Brauner Kongress: FPÖ nächstes Mal dabei?

In einem kann man Johann Gude­nus, dem stel­lvertre­tenden Parteiob­mann der FPÖ, dur­chaus Recht geben: Es gibt sehr viele Ein­ladun­gen und Kon­gresse, da kann man schon ein­mal irrtüm­lich zusagen. Vor allem, wenn man sich von den The­men so ange­zo­gen fühlt wie der Hund vom Knochen: Liebe zur Heimat – wau, Patri­o­tismus – wauwau! Dann hat Gude­nus seine Teil­nahme aber doch abge­sagt. Warum eigentlich? Und stimmt das überhaupt?

Mit­tler­weile ist er fast ein biss­chen eingeschnappt, der Johann Gude­nus. Auf Face­book schreibt er wieder ein­mal als Opfer: „Man sieht aber wie verzweifelt manche Jour­nal­is­ten ver­suchen, uns man­gels Angriffs­fläche irgend­wie anzu­patzen.“ Es war ja auch wirk­lich gemein, ihn so vorzuführen! Am Dien­stag, 10.3. befragt ihn die APA, ob er wirk­lich zu einem Kongress recht­sex­tremer Parteien nach St. Peters­burg fahren wolle. Da sagt er noch, „Ich hat­te nie vor, dor­thin zu fahren.“ Klare Antwort!

Dabei war die APA bei der Fragerei noch ganz schön milde mit Gude­nus! Erstens, weil sie ja wusste, dass er schon im Dezem­ber zuge­sagt hat­te und zweit­ens, weil das nicht ein Kongress recht­sex­tremer Parteien ist, son­dern ein­er von nazis­tis­chen und faschis­tis­chen Parteien. Das ist schon ein erhe­blich­er Unter­schied! Recht­sex­trem ist die FPÖ sel­ber – da braucht sie nicht Maß an anderen zu nehmen.

Gude­nus auf Face­book: „Angekündigt war ein wis­senschaftlich­er Diskurs über die Kern­the­men kon­ser­v­a­tiv­er Poli­tik wie Patri­o­tismus und die Liebe zur Heimat sowie die poli­tis­che Sit­u­a­tion in Europa und jene der Finanzmärk­te“.

Die Kon­ferenz des „Inter­na­tionalen Rus­sis­chen Kon­ser­v­a­tiv­en Forum“ am 22. März, von deren „wis­senschaftlichem Diskurs“ Gude­nus ursprünglich so begeis­tert war, dass er gle­ich wieder seine Zusage ver­gaß, hat auch schon einen län­geren Vor­lauf, wie der rus­sis­che Blog­ger Anton Shekhovtsov berichtet. Dem­nach hätte der Kongress schon im Vor­jahr stat­tfind­en sollen – mehrtägig und unter Beteili­gung so ziem­lich aller recht­sex­tremen Parteien und Strö­mungen. Schon lange vor der FPÖ abge­sagt haben aber die Schweiz­erische Volkspartei (SVP), der Iden­titäre Block und der Front Nation­al aus Frankre­ich und sog­ar Job­bik aus Ungarn.

Daran kann man erken­nen, wie lang die Leitung der FPÖ ist oder wie sehr Gude­nus von der Vorstel­lung verzückt war, die braunen Parteien wür­den sich zu einem „wis­senschaftlichen Diskurs“ über die Liebe zur Heimat tre­f­fen. Man kön­nte es auch anders for­mulieren: Für wie blöd hält Gude­nus eigentlich die Öffentlichkeit?

In St. Peters­burg vertreten ist aller Voraus­sicht nach die bul­gar­ische Ata­ka, die gegen TürkIn­nen, Roma und Juden und Jüdin­nen het­zt. Über zweit­ere schreibt sie: „Die Juden sind eine von der Pest verseuchte, gefährliche Rasse, die es ver­di­enen würde, von der Geburt an entwurzelt zu sein.“ – So viel zum „wis­senschaftlichen Diskurs“ der Braunen. Aber es kommt noch bess­er: Unter dem schö­nen Namen „Alliance for Peace and Free­dom“ (APF) hat sich ein neues inter­na­tionales braunes Bünd­nis zum Kongress ange­sagt. APF beste­ht aus fol­gen­den Parteien: Forza Nuo­va (Ital­ien), NPD (D), British Nation­al Par­ty (GB), Schwe­den­partei, Gold­ene Mor­gen­röte (Griechen­land), Democ­ra­cia Nacional (Spanien) usw. Noch irgendwelche Fra­gen offen über die Ori­en­tierung dieser Parteien und des Kongresses?


