Nazi-Leaks ist online, ein FP-Abgeordneter und die Polizei dabei!

Lesezeit: 3 Minuten

Schlicht ist sie, die neue Web­site „nazi-leaks.net”, die zum Jah­res­wech­sel ans Netz gegan­gen ist. Aber durch­aus nütz­lich! Neben eini­gen älte­ren Daten­sät­zen wie einer Spen­de­rIn­nen-Lis­te der NPD, Adres­sen von Blood & Honour usw. wer­den auch sehr aktu­el­le Hacks – wie der beim Odin-Ver­sand – gelis­tet. Unter des­sen Bestel­le­rIn­nen sind natür­lich auch etli­che Öster­rei­che­rIn­nen zu finden.

Der Odin-Ver­sand bie­tet so ziem­lich alles, was das Neo­na­zi-Herz begehrt und an Gesin­nung als Beklei­dung vor sich her­tra­gen möch­te. Die Kapu­zen­ja­cke „Son­nen­stu­dio 88“ etwa, bei der auf der Rück­sei­te neben einer Teil­an­sicht der „Schwar­zen Son­ne“ der Schrift­zug „Auch ohne Son­ne braun“ dem dümms­ten Jungna­zi klar­macht, worum’s geht. Vom natio­na­len Hosen­trä­ger bis zum Nazi-Feu­er­zeug haben dort auch an die 50 Öster­rei­che­rIn­nen ihre Nazi-Devo­tio­na­li­en bestellt, unter ihnen auch älte­re Semes­ter wie der unse­ren Lese­rIn­nen schon bekann­te Wolf­gang P. ali­as Son­nen­rit­ter. Wie fast immer sind die öster­rei­chi­schen Kame­ra­den die phan­ta­sie­volls­ten, wenn’s um ihre Mail-Accounts geht: „raptor88“ nennt sich Enri­co A., „Ostmark88“ Josef G., „skinhead88“ Kevin M. und „Sturm­sol­dat“ Phil­ipp R.. Auch alte Bekann­te, die schon beim „Aufruhr“-Versand bestellt haben und unein­sich­tig geblie­ben sind, was schlecht geschütz­te Kun­den­da­ten betrifft, kann man fin­den. Nein, nicht die ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter von Mar­tin Graf, son­dern z.B. Rene T., der sich mitt­ler­wei­le die mar­tia­li­sche Mail­adres­se „n.widerstand“ zuge­legt hat.

Apro­pos Bur­schen­schaf­ter: Man möch­te ja mei­nen, dass die mit ihren selt­sa­men Trach­ten schon genug Fasching übers Jahr haben, aber auch unter ihnen gibt es noch eini­ge, die sich zusätz­lich bei „Odin“ ein­klei­den. Der aus Salz­burg stam­men­de Maxi­mi­li­an R. etwa, der bei der „Deut­schen Bur­schen­schaft“ ein pro­mi­nen­tes Ämt­chen beklei­det. Was trägt er von „Odin“? Eine Boxer­short in schwarz mit Kranz und 88 in weiß? Oder hat er für sei­ne Freun­din eine „Gir­lie Unter­wä­sche mit Tri­bal und 88“ erwor­ben? Die sonst so sprach­sen­si­blen Kame­ra­den stört nicht ein­mal, dass der Odin-Ver­sand die deut­sche Spra­che stark ver­nach­läs­sigt und z.B. „Hate-Hate Men’s Wear“ anbietet.

Da ist auch „Thor Stei­nar“, des­sen Ware online und in Läden gekauft wer­den kann, nicht viel bes­ser. „Long­s­lee­ve“ wer­den dort die lang­är­me­li­gen Lei­berl benannt. Das ist aber nicht das ein­zi­ge Pro­blem von „Thor Stei­nar“. „Bei uns kannst Du sicher ein­kau­fen! Wir spei­chern kei­ne Daten online!“, heißt es auf der Home­page, dar­un­ter ein Pär­chen am Lager­feu­er vor Gebirgs­ku­lis­se. Naja, wir wollen’s gar nicht genau­er wis­sen, wie und war­um – jeden­falls fin­det sich unter den gut­gläu­bi­gen Bestel­lern von „Thor Stei­nar“ ein frisch­ge­ba­cke­ner Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter der FPÖ. In der Kun­den­lis­te taucht gleich zwei­mal Mathi­as Veni­er, der Nach­fol­ger von Wer­ner Königs­ho­fer, auf: mit der Mail­adres­se der Par­tei fp-zams. Die Bestell­lis­te stammt aus dem Jahr 2009, damals war Veni­er noch nicht im Natio­nal­rat, und ver­mut­lich hat er – so wie „snei­per-88“, sein Bestell­lis­ten­nach­bar – ein­fach nur Erwär­men­des aus nor­di­schen Lan­den gesucht. Ohne jeden ein­schlä­gi­gen Hintergedanken!

Und außer­dem – wenn’s die Poli­zei erlaubt? Unter den Bestel­lern bei „Thor Stei­nar“ sind näm­lich neben wei­te­ren FPÖ-Funk­tio­nä­ren auch eini­ge Mail­adres­sen der Poli­zei ange­ge­ben: polizei.gv.at! Qua­si amt­li­che Bestel­lun­gen? In Deutsch­land gibt es eine mas­si­ve Kam­pa­gne gegen „Thor Stei­nar“. Etli­che öffent­li­che Ein­rich­tun­gen wie z.B. der deut­sche Bun­des­tag oder auch Uni­ver­si­tä­ten haben das Tra­gen von Thor Stei­nar-Klei­dung durch Besu­che­rIn­nen und Ange­stell­te ver­bo­ten. In Öster­reich bestel­len ein­zel­ne Poli­zis­ten ihre rech­ten Thor Stei­nar-Lei­berln per Amts­mail und ein Jung­ab­ge­ord­ne­ter offen­sicht­lich über die FPÖ-Mailadresse.

➡️ Nazi-Leaks (II): Thor Stei­nar: Sze­ne­ty­pi­sche Polizisten?
➡️ Nazi-Leaks (III): Die kom­ple­xen Kun­den von Thor Steinar
➡️ Nazi-Leaks (IV): Die tri­via­len Kun­den von Odin