Schottwien (NÖ): Ein Neonazi als Attentäter

Der mut­maßliche Atten­täter vom Sem­mer­ing, der afghanis­che Flüchtlinge und deren Betreuer in der Vor­woche am Bahn­hof Bre­it­en­stein (NÖ) mit Pfef­fer­spray attack­iert hat, kon­nte iden­ti­fiziert wer­den. Es han­delt sich bei ihm um einen erst im Jän­ner wegen Wieder­betä­ti­gung verurteil­ten Neon­azi. Bei Leon M., der als „Leon Recon­quista“ auf Face­book unter­wegs war, han­delt es sich um einen alten Bekan­nten von uns.

Im Fall der Pfef­fer­spray- Attacke ging es sehr schnell, berichtet der „Kuri­er“. Keine 48 Stun­den nach der Attacke auf die Flüchtlings­fam­i­lie wurde der Verdächtige festgenom­men. Zu sein­er Fes­t­nahme rück­te die Spezialein­heit „Cobra“ aus und stürmte am Sam­stagabend die Woh­nung von Leon M. in Schottwien.


© Repat, CC BY-SA 3.0
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„Bei der Haus­durch­suchung wurde zahlre­ich­es Beweis­ma­te­r­i­al aus der recht­en Szene sichergestellt. „Wir haben ihn auch als den Täter iden­ti­fiziert. Es beste­ht kein Zweifel”, erk­lärt Flüchtlings­be­treuer Nor­bert Mang, der bei dem Angriff eben­falls eine Dosis Reiz­gas abbekam“ (kurier.at) .

Im Bericht des „Kuri­er“ heißt es weiter:

„Leon M. ist vor etwa fünf Jahren von Däne­mark nach Öster­re­ich gezo­gen und Nazi-Jägern wie „RFJ-Watch” oder „Stoppt die Recht­en” bald wegen sein­er recht­sradikalen Inter­net-Post­ings und seines Blogs aufge­fall­en. Der Geschichte-Stu­dent wurde im Jän­ner wegen Wieder­betä­ti­gung und Ver­het­zung am Lan­des­gericht Wien bere­its zu ein­er zwei­jähri­gen Haft­strafe verurteilt (nicht recht­skräftig). Im kleinen Örtchen Schot­twien fiel er nur als merk­würdi­ger Eigen­brötler dadurch auf, dass er sehr viele „verdächtige Pakete” zum hiesi­gen Post­part­ner geliefert bekam“.


Blog von Leon M.: „Ein Ort für Neonazis”
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Ja, den Leon M., der sich zeitweise auf Face­book ein Pro­fil mit dem Namen „Leon Recon­quista“ zugelegt hat­te, ken­nen wir. Lud­wig Reinthaler, der „Braune von Wels“ und Wern­er Königshofer, der frühere FPÖ-Abge­ord­nete, waren mit ihm auf FB befreundet.


Reinthaler und Leon M.
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Sein FB-Pro­fil war voll mit alten Nazi-Motiv­en. Unter dem Namen „Ein Ort für Neon­azis“ betrieb Leon M. auch einen Blog. Die alten Blog-Ein­träge sind mit­tler­weile gelöscht, schließlich musste sich Leon M. nach ein­er Anzeige von Uwe Sail­er Anfang 2015 vor Gericht ver­ant­worten — wegen NS-Wieder­betä­ti­gung.


NS-Pro­pa­gan­da
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Zwei Jahre Haft, davon 6 Monate unbe­d­ingt, lautete der Urteilsspruch des Wiener Lan­des­gerichts. Da sowohl Staat­san­waltschaft als auch der Angeklagte Ein­spruch gegen das Urteil ein­legten, ist es nicht rechtskräftig.


NS-Pro­pa­gan­da
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Leon M. machte dort weit­er, wo er aufge­hört hat – vor den Ermit­tlun­gen, vor dem Urteil. Der Blog trägt jet­zt den Titel „Ein Ort für neue Wider­stand­skämpfer“ und in einem der Beiträge vom Sep­tem­ber, der für Leon M. „Schei­dling“ heißt, schreibt er:

„Bere­it­en wir uns auf eine Kon­fronta­tion vor, die eine neue Inten­sität erre­ichen wird“.

Leon M. ist ver­mut­lich ein Einzelkämpfer. Das macht die Bedro­hung, die von ihm aus­ge­ht, nicht geringer.

Berichte zu Leon M. alias Leon Reconquista

RFJ-Watch.
Stoppt­dierecht­en, 6.7. 13 und 18.12.13.
Zum Prozess: Kuri­er, 20.1.2015.
Dagens (DK).
Dagens Nyheter..