Thor Steinar: Szenetypische Polizisten?

Es ist schon peinlich genug, dass der österreichische Verfassungsschutz in seinem Bericht 2011 als szenetypische Marken für das neue Nazi-Outfit noch immer Fred Perry und Lonsdale anführt und „die“ Kultmarke der Rechten, „Thor Steinar“, vergessen hat. Oder wurde sie gar nicht vergessen, sondern verschwiegen, weil vier österreichische Polizeibeamte unter den vermutlichen Bestellern von „Thor Steinar“ aufscheinen?

Im Verfassungsschutzbericht 2011 (für das Jahr 2010) findet sich neben der Kapitelbeschreibung „Primitiver Rechtsextremismus“ folgende Szene-Charakterisierung:

„Typische Skinheadoutfits früherer Zeiten (Glatze, Bomberjacke etc.) sind nur mehr vereinzelt oder in Ausnahmefällen – z.B. bei gemeinsamen Konzertbesuchen – anzutreffen. Die bereits in den letzten Jahren szenetypischen sportlichen Kleidungsmarken (LONSDALE, CONSDAPLE, PITBULL, FRED PERRY etc.) werden weiterhin bevorzugt getragen.“

Das ist nicht falsch, was die Marken Consdaple und Pitbull betrifft – es ist aber mittlerweile ziemlich daneben bei Fred Perry und Lonsdale. Die beiden Marken bemühen sich seit Jahren, ihren Ruf in der Neonazi-Szene loszuwerden. „Thor Steinar“ ist dagegen die „ungekrönte Lieblingsmarke der rechtsextremen Szene“ (Netz gegen Nazis). Daran hat bislang auch der Eigentümerwechsel zu einem arabischen Investor wenig geändert- trotz vereinzelter Boykottaufrufe von Neonazis.

„Thor Steinar“ scheint dem österreichischen Verfassungsschutz nicht bekannt, obwohl es auch einen Verkaufsladen gibt: in Braunau/Inn – ausgerechnet! Der zweite heimische Verkaufsladen in Schwaz wurde im Frühjahr geschlossen. Fast überall, wo ein „Thor Steinar“-Laden auftaucht, gibt es Widerstand dagegen: Räumungsklagen, wie in Braunau, Proteste von Anrainern in Schwaz („Schöner leben ohne Nazi-Läden“) und anderswo. Der Internet- Händler „Amazon“ hat Produkte von „Thor Steinar“ aus seinem Angebot entfernt – nach Protesten.

Der Verfassungsschutz des Landes Brandenburg beschäftigte sich in seinem Bericht 2007 ausführlich mit „Thor Steinar“ und schreibt dazu:

„Das in Zeesen (Dahme-Spreewald) ansässige Unternehmen Mediatex GmbH produziert die Bei Rechtsextremisten hoch im Kurs stehende Marke „Thor Steinar“. Das Sortiment der Firma Mediatex kann als Bedienung völkischer Symbolik in Farbgebung und Schrifttyp – etwa durch das Verwenden von Tarnfarben und – mustern oder gedruckten Schriftzügen in Runenschrift – verstanden werden. Auch gibt es Bekleidungsstücke mit militärischen Reminiszenzen. …. Das Tragen von „Thor Steinar“ dient als identitätsstiftendes Erkennungszeichen unter Rechtsextremisten…“.

In einer Pressemitteilung wird der Verfassungsschutz noch präziser:

„Dieses Spiel mit mehr oder weniger verhohlenen Andeutungen an der Grenze zur Strafbarkeit ist charakteristisch für das Sortiment der Firma. Rechtsextremisten fühlen sich davon angesprochen. Sie bezeichnen die Firma in Internet-Diskussionsforen als „zur Bewegung gehörig“. Die Bekleidung werde „nicht ohne Grund getragen. Im Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen wurde das ursprüngliche Thor-Steinar-Logo (Binderune: Kombination aus der Tiwaz und der Sowilo Rune) inzwischen aus dem Sortiment genommen. Denn einige Gerichte prüften eine Strafbarkeit wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die Rechtsprechung ist bislang noch nicht einheitlich. Unter Rechtsextremisten gelten jedoch auch die neuen Logos als identitätsstiftender Erkennungs-Code.“

Der Berliner Polizeipräsident stellte deshalb nach einem Vorfall, bei dem ein Zivilpolizist im Einsatz „Thor Steinar“ trug, für die Berliner Polizei klar: „..Ich dulde es nicht, wenn im Dienst oder in der Freizeit Sachen getragen werden, die in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, dass der Beamte dem Rechtsextremismus nahesteht.“

Im Innenministerium in Wien sieht man den Umstand, dass vier Polizisten über ihre dienstliche Mailadresse mit „Thor Steinar“ in Beziehung stehen, völlig anders: nicht jeder „Thor Steinar“-Kunde sei gleich ein Rechtsextremist, erklärte die Sprecherin des Innenministeriums der „Standard“-Webredaktion.

Na so ein Zufall! Gilt das auch dann noch, wenn der Polizist ein AUF-Personalvertreter ist? Wie hält es das Innenministerium generell mit Kontakten seiner Beamten zu rechtsextremen oder neonazistischen Organisationen und Versandhändlern? Ist es auch möglich, als Polizist etwa mit Blood & Honour zu kommunizieren: privat über die dienstliche Mailadresse? Fragen, die das Innenministerium demnächst wird beantworten müssen!

Teil III: Szenetypische FPÖ-Kontakte zu Thor Steinar?