Nazileaks (III): Die komplexen Kunden von Thor Steinar

Die Motive, Klam­ot­ten von Thor Steinar zu bestellen bzw. zu tra­gen, wur­den schon vom Ver­fas­sungss­chutz Bran­den­burg aus­führlich dargestellt. Einen gibt es allerd­ings, der will gar nicht bestellt, son­dern nur einen Newslet­ter erhal­ten haben: Math­ias Venier, Nach­fol­ger von Wern­er Königshofer für die FPÖ im Nation­al­rat. Mit­tler­weile wer­den die Öster­re­icherIn­nen unter den Thor Steinar-Fans immer mehr. An die 500 sind es schon.

Math­ias Venier, frischge­back­en­er FPÖ-Abge­ord­neter, hat sich nach dem ersten nicht ganz gelun­genen Erk­lärungsver­such auf die Angriff­s­tak­tik ver­legt: Da braucht man nicht mehr erk­lären, wie und warum man einen Newslet­ter erhält, den man gar nicht bestellt hat. „Ich bekomme aber ihren Newslet­ter, wie auch von anderen der­ar­ti­gen Anbi­etern”, erk­lärt er zunächst dem Stan­dard.

Wird er noch irgend­wann erk­lären, von welchen anderen „der­ar­ti­gen“ Anbi­etern er mit Newslet­tern über­schwemmt wird? Ver­mut­lich nicht, denn mit­tler­weile ist ihm einge­fall­en, dass die ganze Aktion „der Ver­such eines intol­er­an­ten und gegen Mei­n­ungs- und Gesin­nungs­frei­heit auftre­tenden link­sex­tremen Net­zw­erkes“ (OTS-Aussendung der FPÖ) ist. Der tat­säch­liche Skan­dal liegt für ihn im Dieb­stahl elek­tro­n­is­ch­er Dat­en und weil die Medi­en auch noch darüber bericht­en, beklagt er den „Ver­fall der Medi­en-Kul­tur“. Keck meint Venier: Das Geschäft ist nicht ver­boten, der Kauf sein­er Pro­duk­te auch nicht, also braucht sich nie­mand, der dort kauft, vor irgendwem zu rechtfertigen.“

Zur Krö­nung ein Satz, der von Kickl stam­men kön­nte: „Venier hält weit­er fest, dass es triv­ial und unser­iös sei, Schlüsse auf das umfassende Gesamtkon­strukt eines kom­plex­en Welt­bildes bzw. ein­er Gesin­nung auf­grund des Tra­gens ein­er bes­timmten Bek­lei­dungs­marke ziehen zu wollen.“ (FPÖ-OTS) Wow! Jet­zt ste­hen wir schön beläm­mert da mit unserem triv­ialen Ver­such, aus der Kom­bi­na­tion von Bestel­lvor­gang bei Thor Steinar und Mailadresse auf das kom­plexe Welt­bild der Bestel­lerIn­nen Rückschlüsse zu ziehen. Wenn die Mailadresse etwa wer­wolf, nationaler, saufju­gend, 88, 1488, 1888, frei­heitliche-jugend, gladiator18, sneiper-88 usw. enthält, dann ist noch lange nicht das kom­plexe Welt­bild der Bestel­lerIn­nen erschlossen, fol­gt man Venier!

Dabei hat er insoferne sog­ar Recht, als nicht jed­er Neon­azi eine Mailadresse mit Naz­i­codes ver­wen­det. Die Jungs vom Bund freier Jugend (BfJ ), Ste­fan M., Mar­tin M. und Mario R. verzicht­en auf Codes, nur Roman G. kann sich den Hin­weis „nationaler linz“ nicht verkneifen. Auch Karl­heinz B., ein beson­ders heftiger Neon­azi, ver­steckt sich hin­ter ein­er triv­ialen .com-Adresse! Ja, und die Frei­heitlichen unter den Bestellern von Klam­ot­ten oder Newslet­ter: Wer würde den Bezirk­sräten Hel­wig L. oder Her­wig G., dem Gemein­der­at Gün­ther B., der RFS-Kan­di­datin Sigrid G., der FPÖ- Ref­er­entin Ver­e­na R. ihr kom­plex­es Welt­bild absprechen wollen? Nur wegen eines Newslet­ter oder eines Leiberls? Selb­st ein­schlägig Verurteilte wie Har­ald K. oder frühere VAPO- Leute und Paint­ball- Part­ner von HC haben doch das Recht auf ein unschuldiges Runen­leiberl samt kom­plex­er Gesinnung!

Und was ist mit den vier Polizis­ten, die via Dien­st­mail bei Thor Steinar geordert haben? Her­bert Anderl, Gen­eraldirek­tor für die Öffentliche Sicher­heit, betont gegenüber der ZIB 24 am 5.1.2012, dass das Bestellen nicht ver­boten sei, meint dann aber: „Wir haben sehr inten­siv mit diesen Kol­legIn­nen gesprochen und ihnen das ver­an­schaulicht und auch die erforder­lichen dien­strechtlichen Maß­nah­men geset­zt“. Als der ORF-Redak­teur nach­fragt: Das wären?“, kommt die etwas ver­schwurbelte Präzisierung: „Äääh­hh … Sie kön­nen ver­sichert sein, dass es sehr nach­haltige Belehrun­gen gab. Mehr möchte ich nicht sagen, da die Namen dieser Kol­le­gen bekan­nt sind.“

Ob sich die dien­strechtlichen Maß­nah­men und Belehrun­gen auch auf pri­vat bestel­lende Polzis­ten beziehen bzw. auf Polizis­ten, die bei ein­deutig recht­sex­tremen Organ­i­sa­tio­nen unter­wegs sind, wer­den wir auch noch erfahren oder eben erfra­gen müssen.

Das näch­ste Mal etwas mehr über die Kun­den vom „Odin-Ver­sand“. Es kön­nte ja sein, dass auch dort noch Per­so­n­en mit kom­plex­em Welt­bild auftauchen …