Linz: Der Kampf um das „Zigeunerschnitzel“

Im April 2013 wurde in Linz eine öffentliche Kun­stausstel­lung (Titel „Die Gedanken sind frei“ ) nach ominösen Anzeigen von der Polizei geräumt, die Exponate (Plakate) ver­nichtet. Die Ausstel­lung, die den Ras­sis­mus gegen Roma the­ma­tisierte, wird als „ras­sis­tisch“ beze­ich­net und gegen die Kün­st­lerin Mari­ka Schmiedt wegen Ver­het­zung ermit­telt. Jet­zt kommt die Ausstel­lung neuer­lich nach Linz –und wieder gibt es heftige Proteste von Rechts. 

Der Linz­er Polizei war ihre Vor­gangsweise im Früh­jahr zumin­d­est nachträglich pein­lich – sie entschuldigte sich informell bei der Kün­st­lerin. Die absurde Anzeige wegen Ver­het­zung gegen die Kün­st­lerin, die vom Lan­desamt für Ver­fas­sungss­chutz einge­bracht wurde und sich ange­blich auf die Anzeige eines Redak­teurs der „Oberöster­re­ichis­chen Nachricht­en“ und Anfra­gen von „aufge­bracht­en Bürg­ern“ bei dieser Zeitung stützte (siehe Anfrage­beant­wor­tung BMI) , wurde eingestellt.


Bilder der Ausstel­lung und der herun­terg­eris­se­nen Plakate auf stwst.at — Die Gedanken sind frei
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Eine kün­st­lerische Aktion, die den Ras­sis­mus an Roma klar verortet und ihn auch beschreibt, indem sie etwa das „Zige­uner­schnitzel“, die „Zige­uner­würs­tel“ oder das „Papri­ka-Gulasch nach Zige­uner-Art“ mit der pro­voka­tiv­en Frage verbindet „Warum wollen Sie uns essen?“, empört natür­lich diejeni­gen, die sich ange­sprochen fühlen sollen.

Daher ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass der Salzburg­er Ungarische Vere­in, der sich im Mai 2013 den stel­lvertre­tenden Vor­sitzen­den der neo­faschis­tis­chen Partei Job­bik als Gas­tred­ner ein­ge­laden hat­te, auch jet­zt wieder gegen die Ausstel­lung mobil­isiert. „Pusz­taranger“ legt auf seinem Blog den Muster­brief ein­er Pro­test­erk­lärung vor, die an den Linz­er Bürg­er­meis­ter gerichtet wer­den sollte.

In dieser Pro­test­erk­lärung wird die Ausstel­lung als „ungar­nschädlich“ beze­ich­net und die Wählbarkeit der SPÖ angezweifelt, was angesichts der poli­tis­chen Ori­en­tierung des Salzburg­er Vere­ins nicht ein­mal ein müder Scherz ist:

„Ich möchte Sie darauf aufmerk­sam machen, dass die Bilder der Ausstel­lung der Frau Schmiedt ab dem 7. Okto­ber im Foy­er des alten Rathaus­es für die Ungarn tief belei­di­gend sind.
Sie sind auch für die tra­di­tionelle öster­re­ich – ungarische Fre­und­schaft sehr schädlich. Ich appel­liere an Sie, als Men­sch mit gutem Gefühl, diese Pro­voka­tion der Ungarn nicht zuzulassen.
Diese Ihre Entschei­dung wird für alle Ungarn mit öster­re­ichis­chem Wahlrecht und deren Ange­hörige maßgebend sein, ob die SPÖ über­haupt wählbar ist. Aus diesem Grund ersuchen wir um ehest­mögliche Mitteilung.“

Auch der ungarische Botschafter in Öster­re­ich ist unter den Protestieren­den. Er geht aber noch einen Schritt weit­er als der Salzburg­er Vere­in. Wie „Pusz­taranger“ berichtet, beschuldigt der Botschafter die „sozial­is­tis­che Linz­er Stadtregierung“, die Kün­st­lerin wegen ihrer „poli­tisch-ide­ol­o­gis­chen Aus­rich­tung“ zu unter­stützen. Sprich: alles Sozis, eine rote Ver­schwörung! Er set­zt aber noch eins drauf, beze­ich­net die Ausstel­lung als ungarn- und romafeindlich und will das dadurch erken­nen, dass die Roma mit­tels Darstel­lung eines „Zige­uner­schnitzel“ –Sujets „ver­höh­nt“ wür­den. Die klas­sis­che Täter-Opfer-Umkehr, die den, der über die Opfer spricht, zum Schuldigen, zum Täter macht! Schlag nach bei Adorno!

Die Ausstel­lung läuft ab 7. Okto­ber 2013 im Foy­er des Rathaus­es von Linz.

Noch ein­mal der Link zum aus­führlichen Bericht von Pusz­taranger.

Und hier unsere Berichte dazu

Linz: Pein­liche Anzeige
Salzburg: Besuch von einem Neofaschisten
Die ungarische Rechte in Österreich
Linz (OÖ): Polizeilich unter­stützter Rassismus?