Forza Nuo­va und Rober­to Fiore

In St. Peters­burg wer­den von der APF jeden­falls vertreten sein: Nick Grif­fin (BNP), Udo Voigt (NPD), der Neo­faschist Rober­to Fiore (Forza Nuo­va) und zwei Vertreter der Gold­e­nen Mor­gen­röte, wenn sie nicht ger­ade in Haft sitzen oder vor Gericht ste­hen. Angesichts von so viel „Wis­senschaft“, gemis­cht mit braunem Patri­o­tismus, sind wir schon ges­pan­nt auf die Ergeb­nisse des Kon­gress­es. Die Ver­anstal­ter haben mit dieser Zusam­men­rot­tung von Braunen jeden­falls wenig Chance, ihrem offiziellen Ziel näher zu kom­men. „Wir brauchen Ver­bün­dete in Europa, auch in Verbindung mit dem Kon­flikt in der Ukraine, und hof­fen, dass im Europa­parla­ment vertretene Parteien die Abschaf­fung der antirus­sis­chen Sank­tio­nen erre­ichen wer­den“, wird der Organ­isator Juri Ljubomirs­ki von der rus­sis­chen Zeitung „Kom­m­er­sant“ zitiert.


Die APF Kam­er­aden Fiore, Grif­fin und Pühse beim wis­senschaftlichen Diskurs

Gude­nus braucht jeden­falls keinen Kongress, um diesen Wün­schen zu entsprechen. „Die von den USA gewün­scht­en und von der EU bein­hart durchgepeitscht­en Sank­tio­nen gegen Rus­s­land wirken sich zuse­hends auf die heimis­che Wirtschaft aus und gehören endlich aufge­hoben“, verkün­dete er am Dien­stag so ziem­lich zeit­gle­ich mit sein­er Erk­lärung, dass er nie vorhat­te, nach St. Peters­burg zu fahren. Dumm nur, dass dann ein Schreiben veröf­fentlicht wurde, in dem Gude­nus am 19. Dezem­ber 2014 seine Teil­nahme zuge­sagt hat­te. Daraufhin zunächst ein­mal Schweigen bei der FPÖ und Gude­nus. Dann die Erk­lärung: Die Teil­nahme am Kongress sei Ende Feb­ru­ar 2015 abge­sagt wor­den, nach­dem die Teill­nehmerliste bekan­nt gewor­den sei. Aha!

Eine Absage bedeutet natür­lich auch, dass es vorher eine Zusage gegeben haben muss. Gude­nus redet sich in seinem Face­book-Ein­trag in einen ordentlichen Strudel hinein: „Da ich jedoch schon vor 14 Tagen abge­sagt habe, gle­ich nach­dem ich die Teil­nehmerliste bekam, war alles Weit­ere für mich schlicht irrel­e­vant. Dass ich im Dezem­ber schon zuge­sagt habe, war für mich fol­glich eben­so unbe­deu­tend.“ Sor­ry, aber da stimmt die zeitliche Abfolge über­haupt nicht: „alles Weit­ere“ war vorher, daher nicht irrel­e­vant, son­dern schlicht und ein­fach nicht wahr, oder? Ganz abge­se­hen davon behaupten die Ver­anstal­ter, dass die Absage von Gude­nus erst am 9. März eingetrof­fen sei. Hat er da eine Brief­taube auf den Weg geschickt oder die Schneckenpost?

Oder ist das ganze Hin und Her von Gude­nus ohne­hin nur Kasperl­post, nach­dem die APA in ein­er neuen Aussendung vom 12. März den Inhalt des Mails beschreibt, die Gude­nus zu sein­er Absage an die Ver­anstal­ter geschrieben hat:

In dem nun der APA vor­liegen­den Email an den Ver­anstal­ter schreibt Gude­nus, er könne „unglück­licher­weise” nicht zum Kongress in St. Peters­burg kom­men, „weil wir eine wichtige Ver­anstal­tung in Vor­bere­itung unser­er Wahlkam­pagne vor­bere­it­en”. Das Email schließt mit den Worten: „Näch­stes Mal kom­men wir sich­er! (APA, 12.3.2015)