Die ungarische Rechte in Österreich

Bei schw­eren, von Recht­sex­tremen angezettel­ten Straßen­schlacht­en in Budapest im Jahr 2006 gab es bru­tale Über­griffe der Polizei – auch gegen Unbeteiligte. Neben Job­bik und der Bewe­gung der 64 Burgkomi­tate war auch Lelkiismeret88 (Gewis­sen 88) beteiligt. Der Vor­sitzende des Salzburg­er ungarischen Vere­ins hat offen­sichtlich beste Kon­tak­te zu ungarischen Recht­sex­tremen.

Im Juni 2007 kündigt Peter Karsay, Vor­sitzen­der des Salzburg­er ungarischen Vere­ins, eine Demon­stra­tion in Wien „gegen die Regierung des Min­is­ter­präsi­den­ten Gyurcsány und dessen Willkür“ an. In der Presseaussendung ver­weist er auf die Webadresse von Lelkiismeret88.

2013 lädt der Salzburg­er ungarische Vere­in den Vizechef von Job­bik, Tamas Snei­der, als Red­ner ein. 2008 führte Karsay eine EU-Peti­tion, die sich gegen die Beneš-Dekrete und für eine Entschädi­gung der aus der Slowakei ver­triebe­nen Ungarn ausspricht, als Erstun­terze­ich­n­er an. Inter­es­sant sind einige andere Namen der Unterze­ich­n­erliste, aber auch die Beze­ich­nung „for­radal­mar“, die Karsay seinem Namen hinzuge­fügt hat. „For­radal­mar“ bedeutet Rev­o­lu­tionär, Rebell.

Karsay – ein rechter Revolutionär?

2006, in der Phase heftiger Auseinan­der­set­zun­gen zwis­chen der sozialdemokratis­chen Regierung Gyurcsány ein­er­seits, der kon­ser­v­a­tiv­en Oppo­si­tion mit Fidesz und recht­sex­tremen Grup­pen ander­er­seits, sprach der ungarische Kan­zler­amtsmin­is­ter Györ­gy Szil­vasy in ein­er Sitzung des Par­la­mentsauss­chuss­es für Sicher­heit und Men­schen­rechte davon, dass recht­sex­treme Grup­pierun­gen ein bre­ites Netz ges­pan­nt hätten:

Dieses „Netz” habe Kon­tak­te zur großen oppo­si­tionellen recht­skon­ser­v­a­tiv­en Partei Fidesz (Ungarisch­er Bürg­erver­band) sowie bekan­nten Organ­i­sa­tio­nen wie dem „Weltver­band der Ungarn” (MVSZ) und dem „Ungarischen Bauern­ver­band” (MAGOSZ). Namentlich nan­nte Szil­vasy mehrere recht­sex­treme Parteien und Grup­pen; die bis 2002 im Par­la­ment vertretene „Wahrheits- und Lebenspartei” (MIEP), Job­bik (Für ein besseres Ungarn), „64 Varm­egye”, „Lelki­is­meret 88” (Gewis­sen) und das Inter­net­por­tal kuruc.info. Unter den recht­sex­tremen Demon­stran­ten waren Pressemel­dun­gen zufolge auch Mit­glieder der recht­sex­tremen Organ­i­sa­tio­nen „Hon­foglalas 2000” (Land­nahme) und „Mag­yar Nemzeti Arcvon­al” (Ungarische Nationale Front).

Heute lässt sich jeden­falls fest­stellen, dass die damals behaupteten Kon­tak­te offen­sichtlich gegeben waren und auch jet­zt noch funktionieren.

Lelkiismeret88 (über­set­zt Hoff­nung 88) ist ein­deutig recht­sex­trem. Ob das Zif­fernkürzel 88 auch für den acht­en Buch­staben im Alpha­bet ste­ht oder nur den Grün­dungsmythos, die Zer­störung ungarisch­er Dör­fer durch Rumäniens Dik­ta­tor Ceauces­cu, beschreiben soll, ist eigentlich schon fast egal, denn Lelkiismeret88 ist jeden­falls eine mil­i­tante recht­sex­treme Organ­i­sa­tion. Laut dem renom­mierten Athena-Insti­tut ist ihr Anti­semitismus dominierend. Ein Aktivist der Gruppe nahm an der Holo­caust-Leugn­er-Kon­ferenz in Teheran im Jahr 2006 teil. 2008 kam die Gruppe zulet­zt in die Schlagzeilen, als der Judo-Lan­desmeis­ter Kriszt­ian Töl­gye­si mit mehreren selb­st­ge­baut­en Bomben in seinem Auto erwis­cht wurde.

Die von Karsay 2007 unter Ver­weis auf Lelkiismeret88 angekündigte Demon­stra­tion ist nicht seine einzige öffentliche Aktiv­ität. Die EU-Peti­tion, die er 2008 als Erstun­terze­ich­n­er mit „For­radal­mar“ sig­nierte, ist eine eigene Betra­ch­tung wert. Mitver­fasst wurde sie von Ali­da Hahn-Sei­dl vom Hun­nia Fre­un­deskreis Stuttgart, der 2007 schon als Ver­anstal­ter der Demo in Wien genan­nt wurde. Ali­da Hahn-Sei­dl und ihr hun­nis­ch­er Kreis haben erst vor weni­gen Tagen den Fäkal-Anti­semiten Zsolt Bay­er nach Stuttgart zu ein­er „lit­er­arischen Ver­anstal­tung“ ein­ge­laden. „Pusz­taranger“ berichtet über Hahn-Sei­dl und ihren Verein.

2011 wird Karsay als Ini­tia­tor ein­er ziem­lich tris­ten Demo gegen die „Feindlichkeit gegenüber Ungarn“ in Wien genan­nt: Nur 6 Per­so­n­en beteiligten sich daran. Aber der rechte Rev­o­lu­tionär gibt nicht auf: Im Mai 2013 ist Tamas Snei­der von Job­bik der Star-Red­ner bei einem Tre­f­fen des Salzburg­er ungarischen Vere­ins.