Feldkirch: Neonazi als Messerstecher

Im Jän­ner 2014 sticht eine junge Frau (20) in ein­er Bre­gen­z­er Woh­nung dreimal mit dem Mess­er auf einen 49-Jähri­gen ein. Sie habe ihm eine Abrei­bung geben und den Penis abschnei­den wollen, erk­lärt sie in der polizeilichen Ein­ver­nahme. Unter­stützt wurde sie von ihrem Bekan­nten (19), der auf den Ober­schenkel des Mannes eingestochen und ihn dabei schw­er ver­let­zt hat. Er war im Vor­jahr wegen NS-Wieder­beitä­ti­gung verurteilt worden.

Angeklagt waren die bei­den wegen schw­er­er Kör­per­ver­let­zung , aber vor dem Lan­des­gericht Feld­kirch stand nur der neun­zehn­jährige Zwei­tangeklagte. Die junge Frau war – aus ungek­lärten Grün­den – nicht zur Hauptver­hand­lung erschienen. Bei der Tat im Jän­ner 2014 war sie mit 2,8 Promille schw­er alko­holisiert gewe­sen. Sie habe ihr Opfer mit dem Mess­er kas­tri­eren wollen, weil er sie zu Unrecht als Pros­ti­tu­ierte beze­ich­net habe, hat­te sie bei der Polizei zu Pro­tokoll gegeben. Die Anklageschrift warf ihr und dem Zwei­tangeklagten vor, abwech­sel­nd auf den 49-Jähir­gen eingestochen zu haben.

Was genau sich damals im Jän­ner zwis­chen der jun­gen Frau und ihrem Opfer abge­spielt hat, wird in ein­er späteren Ver­hand­lung gek­lärt wer­den müssen. Fakt ist jeden­falls auch, dass die Angeklagte als Kind in einem Kinder­dorf Opfer eines schw­eren sex­uellen Miss­brauchs gewe­sen ist, für den der Täter 2007 zu sechs Jahren Gefäng­nis verurteilt wurde.

Der Zwei­tangeklagte war jeden­falls zur Ver­hand­lung erschienen, wofür er auch triftige Gründe hat­te. Im Juli des Vor­jahres war er näm­lich wegen NS-Wieder­betä­ti­gung zu ein­er Haft­strafe von zwölf Monat­en, davon vier unbe­d­ingt, verurteilt wor­den. Gemein­sam mit drei weit­eren Angeklagten war er mit Hit­ler­gruß und Naziliedern der übel­sten Sorte über den Dorn­birn­er Mark­t­platz zum Bahn­hof gezogen.

Die „Vorarl­berg­er Nachricht­en“ beschreiben ihn in der dama­li­gen Hauptver­hand­lung so:

„„Für mich ist Hitler ein Mes­sias, der Deutsch­land befre­it hat“, gab der 19-jährige bis­lang Unbescholtene bei der Polizei zu Pro­tokoll. Er erscheint in Springer­stiefeln, schwarz­er Kluft und einem Shirt mit ein­deutigem Auf­druck vor Gericht. Sein Kopf ist kahl geschoren. „Ich habe mich jet­zt total von der recht­en Szene dis­tanziert“, behauptet er vor den Geschworenen….
….Die Gerichtsver­hand­lung scheinen zumin­d­est zwei der vier ziem­lich lock­er zu nehmen. Der junge Mann in den Springer­stiefeln feixt, während er auf sein Urteil wartet, dass er vom Staat Geld für seine Aktio­nen zuge­sprochen bekommt. Ver­mut­lich ist er ent­täuscht, als er hören muss, wie er zu zwölf Monat­en, vier dazu unbe­d­ingt, verurteilt wird.“
(Vorarl­berg­er Nachricht­en, 4.7.2014)

Im Herb­st 2014 kam dann noch eine Haft­strafe von vier Monat­en wegen Ein­bruchs­dieb­stahls dazu. Jet­zt fasste der vorbe­strafte Zwei­tangeklagte noch ein­mal vier Monate Zusatzs­trafe wegen absichtlich schw­er­er Kör­per­ver­let­zung aus. Außer­dem muss er ein Schmerzens­geld von 1.700 Euro bezahlen und der Gebi­et­skrankenkasse 2.300 Euro für die Behand­lungskosten bezahlen.

(Quelle: Neue Vorarl­berg­er Tageszeitung 30.5.15)