Germanen-Gschnas mit Ku-Klux-Klan

Wie feiern Burschenschafter? Mit viel Bier und alten Trinksprüchen. Was machen Burschenschafter, wenn sie besonders lustig sein wollen und ein Gschnas veranstalten? Sie kostümieren sich. Teilweise sehr eigenartig, gerne mit Waffen oder in Uniformen. Aber mit einer Wehrmachts- oder gar SS-Uniform, den Kutten des Ku-Klux-Klan und einem als orthodoxen Juden Maskierten?

Die Burschenschafter von der pennalen Verbindung Germania in Wien finden das offenbar besonders lustig. Sie haben auch kein Problem damit, das Foto mit dem Titel „Gschnasfest, 2. Februar 2008“ auf ihre Website zu stellen.

Als der verhaltensauffällige britische Prinz Harry auf einer Party im Jahr 2005 mit Nazi-Uniform und Hakenkreuzbinde auftauchte, gab es einen Sturm der Empörung. Ein ranghoher Militär erklärte: “Prinz Harry muss ein absoluter Idiot sein.“ Der Prinz entschuldigte sich schließlich.

Drei Jahre später dann das Germanen-Gschnas. Die Bildsprache ist so eindeutig, dass einem schlecht wird. Was könnte man da noch zur Erläuterung oder gar Verteidigung sagen? Dass die Burschis von der „Germania“ eben einen einschlägigen Humor haben?

Einschlägig sicher! 2009 luden sie sich den früheren Chef der wegen NS-Wiederbetätigung verbotenen Hochschulgruppe Aktion Neue Rechte (ANR), Bruno Haas, zu einem Vortrag über die „Hochschulpolitik in den 70er Jahren“. Ende der 70er Jahre tauchte die ANR in den „informellen Untergrund“ ab. Bei einem ihrer Proponenten, Georg Gasser, fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung eine Ku-Klux-Klan-Mitgliedsurkunde. Gassers SS-Kampfgemeinschaft Prinz Eugen, die im Jahr 2002 aufgeflogen ist, haben wir hier schon mehrfach beschrieben.


„Vertreter der studentischen Jugend“ (Screenshot)

Gasser war aber auch Mitglied jener Europaburschenschaft Tafelrunde zu Wien, die auch den Burschenschaften zu weit rechts war. Die „Tafelrunde zu Wien“ tauchte als Deutsche Burschenschaft Tafelrunde zu Wien mit einer Grußbotschaft, die durch Rudolf Vogel verlesen wurde, bei einem Treffen der neonazistischen Europäischen Aktion wieder auf. Als Gebietsleiter der „Europäischen Aktion“ firmiert Rudolf Vogel, der den Vortrag des Holocaust-Leugners Bernhard Schaub im Haus der Heimat organisiert hat.

Und so schließt sich der Kreis wieder: Die „Tafelrunde zu Wien“ war gemeinsam mit der pennalen Burschenschaft Germania Wien beim Sudetendeutschen Heimattag im September 2012 in Klosterneuburg mit einer Abordnung vertreten.

Die pennale Verbindung Germania ist Mitgliedsbund im Österreichischen Pennäler-Ring (ÖPR), der seit den schwarzblauen Regierungszeiten aus dem Topf Jugendförderung Mittel des Bundes erhält: in Summe seit 2000 sicher mehr als 300.000 Euro. Bisher wurden alle Anträge, dem ÖPR die Förderungen zu entziehen, abgeschmettert. Mit bestechender Logik argumentierte der damalige Sozialminister Haupt in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage, selbst Korporierter, dass der ÖPR keine verbotenen Tätigkeiten ausübe und daher Anspruch auf die Förderung habe:

„Der Österreichische Pennäler Ring (ÖPR) übt weder nach seinen Statuten, noch im täglichen Vereinsleben von der Vereinspolizei verbotene Tätigkeiten aus. Der ÖPR ist auch von der Vereinspolizei nicht untersagt worden. Somit wird er – wie auch jeder andere Verein, der die Voraussetzungen für die Gewährung einer Basisförderung gem. § 6 Bundes-Jugendförderungsgesetz (B-JFG) erfüllt – gefördert.“

Nach dem abstoßenden Foto der Germanen sollte das Ministerium seine Förderbedingungen rasch ändern!