NVP: Übernahme durch Ministerialrat in Ruhe

Noch liegt Öster­re­ich in Schock­starre nach dieser Mel­dung. Nach­dem die Reck­en der Nationalen Volkspartei (NVP) für den 26.6.2011 ihren Bun­desparteitag angekündigt haben und schon im voraus grim­mig ver­sprachen, dass bei der Wahl des Bun­desvor­standes „kein Stein auf dem anderen“ bleiben werde, ist nun einge­treten, was nie­mand zu denken gewagt hat­te: Es gibt einen neuen Bun­desvor­stand der NVP!

Ganz vor­sichtig, Schritt für Schritt, wird das öster­re­ichis­che Volk an die neue Lage gewöh­nt. Am 26.6. und in den Tagen danach, in denen zunächst der Prozess gegen den Vor­sitzen­den der NVP, Chris­t­ian Hay­er wegen Wieder­betä­ti­gung ver­ar­beit­et wer­den musste, gab es kein­er­lei Infor­ma­tion über die Umwälzun­gen bei der NVP. So, als ob kein Bun­desparteitag stattge­fun­den hätte!

Auch Wochen danach gibt die NVP auf ihrer Home­page nichts preis. Dabei waren zuvor nicht nur die gewalti­gen Verän­derun­gen im Bun­desvor­stand angekündigt wor­den, son­dern dem öster­re­ichis­chen Volk auch ein neues Statut, ein neues Pro­gramm, kurz: eine erneuerte Partei ver­sprochen wor­den. Maria Him­melfahrt machte dem Ban­gen ein Ende. Die NVP präsen­tiert stolz auf ihrer Home­page den neuen Vor­stand. Die alte Vor­stands­seite, die wegen ihrer mehrjähri­gen Ankündi­gung von „Umstruk­turierungsar­beit­en“ schon fast Kult­sta­tus erzielt hat, muss dem Neuen weichen. Das Neue? Es sind die Alten, die den Bun­desvor­stand über­nom­men haben!


Links der alte Vor­stand — rechts der noch ältere Vorstand

Gün­ter Rehak (72) , der schon mehrere Parteien durchgekostet hat und zulet­zt als Chef der „Liste Wien“ mit seinem Mit­glied Gert Lagler man­gels Zus­pruch nicht zu den Gemein­der­atswahlen antreten kon­nte, fusion­ierte seine Mikro-Liste schon vor mehreren Monat­en mit der NVP. Der rüstige Rent­ner Rehak, der seine poli­tis­che Kar­riere vor vie­len Jahren bei SPÖ und VSStÖ begonnen hat, ist jet­zt der Vor­sitzende der NVP. Rehak ver­tritt die „nation­al­rev­o­lu­tionäre“ Ten­denz, mit der die NVP schon in der Ver­gan­gen­heit ein biss­chen herumge­spielt hat.

In den let­zten Monat­en durfte der nation­al­rev­o­lu­tionäre Beamten­pen­sionär schon mehrfach Reden vor einem größeren Pub­likum, als ihm die Liste Wien bzw. Gert Lagler bieten kon­nte, üben. Am 1. Mai vor hun­derten grölen­den Neon­azis in Brno / Brünn und im Juni vor schla­gen­den Burschis in München. Die NVP-Home­page berichtet über seine Antrittsrede als Vor­sitzen­der der NVP ganz angetan:

In ein­er pointierten und bril­lanten Rede skizzierte er nicht nur die Zukun­ft der Nationalen Volkspartei, son­dern ver­wun­derte die Zuhör­er ein weit­eres Mal, indem er anmerk­te „Engels und Marx hät­ten mit ihrer Analyse des Kap­i­tal­is­mus“ doch Recht, Uwe Scheuch sei doch ein Opfer der Jus­tiz (was wohl der eine oder andere Anwe­sende anders sah) und die NVP sei nun „die einzige Arbeiterpartei”.

Wom­it hat Rehak die sich­er zahlre­ichen Zuhör­er das erste Mal ver­wun­dert? Wir wer­den es früher oder später eben­so erfahren wie manch andere Ungereimtheit, die der neue Gen­er­alsekretär, Karl Horst Halb­wachs mit seinen berühmten Paar­reimen niederknüp­peln wird. Darf Halb­wachs auch das alte, von einem SS-Schu­lung­spro­gramm abgeschriebene Parteipro­gramm der NVP, das sein Vorgänger als Gen­er­alsekretär, Robert Fall­er ange­blich jet­zt „über­ar­beit­et“ hat, weit­er „ver­fein­ern“, so wie das die NVP-Home­page ankündigt? Eine sich­er her­aus­fordernde Auf­gabe für ihn!

Halb­wachs gibt seine bish­erige Funk­tion als „Bil­dungs­beauf­tragter“ an Chris­t­ian Hay­er, den bish­eri­gen Vor­sitzen­den weit­er. Hay­er, der zulet­zt als Lager­ar­beit­er in einem Sex-Shop gear­beit­et hat (NÖN, 4.7.2011) und daher bestens für die neue Auf­gabe qual­i­fiziert ist, hat nach eige­nen Angaben seinen Brotjob im Sex-Shop wegen seines Wieder­betä­ti­gungs-Prozess­es ver­loren (der Prozess wurde vertagt). Rehak, der von seinen Kam­er­aden ganz ehrfürchtig mit allen Titeln vorgestellt wird (Min­is­te­ri­al­rat in Ruhe, Dipl.Ing., Dop­pel­mag­is­ter), so wie sich das in ein­er rev­o­lu­tionären Arbeit­er­partei eben ziemt, hat Hay­er für die Funk­tion des Ehren­vor­sitzen­den vorgeschla­gen, und die Gen­er­alver­samm­lung hat mit großer Mehrheit zugestimmt.

Die Gen­er­alver­samm­lung? Sollte nicht ein Bun­desparteitag stat­tfind­en? Und was ist mit dem bish­eri­gen Gen­er­alsekretär Robert Fall­er, der ja bish­er so etwas wie den Allei­n­un­ter­hal­ter der NVP mimte? Das dürre Kom­mu­nique der NVP gibt keine näheren Auskün­fte darüber, warum Fall­er und mit ihm Ste­fan Schmal­nauer, der bish­er den Bun­deskassier gab und von Gert Lagler, dem Oblaten­bäck­er von der Wien­zeile abgelöst wurde.

Auf seinem Face­book-Kon­to geht Fall­er die Sache entspan­nt, wenn auch nicht ganz kor­rekt an: „Sehr guter Artikel von neuen (!) Vor­sitzen­den“, postet er am Mon­tag, 15.8., um eine halbe Stunde später nachzuset­zen: „Bin nun seit 24 Stun­den nicht mehr im Bun­desvor­stand der NVP!!!”


Fall­ers Abschied

Das Echo bleibt über­hör­bar. Matthias Faust (NPD) schme­ichelt ihm noch, während Bir­git B. schon dem Neuen zujubelt: „Gute Wahl”

Naja, wir wer­den sehen! Übri­gens: Wolf­gang Brloh und Gabi Hay­er wur­den als neue Rech­nung­sprüferIn bestellt.