Die Identitären, die Gewalt und der Oberleutnant Franco

Im Ver­fas­sungss­chutzbericht für das Jahr 2015 und in ein­er par­la­men­tarischen Anfrage­beant­wor­tung 2016 erzählten Innen­min­is­ter und Ver­fas­sungss­chutz noch das Märchen von den gewalt­losen Iden­titären. Die Ver­haf­tung von drei Iden­titären im franzö­sis­chen Lille wegen Mord­ver­dacht schafft da neue Fak­ten. Außer­dem wäre da noch der Ver­dacht, dass Mit­glieder der Iden­titären Bewe­gung Kon­takt zu Fran­co A. und seinem Net­zw­erk haben sollen.

Man kann sich dem Ver­hält­nis der Iden­titären zur Gewalt the­o­retisch, über ihre ide­ol­o­gis­chen Ver­satzstücke, näh­ern oder über ihre in der Prax­is aus­geübte Gewalt. Man kann das auch am Beispiel der iden­titären Aus­la­gen­fig­ur Mar­tin Sell­ner abar­beit­en. 2016 jubelt er, dass er sich „gott­sei­dank“ noch vor seinem „Asyl­wahn“ eine gute Waffe erstanden hat, 2017 schießt er bere­its mit ein­er Pfef­fer­sprayp­is­tole um sich.

Oder man nimmt die jüng­sten Ereignisse: In Lille wur­den in der Vor­woche drei Iden­titäre in Unter­suchung­shaft genom­men, weil sie im drin­gen­den Ver­dacht ste­hen, den Gitar­ris­ten der Punkband Ash­tones ver­prügelt „und dann ster­bend ins Wass­er gewor­fen“ zu haben. Wie der Blog „Störungsmelder“ berichtet, haben die Verdächti­gen „die Tat offen­sichtlich gut geplant und beispiel­sweise die Sim-Karten ihrer Tele­fone her­ausgenom­men, damit die Polizei kein Bewe­gung­spro­fil des Abends erstellen kon­nte“.

Die „Frank­furter All­ge­meine Zeitung“ (FAZ) berichtet aktuell davon, dass der „Mil­itärische Abschir­m­di­enst” (MAD) der BRD gegen vier Stu­den­ten der Uni­ver­sität der Bun­deswehr in München ermit­telt, die mit dem Ober­leut­nant Fran­co A. und – da wird’s inter­es­sant — mit den Iden­titären und der Münch­n­er Deutschen Burschen­schaft „Danu­bia“ in Verbindung ges­tanden haben sollen.

Die „Danu­bia München“ bildet mit der Wiener Burschen­schaft „Teu­to­nia“ und den „Raczeks zu Bonn“ das „Ost­deutsche Kartell”, sprich: so etwas wie den äußer­sten recht­en Rand inner­halb der Deutschen Burschen­schaft. Bei dieser Gele­gen­heit sei daher erwäh­nt, dass die „Danu­bia München“ beste Beziehun­gen nach Öster­re­ich und auch zu heimis­chen Iden­titären pflegt. Der MAD hat offen­sichtlich einen begrün­de­ten Ver­dacht, dass der braune Ober­leut­nant mit Iden­titären bzw. Danu­bia-Burschen­schaftern in München in engem Kon­takt stand. Ver­mut­lich nicht nur, um den Sinn des Lebens zu erörtern.

Der Offiziersball fand am Abend des 20.1.2017 in der Wiener Hofburg statt. In den Gebüschen vor der Hofburg will der Bundeswehr-Offizier die Waffe gefunden haben. - Bildquelle: Wikipedia, frei unter CC 3.0.

Der Offiziers­ball fand am Abend des 20.1.2017 in der Wiener Hof­burg statt. In den Gebüschen vor der Hof­burg will der Bun­deswehr-Offizier die Waffe gefun­den haben. — Bildquelle: Wikipedia, frei unter CC 3.0.

Ober­leut­nant Fran­co A. hat am 20. Jän­ner 2017 den Offiziers­ball in Wien mit einem Kam­er­aden, der Reservist der Bun­deswehr ist und in Wien lebt, besucht. Danach will er eine Pis­tole im Busch gefun­den und sie am Flughafen ver­steckt haben. Aus­gerech­net am 3. Feb­ru­ar, dem Tag des Burschen­schafter- bzw. neuerd­ings FPÖ-Akademiker­balls, wurde er in Wien-Schwechat beim Ver­such, die Pis­tole auszulösen, festgenom­men. Der Burschen­schafter- bzw. FPÖ-Akademiker­ball wird übri­gens gerne von Iden­titären, die ja zumeist Burschen­schafter sind, besucht. Nach dem Burschiball 2017 schoss bekan­ntlich der Mar­tin Sell­ner mit ein­er Pfef­fer­sprayp­is­tole um sich, worauf die Pis­tole beschlagnahmt und ein vor­läu­figes Waf­fen­ver­bot aus­ge­sprochen wurde. Die Pis­tole des Ober­leut­nants war schon Stun­den vorher von der Polizei beschlagnahmt worden.

Filmtipp: „Auf­stieg der Recht­en – Die Iden­titäre Bewegung“