipp: „Auf­stieg der Rech­ten – Die Iden­ti­tä­re Bewegung“